Protokoll der Sitzung vom 03.12.2010

(Zurufe von Andrea Asch und von Norwich Rüße [GRÜNE])

Ja, Frau Asch, wir stehen dazu: Nicht jeder darf studieren.

(Widerspruch von SPD und GRÜNEN)

Um in unserem Land zu studieren, braucht man eine Hochschulzugangsberechtigung.

(Beifall von der FDP – Serdar Yüksel [SPD]: Ein dickes Portemonnaie der Eltern, Herr Witzel!)

Wir sind auch der Auffassung, dass man einen Führerschein braucht, um Autofahren zu dürfen.

(Beifall von der FDP)

Es hat aber keinen Sinn, dass Sie sagen, wenn Eltern eine Schulformwahlentscheidung befolgen: Nein, du darfst dich nicht an dieser Realschule und an diesem Gymnasium anmelden, weil der Staat besser weiß, in welchen anderen Stadtteil du dafür fahren musst. – Das ist Politik von vorgestern. Dahin wollen Sie zurück. Zum Glück haben Sie dafür nicht die Rückendeckung der Menschen.

(Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der CDU – Zuruf von der SPD: Geisterfah- rer!)

Herr Witzel, würden Sie noch eine Frage von Frau Asch zulassen?

Aber selbstverständlich.

Vielen Dank. – Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, dass Sie vor lauter Erregung gar nicht mehr zuhören und Fragen wahrnehmen können.

(Beifall von der SPD – Ralf Witzel [FDP]: Ich helfe gerne weiter!)

Herr Witzel, wenn Sie so viel Wert darauf legen, dass Sie die Entscheidung der Eltern respektieren, könnten Sie diesem Hause dann einmal erklären, warum Sie in Ihrem veränderten Schulgesetz die Entscheidung der Eltern, welche weiterführende Schule ihre Kinder besuchen, ausgehebelt haben? Das haben Sie nämlich gemacht.

(Beifall von den GRÜNEN und von der SPD)

Sie haben diese Entscheidung nämlich den Schulen überlassen und damit die Entscheidungsfreiheit der Eltern unterminiert.

Frau Asch, ich beantworte Ihnen die Frage, obgleich ich in den letzten Minuten dazu schon einiges gesagt habe, sehr gerne,

(Serdar Yüksel [SPD]: Da bin ich aber ge- spannt! – Gegenruf von Britta Altenkamp [SPD]: Ich kenne die Antwort schon!)

weil ich die Hoffnung habe, dass Sie sich auch mit unseren Argumenten auseinandersetzen.

Frau Asch, ich will Ihre Frage beantworten. Für uns ist Folgendes entscheidend – wir sagen ausdrücklich –: Wenn es in einem Bildungswesen um Standards geht …

(Andrea Asch [GRÜNE]: Ich habe eine klare Frage gestellt! Ich erwarte eine klare Ant- wort!)

Ich beantworte gerade ganz konkret Ihre Frage.

Wenn es in einem Bildungswesen um Standards geht, um Qualität geht,

(Serdar Yüksel [SPD]: Dritter Anlauf!)

wenn ich bestimmte Bildungsgänge auf unterschiedlichem Anforderungsniveau habe,

(Zuruf von Andrea Asch [GRÜNE])

sage ich Ihnen, Frau Asch, in Beantwortung Ihrer Frage, ist es zulässig,

(Andrea Asch [GRÜNE]: Das beantwortet nicht meine Frage!)

wenn der Staat dafür entsprechende sachliche Qualitätskriterien definiert, wer welches Leistungsvermögen haben muss, um entsprechende Bildungslaufbahnen zu besuchen.

(Andrea Asch [GRÜNE]: Antworten Sie auf meine Frage, Herr Witzel!)

Denn da gibt es Qualitätskriterien.

(Andrea Asch [GRÜNE]: Sie haben den El- ternwillen unterminiert!)

Wir können aber nicht Ihre Logik nachvollziehen, mit der Sie sagen: Wenn Entscheidungen über Bildungsstandorte an Qualitätskriterien, an sachlichen Zugangsvoraussetzungen hängen,

(Andrea Asch [GRÜNE]: Quatsch!)

oder an Berechtigungen, die man vorher im Bildungswesen erworben hat, soll das aus Ihrer grünen Logik heraus alles weg.

(Widerspruch von den GRÜNEN)

Aber wenn jemand die entsprechende Berechtigung hat, wollen Sie als Staat bei den Schulstandorten für ihn entscheiden, welchen er zu besuchen hat.

(Zuruf von Norwich Rüße [GRÜNE])

Das macht keinen Sinn. Uns ist dieser Qualitätsbezug sehr wichtig, Frau Asch, weil wir nämlich zum Qualitätswettbewerb stehen und doch sehen, was in der Schullandschaft passiert ist: Schulen, die zwangsweise vom Staat ihre Schüler zugeführt bekommen,

(Widerspruch von den GRÜNEN)

müssen sich bei ihren Angeboten nicht so anstrengen und sich um Schüler bemühen

(Zuruf von Andrea Asch [GRÜNE])

wie diejenigen, die in einem Wettbewerb stehen.

(Zuruf von Britta Altenkamp [SPD])

Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass viel Kreativität entstanden ist. Das wollen wir, weil unser Bildungswesen leistungsfähiger werden muss.

(Beifall von der FDP – Serdar Yüksel [SPD]: Wo ist die Antwort gewesen? Keine Antwort auf die Frage!)

Vielen Dank, Herr Kollege Witzel. – Für die CDU-Fraktion hat jetzt der Kollege Wiedon das Wort.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte die Diskussion wieder ein bisschen versachlichen. Wir diskutieren heute über die Wiedereinführung von Schulbezirksgrenzen. Bis 2008 gab es in Nordrhein-Westfalen Schulbezirksgrenzen. Eltern und Schüler hatten keine freie Wahl der Grundschule und waren gezwungen, die ortsnahe Grundschule zu wählen, und zwar unabhängig davon, ob sie ihren Vorstellungen entsprach oder nicht.

Nach dem Wegfall der Schulbezirksgrenzen war es Eltern erstmals möglich, ihre Kinder auch an Grundschulen anzumelden, die die besonderen und individuellen Fähigkeiten der Kinder berücksichtigen.

Die rot-grüne Minderheitsregierung versucht nun, die für Eltern und Kinder gewonnene Freiheit der Schulwahl wieder einzuschränken. Dies wäre ein Rückfall in verstaubte bildungspolitische Tage.

(Beifall von der CDU – Gunhild Böth [LINKE]: Die Wege sind so staubig dahin, oder was? – Zuruf von Sören Link [SPD])