Protokoll der Sitzung vom 02.02.2011

Die Frauenpolitik sollte stärker darauf setzen, Synergieeffekte zu nutzen und Lösungsansätze in Kooperation mit den Partnern in der Praxis zu entwickeln.

Die rot-grüne Formel – Frauen plus Kompetenzzentren gleich wirtschaftliche Unabhängigkeit, Entgeltgleichheit und Gleichstellung – geht nicht auf. Frauenförderung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte im Erwerbsleben funktioniert nur, wenn ein Bündel von Faktoren, Einstellungen und Maßnahmen ineinandergreift.

(Zuruf von Sigrid Beer [GRÜNE])

Bildung ist und bleibt der Schlüssel zur gleichgesellschaftlichen Teilhabe, insbesondere für Frauen mit Zuwanderungsgeschichte.

(Zuruf von Verena Schäffer [GRÜNE])

Frauen müssen den Mut haben, in Berufsfelder vorzudringen, die traditionell von Männern besetzt sind. Und Frauen müssen nicht nur Beruf, sondern auch Karriere wollen und bereit sein, die damit verbundenen Nachteile in Kauf zu nehmen.

(Beifall von Ingrid Pieper-von Heiden [FDP])

Familien brauchen ein flächendeckendes flexibles Kinderbetreuungsangebot. Zuverlässige Kinderbetreuung schafft Chancengleichheit auch in Führungspositionen. Ein regional gegliederter Beratungsdienst für Spezialberufe, eine regionale Bera

tung der Beratung, hat sich nach Auffassung der CDU überlebt. Deshalb lehnen wir den Antrag ab. – Herzlichen Dank.

(Beifall von der CDU und von der FDP)

Frau Kollegin, ich hatte das gerade so verstanden, dass das Nichtzulassen von Zwischenfragen grundsätzlicher Art war. Durch das Wegtreten vom Mikrofon hat sich das dann nun in jedem Fall erledigt. – Es hat als nächste Rednerin für die Fraktion der FDP die Frau Abgeordnete Pieper-von Heiden das Wort.

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zurück auf die alten Pfade oder zurück in die Vergangenheit – anders lässt sich dieser Antrag wirklich nicht beschreiben. Es ist sozusagen alter Wein in neuen Schläuchen, nur ist am alten Wein oft noch was Gutes. Sie handeln so nach dem Motto: Man hat uns unser Räppelchen genommen, und jetzt holen wir es uns zurück. – Das muss man einfach sagen.

Was SPD und Grüne in diesem Antrag fordern, ist nichts anderes als die Wiedereinrichtung der Regionalstelle „Frau & Beruf“ unter anderem Namen.

(Zuruf von Britta Altenkamp [SPD])

Damit ist es ein Rückfall in die Zeiten rot-grüner Doppelstrukturen und sich aufblähender Kostenrahmen, die den Landeshaushalt bereits vor 2005 in Schutt und Asche gelegt haben.

Meine Damen und Herren, es streitet niemand ab, dass die Regionalstellen „Frau & Beruf“ früher durchaus ihre Daseinsberechtigung hatten.

(Zuruf von der SPD)

Aber Sie müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass sich ein solches Modell inzwischen selbst längst überholt hat. Die Regionalstellen waren seinerzeit in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts deshalb entstanden, weil die Arbeitsämter, Bildungseinrichtungen, Kammern, Betriebe und Verwaltungen frauenpolitischen Aspekten zu wenig Beachtung geschenkt haben.

Heute haben wir da eine ganz andere Situation. Es ist schon ein bisschen keck von Ihnen, Frau Schäffer, den Kammern in diesem Zusammenhang Untauglichkeit zu unterstellen. Ich habe nicht wirklich den Eindruck, dass Sie sich verstärkt in IHK-Kreisen bewegen und das auch wirklich so beurteilen können.

(Zuruf von Heike Gebhard [SPD])

Die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und Förderinstrumente sind in den letzten Jahren nämlich stetig fortentwickelt worden. Die berufliche Förderung von Frauen ist mittlerweile durch das Sozialge

setzbuch rechtlich festgeschrieben. Wir reden über Equal-Pay, Diversity und Gender-Mainstreaming.

(Verena Schäffer [GRÜNE]: Trotzdem be- wegt sich nichts!)

Unternehmen nutzen die Frauenanteile und teilweise höheren Frauenanteile in ihren Belegschaften und Führungsetagen sowie ihre Familienfreundlichkeit häufig als werbewirksame Mittel.

Die Lebenswirklichkeiten haben sich also deutlich verändert. Der gesellschaftliche Kontext hat sich gewandelt. Nur der Blick der Koalitionsfraktionen auf diese veränderte Lebensrealität hat sich nie verändert.

(Beifall von Ralf Witzel [FDP] – Zuruf von Verena Schäffer [GRÜNE])

Sie leben – und das wird nicht nur bei diesem Thema deutlich – immer noch im Gestern.

Frau Kollegin Pieper-von Heiden, der Kollege Mostofizadeh würde Ihnen gerne eine Zwischenfrage stellen, wenn Sie die zulassen.

Ach, ich glaube …

Ja oder nein?

(Heiterkeit von der SPD und von den GRÜNEN)

Nein danke, Frau Präsidentin, auch aus folgendem Grund: Da ist die Denke so grundsätzlich unterschiedlich, dass ich mit Blick auf die doch schon vorgerückte Stunde hier nicht noch eine Frage über vielleicht zehn Minuten beantworten möchte und dann feststellen muss, dass die Antwort nicht verstanden wurde.

(Zurufe von der SPD und von den GRÜNEN)

Liebe Kolleginnen und Kollegen der Koalitionsfraktionen: Sie leben also immer noch im Gestern. Und da verwundert es nicht, dass Sie hier nun einmal mehr in Ihren alten Trott verfallen. Dass Sie nicht die Erfinder einer angemessenen Haushaltspolitik sind,

(Beifall von der FDP)

wenn Sie ganz großzügig Ihre 16 Kompetenzzentren, bei denen es sich im Grunde wieder um Regionalstellen handelt, einrichten wollen, dürfte in den letzten Wochen doch jedem klar geworden sein. Wir brauchen wirklich keine Doppelstrukturen. Wir brauchen sie aber nicht nur nicht, sondern sie sind mit Blick auf die Haushaltslage unverantwortlich.

Auch Frauen im Beruf brauchen sie nicht mehr. Es gibt genügend Anlaufstellen, bei denen sie sich Be

ratung holen können und von denen auch qualifizierte Beratung und Unterstützung geleistet werden.

(Beifall von der FDP – Verena Schäffer [GRÜNE]: Nennen Sie doch einmal Beispiele!)

Die FDP-Fraktion wird diesem Antrag selbstverständlich nicht zustimmen. Wir stehen für eine ehrliche Haushaltspolitik,

(Josefine Paul [GRÜNE]: Sie stehen aber für keine ehrliche Frauenpolitik!)

für Bürokratieabbau und den Aufbruch unnötiger Doppelstrukturen, die den Steuerzahler mehr belasten, als sie von Nutzen sind.

Die Menschen in diesem Land erkennen dies auch. Sie wollen eine Zukunft für Nordrhein-Westfalen und nicht den gleichen Trott, für den Rot-Grün bereits 2005 abgewählt wurde.

Frau Schäffer, Sie haben gesagt, die Mittel für die Regionalstellen Frau & Beruf seien gestrichen worden. Das ist richtig. Aber was haben wir mit dem Geld gemacht? Schwarz-Gelb hat mit dem Geld in der Tat eine innovative Frauenförderpolitik auf den Weg gebracht und Unterstützungsmaßnahmen geschaffen, damit Frauen in der Wirtschaft reüssieren können und an entsprechende Stellen kommen. Das ist viel wirksamer, als es die alten Strukturen der Regionalstellen Frau & Beruf waren.

(Gerda Kieninger [SPD]: Sie haben nichts anderes und nichts Neues gemacht!)

Im vergangenen Jahrhundert, insbesondere in den 80er-Jahren, hatten diese Stellen tatsächlich ihre Bedeutung. Damals war die Beratungs- und Unterstützungstätigkeit der Kammern in der Tat noch nicht hinreichend ausgeprägt. Das hat sich aber völlig geändert. Deswegen brauchen wir diese Einrichtungen nicht.

(Heike Gebhard [SPD]: Wie viele neue Stel- len haben sie denn dafür eingerichtet?)

Ich merke an Ihren aufgeregten Reaktionen, dass Sie sich selbst vielleicht nicht ganz wohl dabei fühlen

(Heike Gebhard [SPD]: Fragen Sie die IHKs doch einmal selbst, wie viel Personal sie da- für eingestellt haben!)

und dass Sie zurückwollen.

Dies zieht sich überhaupt wie ein roter Faden durch Ihre gesamte Politik. Dass 2005 verschiedene Dinge abgeschafft worden sind, muss Sie so sehr geschmerzt haben,