Protokoll der Sitzung vom 01.12.2005

(Zurufe von den GRÜNEN)

Viele Zeitungen und Medien haben Sie für die Geld-zurück-Garantie gelobt, weil Sie dadurch von einer Qualitätsverbesserung ausgehen. Diese Geld-zurück-Garantie gibt es in diesem Gesetz nicht. Das sind reine Lippenbekenntnisse des Mi

nisters. Schon deshalb ist das ganze eine Farce. Sie führt zu einer sozialen Verschärfung in diesem Land, die wir nicht wollen.

(Zurufe von der CDU)

Das wird dazu führen, dass Kinder aus sozial schwachen Familien – bis in den Mittelstand hinein – nicht mehr an unseren Hochschulen studieren werden. Das werden sie beobachten können.

(Beifall von SPD und GRÜNEN – Zurufe von CDU und FDP – Unruhe)

Vielen Dank, Frau Kraft. – Für die CDU-Fraktion hat jetzt Herr Dr. Brinkmeier das Wort. Bitte schön.

(Unruhe)

Liebe Kollegen, eigentlich hatte ich jetzt Herrn Dr. Brinkmeier das Wort gegeben. Hat das jemand eben falsch verstanden?

(Allgemeine Heiterkeit)

Herr Dr. Brinkmeier, jetzt reden Sie. Die anderen hören einmal einen Moment zu.

Vielen Dank, Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer auf den Tribünen! Sie haben eben von der Fraktionsvorsitzenden der SPD, von Frau Kraft, eine sehr kämpferische Rede erlebt.

(Marc Jan Eumann [SPD]: Eine sehr gute Rede! – Beifall von SPD und GRÜNEN)

Sie wird gerade von der Opposition beklatscht. Darüber lässt sich streiten.

(Zurufe von der CDU)

Frau Kraft war die Vorgängerin von Herrn Pinkwart.

(Dr. Axel Horstmann [SPD]: Vielleicht stellen Sie sich auch einmal vor!)

Wenn – entgegen der Ankündigung der Fraktion – nicht Herr Eumann spricht, sondern die Fraktionsvorsitzende, überrascht mich umso mehr, dass das nicht noch stärker personell von der SPDFraktion unterstützt wird.

(Hannelore Kraft [SPD]: Schauen Sie sich einmal Ihre eigenen Vorschläge an! – Weite- re Zurufe von der SPD)

Ich bin aber nicht Fraktionsvorsitzender.

Frau Kraft hat eben sehr kämpferisch geredet. Da ich weiß, dass Frau Kraft – wie wir alle – eine vernünftige Person ist,

(Manfred Kuhmichel [CDU]: Sie bemüht sich! – Zuruf von Sylvia Löhrmann [GRÜNE])

habe ich das Gefühl, dass sie in Ruhe auch über schwierige Themen diskutieren kann. Deshalb will ich versuchen, Ruhe und Vernunft in dieses Thema zu bringen. Wir haben auch gestern erlebt, dass große Lautstärke Argumente nicht ersetzen kann.

(Beifall von der CDU)

Frau Kraft hat sich eben interessanterweise nur einen Punkt herausgegriffen. Ich könnte daraus schließen, dass die anderen Punkte nicht die schweren Gegenargumente nach sich ziehen. Das werden wir sehen.

(Hannelore Kraft [SPD] deutet auf Marc Jan Eumann [SPD]: Die kommen noch!)

Mir wird gerade bedeutet, dass Herr Kollege Eumann gleich noch den Spaß hat, in die Bütt zu steigen.

(Marc Jan Eumann [SPD]: In der Bütt sind Sie!)

Ich will trotzdem grundsätzlich darauf aufmerksam machen, dass wir als bürgerliche Fraktionen ein anderes Selbstverständnis haben.

(Dr. Axel Horstmann [SPD]: Mit Bürgerrech- ten hat das gar nichts zu tun!)

Herr Kollege Horstmann, wir haben im Landtagswahlkampf die Themen Bildung und Arbeit in den Vordergrund gestellt. Wir haben die Wahlen deswegen gewonnen.

(Beifall von CDU und FDP – Prof. Dr. Gerd Bollermann [SPD]: Und falsche Versprechen gemacht! – Dr. Axel Horstmann [SPD]: Das ist Beutelschneiderei! – Weitere Zurufe)

Nach Ansicht der Koalition müssen sich alle Maßnahmen, die das Parlament oder die Regierung beschließen, in erster Linie daran messen lassen, ob sie mehr Menschen dazu befähigen, Arbeit zu finden. Das ist das Primat. Ich hoffe, wir sind uns darüber einig.

Wir wissen aber, dass es in Deutschland auf Dauer keinen nennenswerten Zuwachs solcher Arbeitsplätzen geben wird, die nur eine geringe Qualifikation voraussetzen. Wir werden da im globalen Wettbewerb nicht mithalten können. Ich denke, darüber herrscht auch Einverständnis. Nur mit Produkten, die aus hochqualifizierter Arbeit

hergestellt werden, sind wir international konkurrenzfähig.

Wenn sich allerdings die jungen Menschen mit ihren jeweiligen …

(Prof. Dr. Gerd Bollermann [SPD]: Zur Sa- che! Kommen Sie zur Sache!)

Herr Bollermann, stimmen Sie mir zu oder nicht?

(Prof. Dr. Gerd Bollermann [SPD]: Ihre Aus- führungen sind viel zu allgemein! Das hat mit dem Gesetz nichts zu tun!)

Herr Bollermann, stimmen Sie mir zu, dass sich vor allem die jungen Menschen gut in den Arbeitsmarkt einbringen können, wenn sie optimal ausgebildet werden?

(Dr. Axel Horstmann [SPD]: Er meint die Ar- beitsplätze in der Uni-Verwaltung!)

Nur dann können wir die Innovationskraft unseres Landes erhalten und ausbauen. Herr Bollermann und Ihre Kollegen von der SPD-Fraktion, mir scheint, dass Sie das vergessen haben.

Außerdem müssen die materiellen Grundlagen der Innovationskraft von gesellschaftlichen Institutionen gesichert sein.

(Sylvia Löhrmann [GRÜNE]: Dann brauchen wir nicht mehr, sondern weniger Bildungsbei- träge!)

Demzufolge muss die Politik sicherstellen, dass den Hochschulen als wesentliche Zentren der Innovation und als die wichtigsten Institutionen höher qualifizierender Bildung direkt oder indirekt die notwendigen Mittel zur Verfügung stehen, um ihren gesellschaftlichen Auftrag erfüllen zu können.

Ich wünsche mir sehr, dass Sie dem zustimmen. Wenn Sie nicht zustimmen, können wir die Systemdifferenzen noch stärker betonen, Herr Bollermann.

(Zuruf von Dr. Axel Horstmann [SPD])

Den größten Teil der finanziellen Mittel, die die Hochschulen benötigen, stellt der Staat direkt zur Verfügung. Darüber werden wir konkret bei den anstehenden Haushaltsberatungen diskutieren.

(Prof. Dr. Gerd Bollermann [SPD]: Aha!)

Eine weitere Quelle sind die sogenannten Drittmittel, die überwiegend in die Forschung fließen. Wir wissen aber auch, dass die Hochschulen noch mehr Mittel benötigen, um insbesondere die Lehre zu verbessern. Darum geht es hier.

Neben zusätzlichem Lehrpersonal brauchen die Hochschulen auch eine verbesserte materielle Ausstattung, also vor allem bauliche Veränderungen, Infrastrukturmaßnahmen – Stichwort Bibliotheken – und auch technische Geräte. Dieses kann der Staat aber nicht aufbringen.