Meine Damen und Herren, wie ist die Entwicklung in anderen Ländern? - Dieses Thema beschäftigt nicht nur uns hier, es ist bundes- und europaweit zunehmend in der Diskussion und hat in jüngster Zeit folgende Entwicklungen gebracht: deutliche Verbesserung der Abläufe bei der Bearbeitung von DNA-Proben beim Senckenberg-Institut, Ausdehnung der Wolfspopulation auch in Richtung Thüringen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, RheinlandPfalz, Baden-Württemberg und Bayern - überall dort schaut man mit Interesse auf die niedersächsischen Erfahrungen -,
Gründung der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes auch auf Initiative unserer Regierung, Wiederbelebung des Unterarbeitskreises Wolf bei der LANA.
Wie sehen die weiteren Schritte aus? - Ausbau der Zusammenarbeit auf nationaler Ebene, vor allen Dingen mit dem DBBW und den Bund-LänderArbeitsgruppen - hier setzen sich die Vertreter Niedersachsens vor allem für eine Vereinheitlichung der Standards bei der Prävention ein; für eine einheitliche Behandlung beim Ausgleich von Nutztierrissen wurde von Niedersachsen zwar angestrebt, so zu verfahren, aber das fand bislang keine Mehrheit; hier sperren sich vor allem Länder, die noch keine Wölfe haben -, Ausbau der internationalen Zusammenarbeit vor allem hinsichtlich des Austausches von Erfahrungen und Wissen, Durchführung einer Studie zu Habitatansprüchen und Populationsentwicklungen, Realisierung der „EselStudie“ - die Verträge mit den am Versuchsvorha
ben beteiligten drei Nutztierhaltern sollen in der kommenden Woche vor Ort unterschrieben werden -, verstärkte Nutztierhalterberatung zunächst mit Schwerpunkt in den Landkreisen Diepholz, Vechta und Oldenburg im Aktionsraum der Barnstorfer Wölfin, Fortsetzung der Gespräche mit den Nutztierhaltern.
Meine Damen und Herren, wie sieht der Ausblick aus? - Es ist davon auszugehen, dass die Besiedlung Deutschlands durch Wölfe weiter voranschreitet. Wie schnell das geht, vermag ich nicht zu beurteilen.
Die Tendenzen deuten darauf hin, dass künftig alle geeigneten Territorien wieder von Wölfen besiedelt sein werden. Dieser Gesamtanstieg der Population bringt aber keine Erhöhung der Wolfsdichte in den jeweiligen Territorien mit sich. Hier leisten allerdings die hohen Schalenwildbestände ihren Beitrag. In den deshalb sicher zu erwartenden neuen Wolfssiedlungsgebieten werden die Nutztierrisse vermutlich zunächst zunehmen. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass Nutztierhalter in der Regel erst reagieren, wenn die Gefährdung konkreter wird. Langfristig erwarte ich aber, dass die Nutztierrisse in den etablierten Wolfsregionen abnehmen werden, weil dort die Prävention nach und nach immer besser greift und die Nutztierhalter lernen, mit der Situation umzugehen. Die Nutztierrisse ganz zu vermeiden, ist allerdings nicht zu erwarten; denn nicht jede Weide kann komplett geschützt werden. Die Erfahrungen in den Ländern, in denen der Wolf schon früher zurückgekehrt ist, zeigen, dass ein Zusammenleben funktioniert. Das gibt mir die Sicherheit, dass das auch in Niedersachsen möglich ist.
Wir sind jedenfalls entschlossen, die notwendigen Maßnahmen auch in Zukunft zu treffen. So wurden u. a. auf Initiative Niedersachsens im vergangenen Jahr Dauerweiden z. B. auf Deichen und Heideflächen in die Agrarförderung der ersten Säule integriert. Damit können Schafhalter, die mit ihren Tieren diese Flächen pflegen, bis zu 3 Millionen Euro zusätzliche Agrarfördermittel erhalten.
Eine Bitte, ein Wunsch, eine Aufforderung möchte ich an dieser Stelle noch vor allem an die rechte Seite des Parlaments richten: Helfen Sie mit, dass die Debatte über den Wolf nicht länger, als zumindest in Teilen geschehen, im Stile einer Debatte über eine Art Schädlingsbekämpfung geführt wird! Das gebietet nicht nur die gesetzliche Vorgabe
- Ja, lesen Sie mal nach, Frau Pieper, was z. B. Papst Franziskus zu dem Thema schreibt! Ich weiß nicht, ob Sie es gelesen haben.
(Dr. Stephan Siemer [CDU]: Was hat er dazu gesagt? - Frank Oesterhel- weg [CDU]: Was sagt er denn zu den Schafen, der oberste Hirte? - Unruhe - Glocke des Präsidenten)
Einen Moment, bitte, Herr Minister Wenzel! Wir fahren hier erst fort, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist. - Herr Försterling! - Bitte!
Bei allen Maßnahmen, die wir ergreifen, steht die Sicherheit der Menschen an erster Stelle. Das darf aber nicht bedeuten, dass der Mensch sich über die Natur erhebt. Die Debatte über die Umwelt, die Natur und den Artenschutz darf nicht zu einer Buchhaltung über Nützlichkeit oder Schädlichkeit einzelner Tiere werden. Das Muster einer solchen Debatte über die Nützlichkeit der Natur hat auch unser Land schon vor Jahrzehnten erlebt. Das Betonieren, Asphaltieren und Kanalisieren der Natur hat uns Menschen keinen wirklichen Segen gebracht. Von dem französischen Schriftsteller Victor Hugo stammt der Satz: „Es ist traurig zu denken, dass die Natur spricht und die Menschen nicht zuhören“.
Ich wünsche mir, dass wir alle jenseits aller kontroversen Einschätzungen, Herr Dr. Hocker, zu Chancen und Risiken der Rückkehr des Wolfes nicht diesen Fehler machen, indem wir nicht zuhören. Aber das können wir ja noch üben.
Ich danke Ihnen, Herr Dr. Hocker, herzlich für die Große Anfrage, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, und vor allem danke ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die die 83 Fragen ausgearbeitet haben und die Antworten formuliert haben.
(Jörg Hillmer [CDU]: Wenn ich solche Reden halte, kann ich auch keine Zwischenfragen zulassen! - Gegenruf von Frank Oesterhelweg [CDU]: Ja, das ist gefährlich!)
Sie wollen dem also nicht entsprechen. Alles klar. - Wir fahren fort. Nun hat das Wort für die SPDFraktion Frau Kollegin Moldenhauer. Bitte!
Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen, vielleicht wundert es Sie ein bisschen, aber ich bin der FDP-Fraktion ebenfalls sehr dankbar für diese Große Anfrage. Sie zeigt, dass sie sich mindestens in einigen Teilbereichen dezidiert mit dem Thema „Der Wolf ist zurück in Niedersachsen“ beschäftigt hat und dies mit den 83 Fragen, wie wir schon gehört haben, die zum Teil kurzer, zum größeren Teil aber auch längerer Antworten bedürfen, ausgiebig untermauert hat.
Aber nicht nur die FDP-Fraktion konnte und kann damit ihre Kompetenz in diesem Bereich der Fähigkeit, detailgetreue Fragen stellen zu können, auf sachliche Art und Weise herausstellen.
Einen Moment, bitte, Frau Kollegin! Herr Dürr, Herr Grascha, das stört wirklich, weil Sie genau im Blickfeld der Rednerin und von uns sowieso sind.
Danke schön. - Nein, sie bietet damit auch der Landesregierung eine hervorragende Möglichkeit, ihre Sach- und Fachkompetenz ausführlich und begründet, somit also sehr effektiv darstellen zu können. Das wiederum ist trotz des großen Zeitaufwands, den die Beantwortung eines solchen Fragenkatalogs einnimmt, in dem auch Fragen enthalten sind, die in den Beratungen bereits erläutert wurden, wegen der Zusammenstellung, durch die wir alle Fragen und Antworten sozusagen in einem Stück präsentiert bekommen, letztlich doch sehr effizient.
wicklung, das Thema Besenderung. Es wird gefragt, wer wann festlegt, wann ein Wolf als auffällig gilt. Auch nach der Entwicklung der Wildtierarten in den Wolfsgebieten wird gefragt usw.