Im Jahr 2014 wurden 107 t Colistin in Deutschland verbraucht, überwiegend in der Geflügelhaltung. Gerade diese Antibiotika sollten aber nicht mit der Gießkanne über Mastbetriebe und andere Tierhaltungsbetriebe ausgeschüttet werden. Antibiotika und insbesondere sogenannte Reserveantibiotika müssen sparsam und zielgerichtet eingesetzt werden, um Resistenzen zu vermeiden, sodass ihre Wirksamkeit möglichst lange erhalten bleibt. Antibiotika von besonderer Relevanz für die Humanmedizin müssen daher nur den Menschen vorbehalten sein.
ten. In der Tiermedizin sollen diese nur dann eingesetzt werden, wenn bei engen Indikationen normale Antibiotika nicht mehr wirken.
Diese Dreiklasseneinteilung der Antibiotika ist wesentlich, um ein höchstmögliches Maß an Sicherheit für die langfristige Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten.
Im Übrigen besteht ein wissenschaftlich belegter Zusammenhang zwischen dem vermehrten Auftreten von sogenannten nutztierassoziierten Multiresistenten Staphylococcus aureus, MRSA, in Regionen mit einer intensiven Tiermast. Das gilt vor allem für Menschen mit intensivem Tierkontakt, aber auch darüber hinaus. Bei Laboruntersuchungen von Fleischstichproben von ALDI, Lidl, Netto, Penny und Real wurden sowohl MRSA-Keime als auch ESBL-bildende Keime gefunden. Sogar auf Gemüse sind resistente Bakterien bereits zu finden.
Über die Abluft der Ställe oder mit den Exkrementen gelangen sie auf Felder und durch die Abdrift dann in Oberflächengewässer. Dieser Keimverbreitung gilt es Einhalt zu gebieten und die Resistenzen nicht noch durch den Einsatz von Reserveantibiotika zu befeuern.
Sicherlich ist die Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung nicht die einzige Notwendigkeit. Auch im Bereich der Humanmedizin ist ein sensibler Umgang mit dem Einsatz von Antibiotika wichtig.
Die Landesregierung hat bereits 2015 einen interministeriellen Arbeitskreis gegründet, in dem entsprechende Fachleute, Ärzte und Tierärzte regelmäßig hinzugezogen werden und in dem natürlich die Ergebnisse in der Human- und Tiermedizin ausgewertet werden.
Hier gilt es, die One-Health-Strategie konsequent zu verfolgen. Das Hinzuziehen der Fraktionen aus dem Niedersächsischen Landtag halten wir, ehrlich gesagt, für ziemlich entbehrlich. Deshalb, meine Damen und Herren von der FDP, teilen wir Ihre Forderung nach einem weiteren Runden Tisch Antibiotika nicht, weil dieser auf fachlicher Ebene schon lange besteht.
Auch darüber hinaus hat diese Landesregierung bereits umfänglich gehandelt. Beispielhaft nennen möchte ich die Verbraucheraufklärung. Hierzu gibt es eine Broschüre zum Thema „Keine Antibiotika“, ferner werden Fortbildungen in der Antibiotikatherapie durch das Landesgesundheitsamt angeboten, und es gibt einen interdisziplinären For
Hinsichtlich der Begrenzung des Einsatzes von Reserveantibiotika in der Tiermedizin ist noch viel zu tun, meine Damen und Herren; denn dieser ist gerade in der bedeutenden Gruppe der Fluorchinolone nach wie vor viel zu hoch. Weil wir Reserveantibiotika stringent den Menschen vorbehalten wollen, werden wir hier unseren Antrag beschließen.
Vielen Dank, Herr Präsident. - Herr Janßen, Sie haben gesagt, dass die landwirtschaftlich assoziierten MRSA verstärkt in Regionen mit Nutztierhaltung vorkommen. Ich gestehe Ihnen das zu, und das ist sicherlich kein Wunder. Sie kennen sicherlich auch die Zahlen, die belegen, dass die Gesamt-MRSA-Belastung in Regionen mit dichter Viehhaltung erstaunlicherweise zum Teil sehr gering ist. Im Kreis Holzminden - deswegen konnte ich es mir gut merken -, aber auch in der Region Hannover, in der wir eine sehr geringe Viehdichte haben, sind die MRSA-Resistenzen sehr hoch. Diese Korrelation insgesamt gibt es also nicht. Dass die rein landwirtschaftlich assoziierten MRSA vermehrt in der Landwirtschaft vorkommen, wie Sie angeführt haben, ist ein ganz großes Wunder.
Die von Ihnen angesprochene fachliche Beratung an den Runden Tischen ist äußerst wichtig - keine Frage! Vielleicht kann ich Sie - da wir, die Menschen, unser Verhalten ändern müssen - dafür gewinnen einzusehen, dass wir uns an die eigene Nase fassen müssen, weil das Hauptproblem im Umgang mit Antibiotika liegt. Von daher ist es sehr wichtig, dass sich auch die Politik einklinkt und sich nicht wegduckt, sondern diese Problematik mit aufgreift. Deswegen ist es richtig und wichtig, dass - wie wir in unserem Antrag gefordert haben - auch Politiker in diesen Runden sitzen, um das in der Bevölkerung entsprechend zu vertreten.
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Herr Grupe, die Landesregierung betreibt intensive Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere was den Einsatz von Antibiotika im Bereich der Humanmedizin betrifft. Ich bin davon überzeugt, dass wir als Nichtfachleute in solchen Arbeitskreisen, die diese Problematik insbesondere unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten intensiv behandeln und daraus die notwendigen Konsequenzen für das politische Handeln im Sinne von Vorschlägen ableiten, deutlich überfordert wären. Das hat u. a. die Anhörung ergeben, in der es auch um den Termin einer ähnlichen Sitzung ging, den wir zunächst noch abwarten wollten. Es stellte sich die Frage, ob wir als Politiker daran teilnehmen sollten. Die anwesenden Fachleute haben jedoch sehr höflich darauf verwiesen, dass solche Sitzungen normalerweise auf einem hohen fachlichen Niveau stattfinden.
Von daher glaube ich, dass dieser interministerielle Arbeitskreis, der aus Fachleuten besteht, in der jetzigen Konstruktion gut aufgestellt ist und dass wir daraus ableiten können, was in der Humanmedizin weiterentwickelt werden kann. Hier ist die Landesregierung bereits auf einem sehr guten Weg und hat schon zahlreiche Maßnahmen - einen Teil habe ich gerade genannt - in die Wege geleitet.
Vielen Dank. - Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Dr. Deneke-Jöhrens. Sie haben das Wort, Herr Dr. Deneke-Jöhrens.
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Janßen, das hohe fachliche Niveau können Sie den Politikern der Oppositionsfraktionen getrost unterstellen. Das ist durchaus vorhanden.
Meine Damen und Herren, es liegen unterschiedliche Anträge und Änderungsanträge zum Thema Antibiotikaresistenzen vor, und darüber haben wir abzustimmen. Im Kern geht es bei allen Anträgen
darum, den Antibiotikaeinsatz zu minimieren und die Reserveantibiotika zu schonen sowie die Ausbreitung multiresistenter Keime zu verhindern.
Ich gestehe hier zu: Im Grundsatz wollen wir alle dasselbe, nämlich die eingangs genannten Ziele realisieren. Das haben gestern sowohl Herr Siebels als auch ich gegenüber der Presse festgestellt. Allerdings unterscheiden wir uns auf dem Weg dorthin erheblich in der Schwerpunktsetzung. Wir wollen diese Ziele anders als Sie erreichen.
Die Kollegen von SPD und Grünen stellen die Landwirtschaft und die Livestock-associated MRSA in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen, also die multiresistenten Keime, die bei Nutztieren verbreitet sind und vor allem bei Menschen gefunden werden, welche beruflich mit Nutztieren Kontakt haben. Wir meinen, dass Sie die Sicht auf die Antibiotikaproblematik auf einen kleinen Bereich verengen, der nach Aussage des Bundesinstituts für Risikobewertung nur einen Bruchteil der Gesamtproblematik abbildet.
Der Kollege Grupe hat ja mit dem Robert KochInstitut eine andere Quelle genannt. Danach werden 98 % anders verursacht.
Wir dagegen stellen den Gesamtzusammenhang unter dem Oberbegriff der One-Health-Strategie her, also die wissenschaftliche Betrachtung human- und tiermedizinischer Gesichtspunkte im Zusammenhang mit Hygiene- und Resistenzforschung unter Berücksichtigung eines Gesamtansatzes.
Meine Damen und Herren, wir begrüßen die auf Bundesebene initiierte Deutsche Antibiotikaresistenzstrategie, DART 2020. Das ebenfalls von der Bundesregierung eingeführte Antibiotikaminimierungskonzept mit der Antibiotikadatenbank zeigt auch und gerade in Niedersachsen bereits nach kurzer Zeit beachtlichen Erfolg. So sank die Therapiehäufigkeit bei gleichbleibenden Tierzahlen zwischen 2014 und 2015 bei Mastschweinen um rund 52 %, bei Mastputen und -ferkeln um jeweils rund 45 % und bei Masthühnern und -kälbern um jeweils 38 %.
Sie feiern die Erfolge eines Antibiotikamanagements auf Bundesebene nicht als Erfolg der deutschen Landwirtschaft - das ist er in der Tat -, sondern als Leistungen der Landesregierung ab, was wir für unseriös halten. Das ist im Grunde genommen aber nur Nebensache. Wir freuen uns mit Ihnen im Zweifel auch über Kuckuckseier, solange gesunde Küken schlüpfen.
Es wirft jedoch ein bezeichnendes Licht auf Ihre Arbeitsweise: schnelle Erfolgsmeldung vor Problemlösung, Vereinnahmung von fremden Leistungen als eigene Arbeitserfolge. - Das machen wir von der CDU anders. Wir fordern nicht nur wie Sie den Bund auf zu handeln, sondern wir erwarten eigene Initiativen von der Landesregierung. Wir setzen in unserem umfassenderen und deshalb auch besseren Antrag nicht auf Teilaspekte, sondern auf die beschriebene One-Health-Betrachtung von Mensch und Tier.
Ein wesentlicher Punkt ist die Hygiene. Ausbildung, Lehre und Forschung auf dem Feld der Hygiene sind in den letzten Jahrzehnten, da für viele scheinbar selbstverständlich, in den Hintergrund gerückt. In der Ärzteausbildung wird sie nur in Grundsätzen vermittelt. Hier muss dringend nachjustiert werden, und im Bereich der Forschung müssen Landesmittel bereitgestellt werden. Die Landesregierung hat ja auch reagiert. Am 30. März ist ein Lehrstuhl für Hygiene- und Infektionsforschung ausgeschrieben worden. Ich gestehe Ihnen zu: Es hat zwar gedauert; denn die Umsetzung lässt noch auf sich warten. Aber es geht doch. Also von hier aus auch einmal ein Lob an Sie!
Meine Damen und Herren, ferner benötigen wir eine umfassende Verbraucheraufklärungskampagne der Landesregierung im Bereich der Humanmedizin, um die Erwartungshaltungen vieler Patienten und letztlich die Verschreibungspraxis der Hausärzte zu verändern. Darüber hinaus müssen auch Reisende über die Gefahren des Reisens und des globalen Lebensmitteltransports besser informiert werden. Das fängt in den Schulen an und zieht sich durch bis in die Aus- und Weiterbildung von Ärzten. Weiterhin halten wir ein landesweites Konzept für ein ambulantes MRSAScreening vor einem geplanten stationären Aufenthalt nach niederländischem Vorbild für Erfolg versprechend, Patienten also, wie in Holland üblich, vor einem Krankenhausaufenthalt auf MRSAKeime hin zu untersuchen.
Ziel ist die Verzahnung des stationären und ambulanten Sektors, um den Eintrag von multiresistenten Erregern in Krankenhäuser und damit das Risiko der Übertragung zu minimieren.
entwicklung von Impfstoffen und Impfprogrammen zur präventiven Bekämpfung von Infektionen einzusetzen.
Die Landesregierung sollte davon abrücken, für alle Missstände die kleine Gruppe der Landwirte in den Fokus zu rücken.
Bei dem Antibiotikaengpass geht es im Wesentlichen um die hospital associated MRSA. Die Landwirtschaft spielt nicht auf dem Main-Court, sondern auf dem ersten Nebenplatz.
Herr Minister Meyer, Sie sollten reflektieren: Der normale Landwirt geht geduscht in den und aus dem Stall, zumindest mit desinfizierten Händen und Schutzkleidung. In welchem Krankenhaus wird das den Besuchern auferlegt?
Kein Landwirt kuschelt mit seinen Schweinen, Kühen, Hühnern oder Puten, wie es womöglich die Hunde- oder Katzenhalter mit ihren Lieblingen machen. Was führt wohl eher zur Übertragung von Keimen und zur Durchbrechung von Resistenzen? - Das sollten wir wissenschaftlich klären und bewerten lassen.
Deshalb setzen wir uns nach dem Motto „Mensch vor Tier“ dafür ein, dass Reserveantibiotika für die Humanmedizin klar definiert und der Tiermedizin vorenthalten werden. Bei der Auswahl der Wirkstoffe ist sicherzustellen, dass es nicht zu einem Engpass oder Therapienotstand in der Nutztier- und Haustierhaltung kommt.
Solche Überlegungen kommen in Meyers alternativem „Massentierhaltungsbekämpfungsweltbild“ nicht vor. Weil die Bürger Ihnen dabei allmählich auf die Schliche kommen, werden Sie im Übrigen auch 2018 scheitern.