Protokoll der Sitzung vom 03.06.2015

Einige andere sind sicherlich auch noch da; aber diese möchte ich an dieser Stelle herausheben.

Ihnen gilt an dieser Stelle unser besonderer Dank für die kritische Anmerkungen, die Sie gemacht haben, und den konstruktiven Dialog, den Sie in der Debatte gepflegt haben.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wie ist es nun mit der Opposition? - Im Ausschuss war das eine recht entspannte, sachlich geführte Debatte. Aber außerhalb des Ausschusses nimmt man etwas anderes wahr: Ihr Schaulaufen.

Was macht die Opposition in der Öffentlichkeit, außerhalb des Ausschusses? - Statt eine politische Sachdebatte zu führen oder gute Vorschläge einzubringen, säen Sie weiterhin Misstrauen und Panik. Sie verbreiten bewusst Unwahrheiten. Sie organisieren lieber Demos, statt sich politisch einzubringen.

(Christian Grascha [FDP]: Herr Politze, die müssen wir nicht organisieren! Die Eltern stehen schon auf der Straße und protestieren gegen Ihre Politik!)

Sie schrecken bei Ihrem Kampf für ein selektives Schulsystem offenbar vor nichts zurück. Das ist unverantwortlich und politisch in höchstem Maße verkommen.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Sie selbst haben in Ihrer Regierungszeit eine Viertelmillion Unterschriften für das Volksbegehren für gute Schulen einfach vom Tisch gefegt, mit der lapidaren Begründung, dass das Quorum nicht erreicht sei. Ich möchte nur einmal ganz kurz aus einer Regionalzeitung in Wolfenbüttel vom 28. Februar 2012 zitieren:

„Thümler: Ergebnis des ‚Volksbegehrens für gute Schulen‘ ist ein Desaster für die GEW

‚Die äußerst geringe Resonanz auf das »Volksbegehren für gute Schulen …«‘„

- 250 000 Unterschriften: „äußerst geringe Resonanz“! -

(Zurufe von der SPD und von den GRÜNEN: Aha!)

„‚ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass Eltern und Schüler sehr zufrieden … sind‘„

mit der Schulpolitik. - 250 000 Unterschriften gegen Sie, und Sie sprechen von guter Schulpolitik! Diese Verzerrung, Herr Thümler, ist schon ziemlich unglaublich.

(Starker Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Und worum ging es dabei? - Um die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren und die Hürden für die Gründung von Gesamtschulen!

Meine sehr geehrten Damen und Herren, diese 250 000 Unterschriften von Wahlberechtigten aus Niedersachsen waren unglaublich! Da haben Sie recht!

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Christian Grascha [FDP]: Und das ist jetzt der Grund dafür, dass Sie die Unterschriften vom Tisch wischen?)

Sie selbst haben in Ihrer Regierungszeit nichts dafür getan. Und heute? - Heute positionieren Sie sich einseitig für die Onlinepetition - 30 000 Unterschriften bundesweit -

(Ottmar von Holtz [GRÜNE]: Wie viele?)

und sagen: Das ist eine Abstrafung dieser Landesregierung. - 250 000 Unterschriften sind für Sie nichts, aber 30 000 Unterschriften

(Klaus-Peter Bachmann [SPD]: Davon noch die meisten von außerhalb Nie- dersachsens!)

sind ein Aufschrei gegen die Bildungspolitik in Niedersachsen. Es ist ein Zerrbild, das Sie hier vorführen.

(Lebhafter Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Wir wischen auch diese Petition nicht beiseite, aber wir machen eines deutlich - das sagen ich den Initiatoren -: Wir haben an dieser Stelle ein anderes Verständnis von Bildungspolitik,

(Christian Dürr [FDP]: Ja, das haben wir leider festgestellt! - Christian Grascha [FDP]: Das ist uns schon aufgefallen!)

und wir haben ein anderes Verständnis von Bildungsgerechtigkeit.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir wollen Gerechtigkeit. Darum bringen wir dieses zukunftsweisende Gesetz heute auf den Weg.

Das Säen von Misstrauen und Angst offenbart, dass Ihnen jedes politische Konzept für Bildungspolitik fehlt.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Sie haben davon gesprochen, dass wir das Schulgesetz durchgepeitscht hätten.

(Jörg Bode [FDP]: Ja!)

Auch das ist interessant. Drei Tage Anhörung im März - wir haben auf alle Ihre Wünsche Rücksicht genommen -,

(Zurufe von der FDP: Nein!)

fünf Tage hatten wir für die Anhörung im Ausschuss angesetzt, die Sie nicht genutzt haben,

(Christian Grascha [FDP]: Weil Sie sich nicht an den Beratungen beteiligt haben!)

also insgesamt acht Tage. Sie haben bei der letzten Schulgesetznovelle sechs Tage gehabt.

(Detlef Tanke [SPD]: Ist das wirklich wahr? - Anja Piel [GRÜNE]: Nicht zu fassen!)

Den nicht zielführenden Forderungen in den Anträgen, die Sie jetzt noch ins Verfahren gegeben haben, werden wir heute nicht folgen.

Wir sehen der von Ihnen bereits über die Medien angekündigten namentlichen Abstimmung mit Gelassenheit entgegen,

(Zurufe von der SPD und von den GRÜNEN: Mit Freude!)

weil wir diesem Schulgesetz heute mit durchgedrücktem Kreuz und aus voller Überzeugung

(Zuruf von der CDU: Die spürt man förmlich!)

zustimmen werden, meine sehr geehrten Damen und Herren.

(Starker, nicht enden wollender Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Vielen Dank, Herr Kollege Politze, für Ihre Rede. - Jetzt hat sich der Vorsitzende der FDP-Fraktion, Christian Dürr, zu Wort gemeldet. Herr Dürr, Sie haben das Wort. Bitte schön!

(Detlef Tanke [SPD]: Aber keine Ideo- logie, bitte! - Gegenruf von Reinhold Hilbers [CDU]: Das müssen Sie gera- de sagen, Herr Tanke! Das ist ja pri- ma! - Detlef Tanke [SPD]: Heraus aus den ideologischen Gräben!)

Herr Tanke hat eine neue Brille. Es ist schön, Sie zu sehen.

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Herr Politze, Sie haben

(Grant Hendrik Tonne [SPD]: Eine gu- te Rede gehalten!)