Die Menschen machen sich angesichts der derzeitigen Temperaturen zu Recht Sorgen wegen des immer offensichtlicher werdenden Klimawandels. Für den irritierenden und verstörenden Klimawandel in den Schulen sind Sie verantwortlich.
Die Ergebnisse der Studie Pisa-International-Plus, die die Kompetenzentwicklung im Laufe eines Schuljahres untersucht hat, wurden ausgerechnet an dem Tag vorgestellt, an dem Sie Ihre Unterrichtsausfallstatistik vorgestellt haben. Man sollte beides zusammenführen. Man könnte schon sagen: Wenn Sie zunächst einmal die aufrüttelnden Ergebnisse der Pisa-Zusatzuntersuchung zur Kenntnis genommen hätten, bevor Sie Ihre Unterrichtsausfallstatistik präsentiert haben, dann wäre das besser gewesen.
In großen Teilen können keine Lernzuwächse bei Schülern und Schülerinnen festgestellt werden. Zu befürchten ist, dass zum Teil sogar Kompetenzniveaus nicht gehalten werden können. Bezeichnenderweise wurden in dieser Studie Hauptschüler und Hauptschülerinnen erst gar nicht mit untersucht. Aber die Ergebnisse der LAU-Studie in Hamburg haben in dieser Hinsicht Warnzeichen gegeben. Sie bestätigt, dass es innerhalb der Schulzeit sogar zu Lernverlusten kommen kann.
Es kommt im Kern auf die Qualität von Unterricht an. Ich sage provozierend: Es gibt sogar so schlechten Unterricht, dass es besser wäre, wenn er nicht stattfände. Aber wir wollen das Gegenteil: Wir wollen durchgängig guten Unterricht.
Frau Sommer, ich biete Ihnen heute von dieser Stelle aus noch einmal unsere Unterstützung an. Wir brauchen jetzt dringend einen runden Tisch mit den Lehrerverbänden, mit den Elternverbänden und mit der Landesschüler/innen/vertretung. Wir brauchen eine Qualifizierungsoffensive, damit der Unterricht besser wird, und zwar jeglicher Unterricht. Ein Tag im Halbjahr zum Erklären des neuen Schulgesetzes reicht nicht aus. Zehn verpflichtende Fortbildungstage pro Schuljahr für das gesamte Kollegium über das Jahr 2010 hinaus – darauf sollten wir uns gemeinsam verständigen und das gemeinsam tragen. Dann müssen Lehrer und Lehrerinnen etwas einbringen, zum Beispiel bewegliche Ferientage. Dann müssen die Schulen aber auch noch zusätzliche Tage einbringen können, mindestens einen pro Halbjahr nach Übereinkunft von Eltern, Kollegium und Schülerinnen und Schülern, eine gemeinsam getragene Entscheidung.
Über Unterstützungskräfte, über Schulassistenzen und Tutorien können Kinder, die zu Hause keine Betreuung haben, auch an diesen Tagen in der Schule lernen. Schließlich wäre es auch denkbar, Tage in der letzten Sommerferienwoche, wenn die Lehrkräfte sowieso in der Schule sein sollen, für die notwendige Qualifizierung für guten Unterricht und Teamentwicklung zu reservieren. Das bringt Mehrwert für jede Unterrichtsstunde. Dann können Vertretungskonzepte besser greifen.
Wir brauchen diese Qualifizierungsoffensive. Dafür bieten wir unsere Mitarbeit an. Was wir nicht brauchen, sind unreflektierte und nicht zielführende Jubelveranstaltungen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Jede ausgefallene Unterrichtsstunde – das haben die Beiträge hier auch gezeigt – ist eine verpasste Lernchance. Diese Landesregierung ist daher mit dem Ziel angetreten, den Unterrichtsausfall deutlich zu reduzieren.
Wie Sie wissen, haben wir Ende Mai überprüft, ob sich die Anstrengungen, die wir unternommen haben, und auch die Anstrengungen der Lehrerinnen und Lehrer, auf die Sie alle zu Recht hingewiesen haben, gelohnt haben. Ich meine, das Ergebnis kann sich loben lassen. Ich sage bewusst „loben lassen“. Denn es kann sich nicht nur sehen lassen, sondern einfach auch einmal loben lassen.
Wir haben den Unterrichtsausfall tatsächlich fast halbiert. Das hat Herr Ellinghaus eben auch schon deutlich gemacht. Das hat in allen Schulformen durchgängig zu einer Reduzierung geführt. Alle haben davon profitiert.
Nun ist das Zahlenspiel das eine. Man vergisst auch hin und wieder einmal Zahlen. Aber wichtig ist, dass man sich einen Satz merkt. Dieser Satz stand bezeichnenderweise in einer Zeitung, in der „Neuen Westfälischen“, die gerade nicht für ihre Nähe zur Regierung bekannt ist. Da stand – den Satz habe ich sehr gern gelesen –: „Erfolg für Schulministerin – Unterrichtsausfall halbiert.“
Meine Damen und Herren, auch im Vergleich mit anderen Bundesländern nimmt Nordrhein-Westfalen jetzt endlich wieder einen guten Platz ein. Die Zeiten, in denen unser Land mit über 4 % Unterrichtsausfall weit abgeschlagen hinter den anderen Bundesländern lag, sind nun endlich vorbei. Jetzt gehören wir mit 2,4 % Unterrichtsausfall zur Spitzengruppe der Länder mit einer niedrigen Ausfallquote. Mit diesem Ergebnis kehrt in den Schulen Nordrhein-Westfalens endlich Verlässlichkeit ein, die Schülerinnen und Schüler, Eltern, aber auch unsere Lehrerinnen und Lehrer durchaus wünschen.
Erstens. Die Sicherung der Lernzeit an den Schulen hat unter dieser Landesregierung in Nordrhein-Westfalen Vorrang. Wir haben ein neues Bewusstsein für die Bedeutung von Unterricht geschaffen. Wir danken, und auch ich danke an dieser Stelle ausdrücklich den Kolleginnen und Kollegen vor Ort.
Zweitens. Wir stellen im Lauf der Legislaturperiode 4.000 zusätzliche Lehrerstellen gegen den Unterrichtsausfall bereit. Ich denke, meine Damen und Herren, das beginnt zu wirken.
Das Stichprobenergebnis zeigt: Die durchschnittliche Ist-Besetzung aller Schulen der Stichprobe betrug zum Stichtag 14. Februar dieses Jahres 100,3 %; im Jahr 2005 waren es nur 99,5 %. Durch diese verbesserte Personalausstattung sind die Schulen jetzt sehr viel eher in der Lage, unvorhergesehene Ereignisse im Schulalltag aufzufangen.
Ich bin gefragt worden, wie es denn jetzt weitergehen soll und was die nächste Zielmarke sei. – Natürlich ist der Spielraum für weitere Reduzierungen sehr eng geworden. Man kann sicherlich nicht auf 0 % herunterfahren. Aber ich glaube, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir wollen diesen Weg der Reduzierung von Unterrichtsausfall fortsetzen.
Wir wollen auch mehr Transparenz; darauf ist hingewiesen worden. Von den Stichprobenerhebungen wollen wir abgehen und 2008/2009 zu einer flächendeckenden Erhebung kommen – Herr Link hat das eben schon erwähnt. Dass wir das nicht schon früher schaffen, liegt daran, dass wir mit der Software noch nicht so weit sind. Das ist ein fachlicher Grund; wir wären bereit, das auch schon eher zu tun.
Meine Damen und Herren, die zum laufenden Schuljahr 2006/2007 geschaffenen 1.000 Stellen sowie die Einsatzbereitschaft unserer Lehrkräfte werden den Unterrichtsausfall deutlich reduzieren; da bin ich mir sicher. Lassen Sie mich an dieser Stelle noch etwas zu der Behauptung sagen, die zumindest in den beiden letzten Redebeiträgen aufgegriffen worden ist, dass Informationen möglicherweise vorher herausgegangen sind.
Die Stichprobe hat ein Verfahren aufgegriffen, das bereits erprobt war. Wir haben den gleichen Stichprobenumfang, dieselben Erhebungsinstrumente, den gleichen Erhebungszeitraum und dieselben Berechnungsverfahren wie die Vorgängerregierung benutzt. Selbstverständlich waren die zufällig ausgewählten Schulen – das möchte ich an dieser Stelle in aller Deutlichkeit sagen – nicht informiert. Frau Beer und Herr Link, Sie haben diese Behauptung aufgegriffen. Zurückzuführen ist sie auf eine Frage, die meine Vorgängerin Frau Schäfer aufgeworfen hat.
An dieser Stelle möchte ich mich direkt an Frau Schäfer wenden. Sie haben in einer Presseerklärung vom 17. November behauptet – ich zitiere –:
„Warum wurden die Schulen anders als bei den vergangenen Untersuchungen bewusst vorher über den Erhebungszeitraum informiert?“
Frau Schäfer, ich weiß nicht, ob Sie damit die Glaubwürdigkeit der Landesregierung oder meine Glaubwürdigkeit aushebeln wollen. Das ist an dieser Stelle sicherlich auch nicht so wichtig. Sie haben eine sehr deutliche Reaktion der Verbände auf diesen Vorwurf erfahren. Das ist vielleicht mit den Verbänden im Einzelnen zu diskutieren. Aber sind Sie sich überhaupt darüber im Klaren, was Sie damit erreicht haben? Sie stellen eine Frage und unterstellen damit sehr deutlich allen Schulen des Landes, dass sie die Stichprobe verfälscht haben könnten.
Das sagt eine ehemalige Schulministerin, die in der Verantwortung stand. Das ist ein Skandal, Frau Schäfer.
Ich frage Sie: Wie viele geheime Botschaften hätten wir denn an die Schulen senden sollen, damit wir die Stichprobe in unserem Sinne hätten beeinflussen können?
Sehr gehrte Frau Beer, Sie haben ein Angebot gemacht. Wir wissen selbstverständlich, dass Unterrichtsausfall eine Statistik ist. Es ist ein Zahlenspiel. Ich halte es für einen guten Ansatz, der zu würdigen ist. Aber Sie haben völlig Recht: Unsere Zielrichtung muss die Unterrichtsentwicklung sein. Dass wir das natürlich gerne unter Reduzierung des Unterrichtsausfalls tun werden, ist klar. Aber alle weiteren Unterstellungen, dass diese Statistik fragwürdig ist, sind unwürdig, sehr geehrte Frau Schäfer.
„Man kann mit der Statistik alles beweisen, aber nur jemandem, der von den elementarsten statistischen Begriffen keine Ahnung hat.“
Das schreibt Hans Jürgen Eysenck in seinem Buch „Wege und Abwege der Psychologie“. Der Antrag von CDU und FDP ist ein Versuch, diese Behauptung in die Tat umzusetzen. Er folgt – in der vorweihnachtlichen Zeit nicht überraschend – der katholischen Liturgie: Am Anfang steht das allgemeine Schuldbekenntnis, das jedoch sehr kurz ausfällt: Rot-Grün ist schuld.
Dann kommt auch schon das Gloria: Der Unterrichtsausfall an den Schulen in NRW ist innerhalb eines Jahres um fast die Hälfte zurückgegangen. Belegt wird das mit einer Lesung und einigen Zahlen aus dem Ministerium. Das Credo lautet: Ich glaube an mehr Lehrerstellen, an die Verpflichtung der Schulleitungen zu weniger Unterrichtsausfall und an die Elternsprechtage am Nachmittag. Schon sind wir bei den Fürbitten, die Landesregierung möge mit ihrer Politik möglichst unbehelligt von der Opposition fortfahren.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, als Katholik kann ich der frohen Botschaft, dass weniger Unterrichtsstunden an den nordrhein-westfälischen Schulen ausfallen sollen, durchaus zustimmen. Allerdings halte ich die übrigen Teile des Antrags für nicht sattelfest und stichhaltig. Dazu werfe ich einen genaueren Blick in den Bericht der Ministerin und beleuchte einige Aspekte.
Zunächst widme ich mich dem Unterricht in besonderer Form. Hierzu werden in dem Bericht insgesamt keine Veränderungen festgestellt. Tatsächlich deuten die Zahlen aber einige bedenkenswerte Verschiebungen an. So ist auf der einen Seite der Anteil der Schulfahrten, Projekte, Feste und Sportveranstaltungen in fast allen Schulformen rückläufig. Unser Unterricht ist ein Stück weniger handlungsorientiert geworden. Auf der anderen Seite steigt der Anteil des sonstigen Unterrichts in besonderer Form vor allem in der Sekundarstufe II. Darunter fällt auch das von den Schülern selbst gesteuerte Lernen. Ich möchte nicht missverstanden werden: Ich halte selbstständiges Arbeiten für sehr wichtig. Davon ist jedoch der scheinbar eigenverantwortliche Unterricht in Abwesenheit der Lehrerin, des Lehrers zu unterscheiden, der nur dazu dient, kurzfristigen Unterrichtsausfall zu kaschieren.
Ich komme zweitens zum Vertretungsunterricht. In dem Bericht wird die Entwicklung positiv gesehen. Doch es bleiben Fragen offen. Wie ist der zunehmende Anteil der Zusammenlegung oder Mitbetreuung von Lerngruppen in den Grundschulen zu beurteilen? Welches didaktische Konzept liegt zugrunde, wenn eine Lehrerin zwei Klassen betreut? Und was ist mit dem Anstieg des Ersatzunterrichts zulasten des Unterrichts gemäß Stun
Drittens möchte ich auf den eigentlichen Unterrichtsausfall eingehen. Dieser ist an allen Schulen erfreulicherweise rückläufig, wenn auch mit starken Unterschieden. Für alle Schulen der Stichprobe ist offensichtlich ein gewichteter Durchschnitt von 3,1 % berechnet worden. Leider werden die Gewichtungskriterien nicht genannt. Der Leser soll die Zahlen ja auch nur glauben und nicht überprüfen können.
Besonders interessant ist die Tabelle mit den Gründen für den Unterrichtsausfall. Der Anteil der Erkrankungen, der Fortbildungen sowie der Konferenzen – letztere mit Ausnahme der Gesamtschulen aufgrund des Ganztagsbetriebes – geht zurück. Das zeigt vor allem eines: Der Druck in den Schulen hat zugenommen. Lehrer melden sich nicht mehr krank und schränken ihre Fortbildungen ein. Die unentgeltlichen Stunden der Lehrerinnen und Lehrer vor allem mit Teilzeitbeschäftigung im Grundschulbereich kommt noch hinzu. Die Folgen werden langfristig spürbar sein.
Viertens muss noch ein besonderes Kapitel des Berichts gewürdigt werden. Der Rückgang des Unterrichtsausfalls um ein Drittel war für die Koalition der Erneuerung der Statistik noch nicht genug. Die Kreativabteilung ging ans Werk und führte zum ersten Mal eine sogenannte Hochrechnung durch. Tatsächlich handelt es sich um eine weitere Gewichtung der Schulen in der Stichprobe im Hinblick auf den Anteil der Schulformen am Gesamtunterrichtsvolumen.