So ist es tatsächlich falsch zu sagen, dass, wie es im Antrag steht, die „Third Mission“ nun aufgrund der Erfolge bei der Exzellenzinitiative besonders erfolgreich sein kann. Denn beides ist wichtig, und beides kann nebeneinander bestehen.
Richtig ist, dass in dem Antrag wichtige Punkte aufgegriffen werden, die unsere niedersächsischen Hochschulen in den bestehenden und kommenden „Third-Mission“-Aktivitäten unterstützen sollen. Deshalb ist diese Initiative zu unterstützen.
Meine Damen und Herren, es bleibt jedoch noch eine Reihe von Fragen offen. Ich bin sicher, dass diese im Rahmen der Ausschussberatungen zu klären sind. Auf die drängendste Frage allerdings, nämlich wie überhaupt die Umsetzung der genannten „Third-Mission“-Aktivitäten ermöglicht werden könnte, gibt es in diesem Antrag leider keine Antwort. Wie gerade schon erwähnt - bezeichnenderweise ist der Finanzminister nicht da -: Auf die Frage, wie das alles finanziert werden soll bzw. ob das überhaupt finanziert werden kann, gibt dieser Antrag leider keine Antwort.
Vielen Dank, Frau Abgeordnete Viehoff. - Für die CDU-Fraktion: der Abgeordnete Jörg Hillmer. Bitte schön, Herr Hillmer!
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Unsere niedersächsischen Hochschulen sind sehr forschungsstark, und zwar in der vollen Breite des wissenschaftlichen Spektrums. Das daraus gewonnene Wissen vermitteln die Hochschulen in einer hervorragenden Lehre an die Studentinnen und Studenten. Damit sind die erste und die zweite Aufgabe unserer Hochschulen bereits beschrieben.
Mit dem vorliegenden Antrag möchten wir eine dritte Aufgabe, eine „Third Mission“, unserer Hochschulen in den Fokus rücken. Das ist ein verstärkter Wissenstransfer in die Gesellschaft und in die Wirtschaft.
Die Wirtschaft und die Gesellschaft stehen vor disruptiven Veränderungen, die mit Erfahrungswissen alleine nicht zu bewältigen sind. Ich möchte das an drei Beispielen deutlich machen.
Wirtschaftsprozesse. Unsere Gesellschaft ist darauf nicht vorbereitet, und die Konsequenzen für das Zusammenleben sind nicht bekannt. Das erzeugt Verunsicherung und öffnet Scharlatanen und Ideologen das Tor.
Oder aber es gelingt uns, im wissenschaftlichen Diskurs Wege aufzuzeigen und Vertrauen in eine gute Zukunft zu sichern. Selbstverständlich haben wir auch den Anspruch, die Digitalisierung aktiv zu gestalten und wirtschaftlich zu nutzen. Denn auch in einer digital geprägten Wertschöpfungskette wollen wir unser Wohlstandsniveau erhalten.
Wir haben z. B. im Rahmen unserer Digitalisierungsstrategie 50 zusätzliche Digitalisierungsprofessuren geschaffen und verbinden damit natürlich den Anspruch, dass die Forschungsergebnisse nicht im Elfenbeinturm verschwinden, sondern für Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar gemacht werden.
Zweitens. Wir haben uns vorgenommen, den Verbrennungsmotor zu ersetzen. Es liegt auf der Hand, dass wir die Alternativen - sei es elektrisch oder mit Wasserstoff oder ganz anders betrieben - nur mit Hilfe der Wissenschaft entwickeln werden können.
Drittens. Die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien wirft Fragen auf, die weder die klassischen Energieversorger noch die regenerativen Einspeiser noch die Elektrikerinnung alleine beantworten können. Das führt zu Engpässen und Stromausfällen - oder aber wir finden in der Wissenschaft darauf technische Antworten.
Das, meine Damen und Herren, sind nur einige Beispiele für große Herausforderungen, bei denen wir nicht die Zeit haben, im Wege des Trial and Error zu Lösungen zu kommen. Man stelle sich einmal vor, wir würden diese genannten Herausforderungen vollständig ohne Wissenschaft lösen wollen! Wir brauchen dazu die Wissenschaft und die Hochschulen, und die Hochschulen sind auch bereit, diesen Auftrag anzunehmen.
Selbstverständlich, meine Damen und Herren, gibt es auch heute schon betriebliche Forschungsabteilungen, und selbstverständlich gibt es schon heute Forschungsinstitute und Hochschulen, die beim Wissenstransfer aktiv unterwegs sind. Unser Ziel ist, dass diese Leistungen gesellschaftlich anerkannt und ausdrücklich als dritte Säule neben der Forschung und der Lehre festgeschrieben werden.
Einigkeit gibt. Betrachten Sie diesen Antrag bitte als einen Impuls für das wichtige Thema Wissenstransfer! Ich würde mich freuen, wenn es uns nach der Expertenanhörung in den Ausschussberatungen gemeinsam gelingen würde, diesen Antrag noch besser zu machen.
Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Vernetzung von Forschung, Lehre und - als „Third Mission“ oder, auf gut Deutsch, dritte Aufgabe - technischer Anwendung - ich habe das vereinfacht; im Antrag wurde es „Innovation“ genannt -: Das ist ein guter Ansatz. Wir finden das sehr lobenswert. Die USA und auch einige Länder in Fernost machen es vor - da haben wir Nachholbedarf.
Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich der Antrag allerdings als Trojanisches Pferd. Der Pferdefuß versteckt sich im zweiten Teil in nur zwei von acht Punkten. Das Centrum für Hochschulentwicklung formulierte dazu Folgendes:
„‚Third Mission‘ wird zunehmend als ein multidimensionaler Ansatz gesehen, der auch die kulturelle, soziale bzw. politische Dimension gleichberechtigt mit einschließt. Es handelt sich oftmals um einen Sammelbegriff für alle gesellschaftsbezogenen Hochschulaktivitäten.“
Es geht also mitnichten um den Dreiklang Lehre, Forschung, Übertragung in die Anwendung; es geht in Wirklichkeit um den Dreiklang Lehre, Forschung, Veränderung der Gesellschaft.
Der Gender-Unsinn wurde zunächst - von der Öffentlichkeit unbemerkt - an Universitäten eingeführt. Kaum einer wusste anfangs, was das bedeutet - irgendwas mit Gleichberechtigung, meinten die meisten.
(Jörg Hillmer [CDU]: Wer hat Ihnen das aufgeschrieben? - Eva Viehoff [GRÜNE]: Das hat mit „Third Mission“ überhaupt nichts zu tun! - Unruhe - Glocke der Präsidentin)
Dann gab es mehr und mehr Professorenstellen: Über 212 sind es mittlerweile in Deutschland. Danach wurden die Studienordnungen angepasst. Studenten aller Fakultäten müssen plötzlich mit Abzügen in der Note rechnen, wenn sie sich in ihren Ausarbeitungen nicht an die Regeln der gendergerechten Sprache halten. Schließlich mussten die Absolventen der Genderstudiengänge mit Arbeitsplätzen versorgt werden - zumeist beim Staat.
Nun treibt dieser Wahnsinn im Alltag seine lächerlichen Blüten. Gerade Hannover ist dabei ein trauriger Vorreiter. Als ich noch vor wenigen Jahren Menschen außerhalb des Hochschulumfeldes davon erzählt habe, haben die mich komisch angeguckt und gemeint, ich würde spinnen.
In einer Demokratie entstehen gesellschaftliche Veränderungen eigentlich aus sich selbst heraus - aus dem „Demos“, dem Volk. Dieses wählt in einer repräsentativen Demokratie, wie wir sie hier in Deutschland haben, Parteien, die seinen Willen je nach Mehrheitsverhältnissen politisch umsetzen. So sollte es eigentlich sein.
Zukünftig werden gesellschaftliche Veränderungen an den Hochschulen eingebracht, etabliert und via „Third Mission“ in die Gesellschaft transferiert. Beim Gender-Unsinn hat man es vorgemacht. Niemand ist gefragt worden, ob man das eigentlich will, und nun ist es halt da. - Das kennen wir doch irgendwoher! Schöne neue Welt, kann man da nur sagen. Aber ist das noch demokratisch?
Der technische Teil hört sich also sehr gut an. Ihm können wir folgen. Aber wir werden das Trojanische Pferd in den Beratungen im Ausschuss genau beobachten. Viel Hoffnung hege ich allerdings nicht. In Troja wurden die Warner auch überhört.
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Rykena, ich weiß nicht, wer Ihnen das aufgeschrieben hat. Ich hoffe, er hat Ihnen auch noch eine Antwort auf eine Kurzintervention aufgeschrieben.
Sie haben sich völlig verrannt. Bitte bringen Sie dieses wirklich wertvolle Thema „Third Mission“ und Wissenstransfer in die Gesellschaft und in die Wirtschaft nicht in den Geruch, es sei ideologisch belastet wie beispielsweise eine Debatte über Gender Mainstream.
Wenn es darum geht, Elektromobilität zu entwickeln, dann ist das völlig ideologiefrei. Wenn es darum geht, diese Gesellschaft auf die Digitalisierung vorzubereiten und Wege aufzuzeigen, wie man mit ihr umgehen kann, dann sind das immer nur Angebote. Das ist völlig wertfrei, und jeder kann daraus seine Schlüsse ziehen. Sie können Ihre Schlüsse ziehen, und andere Parteien werden andere Schlüsse daraus ziehen. Aber bringen Sie dieses wirklich wertneutrale Thema Wissenstransfer nicht in irgendeine ideologische Ecke!
Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Herr Hillmer, wir sind bei den Themen, die Sie angesprochen haben, völlig auf einer Linie. Mit diesen haben wir überhaupt kein Problem. Ich habe zum Thema „Third Mission“ ein wenig recherchiert und habe halt diesen anderen Aspekt gefunden. Bei den Themen, die Sie angesprochen haben, werden wir im Ausschuss an einem Strang ziehen. Seien Sie sich sicher!
(Beifall bei der AfD - Dr. Silke Lese- mann [SPD]: Vielleicht sollten Sie besser recherchieren! Dann klappt es auch!)