Protokoll der Sitzung vom 30.09.2010

Ich erläutere das noch einmal, weil in der Zwischenzeit das Publikum gewechselt hat.

(Heiterkeit und lebhafter Beifall von der SPD und von den GRÜNEN)

Meine Damen und Herren Zuschauerinnen und Zuschauer, wir debattieren gerade die Aktuelle Stunde. Die CDU hat beantragt, über die Ankündigung der Landesregierung, dass sich die Gymnasien jetzt entscheiden können, ob Sie G8 oder G9 machen, zu reden.

(Dr. Gerhard Papke [FDP]: Es ist unparla- mentarisch, zu den Zuschauern zu reden!)

Deshalb debattieren wir darüber. Es geht nicht darum, einen Beschluss dazu zu fassen, sondern die CDU war der Auffassung, das Ganze werde am Parlament vorbei entschieden.

(Dr. Gerhard Papke [FDP]: Es ist die amtie- rende Vizepräsidentin, die das nicht weiß!)

Ich habe vorhin schon mal … Geht es jetzt leiser? Entschuldigung, ich bin etwas erkältet. Ansonsten kann ich es auch lauter, nur heute nicht.

Im Beschlussprotokoll vom 16. September steht, dass die Fraktion Die Linke beantragt hat, zum G9 zurückzukehren. Das ist ein Gesetzesverfahren, weil dazu das Schulgesetz geändert werden muss. Aus diesem Grunde wird darüber im Ausschuss debattiert. Alle Verbände werden daran beteiligt – die Schulleitungsvereinigung Gymnasium, der Philologenverband, all die, von denen jetzt die Rede war – und können sagen,

(Ralf Witzel [FDP]: Und nun kriegen wir Nachhilfeunterricht!)

ob sie das gut oder schlecht finden, ob sie meinen, dass es noch ganz anders gehen sollte. All das wird im Ausschuss diskutiert.

(Dr. Gerhard Papke [FDP]: Reden Sie mit dem Parlament, Frau Kollegin?)

Weil wir das Thema in den Ausschuss verschoben haben, kommt es anschließend wieder ins Parlament. Insofern gibt es eigentlich keinen Grund, dar

aus eine Aktuelle Stunde zu machen, aber wir machen sie gerade.

Der zweite Punkt ist: Wir haben deshalb am 16. September nicht darüber diskutiert, weil an dem Tag die Regierungserklärung abgegeben wurde. Frau Kraft hat ziemlich lange geredet,

(Heiterkeit von der FDP)

was ich nicht kritisieren will. Alle anderen Fraktionen haben daraufhin auch sehr lange geredet, was ich auch nicht kritisieren will. Das heißt aber, wir sind erst am Nachmittag um 17 Uhr in die normale Tagesordnung eingestiegen. Deshalb hat es zwischen den Fraktionen eine Verständigung gegeben …

(Karl-Josef Laumann [CDU]: Ich bin erschro- cken, ehrlich!)

Sie sind erschrocken, dass ich dem Publikum erkläre, worum es geht? Das finde ich ein bisschen komisch. Warum laden Sie denn überhaupt Publikum ein, wenn es nicht folgen können soll?

(Lebhafter Beifall von der SPD und von den GRÜNEN)

Herr Laumann, das offenbart ein tiefes Missverständnis bezüglich der Offenheit des Parlaments.

Jetzt komme ich zur Sache, nachdem ich hoffe, das Publikum kann folgen.

(Heiterkeit von der FDP)

Es wird kritisiert, dass die … Geht es jetzt wieder?

(Heiterkeit von der FDP)

Es geht darum: Die Ministerin hat angekündigt, dass sich die Schulen jetzt entscheiden können. Herr Witzel, da bin ich völlig bei Ihnen: Das finde auch ich falsch. Deshalb habe ich ja den Antrag für Die Linke gestellt, im Ausschuss darüber zu diskutieren und eine Gesetzesänderung zu machen; das habe ich vorhin schon mal gesagt. Wenn Sie zugehört hätten, hätten Sie es auch verstanden.

(Zurufe von der SPD: Nee!)

Ich finde das falsch, und zwar aus folgendem Grund: Diejenigen, die jetzt darüber entscheiden, …

(Ralf Witzel [FDP]: Sie haben selber auch keine Mehrheit für Ihre Gesetzesänderung!)

Herr Witzel, kann ich wenigstens begründen, warum ich Ihnen zustimme, oder wollen Sie das gar nicht erst hören?

Die Schulkonferenz, die jetzt bis Jahresende darüber beschließen soll, hat folgendes Problem: Für die Eltern, die da sitzen, für die Schülerinnen und Schüler, die da sitzen, gilt das gar nicht mehr. Das heißt, die beschließen etwas, was für sie selber überhaupt nicht mehr gilt, und alle nachfolgenden Elterngenerationen, die sich vielleicht überlegen,

ihre Kinder in ein Gymnasium zu schicken, können da überhaupt nicht mitreden.

Das ist für mich keine basisdemokratische Beteiligung, von der die Ministerin hier immer redet. Es liegen ganz bestimmte Probleme auf dem Tisch. Aber darüber können doch nicht die paar Eltern, die in der Schulkonferenz sitzen, für die nächsten Jahrgänge befinden. Insofern halte ich dieses Verfahren für falsch.

(Beifall von der LINKEN)

In den Ausschusssitzungen zu unserem Gesetzentwurf werden wir all diese Fragen diskutieren – auch in einer Anhörung im Ausschuss. Ich hoffe, ich sehe Sie da alle wieder, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, weil Sie ja jetzt schon mal in das Thema eingeführt sind.

(Allgemeine Heiterkeit)

Der Ausschuss tagt ebenfalls öffentlich.

Es gab einen Fraktionsvorsitzenden der SPD, Peter Struck, der mal gesagt hat, was später als Struck’sches Gesetz in den Volksmund übergegangen ist: Es geht kommt kein einziger Vorschlag so aus den Ausschüssen und dem Parlament, wie er hineingegangen ist. – Insofern werden wir nach der Anhörung sehen, was wir an dem Gesetzentwurf noch verändern, noch besser machen können. Aber wir sollten diese Debatte abwarten.

(Beifall von der LINKEN, von der SPD und von den GRÜNEN)

Vielen Dank, Frau Kollegin Böth, insbesondere für die vielen Hinweise, die sich auch an die Zuschauerinnen und Zuschauer gerichtet haben. Ich bin überzeugt, dass Sie gleich in der anschließenden Diskussion mit den Abgeordneten, die Sie eingeladen haben, eine Menge zusätzlich über die Aktuelle Stunde erfahren können. Aber vielen Dank, Frau Böth, dass Sie das schon mal im Vorgriff gemacht haben.

Als nächster Redner hat für die CDU Herr Professor Dr. Sternberg das Wort.

Frau Präsidentin! Frau Vizepräsidentin Böth, ich lobe überhaupt nicht, dass Sie gerade das Publikum in dieser Art und Weise angesprochen haben. Sie sagen: Das Publikum hat gewechselt. – Das Publikum in dieser Plenardebatte hat überhaupt nicht gewechselt.

(Gunhild Böth [LINKE]: Doch!)

Denn wir diskutieren hier im Parlament.

(Beifall von der CDU und von der FDP)

Das wissen die Damen und Herren auf der Besuchertribüne sehr genau zu unterscheiden.

(Rüdiger Sagel [LINKE]: Sind Sie blind?)

Die wissen, dass die Debatten ins Parlament gehören und dass wir hier keine Fensterreden halten. Ich denke, wir sollten das so beibehalten.

(Beifall von der CDU und von der FDP – Brit- ta Altenkamp [SPD]: Das war die Rede von Herrn Laschet!)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren, vor wenigen Tagen gab Ministerin Svenja Schulze folgenden Satz zu Protokoll – Zitat –:

„Wir stehen in den wichtigen Zukunftsfragen für Verlässlichkeit und Kontinuität und halten an den bisher getroffenen Zusagen der Vorgängerregierung fest.“

Damit meinte sie aber nicht etwa die Frage des Schulsystems, sondern die Verlagerung eines kleineren Landesbetriebs von einer Stadt in die andere.