Protokoll der Sitzung vom 17.08.2016

An diesem Ziel halten wir weiterhin fest. Das werden wir auch in den weiteren Diskussionen zum Nachtragshaushalt, aber auch in den Diskussionen zum Haushalt 2017/2018 deutlich machen, in dem sehr deutlich wird, dass es uns gelingen wird, die Schuldenbremse vorzeitig einzuhalten. Aber das scheint Ihnen nicht zu gefallen; denn Sie sind nicht an der Sache interessiert, sondern an Populismus.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Vielen Dank, Frau Kollegin Geuter. - Nun hat für die FDP-Fraktion Herr Kollege Grascha das Wort. Bitte, Herr Grascha!

(Reinhold Hilbers [CDU]: Der rückt das jetzt wieder zurecht!)

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Endlich, möchte man sagen, entlasten Sie unsere niedersächsischen Kommunen; endlich wird die Kostenabgeltungspauschale vorgezogen und erhöht. Das war seit anderthalb Jahren die Forderung von CDU und FDP in diesem Haus. Endlich!

(Beifall bei der FDP und bei der CDU - Christian Dürr [FDP]: Das wurde ein Jahr verweigert!)

Das ist auch eine dringend notwendige Entlastung, meine sehr geehrten Damen und Herren. Die niedersächsischen Kommunen mussten ja in der Hochphase der Flüchtlingskrise quasi Ihre Suppe auslöffeln; denn Sie haben bei der Erstaufnahme sozusagen die Hände in den Schoß gelegt. Deswegen ist es auch unangebracht, Herr Finanzminister, wie ich heute Morgen in meiner Heimatzeitung lesen konnte, dass Sie bei einer SPDParteiveranstaltung in Kreiensen davon gesprochen haben, dass Sie jetzt die Kommunen „mit Geld fluten“.

(Zurufe von der CDU: Was?)

Das ist eine dringend notwendig Entlastung und kein Fluten mit Geld, meine Damen und Herren. Diese Wortwahl ist unangemessen.

(Zustimmung bei der CDU und bei der FDP)

Aber man muss ja fragen: Warum können Sie das alles eigentlich machen? - Weil das Land eine historisch gute Einnahmesituation hat, weil der

niedersächsische Steuerzahler Ihnen jeden Monat einen historisch hohen Betrag überweist. Nur deswegen ist das möglich.

Die Vorauszahlungen - auch das gehört zur Wahrheit dazu - sind zwar richtig, aber sie entlasten Sie in den Folgejahren, und das führt dazu, dass der Druck, weiter zu konsolidieren, erheblich sinkt.

Was mich, Herr Finanzminister, aber wirklich enttäuscht, ist, dass Sie die Nettokreditaufnahme trotz dieser Situation nicht reduzieren.

(Jörg Bode [FDP]: Was? Nicht einen Cent? - Christian Dürr [FDP]: Das macht kein anderes Bundesland im Moment!)

Kein Wort von einer Reduzierung der Nettokreditaufnahme, kein Wort von der Streichung der Nettokreditaufnahme, so, wie wir es gefordert haben! Fehlanzeige! Das ist wirklich eine Enttäuschung.

(Zustimmung bei der FDP und bei der CDU)

Sie suggerieren den Menschen draußen ja immer, Sie seien ein solider Finanzminister. Aber bei der entscheidenden Frage der Finanzpolitik hier im Land, nämlich ob uns der Schuldenabbau endlich gelingt, sind Sie, Herr Minister, ein Totalausfall.

(Beifall bei der FDP und Zustimmung bei der CDU)

Sie verweisen immer darauf - wo wie es die Kollegin Geuter eben auch gemacht hat -, dass wir die Schulden doch brauchen, um eine vorsichtige Politik zu machen. Das Gegenteil ist der Fall, meine Damen und Herren! Vorsichtig verhält man sich dann, wenn man keine Schulden macht. Jeder normale Mensch würde sich so verhalten.

(Zustimmung bei der FDP und bei der CDU - Detlef Tanke [SPD]: Was habt ihr zehn Jahre lang gemacht? Das Gegenteil!)

Stattdessen sitzen Sie, Herr Schneider, genauso wie der Herr Ministerpräsident gestern bei der Einführung der Präsidentin des Landesrechnungshofs, im Liegestuhl und sonnen sich im PwCBericht. Denn da ist Niedersachsen in dem sogenannten Nachhaltigkeitsranking vorgerückt.

Was Sie aber verschweigen, meine Damen und Herren, ist, dass die Datenbasis überwiegend aus dem Jahr 2013 stammt, und da stammt der Grundhaushalt im Wesentlichen von CDU und FDP. Sie verschweigen auch - das wurde heute

schon mehrmals gesagt -, dass im überwiegenden Maß die Kommunen für diese gute Situation verantwortlich sind und mit Sicherheit nicht Ihre Finanzpolitik.

(Zustimmung bei der FDP und bei der CDU)

Sie schmücken sich mit Erfolgen, die Ihnen gar nicht gehören, und das ist einfach nur unanständig. Ihnen fällt die gute Haushaltslage im Land in den Schoß; Sie können nichts dafür.

(Gerd Ludwig Will [SPD]: Das muss ja sehr weh tun!)

Das, was Sie vorgeben, zu sein, Herr Finanzminister, ist direkt neben der Wahrheit.

(Zustimmung bei der FDP und bei der CDU - Zurufe von Detlef Tanke [SPD] - Glocke der Präsidentin)

Aber, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich muss ehrlicherweise sagen: Den Vogel hat der Herr Ministerpräsident bei der Pressekonferenz zur Kabinettsklausur abgeschossen. Da hat er nämlich allen Ernstes behauptet, Herr Schneider sei der erfolgreichste Finanzminister in der Geschichte des Landes.

(Lebhafter Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Zurufe von der SPD: Bravo! - Gegenrufe von der CDU und von der FDP)

Wenn Sie - das würde ich Ihnen sogar noch zugestehen - das auf die Finanzminister der SPD in der Geschichte des Landes beziehen, dann wird Herr Schneider wahrscheinlich sogar der erfolgreichste sein; denn da liegt die Latte ziemlich niedrig.

(Zustimmung bei der FDP und bei der CDU - Detlef Tanke [SPD]: Der kam nicht so!)

Aber wissen Sie, was Herr Schneider in Wirklichkeit ist? - Herr Schneider ist der beliebteste Finanzminister, und zwar der beliebteste Finanzminister bei seinen Kabinettskollegen, weil er ihnen jeden Wunsch von den Lippen abliest.

(Zustimmung und Heiterkeit bei der FDP und bei der CDU - Lachen bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Haushaltsberatungen laufen eher nach dem Motto: Darf es noch etwas mehr sein?

(Zurufe von der SPD und von den GRÜNEN)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir alle sollten die Chance haben, die letzten Worte zu hören.

(Helge Limburg [GRÜNE]: Die letzten Worte, bitte! - Zuruf: Das wollen wir nicht hoffen!)

Herr Kollege Grascha, Sie müssen nämlich zum Schluss kommen.

Also, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, keine Spur von solider Haushaltspolitik in Niedersachsen. So locker wie Sie in diesem Land die Zügel bei der Haushaltspolitik lassen, können wir die Stelle des Finanzministers einsparen.

Vielen Dank.

(Beifall bei der FDP und bei der CDU - Helge Limburg [GRÜNE]: Lasst euch von seinem Lächeln nicht täuschen! - Detlef Tanke [SPD]: Wie kann man die eigene Vergangenheit so aus- blenden! Wie schaffen Sie das?)

Vielen Dank, Herr Kollege Grascha. - Nun hat für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Herr Kollege Heere das Wort. Bitte!

(Unruhe)

- Herr Kollege Heere, wir beginnen erst, wenn hier wieder Ruhe eingekehrt ist.

(Jens Nacke [CDU]: Vielleicht ent- spannt sich Herr Tanke dann auch wieder!)

- Vielleicht entspannen sich alle im Plenarsaal wieder.

(Reinhold Hilbers [CDU]: Das liegt an dem schrecklichen Job, Generalsek- retär der SPD zu sein!)

- Herr Hilbers! Herr Tanke! -

(Zuruf von Jens Nacke [CDU])