Protokoll der Sitzung vom 07.12.2006

Auch die von der früheren Landesregierung auf den Weg gebrachten Projekte, wie zum Beispiel „Kultur 90“ oder „Seniorenwirtschaft NRW“, haben mit dazu beigetragen, dass Seniorinnen und Se

nioren mit ihren Interessen und Potenzialen zur aktiven Teilhabe am gesellschaftlichen Leben stärker wahrgenommen werden.

Abschließend möchte ich noch, weil ich nicht mehr so viel Redezeit habe, …

Eigentlich gar keine, Frau Kollegin!

… auf ein wichtiges Thema hinweisen, nämlich auf das ehrenamtliche Engagement älterer Menschen auch im kulturellen Bereich. Allein über 2 Millionen Menschen sind in der Breitenkultur ehrenamtlich aktiv. Wenn wir es schaffen, diese kreativen und gesellschaftlichen Orientierungen der älteren Menschen zu nutzen, durch Förderinstrumente zu unterstützen und weiterzuentwickeln, wäre dies eine große Bereicherung für unsere Gesellschaft.

Frau Kollegin!

Ich komme zum Schluss. – Liebe Kolleginnen und Kollegen, was den vorliegenden Entschließungsantrag angeht, können wir auch bei noch so intensiver Betrachtung – es tut uns wirklich leid – nichts entdecken, was nicht schon in unserem Antrag formuliert wurde. Das macht diesen Entschließungsantrag aus unserer Sicht auch überflüssig. Ich freue mich auf die Diskussion im Ausschuss und denke, dass wir einen gemeinsamen Weg finden werden. – Herzlichen Dank.

(Beifall von der SPD)

Vielen Dank, Frau Kollegin Koschorreck. – Herr Prof. Sternberg, Sie haben jetzt für die CDU-Fraktion das Wort.

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Die SPD ist durchaus aktuell dran. Denn kaum ist das Buch „Kultur und Alter“ vom Kultursekretariat Gütersloh erschienen, kaum hat der Kongress der Kulturpolitischen Gesellschaft in Gütersloh am 24./25. stattgefunden, da kommt Ihr Antrag am 28. November. Das finde ich sehr schön.

Vielleicht ein Hinweis: Die „Rheinische Post“ berichtet in ihrer Berichterstattung über diesen Kongress in Gütersloh: Kulturstaatssekretär HansHeinrich Grosse-Brockhoff ist auch nach Bielefeld gekommen. Tags zuvor war er noch in Lemgo zur Klausurtagung der CDU-Landtagsfraktion zum Thema Kultur und Alter.

Wir hatten da gerade unsere Klausurtagung zum gleichen Thema. Insofern sind wir da durchaus auf einer ähnlichen oder gleichen Linie. Das Thema Kultur und Alter ist ohne Frage angesagt. Das ist ein ganz wichtiger Themenbereich, ob nun mit dem oder ohne den Antrag und ganz abgesehen davon, wie wir das behandeln.

Ich gebe Ihnen völlig Recht: Menschen entdecken oft erst im Alter, erst in einer Phase, wenn sie lange ihre Erstausbildung und ihre Erstbildung abgeschlossen haben, den Wert, den Kunst und Kultur für ihr Leben haben. Oft erkennen sie erst dann, wie wichtig Malerei, Musik, Theater und Literatur sein können. Dann wollen sie sich darüber informieren.

Frau Koschorreck, jetzt kann ich mir einen durchaus heftigen Hieb auf die SPD-Fraktion nicht verkneifen: Und in dieser Situation hat in der letzten Legislaturperiode die rot-grüne Landesregierung beim Weiterbildungsgesetz Nordrhein-Westfalen die kulturelle Bildung herausgestrichen. Sie wäre nämlich ab 1. Januar 2006 nicht mehr förderungsfähig gewesen. Wir haben das sofort wieder geändert. Ich habe das immer für einen riesigen Skandal gehalten, weil selbstverständlich die kulturelle Bildung in den Komplex der Erwachsenenbildung und Weiterbildung gehört.

(Beifall von der CDU)

Das nur als Hinweis.

Ich meine, diese ganze Frage nach Kultur und Alter ist weniger eine soziale Frage. Diese Frage ist nicht nur von einem Angebot her zu bestimmen, sondern das Alter muss als eine Ressource begriffen werden.

Und da ist unser Antrag tatsächlich in der Formulierung anders gestrickt. Wir begreifen das Alter deutlich stärker im Sinne einer aktivierenden Kulturpolitik, die alte Menschen als eine Ressource und nicht nur als einen Abnehmer von kulturellen Angeboten begreift, sondern vor allem als Anbieter, von denen das kulturelle Leben in NordrheinWestfalen wesentlich lebt.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel dazu: Was wäre unsere gesamte Soziokultur als Brauchtumspflege, als Heimatpflege ohne alte Menschen, die sich in den Vereinen engagieren? Denn das sind oft alte Menschen. Oder wir nehmen einen ganz anderen Bereich: das Büchereiwesen. In den Büchereien arbeiten Tausende von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen – denn sehr oft sind es Frauen –, die nach einer Familien- oder Erziehungsphase ehrenamtliche Büchereiarbeit machen. Ich könnte eigentlich fortfahren und aufzählen, wo es überall

ehrenamtliche Tätigkeit von Senioren gibt, wie man sie heute wohl nennt.

Dazu kommt aber auch Mäzenatentum und ähnliches in Verbänden und in Einrichtungen. Das heißt also: Das Alter ist nicht nur eine Gruppe, die es irgendwie zu betreuen gilt. Sondern es ist eine Gruppe, die man als aktivierendes Potenzial wahrnehmen kann.

Ich denke, dem Thema Alter als einer solchen wichtigen und zunehmend wichtigeren Ressource für kulturelle Arbeit werden wir uns mit unserem Entschließungsantrag in der Tasche im Kulturausschuss gemeinsam annehmen.

(Beifall von CDU und FDP)

Vielen Dank, Herr Prof. Sternberg. – Jetzt hat sich schon Herr Keymis erhoben. Er darf für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Begründung abgeben.

Vielen Dank, Herr Präsident! Ich will natürlich auch einen kurzen Beitrag zu den beiden Anträgen liefern. Es gibt einen Antrag von der SPD und einen Antrag von der CDU.

Ich habe so ein schönes Zitat gefunden, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ich Ihnen nicht vorenthalten wollte. Es ist von einer alten Dame – das darf ich sagen –, die 1914 geboren wurde. Es stand im Internet. Sie werden es alle finden, wenn Sie dort herumgeklickt haben:

„Bevor ich lange versuche, die Zeit anzuhalten, gehe ich lieber mit ihr!“

Das fand ich einen sehr schönen Satz. In diesem Sinne verstehen wir Grünen das Thema Kultur im Alter. Kultur ist Lebenselixier. Darüber sind wir uns alle einig. Ich habe mich auch über den Antrag der SPD gefreut, weil er zusammenfasst, was im Wesentlichen erforderlich ist. Ich habe mich auch über den Entschließungsantrag der CDU gefreut, zumal diese Anträge zum Teil wörtlich übereinstimmen. Das habe ich mit großem Interesse gelesen.

In beiden Anträgen heißt es, das Alter sei heterogen, was soviel heißt wie uneinheitlich. Das stimmt auch. Das ist auch gut so. Denn Sie finden auch verschiedene Leute. In einem Antrag heißt es, man solle sozusagen nicht nur an der Klassik orientiert arbeiten. Das stimmt auch. Wir kennen eine Menge Seniorinnen und Senioren, die hinter jedem Rolling-Stones-Konzert herreisen.

(Christian Lindner [FDP]: So ist das!)

Immer, wenn eine Welttournee von Mick Jagger angekündigt wird, werden sofort die entsprechenden Buchungen vorgenommen

(Zustimmung von Prof. Dr. Thomas Stern- berg und Rudolf Henke [CDU])

von Damen und Herren älteren Jahrgangs. Das sind ja in der Regel Leute, die gut über 60 Jahre alt sind. Bei uns fängt das Alter nach der Definition von „Mehrkultur 55plus“ mit 55 Jahren an.

Das ist alles gut. Das wird alles prima vorangetrieben und entwickelt. Insofern stimmen die beiden Anträge überein. Ich würde gern bei einem solchen Antrag mitgehen, wenn Sie das möchten. Die FDP geht wahrscheinlich sowieso mit, weil sie eine Entschließung mit unterzeichnet hat, wobei man im Wesentlichen liest, dass das aus der CDU kommt. Bei der SPD liest man, es kommt aus der SPD.

Aber es ist wirklich so einheitlich, dass ich gar nicht erkennen kann, wie wir uns da noch unterscheiden wollen. Das ist manchmal so in der Kulturfraktion im Landtag. Die anderen stören sich manchmal etwas daran, dass wir uns bei dem Thema oft so gut verstehen und es an der Stelle manchmal etwas leichter haben als die Kolleginnen und Kollegen bei anderen Themen.

Ich würde gern noch auf einen Punkt eingehen: Am meisten hat mich berührt, dass sich CDU und SPD über das Thema Hochkultur unterhalten. Das ist ein Begriff, der bei uns Grünen so gut wie verschwunden ist.

(Beifall von den GRÜNEN)

Hochkultur findet so nicht statt. Für uns ist das Kultur. Ich muss sagen: Es steht in beiden Anträgen drin – nach dem Motto: … nicht nur Hochkultur, sondern auch … Das ist bei uns verschwunden. Ich musste ein bisschen schmunzeln, weil das bei der SPD und bei der CDU wieder Thema ist; bei uns nicht.

Deshalb plädiere ich dafür, dass wir diesen Begriff, wenn wir im Kulturausschuss einen gemeinsamen Antrag bauen sollten, wieder herausnehmen. Habe ich das richtig verstanden, Frau Kollegin Asch? Das machen wir dann auch.

Insofern finde ich es bedeutsam, dass wir das Thema weiter verfolgen. Am 17. Januar 2007 gibt es übrigens wieder eine Konferenz in Köln zu dem Thema, die auf jeden Fall besuchenswert ist. Es ist eine Fachtagung in der Alten Feuerwache in Köln mit dem wie ich finde sehr schönen Titel

„Entfalten statt Liften – Kunst und Kultur im dritten Lebensalter“.

(Heiterkeit – Beifall von den GRÜNEN)

Aus dieser Initiative, die schon seit einigen Jahren läuft, mögen Sie ersehen, dass die alte wie die neue Regierung völlig richtig orientiert sind, was dieses Thema betrifft. Das ist nicht oft so, hierbei ist es aber so.

Es gibt tolle Projekte wie „Auf zu neuen Ufern!“ oder „Das Filmriss-Projektkino“, also ein Angebot, Kultur auf Rädern zu organisieren. All diese Dinge sind auf dem Weg. Wir Grüne können diesen beiden Anträgen fast vorbehaltlos zustimmen bis auf den Begriff Hochkultur. Darüber müssen wir sprechen. Wenn wir daraus einen gemeinsamen Antrag machen, hätten wir an dieser Stelle eine ganze Menge erreicht. Da würden wir Grüne gern mittun, aber natürlich nur, wenn Sie das auch wollen. Wenn Sie das nicht wollen, tun wir nicht mit. Dann müssten wir über die Anträge ganz kontrovers diskutieren. Es wird mir schwerfallen, aber bei der Hochkultur werden wir uns streiten können.

Herr Präsident, haben Sie eine Zwischenfrage?

Herr Keymis, lassen Sie zum Schluss Ihrer Ausführungen noch eine Zwischenfrage des Herrn Kollegen …

Ja, selbstverständlich.

Bitte schön.

Herr Keymis, meine Frage ist, ob Sie wahrgenommen haben, dass es in unserem Antrag nicht einfach nur „Hochkultur“ heißt, sondern „jenseits der sogenannten Hochkultur“?

Vielen Dank, Herr Kollege Sternberg. Ich habe die Worte „jenseits“ und „sogenannten“ gelesen und habe eine gewisse Distanzierung bemerkt. Daraus schöpfe ich übrigens auch die Hoffnung, dass wir den Begriff, wenn wir einen gemeinsamen Antrag machen, daraus ganz heraushalten können. In diesem Sinne freue ich mich auf die weitere Beratung im Ausschuss und danke Ihnen.

(Beifall von den GRÜNEN)