(Hannelore Kraft [SPD]: Jetzt aber Vorsicht! – Rainer Schmeltzer [SPD]: Das kommt ei- ner Präsidentin nicht zu, was da oben pas- siert! – Hannelore Kraft [SPD]: Jetzt reicht es aber! – Gerda Kieninger [SPD]: Unver- schämtheit! – Rainer Schmeltzer [SPD]: Be- wertung eines Geschäftsordnungsantrags! – Gerda Kieninger [SPD]: Ich dachte, das Prä- sidium ist neutral! Wo sind wir denn hier? – Unruhe)
Folgendes: Ich lasse jetzt abstimmen über den Inhalt der Ziffer 3, und der Hinweis auf das Erfassen des Sachverhaltes, also der Abstimmungsgrundlage, bezieht sich einzig und allein auf das Verfahren. Ich sehe keine Veranlassung, den Inhalt der Ziffer 3 des Beschlusstextes hier noch einmal zu verlesen. Das wurde hier vorhin in einem Zwischenruf angeregt. Das halte ich angesichts der intellektuellen Fähigkeiten eines jeden Kollegen hier in diesem Raume für nicht erforderlich.
Deswegen, meine Damen und Herren, lasse ich jetzt über den Inhalt der Ziffer 3 des Beschlusstextes des Antrages der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in Drucksache 14/6333 abstimmen. Wer diesem Abschnitt zustimmen möchte, der möge mit der Hand aufzeigen. – Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Damit ist die Ziffer 3 des Beschlusstextes des Antrages mit den Stimmen der Fraktion der CDU und der Fraktion der FDP gegen die Stimmen der Fraktion der SPD, der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen und des fraktionslosen Kollegen Sagel abgelehnt.
Ich frage, ob eine Gesamtabstimmung über den Antrag gewünscht wird. – Das ist nicht erforderlich. – Vielen Dank, meine Damen und Herren.
3 Vorsprung der Spiele-Branche in Nordrhein-Westfalen weiter ausbauen – Umfeld der GAMESCom positiv nutzen
Ich eröffne die Beratung und erteile für die antragstellende Fraktion der CDU dem Kollegen Jarzombek das Wort.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist ein Augenblick der Freude, den wir heute hier zelebrieren können. Es ist uns nämlich gelungen, eine internationale Leitmesse einer jungen, wachstumsaktiven Branche, nämlich der ComputerspieleBranche, nach Nordrhein-Westfalen zu holen.
Die Games Convention in Leipzig ist eine Publikumsmesse, die mit 200.000 Besuchern nur noch in Tokio eine konkurrierende Messe findet und damit weltweit führend ist. Sie wird am Standort Köln sicherlich in ganz neue Dimensionen vordringen und eine Riesenmesse – vielleicht sogar die größte am Standort Köln überhaupt – sein.
Die Games-Branche weist stetige Wachstumsraten von 5 bis 10 % aus. So betrug das Wachstum im letzten Jahr nach Angaben des Branchenver
bands BIU 7,4 %. Nach einer Studie von PricewaterhouseCoopers lag der Umsatz im Jahr 2006 bei mittlerweile 1,5 Milliarden €. Die dortigen Experten sehen auch ein weiterhin starkes Wachstum und prognostizieren insgesamt einen Markt von über 2 Milliarden € im Jahr 2011.
Grund genug für Nordrhein-Westfalen, diese Branche seit 2005 intensiv zu pflegen und zu bearbeiten! Die Games-Branche hat mit uns einen Partner gefunden.
Insbesondere unsere Bemühungen im Bereich des Jugendschutzes, die wir auch interfraktionell hier im Landtag vorgenommen haben, haben sicherlich einen Kontrapunkt zum Standort München dargestellt, der zuletzt der härteste Konkurrent war, und dabei geholfen, diese Messe nach Nordrhein-Westfalen zu holen. An dieser Stelle haben wir eine sicherlich sehr pragmatische Politik gemacht, die in der Branche sehr viel Anerkennung gefunden hat. An dieser Stelle danke ich ausdrücklich auch Minister Armin Laschet für seine vielfältigen Aktivitäten in der Branche, die dort sehr gewürdigt worden sind.
Darüber hinaus haben wir aber auch einen Gesprächskreis initiiert, indem wir die Vertreter der Branche gebeten haben, mit den maßgeblichen Multiplikatoren einen Arbeitskreis zu gründen, der auch das gezielte Fortkommen der GamesBranche in NRW entwickelt. Als Schirmherr dieses Arbeitskreises danke ich Minister Andreas Krautscheid dafür, dass er diesen Arbeitskreis regelmäßig in die Staatskanzlei eingeladen und sich mit den Anliegen dieser jungen Branche auseinandergesetzt hat.
Dort wurde letzt auch über die Möglichkeit gesprochen, diese Messe nach Nordrhein-Westfalen zu holen. Dies wurde von Minister Andreas Krautscheid in der finalen Phase stark unterstützt – ebenso von Ministerin Christa Thoben. An dieser Stelle auch hierfür vielen Dank!
Jetzt muss man sehen, was man mit diesem Erfolg macht. Ich glaube nämlich, dass diese riesige Messe den Standort Nordrhein-Westfalen klar beflügeln wird und sicherlich auch Kristallisationspunkt dieser Branche sein wird. Insofern ist es wichtig, das weiterzuentwickeln, was wir jetzt schon hier haben, nämlich über 40 Studios, alle mittelständisch geprägt, und über 40 Publisher, also Verleger, ebenfalls hauptsächlich mittelständisch geprägt.
Clusterwettbewerb „Create.NRW“ ausdrücklich die Games-Branche in Nordrhein-Westfalen fördern möchte und hier – auch im Rahmen der Projekte von „RUHR.2010“ – vielfältige Aktivitäten durchführt, um diese Branche zu fördern.
An dieser Stelle liegt eine interessante Struktur vor uns. Im Ruhrgebiet findet man eine ganze Reihe von Unternehmen. So ist Mülheim ein Standort, an dem vieles an Games-Industrie entstanden ist. Auf der anderen Seite haben wir Köln als einen starken Standort der Film- und Fernsehproduktion. In Düsseldorf bündelt sich rund um die Mediadesign Hochschule zurzeit auch ein Gründerzentrum. Nicht zuletzt muss man den Blick auch nach Ostwestfalen richten, wo natürlich ebenfalls große Spieler in diesem Markt sind.
Das positive Klima dieser Branche wird auch dadurch deutlich, dass der in der Branche sehr anerkannte und führende Jörg Müller-Lietzkow den Ruf nach Paderborn angenommen hat und dort im April dieses Jahres Professor werden wird – auch mit Schwerpunkt für die Games-Branche.
Wir müssen jetzt dahin kommen, alle diese Aktivitäten zusammenzubinden, damit man nicht hinterher auf internationalen Messen einen Stand mit dem Hütchen „Köln“, einen Stand mit dem Hütchen „Düsseldorf“ und einen Stand mit dem Hütchen „Mülheim“ findet. Deshalb haben wir in unserem heute vorliegenden Antrag das ganz klare Ziel formuliert, jetzt eine Standortinitiative einzuleiten, in deren Rahmen man alle Aktivitäten, die es überall in Nordrhein-Westfalen gibt, unter ein gemeinsames Dach zieht, sie mit einem gemeinsamen Label versieht, eine Identifikation für Nordrhein-Westfalen schafft und sagt: Wir in Nordrhein-Westfalen sind starker Standort für diese Branche. Wir können zusammen vieles erreichen. Zusammen können wir viele Synergieeffekte erzielen. Gemeinsam müssen wir auch stark nach außen auftreten.
Die CDU-Fraktion unterstützt dies. Die Landesregierung tut das ebenfalls und hat es auch in der Vergangenheit getan. Das ist das neue NRW in der Medienpolitik. Wir machen keine Kunstprojekte in der Wüste, wie man das damals in Oberhausen versucht hat, sondern bündeln die Stärken dieser Branche. Damit wollen wir ein schlagkräftiges Cluster für NRW bilden. – Vielen Dank.
Vielen Dank, Herr Kollege Jarzombek. – Für die weitere antragstellende Fraktion der FDP hat nun der Kollege Witzel das Wort.
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Computer- und Videospiele üben mittlerweile nicht nur auf Jugendliche eine nahezu magnetische Anziehungskraft und wachsende Faszination aus. Auch immer mehr ältere Menschen nutzen dieses Medium zur Freizeitbeschäftigung.
Die technischen Möglichkeiten, ein reales Szenario in einer virtuellen Welt zu erzeugen und die Benutzer hierdurch an den Bildschirm zu fesseln, entwickeln sich rasant fort.
Vor wenigen Tagen hat der Bundestag deshalb eine Resolution zum Thema Computerspiele verabschiedet, die den Wert von Computerspielen als Kulturgut deutlich machen soll und in der ein Deutscher Computerspielepreis ausgelobt wird und die Hochschulen aufgefordert werden, sich ernsthafter und positiver als bisher um dieses Feld zu kümmern und eine wissenschaftliche Ausbildung im Bereich der Spieleentwicklung anzubieten.
Die digitalen Spiele sind nicht zum Massenmedium geworden. Nein, es ist weit mehr. Wir haben es letztlich mit einem neuen Leitmedium der Jugendkultur über alle Alters- und Gesellschaftsgruppen hinweg zu tun. Dieses Leitmedium stellt auch für Nordrhein-Westfalen einen wichtigen Zukunftsmarkt mit rasantem Wachstums- und Wirtschaftspotenzial für die Kreativwirtschaft dar.
Insbesondere solche innovativen und zukunftsweisenden Wirtschaftsbereiche versprechen zukünftig weiter Wachstum und Beschäftigung in unserem Land. An dem Ausbau eines solchen Wirtschaftszweigs mit hohem Potenzial und dem Anspruch an gut ausgebildete Beschäftigte hat Nordrhein-Westfalen als Land der neuen Chancen natürlich ein hohes Interesse.
Deutschland gilt in Europa als der zweitwichtigste Markt für Unterhaltungssoftware. In der deutschen Spiele-Branche arbeiten gegenwärtig schätzungsweise rund 5.000 Personen. Nach Angaben des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware haben allein im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres 4,7 Millionen Personen Computerspiele erworben. Insgesamt 11,4 Millionen Stück verkaufter Spiele bescherten der Branche einen Umsatz von 225 Millionen € – inklusive Konsolen und Minicomputer sogar 550 Millionen €. Erwartet werden weiter steigende Zahlen.
Der Gewinn dieses Branchen- und Publikumsmagneten in der Spiele-Branche ist deshalb ein großer Erfolg für die neue Landesregierung und den Standort NRW. Dies verdeutlicht die hohe Attraktivität des gefragten Medienstandorts und In
Nun gilt es, die Veranstaltung GAMESCom weiter als Werbeplattform für NRW zu nutzen, damit sich die Branche zukünftig noch stärker in NordrheinWestfalen engagiert. Ziele sollten anspruchsvolle Veranstaltungen im Umfeld der Messe, die Initiierung eines Standortkonzepts und die begleitende Unterstützung des Ausbaus der Spielebranche sein.
Der Konzeptwettbewerb „Create.NRW“ oder das Cluster Medien NRW sind hier die richtigen Ansätze, ergänzt durch die gezielte Beratung und Unterstützung bei der Nutzung geeigneter Fördertöpfe der NRW.BANK. Eine Veranstaltung mit so großer öffentlicher Wahrnehmung bietet am Standort NRW über die Medienwirtschaft hinaus große Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten für die Medienkompetenz und für Computerspiele als medienpolitische Herausforderung. Auch dieser Aspekt ist uns sehr wichtig.
In die Diskussion über die gesellschaftlichen Folgen der Computer- und Videospiele sowie deren kompetente Nutzung hat sich die FDP frühzeitig an zahlreichen Stellen konstruktiv eingebracht. Eltern und Pädagogen stehen der Begeisterung ihrer Schützlinge für diese Spiele mit gemischten Gefühlen gegenüber. Einerseits wollen sie nicht von den Zukunftsmedien abgeschottet werden, andererseits fühlen sie sich ihnen unterlegen, haben Angst, den Überblick über ihr Tun zu verlieren, und können oft die Geeignetheit von Inhalten nicht ausreichend selbst einschätzen.
Die Liste von Veranstaltungen, Diskussionen und Äußerungen zum Thema Computerspiele ist mittlerweile lang. Auch die Medienforschung setzt sich intensiv mit der Wirkung virtueller Welten und übermäßigen Medienkonsums auseinander. Auch die Jugendminister beschäftigen sich anlässlich der aktuellen Analyse des Jugendmedienschutzsystems, des Jugendschutzgesetzes und des Jugendmedienschutzstaatsvertrags, durch das HansBredow-Institut hiermit.
Die wesentliche Frage ist hier etwa, wie neben dem Schutz vor sogenannten jugendgefährdenden Inhalten auch ein wirksamer Schutz vor jugendbeeinträchtigenden Inhalten erzielt werden kann. Unstreitig besteht die Notwendigkeit eines breiten Meinungsaustauschs weiter fort. Auch ist das breite Angebot an Studien, Ratgebern und Internetseiten zu begrüßen.