7. Oktober zum Thema „Optimierungsmöglichkeiten im real existierenden G8“ eingeladen. Da war die Schulmail – glaube ich – zwei Wochen alt. Da konnten wir überhaupt noch nicht absehen, ob und welche Resonanz die angebotene Wahlmöglichkeit zum Thema „Zurück zu G9 oder paralleler Bildungsgang“ gibt.
Wir haben das ganz klar entwickelt. Das wissen auch alle Beteiligten, weil ja alle relevanten Gruppen, die mit dem Gymnasium in NordrheinWestfalen zu tun haben, einschließlich der Kritiker an dem runden Tisch teilgenommen haben. Aus diesem Gespräch sind die Vorschläge erwachsen. Wir haben das nicht aus alten Anträgen der FDP oder der Vorgängerregierung zusammengesammelt, sondern die Gespräche, die Dinge, die von den Betroffenen vorgeschlagen worden sind, aufgearbeitet. Da habe ich mich auf die Expertise des Hauses und der Bezirksregierungen, denen das auch ein Anliegen ist, natürlich gestützt und das zusammengetragen.
Ich glaube, es ist gut, dass wir das so angehen. Ich habe es eben extra von mir aus auch gesagt. Es gibt in dieser Frage anlässlich des jetzigen Zustandes keinen Befreiungsschlag oder eine Knopfdruck
variante. So geht Schulentwicklung sowieso nicht. Wir müssen vielmehr die Mühen der Ebenen weiterführen. Dazu will die Landesregierung und diese Koalition den Gymnasien in Nordrhein-Westfalen ein verlässlicher Partner sein, damit wir es weiter schaffen, das Gymnasium G8 im verkürzten Bildungsgang für die Kinder und Jugendlichen sowie für die Beteiligten, die diese Gymnasien in Nordrhein-Westfalen gestalten, erträglich und gut zu machen. – Herzlichen Dank.
Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Frau Ministerin Löhrmann, wenn Sie – anders, als wir es meines Wissens immer gemacht haben – uns Ihre Unterrichtung erst wenige Minuten vor dem Plenum in die Fächer legen lassen, erwarten Sie natürlich keine Antwort im Detail. Auf die Diskussion im Fachausschuss freue ich mich durchaus.
Heute aber müssen Sie sich gefallen lassen, einmal aufgelistet zu bekommen, wie stiefmütterlich Sie mit dem Gymnasium umgegangen sind und mit wie viel rhetorischem Nebel Sie oft genug Ihre wahren Absichten verhüllen.
Was Sie nämlich oft genug über das Gymnasium gesagt haben, war nie von Zuneigung geprägt. Schon die krumme Formulierung heute – „Gymnasiale Bildung der Zukunft sichern“ – zeigt das. Das ist natürlich Unsinn und eine krude Sprachlogik. Es geht ja nicht darum, die Zukunft gymnasial zu bilden, sondern es geht darum, die gymnasiale Bildung in eine sichere Zukunft zu führen.
Beginnen wir also mit dem, was heute im Mittelpunkt steht, mit der Schulzeitverkürzung. Frau Löhrmann, diese Schulzeitverkürzung war ein rotgrüner Beschluss. Als er gefasst wurde, saßen Sie im Landtag in der Mehrheit.
Denn wenn uns PISA eines gezeigt hat, dann doch wohl, dass es nicht verkehrt sein kann, sich an internationalen Standards zu orientieren. Entsprechend waren sich vor sieben oder acht Jahren die meisten hier im Landtag einig, dass unsere jungen Leute ein Jahr zu spät an die Universität kämen.
Aber, Frau Löhrmann, ich weiß noch sehr genau, wie Sie damals in den Debatten 2000 und 2004 zu diesem Thema hin und her agiert haben. Sie windeten, wandeten und wundeten sich. Schlussendlich aber hatte Rot-Grün diesen Beschluss gefasst. CDU und FDP sind dann diesen Weg in den letzten fünf Jahren mutig weitergegangen.
Sie aber, sehr geehrte Frau Löhrmann, und einige von denen, die jetzt lachen, haben von Anfang an am Wegesrand gestanden und mit Steinen auf uns geworfen. Sie wollten vergessen machen, dass Sie den Weg vorgezeichnet hatten. Und statt Hilfe oder konstruktiver Kritik kam von Ihnen nur hämisches Gelächter über die unvermeidlichen Schwierigkeiten des Anpassungsprozesses.
Ja, wir haben bei der Einführung der Verkürzung der gymnasialen Schulzeit nicht alles richtig gemacht, aber eben nur im Detail. Statt nun den Praktikerinnen und Praktikern in den Schulen zu helfen und an der Reparatur mitzuarbeiten,
haben Sie, Frau Löhrmann, nur dagesessen und sich die Hände gerieben. Sie haben früh angefangen, vergessen zu machen, dass das eben auch Ihr Projekt war.
In die so wohlfeile Ich-bin-dagegen-Haltung haben Sie sich hineingesteigert. Und dann wurden Sie Schulministerin. Ihre seriöseste Aufgabe wäre es nun gewesen, den von uns allein begonnenen Optimierungsprozess zügig fortzuführen und möglichst schnell zu einer weiteren Beruhigung in den Gymnasien beizutragen. Dafür hätte es keine Gesetze, keine Experimentierklausel und auch kein aufgeregtes Geschnatter heute Morgen gebraucht.
Hier hätte eine sachgerechte Politik der ruhigen Hand ausgereicht. Aber daran hatten Sie kein Interesse. Irgendwie mussten Sie Ihr unseriöses Wahlversprechen „Weg mit G8“ ja einlösen – im Zweifel sogar gegen Ihr besseres Wissen.
Sehr geehrte Frau Löhrmann, dass es keinen wirklich praktikablen Weg gibt, G8 und G9 gleichzeitig in einer Schule zu implementieren, wussten Sie doch von Anfang an.
Also haben nicht Sie selber sich die Finger schmutzig gemacht, sondern den Schulen den Schwarzen Peter zugeschoben.
Herr Kollege Solf, entschuldigen Sie. Frau Kollegin Hendricks würde Ihnen gerne eine Zwischenfrage stellen, wenn Sie die zulassen wollen.
Frau Präsidentin, die Fachdebatte hier im Plenum ist bisher schon so ins Klein-Klein abgeglitten, dass ich das jetzt hier nicht haben möchte.
Sehr geehrte Frau Löhrmann, ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie nicht wissen, wie schwer sich die einzelnen Schulen mit der Aufgabe getan haben, die Sie ihnen auf den Tisch geknallt haben. In Kollegien und Schulkonferenzen wurde gerungen. Natürlich gab es überall auch Befürworter des alten Systems. Bis auf eine Schule, glaube ich, hat man aber überall auch erkannt, dass das, was Sie, Frau Löhrmann, den Schulen zugemutet haben, ins Chaos geführt hätte. Ihr Verhalten, Frau Ministerin, war nicht fair. Sie haben die Schulen alleingelassen, und zwar an einer Stelle, an der sich das Land nicht aus seiner Verantwortung stehlen darf.
Deshalb – das will ich ausdrücklich sagen – ist es gut und ich begrüße es, wenn Sie jetzt eben gezeigt haben, dass Sie von Ihrem Irrweg zurück zu G9 umgekehrt zu sein scheinen. Jedenfalls wäre bei uns die Freude über eine Sünderin groß, die Buße tut, wenn sie denn wirklich Buße tut, statt nur Pirouetten zu drehen oder Ritualtänze aufzuführen.
Frau Ministerin, Sie haben eben oft genug den Eindruck sich verfestigen lassen, Sie ließen die Gymnasien vielleicht mit Absicht leiden. „Leiden unter Löhrmann!“ – Sie selber sind es doch, die immer wieder Zweifel daran nährt, dass Sie das Gymnasium überhaupt wollen. Sie tun so, als sei das Gymnasium immer noch die böse, hoch selektive Eliteschulform der 50er- und 60er-Jahre.
Jemand, der das Gymnasium will, sagt nicht – Zitat – „… von Landesseite wird keine Schulform abgeschafft“, sondern der sagt: „Ich bekenne mich zum Gymnasium. Es ist ein wichtiges Element unserer Bildungspolitik. Ich will alles dafür tun, dass es seine Aufgaben auch in Zukunft erfüllen kann.“ Aber das, sehr geehrte Frau Löhrmann, hören wir von Ihnen auch heute leider nicht. Sie orakeln lieber finster,
Sie sind eine kluge Frau, Frau Löhrmann, und wissen doch genau, was Sie sagen. Deshalb kann man eine solche Äußerung wie die eben genannte nur als versteckte Drohung interpretieren.
Aber eine solche Drohung ist völlig unangemessen und unfair, denn die Gymnasien haben natürlich längst reagiert und tun das täglich weiterhin. Trotz der immer weiter steigenden Übergangszahlen ist es ihnen gelungen, die Wiederholerquote drastisch zu senken. Sie liegt heute bei 1,3 %. Unter RotGrün war sie viel höher. Vor zehn Jahren war sie noch dreimal so hoch. Diese Verminderung ist das Ergebnis der guten Arbeit der Gymnasien.
Ein weiteres Beispiel ist der stetige Anstieg der Zahl der Sek.-I- Absolventen, die zu den Gymnasien wechseln und dort zum Abitur geführt werden. Die Gymnasien haben längst – anders, als Sie es so oft insinuieren – die individuelle Förderung in den Mittelpunkt gestellt, leisten ihren Beitrag zur Durchlässigkeit unseres Schulsystems und haben die Zeichen der Zeit sehr wohl erkannt. Wer den Gymnasien das bestreitet, der will ihnen ans Fell.
Natürlich können auch die Gymnasien noch besser werden. Aber gerade erst hat doch sogar Professor Klieme den Gymnasien zugutegehalten, dass sie heute weit mehr Schüler als noch vor wenigen Jahren unterrichten und dennoch ihren Standard gehalten haben.