Protokoll der Sitzung vom 22.10.2014

(Lebhafter Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Vielen Dank, Herr Minister Lies. - Meine Damen und Herren, alle Fraktionen und auch die Landesregierung haben ihre Redezeit ziemlich exakt eingehalten. Weitere Wortmeldungen zu diesem Punkt liegen nicht mehr vor und sind auch nicht mehr möglich.

Ich gehe über zum Punkt

b) Südniedersachsenplan gescheitert? - Verspielt Weil EU-Fördergelder für ganz Niedersachsen? - Antrag der Fraktion der CDU - Drs. 17/2193

Der Antrag wird vom Kollegen Schünemann begründet und eingebracht. Bitte sehr, Sie haben das Wort!

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wenn der Ministerpräsident etwas zur Chefsache macht, dann sollte es auch gelingen. Gerade die Anmeldung der EU-Förderprogramme bei der EU-Kommission sollte das Meisterstück von Ministerpräsident Weil werden.

(Björn Thümler [CDU]: Das war wohl nichts!)

Spätestens seit dem Wochenende wissen wir: Jeder Vergleich mit dem Handwerk verbietet sich. Denn diese 241 Anmerkungen und Fragen sind der Beweis: Diese Landesregierung und dieser Ministerpräsident können es nicht, meine Damen und Herren!

(Lebhafter Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Erster Punkt: Südniedersachsenplan. 100 Millionen Euro wurden im Wahlkampf versprochen. - Jetzt sind noch 50 Millionen Euro im Gespräch!

Territoriale Abgrenzung, Herr Ministerpräsident: Peine knapp daneben!

Was die Förderkulisse angeht, sollte vor allen Dingen die Kofinanzierung für finanzschwache Kommunen geringer ausfallen. - Das ist längst vom Tisch!

Bei der inhaltlichen Ausgestaltung haben Sie hier im Parlament Nebelkerzen geworfen.

(Dr. Stefan Birkner [FDP]: So ist es!)

Wir haben gedacht: Kein Problem, Hauptsache Brüssel versteht, was die Landesregierung will.

(Johanne Modder [SPD]: Was haben Sie denn in den zehn Jahren gemacht, Herr ehemaliger Innenminister?)

Meine Damen und Herren, wenn ich Ihnen aber jetzt vorlese, was Brüssel dem Ministerpräsidenten geschrieben hat, dann wird es schwierig.

(Zurufe - Unruhe)

Ruhe, bitte!

Brüssel schreibt: Aus den Ausführungen zu Südniedersachsen wird außerdem nicht deutlich, in welcher Weise die Mittel der europäischen Struktur- und Investitionsfonds verwendet werden sollen. Es ist von einem Sonderförderprogramm die Rede; es wird aber nicht klar, welche Stellung dieses Programm im Operationellen Programm tatsächlich hat.

Meine Damen und Herren, Sie haben nicht nur im Parlament geschwafelt, sondern Sie haben das 1 : 1 nach Brüssel gemeldet! Das ist in diesem Zusammenhang einfach unglaublich und unverantwortlich!

(Lebhaft Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Zweites Beispiel: Multifondsprogramm. Da wurde uns deutlich gemacht, Brüssel habe darauf gewartet und das sei genau das, was tatsächlich bis 2020 gefördert werden soll. Was schreibt Brüssel dazu? - Die Wahl eines Multifondsprogramms sollte eingehender und überzeugender begründet werden. Hier seien die Hintergründe, auch Abwägungen für oder gegen eine solche Wahl und eine Verbindung zur Förderperiode 2007 bis 2013 herauszustellen. Dann wird überall darauf hingewiesen: Abgrenzungsprobleme, keine klare Definition, keine Situationsbeschreibung, keine Indikatoren. -

Meine Damen und Herren, das sind schlichtweg handwerkliche Fehler!

Herr Bode hat am Wochenende in einer Pressemitteilung geschrieben: Wahrscheinlich versteht der Ministerpräsident die Sprache in Brüssel nicht.

Meine Damen und Herren, wenn die Kommission sagt, das sei ein interessanter Vorschlag, dann heißt das nicht, dass man das bejubelt, sondern es kann genauso gut heißen: Das ist totaler Quark. - Das Zweite können wir leider Gottes jetzt auch hier konstatieren.

(Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Aber die Opposition bejubelt das nicht. Ganz im Gegenteil. Weil Sie alle Programme zusammengeführt haben, sind nicht wie in der Vergangenheit vielleicht bei einem Programm Nachfragen gestellt worden, sondern das gesamte Förderprogramm für Niedersachsen steht damit auf dem Prüfstand.

(Johanne Modder [SPD]: Quatsch! Herr Schünemann, das wissen Sie auch!)

Sogar das ELER-Programm, das immer durchgewinkt worden ist, bei dem Niedersachsen immer als Erstes dabei war und als Erstes gefördert worden ist, wird bei diesem Fragenkatalog in Frage gestellt.

Meine Damen und Herren, das ist dilettantisch. Sie müssen das deshalb so schnell wie möglich korrigieren.

(Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Man fragt sich: Wie kann so etwas überhaupt passieren? - Diese Frage ist ganz schnell beantwortet: Sie haben denjenigen Ressorts die Verantwortung entzogen, die das bisher hervorragend gemacht haben, und alles in der Staatskanzlei konzentriert. Herr Ministerpräsident, Respekt, zunächst haben Sie tatsächlich jemanden an die Spitze der Abteilung in der Staatskanzlei gestellt, der etwas davon versteht. Er hat Ihnen die Probleme geschildert. Was haben Sie gemacht? - Sie wollten nicht hören, haben ihn in das Umweltministerium versetzt und dann jemanden genommen, der keine EU-Erfahrung hat, aber parteipolitisch passt.

Meine Damen und Herren, das ist ein Stockfehler!

(Beifall bei der CDU und bei der FDP - Christian Grascha [FDP]: Genau so ist es!)

Wir müssen jetzt alles daransetzen, dass alle diejenigen, die tatsächlich Erfahrung haben, das Programm jetzt zum Erfolg bringen.

Was braucht Südniedersachsen? - Vier Punkte:

Erstens: handlungsfähige Kommunen. Das heißt, das Entschuldungsprogramm muss fortgesetzt werden. Südniedersachsen hat 400 Millionen Euro bekommen. Aber es gibt Kommunen, die tatsächlich noch Hilfe brauchen. Setzen Sie das fort!

Zweitens. Wir brauchen ein ganz klares Bekenntnis zu einer besseren Verkehrsanbindung. Hier muss zu der Anmeldung zum Bundesverkehrswegeplan vor die Klammer gezogen werden, was mit Sonderprogrammen der ehemaligen Landesregierung beplant werden konnte.

Drittens. Wir brauchen schnelle Hilfe. Deshalb sind die Regionalisierten Teilbudgets so wichtig für Südniedersachsen, aber auch für die ganze Region.

(Beifall bei der CDU und bei der FDP)

In einem haben Sie recht: Wir brauchen Leuchtturmprojekte landkreisübergreifend. Dabei biete ich Ihnen jede Hilfe an. Aber dann muss es mit einem Förderprogramm, das rechtssicher ist, umgesetzt werden. Das kann ich beim Südniedersachsenplan, der, wie die HAZ geschrieben hat, verquast ist, wirklich nicht erkennen. Regieren heißt nicht schwadronieren, sondern hart und vor allen Dingen präzise arbeiten!

(Uwe Schwarz [SPD]: Das hätten Sie in den letzten zehn Jahren machen können!)

Fangen Sie endlich an!

(Starker, lang anhaltender Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Vielen Dank, Herr Kollege Schünemann. - Jetzt folgt die Fraktion der SPD. Frau Kollegin Modder, ich erteile Ihnen das Wort. Bitte sehr!

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zunächst einmal würde ich Sie, Herr Schünemann, als neuen Projektleiter der Ideenwerkstatt Südniedersachsen gerne fragen: Was haben Sie eigentlich in Ihrer Regierungs

verantwortung zehn Jahre lang als Innenminister für Südniedersachsen gemacht?

(Christian Grascha [FDP]: Eine Menge! - Christian Dürr [FDP]: Die größte Förderperiode in der Geschichte des Landes!)

Das Einzige, was Sie gemacht haben, war der Zukunftsvertrag, der noch nicht einmal auf Nachhaltigkeit gesetzt hat. Sie haben auf der ganzen Linie versagt!

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Björn Thümler [CDU]: Das ist peinlich, Frau Modder! - Christian Grascha [FDP]: Der größte Teil der Entschuldungshilfe ist nach Südnie- dersachsen gegangen!)