Protokoll der Sitzung vom 20.02.2013

Sie haben nichts zur Forschung gesagt, obwohl mit dem Dreieck Braunschweig-Göttingen-Hannover in

Niedersachsen die forschungsintensivste Region in Europa beheimatet ist.

Sie haben nichts zu Polizei und Justiz gesagt, obwohl Zehntausende Polizeibeamte und Justizbeamte täglich für die Sicherheit der Menschen in Niedersachsen sorgen.

(Starker Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Sie haben nichts zum Küstenschutz gesagt, obwohl die Menschen an der Küste ohne sichere Deiche längst keine Heimat mehr hätten. Und der Spruch gilt: Wer nicht will deichen, der muss weichen. - Je eher Sie weichen, umso besser, meine Damen und Herren.

(Lebhafter Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Sie haben auch kein Wort zu Europa gesagt, meine Damen und Herren, obwohl in Ihrem Koalitionsvertrag vollmundig angekündigt wird, Sie würden Europa auf einen neuen Weg bringen.

(Zustimmung bei der CDU - Johanne Modder [SPD]: Jawohl!)

Ich finde, wenn Sie diesem zugegebenermaßen sehr wichtigen Kapitel schon so mit dicker Hose begegnen, dann wäre es angemessen gewesen, in Ihrer Regierungserklärung wenigstens etwas dazu zu sagen, damit sich Herr Barroso und Herr Van Rompuy schon darauf einstellen können, was von Ihnen zu erwarten ist: Nichts, nur heiße Luft, meine Damen und Herren!

(Heiterkeit und starker, anhaltender Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Diese Liste, meine Damen und Herren, ließe sich noch beliebig weit fortsetzen. Das will ich Ihnen aber ersparen, weil ich daraus schließen kann: Sie sind im Land noch nicht angekommen. Es ist eben immer noch Ihre Sichtweise, die Sie aus Ihrer vormaligen Tätigkeit hier in Hannover mit sich bringen. Das hemmt Sie natürlich ein bisschen, den Überblick über das Land zu haben.

Deswegen sage ich Ihnen auch: Es ist etwas anderes, im Landtag zu sein, als im Stadtparlament von Hannover. Aber ich denke, Sie werden sich schnell daran gewöhnen, Herr Weil.

(Beifall bei der CDU und bei der FDP)

In Ihrer Regierungserklärung haben Sie sich für die Schuldenbremse ausgesprochen. Das will ich ausdrücklich begrüßen. Wir werden Sie in dieser Fra

ge beim Wort nehmen. Wir erwarten, dass Sie die Finger von der Landeshaushaltsordnung lassen, und wir erwarten, dass Sie sich für die Verankerung der Schuldenbremse in der Verfassung nicht nur einsetzen, sondern dieser zustimmen.

(Norbert Böhlke [CDU]: Genau!)

Wir werden im März-Plenum einen Antrag dazu einbringen. Dann werden wir sehen, welchen Wert Ihre Ankündigungen haben, meine Damen und Herren. Das ist der neue Weg. Wir machen jetzt die Opposition.

(Johanne Modder [SPD]: Aber lange! Lange macht ihr die!)

Damit Sie nicht zu lange Regierung machen müssen, werden wir uns bemühen, diese Zeit kurz zu halten, meine Damen und Herren.

Vielen Dank.

(Starker, nicht enden wollender Beifall bei der CDU und bei der FDP - Die Abgeordneten der CDU und der FDP erheben sich - Detlef Tanke [SPD]: Die Opposition ist hart, ganz hart! Wo bleibt denn der Narrhallamarsch? - Unruhe)

Meine Damen und Herren, ich darf um Ruhe bitten.

Soeben hat der Fraktionsvorsitzende der CDU, der Abgeordnete Thümler, gesprochen. Ich darf darauf hinweisen, dass der CDU theoretisch noch eine Restredezeit von gut 15 Minuten zur Verfügung steht.

(Zurufe von der SPD: Oh!)

Es gibt eine Wortmeldung der Fraktionsvorsitzenden der SPD. Jetzt hat die Abgeordnete Frau Modder das Wort. Bitte sehr!

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist deutlich geworden: Es sprach der Ewiggestrige.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Von moderner Regierungspolitik, von Bürgerbeteiligung keine Ahnung!

Ich kann nur sagen: Die Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen haben klug entschieden. Hier sit

zen die Regierungsfraktionen und dort die Opposition.

(Beifall bei der SPD - Mechthild Ross- Luttmann [CDU]: Nicht mehr lange!)

- Ja, es tut ja weh. Ich weiß. Wir haben das auch schon einmal durchgemacht. Aber diese Zeit - fünf Jahre - ist manchmal so kurz. Sie müssen sich auf zehn Jahre einrichten.

(Lebhafter Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Meine Damen und Herren, am 20. Januar haben die Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen der SPD und den Grünen den Wählerauftrag erteilt, eine neue Regierung zu bilden.

(Zuruf von der CDU: Ja, ganz deut- lich! 1 Million!)

Wir sind uns unserer Verantwortung sehr bewusst und verstehen - - -

(Zurufe von der CDU - Unruhe - Glo- cke des Präsidenten)

- Geht es Ihnen gut? - Wunderbar!

(Christian Dürr [FDP]: Die Frage ist, ob es Ihnen gut geht, Frau Modder!)

Wir sind uns unserer Verantwortung sehr bewusst und verstehen das in uns gesetzte Vertrauen zugleich als eine ganz große Verpflichtung. Wir setzen dabei auf eine Politik der Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. Rot-Grün in Niedersachsen steht für ein Handeln, das soziale Gerechtigkeit und den wirtschaftlichen Erfolg mit ökologischer Vernunft verbindet. Wir stehen für einen neuen Politikstil.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Zurufe von der CDU: Steuererhöhung!)

Meine Damen und Herren, die Zeit des Durchregierens ist vorbei.

(Ulf Thiele [CDU]: Sie müssen auf- passen, dass die Niedersachsen das nicht als Drohung verstehen!)

Der Politik der schwarz-gelben Selbstgefälligkeit setzen wir eine Politik des Dialogs entgegen.

(Mechthild Ross-Luttmann [CDU]: Mehr Steuern!)

Die gesellschaftlichen Gruppen in Niedersachsen verstehen wir als Partner auf Augenhöhe. Das,

meine Damen und Herren, wird das Markenzeichen der neuen rot-grünen Landesregierung sein.

Die SPD-Landtagsfraktion wird die neue Landesregierung hierbei mit aller Kraft unterstützen. Wir stehen zu diesem Regierungsverständnis und laden die Bürgerinnen und Bürger herzlich dazu ein, sich aktiv mit einzubringen.

(Zuruf von der CDU: Da kommt doch keiner! - Heiterkeit bei der CDU - Ge- genruf von der SPD: Genau das ist Ihr Verständnis!)

- Na ja, man nennt es auch kleinkariert. Aber gut.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)