Aber gezielte Sprachförderung in Kleingruppen - das wurde ja eben schon angesprochen - kann so nicht geleistet werden. Und genau das ist der Mangel. Die Kräfte, die dort noch zur Verfügung stehen, sind einfach die Lückenbüßer, um den Kita-Betrieb aufrechtzuerhalten. Das kann nicht die Lösung sein, und das ist auch offensichtlich nicht die Lösung, wie wir an den Ergebnissen sehen - und die können Sie nicht wegleugnen.
(Beifall bei der AfD - Sebastian Zinke [SPD]: „Alltagsintegriert“ war die Frage! - Pascal Mennen [GRÜNE]: Frage nicht beantwortet!)
Die nächste Wortmeldung kommt von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Herr Mennen, bitte! Sie haben das Wort.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleg*innen! Herr Rykena, wenn Sie hier behaupten, es gebe Kitas, in denen nicht Deutsch gesprochen wird
- das haben Sie gesagt -, dann möchte ich Sie bitten, mir zu benennen, welche Kitas das sind. Ich bin sehr regelmäßig in Kitas unterwegs, und das gibt es nicht. Und keine Angst! Sie haben die Frage von Frau Lange gerade nicht beantwortet. Ich werde das dann in meiner Rede tun.
Es ist gut, heute über dieses Thema zu sprechen. Aber der Antrag der CDU setzt auf Zwang, auf Segregation, auf Bürokratie und auf neue Programme, statt vorhandene Strukturen zu verbessern.
Schon bei einer ganz grundsätzlichen Frage lässt mich Ihr Antrag ratlos zurück - Frau Ramdor hat gerade ein bisschen Licht ins Dunkel gebracht -: Von welcher Form von Sprachförderung sprechen Sie eigentlich in Ihrem Antrag? Geht es ausschließlich um Kinder, die nicht Deutsch können, oder geht es auch um Sprachförderung zum Beispiel in Bereichen wie Lispeln oder Stottern? Sie haben gerade mehrfach ausgeführt, dass es um Deutschkenntnisse geht. Das nehme ich zur Kenntnis, es steht aber nicht im Antrag. Ich finde es deshalb schwierig, darüber zu sprechen, weil es eben nur ein Teilaspekt ist.
Lassen Sie mich dennoch kurz und knapp durch die beantragten Punkte gehen und erklären, was ich mit meiner Kritik meine.
Erstens: die verpflichtenden Sprachtests im vorletzten Kita-Jahr. Das klingt erst mal plausibel, ist aber so völlig unnötig, denn Sprachstandserhebungen gibt es bereits. Die Kitas dokumentieren die Sprachentwicklung der Kinder regelmäßig in Entwicklungsberichten, und spätestens bei der Schuleingangsuntersuchung wird die Sprachkompetenz standardisiert von externen Fachpersonen überprüft. Warum also noch eine zusätzliche Testung? Das schafft nur mehr Bürokratie, belastet Familien,
Zweitens: die verpflichtende Sprachförderung im Umfang von 240 Stunden. Wer soll das leisten? Wir haben bereits einen Fachkräftemangel in den Kitas und Grundschulen. Wollen Sie Lehrkräfte aus den Grundschulen in den vorschulischen Bereich abziehen? Wer soll es tun? Das ist vollkommen unrealistisch.
Wie ich eben ausführte, gibt es 32 000 Stunden, die aktuell eigentlich im vorschulischen Bereich verwendet werden sollten, aber nicht verwendet werden. Das MK sagt auch, dass sie gar nicht dafür verwendet werden, sondern dass es überhaupt nicht weiß, was mit diesen Stunden passiert. Wie wollen Sie denn dafür sorgen, dass diese 32 000 Lehrkräftestunden sinnvoll für die vorschulische Sprachförderung eingesetzt werden? Denn aktuell passiert das nicht.
Ich glaube, dass wir - und da kommen wir gleich zu dem Begriff „alltagsintegriert“ - neben den externen Testungen, von denen ich gerade berichtet habe, vor allem genau diese alltagsintegrierte Sprachförderung brauchen. Deshalb halte ich Folgendes für besonders wichtig: Die Erzieherinnen und Erzieher werden ja in ihrer Ausbildung dafür geschult, die Entwicklungsstände der Kinder nachzuverfolgen, zu erheben, an welchem Punkt der Sprachentwicklung sie gerade sind, und genau da einzugreifen. Ich glaube, dass es deshalb wichtig ist, dass genau das die Erzieherinnen und Erzieher machen. Die Lehrkräftestunden, die wir zusätzlich für den Bereich bereitstellen, sind dann zum Beispiel für die
von mir gerade genannten Testungen zu bestimmten Zeitpunkten sinnvoll, aber sollten nicht noch zusätzlich aus Schule abgezogen werden.
Mir ist der Punkt der alltagsintegrierten Förderung besonders wichtig, denn in diesem jungen Alter funktioniert Bildung nicht ohne Bindung. Den Kindern fremde Fachkräfte in einem separierenden Setting zur Sprachförderung gegenüberzusetzen, widerspricht allem, was wir aus der Bildungs- und Entwicklungsforschung kennen. Die Frage ist eben: Trauen Sie es den Erzieher*innen nicht zu?
Der dritte Punkt ist die finanzielle Förderung von Sprachförderkräften. Wir haben bereits ein starkes Signal gesetzt und gesagt, dass wir die SprachKitas weiterführen. Jetzt geht es darum, das Ganze bürokratiearm umzusetzen.
Viertens fordern Sie eine Evaluation von „Fit in Deutsch“. Die hier von Ihnen geforderte Evaluation gab es bereits. Sie wurde in der letzten Legislaturperiode durchgeführt. Ich kann Ihnen gerne gleich noch einmal ausführen, von wem genau und wann genau. Sie haben in der Zeit mitregiert und sollten es eigentlich wissen.
Fünftens: der Ausbau der Fort- und Weiterbildungen. Ja, das halte ich tatsächlich für eine sinnvolle Forderung. Aber wir müssen vor allem dafür sorgen, dass es keine zusätzliche Belastung ist.
Sechstens: ein durchgängiges Konzept zur Sprachbildung vom frühkindlichen Bereich bis zur zehnten Klasse. Auch das ist grundsätzlich ein guter Ansatz, der aber schon in den vorhandenen Strukturen ausgebaut und umgesetzt werden kann.
Zuletzt noch eine ganz persönliche Einschätzung zu diesem Thema: Kinder haben die beneidenswerte Fähigkeit, Sprachen schnell und vor allem mühelos zu lernen. Damit das geht, bedarf es aber einer zentralen Voraussetzung: Die Kinder müssen sich in vertrauter und sicherer Umgebung befinden. Sprachförderung muss spielerisch und alltagsintegriert erfolgen und nicht als zusätzliches Pflichtprogramm, das Kinder aus der gewohnten Umgebung
reißt und stigmatisierend von anderen Kindern trennt. Wir müssen sicherstellen, dass die Kitas gut ausgestattet sind und dass Fachkräfte die nötige Zeit und Unterstützung haben, um Kinder individuell zu fördern, und wir müssen Mehrsprachigkeit als Chance begreifen und nicht als Defizit.
Herzlichen Dank, Herr Mennen. - Die nächste Wortmeldung kommt aus der SPD-Fraktion. Frau Lange, bitte! Sie haben das Wort.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Dass sich die CDU mit dem Thema „frühkindliche Sprachförderung“ befasst, ist grundsätzlich richtig und wichtig. Sprache ist der Schlüssel zu Bildung, Integration und gesellschaftlicher Teilhabe. Doch bereits heute bietet Niedersachsen eine solide gesetzliche Grundlage für eine nachhaltige und wirksame Sprachbildung.
Heute diskutieren wir über den Antrag der CDUFraktion, die unter anderem die Einführung verpflichtender Sprachtests im vorletzten Kita-Jahr fordert. Doch verpflichtende Sprachstandserhebungen gibt es in Niedersachsen bereits. Dieser Antrag ist also keineswegs ein Neudenken der Sprachförderung, sondern ignoriert bestehende und bewährte Strukturen. Das wurde auch durch eine Unterrichtung durch die Landesregierung im Kultusausschuss im September letzten Jahres deutlich.
Aber wie funktioniert Sprachförderung in Niedersachsen eigentlich? Die frühkindliche Sprachförderung ist in Niedersachsen klar geregelt. Seit der Gesetzesänderung im NKiTaG im Jahr 2018 liegt der Fokus auf alltagsintegrierter Sprachbildung - ein Paradigmenwechsel, der Sprachentwicklung nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil der kindlichen Entwicklungsprozesse.
Erstens: Beobachtung und Dokumentation. Jede Kindertagesstätte ist verpflichtet, die Sprachentwicklung der Kinder systematisch zu beobachten und zu dokumentieren. Dies geschieht kontinuierlich im gesamten pädagogischen Alltag. Auf Basis dieser Beobachtungen wird entschieden, ob und in
Zweitens: individuelle Förderung im letzten Kindergartenjahr. Im letzten Jahr vor der Einschulung, spätestens zu Beginn des Jahres, muss die Sprachkompetenz jedes Kindes erfasst werden. Sollte ein besonderer Sprachförderbedarf festgestellt werden, erfolgt eine gezielte individuelle Förderung, die auf dem pädagogischen Konzept der jeweiligen Einrichtung basiert. Ein abschließendes Gespräch mit den Eltern, das auch eine Zusammenarbeit mit der aufnehmenden Grundschule umfassen kann, rundet diese Phase ab.
Drittens: finanzielle Unterstützung. Das Land stellt für die Sprachförderung jährlich rund 32,5 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Mittel können von den örtlichen Trägern der Jugendhilfe in Zusammenarbeit mit den Kitas genutzt werden, um zusätzliche pädagogische Fachkräfte einzustellen oder Qualifizierungsmaßnahmen durchzuführen.
Sie haben uns dargelegt, wie die verschiedenen Konzepte aktuell aussehen. Meine Kollegin hat ja gesagt, wir haben uns durchaus mit dem Thema befasst und sind uns dessen bewusst. Was uns aber nicht bewusst ist: Wie wollen Sie denn damit diejenigen Kinder erreichen, die gerade nicht in einer Kita sind?
Frau Bauseneick, für die Kinder, die gerade nicht in einer Kita sind, gibt es aktuell schon Projekte. Auch diese Kinder gehen in die Schule, bevor sie in die Schule kommen, und dort wird geschaut, wie diese sie sprechen können.