Bundesweit gibt es bereits von einigen Wirtschaftsunternehmen gestiftete Auszeichnungen für erfolgreiche Unternehmerinnen wie zum Beispiel den „Prix Veuve Clicquot“ oder den „MestemacherPreis“. An diesen Beispielen kann man sich für die Auslobung eines solchen Landespreises „NRWManagerin des Jahres“ orientieren.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Auszeichnung weiblicher Führungskräfte ist auch auf Landesebene praktikabel. Mit dem Titel „Unternehmerin des Jahres“ würdigt zum Beispiel das Land Berlin her
vorragende Leistungen von Unternehmerinnen aus der Hauptstadt. Den Rahmen für die Preisverleihung bildet alle zwei Jahre ein in Berlin stattfindender Unternehmerinnentag mit einem Angebot an Seminaren, an Foren, an Informationsprogrammen. Diese Preisverleihung wird kofinanziert vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung.
In NRW fehlt es auf Landesebene bisher an einer solchen Auszeichnung, die sich an Unternehmerinnen richtet und dazu geeignet wäre, weibliche Leitbilder auch für den Führungsnachwuchs zu schaffen. Daher fordern wir die Landesregierung auf, einen solchen NRW-Preis ins Leben zu rufen. Eine Auswahlkommission aus nordrhein-westfälischen Führungskräften könnte diese „NRW-Managerin des Jahres“ küren und auch den Kriterienkatalog erstellen, den die Landespreisträgerin zu erfüllen hat.
Kernelement dieses Kriterienkatalogs – darüber können wir im Ausschuss diskutieren – muss neben den unternehmerischen Leistungen der Kandidatinnen auch deren Einsatz für die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern sein.
Wir fordern die Landesregierung also auf, erstens jährlich diesen Managerinnen-Tag als Informationsveranstaltung und Rahmen für die Preisverleihung auszurufen, zweitens nordrhein-westfälische Unternehmen in die Organisation und Finanzierung des Landespreises mit einzubeziehen und drittens das Projekt „NRW-Managerin des Jahres“ in der Öffentlichkeit zu bewerben.
Wir erhoffen uns von diesem Projekt ein wirksames Instrument für die Herausstellung der Kompetenz von Wirtschaftsfachfrauen in der immer noch von Männern dominierten Wirtschaftswelt, für die Förderung einer wirtschaftlichen Kultur, die Frauen und Männer gemeinsam gestalten, und für die Ermutigung von Nachwuchsmanagerinnen durch die Präsentation weiblicher Leit- und Vorbilder.
Ich würde mich freuen, wenn Sie diesem Projekt eine Chance geben und freue mich auch auf die Diskussion im Ausschuss. – Danke.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kollegen, liebe Kolleginnen! Da hatte die CDU-Fraktion wohl eine Vorahnung, als sie diesen Antrag geschrieben hat. Sie hat schon am 25. Januar einiges geahnt und uns diesen Antrag für dieses Plenum präsentiert als ein Trostpflaster für die verlorengegangene Quote.
Seit gestern wissen wir, die Bundeskanzlerin hat gesagt: Die Debatte ist beendet. Es wird keine gesetzliche Quote geben.
Diese Regelung sei nicht durchsetzbar. Also musste ein Trostpflaster her. Und dieses Trostpflaster ist dann der Landespreis „Managerin des Jahres“. Ich glaube kaum, dass das ausreicht. Ich glaube auch nicht, dass das der richtige Ansatz ist.
Dass das, was Sie im Antrag fordern, ein Signal ist, das Frauen ermutigt, ein Leitbild für Frauen zu sein, die in Führungsbereiche streben, ist nicht richtig. Am 2. Februar dieses Jahres veröffentlichte die „Rheinische Post“ eine Übersicht über den Anteil von Frauen in Bildung und Beruf – das kennen wir alles – und auch eine Pyramide zu den Ursachen für den geringen Frauenanteil. Da steht an erster Stelle: Für Frauen sind Karriere und Kinder unvereinbar. – Das wissen wir inzwischen auch. Wir wissen ebenfalls, dass wir an der Stelle alles geben müssen und die Sache nicht weiter so schleifen lassen dürfen wie in den letzten fünf Jahren.
An zweiter Stelle steht: Frauen werden im Beruf generell benachteiligt. An dritter Stelle heißt es: Männliche Vorgesetzte lassen Frauen nicht aufsteigen. An letzter Stelle, mit 5 %, steht: Es gibt zu wenig weibliche Vorbilder. – Das heißt, ausgerechnet das, was Sie fordern, wird am wenigsten von den Frauen in der Umfrage verlangt.
Ich glaube kaum, dass es Sinn macht, wenn wir uns an eine Sache wie den Mestemacher-Preis anhängen. Es ist sehr lobenswert, dass das Unternehmen Mestemacher diesen Managerinnen-Preis stiftet. Es ist auch sehr lobenswert, dass die Firma Mestemacher den Väter-Arbeitspreis stiftet. All das sind gute Ansätze. Sie gehören auch in den Bereich der Unternehmen, die das tun, wovon sie profitieren.
Wir wissen aus Studien, dass die Unternehmen 48 % mehr Gewinn machen, wenn dort mehr Frauen in Führungspositionen sind. Dazu sagt Frau Schröder: Gerade weil sie profitieren würden, sind Unternehmen doch schön blöd, wenn sie nicht bereit sind, das Potenzial von Frauen zu nutzen.
Von daher kann es nicht die Aufgabe des Landes sein, sondern es ist Aufgabe von Unternehmen, entsprechende Frauen zu würdigen, herauszustellen und deutlich zu machen, wie wichtig es ist, dass Frauen in Unternehmen auch in Führungspositionen sind.
Nun möchte ich kurz den Entschließungsantrag der Linken aufgreifen. Dieser Antrag ist mal wieder unter dem Motto „höher, schneller, weiter“ gefasst. Alles geht nicht schnell genug, alles ist nicht gut genug,
deswegen dieser Antrag als Entschließungsantrag zu dem Managerinnen-Preis. – Der Landtag fordert die Landesregierung auf, die im Koalitionsvertrag genannten Ziele umzusetzen. Ja, das wird sie auch tun. Aber ein Koalitionsvertrag gilt fünf Jahre. Denn fünf Jahre wird diese Koalition regieren.
Von daher müssen wir nicht alles in einem Jahr erledigen. Dann wird es ganz spannend. Dort steht: „… sich für eine paritätische Gleichstellung von Frauen (…) einzusetzen.“ Das verstehe ich nicht ganz.
„Der Geschlechter“ würde ich verstehen, aber wie Frauen paritätisch sein können, erschließt sich mir nicht so ganz. Dann steht da: „… eine paritätische Gleichstellung von Frauen (mindestens 50 %) …“
Vielen Dank, Frau Kollegin Kieninger. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht jetzt Frau Paul.
Während die Quotendebatte durch den gesamten Blätterwald rauscht, wollen Sie mit der Wirtschaft Präsentkörbe packen. Während wir gestern 16 regionale Kompetenzzentren Frau und Beruf auf den Weg gebracht haben, wollen Sie Hochglanzbroschüren drucken und Pressebilder generieren. Wir haben gute Frauen im Land und auch gute Vorbilder. Allein: Es fehlt an der systematischen Durchsetzung des Prinzips der Gleichstellung auf allen Ebenen – auch in der Wirtschaft.
uns vor Augen führen: In den Vorständen von 160 börsennotierten Unternehmen in Deutschland sitzen 686 Männer und 21 Frauen. Das entspricht einer Männerquote von 97 %. Unter den Aufsichtsräten ist die Situation nur marginal besser: 9,4 % weibliche Aufsichtsräte, wobei der allergrößte Teil davon Vertreterinnen der Arbeitnehmerinnenseite sind.
Zumindest die eine oder andere Unionsfrau hat in den letzten Tagen verstanden, dass es einen gesetzlichen Bedarf gibt und wir nicht nur weiße Salbe brauchen. Unglücklicherweise ist sie dann von einer Kanzlerin zurückgepfiffen worden, die ihres Zeichens von der FDP zurückgepfiffen wurde. Wer macht in Berlin eigentlich die Politik, die FDP oder die Kanzlerin? Aber das müssen Sie untereinander klären.
Die Kanzlerin hat sich also von der FDP zurückpfeifen lassen und die Quotendiskussion in seltener Entschlossenheit mal eben schnell abgebügelt. Wir werden gleich noch hören, warum die FDP beim Thema Gleichberechtigung im vorletzten Jahrhundert hängen geblieben ist.
Ich kann aber schon vorher zusammenfassen, was ich glaube, was Sie gleich sagen werden: Frauenquoten stellen einen unzulässigen Eingriff in die Unternehmerfreiheit dar. Das wird vermutlich gleich kommen. Ich sage Ihnen: Die Verfassung hat uns in Sachen Gleichstellung einen Auftrag gegeben, und wir scheuen uns nicht, diesen auch anzunehmen.
Meine Damen und Herren, natürlich ist die Quote eine Krücke; da sind wir uns sicherlich alle einig. Aber wenn ich mir beim Fußball ein Bein breche, dann brauche ich auch eine Krücke, damit ich bzw. es vorangehen kann. Damit es für Frauen in einer Gesellschaft, die an einem Mangel an Gleichberechtigung krankt, vorangehen kann, brauchen wir eine gesellschaftliche Gehhilfe, und das ist die Quote.
Wir brauchen natürlich auch eine andere Arbeitskultur. Es steht außer Frage, dass es mit der Quote allein nicht getan ist. Wir brauchen Teilzeit auch in den Führungsetagen. Wir brauchen flexible Arbeitszeiten. Wir brauchen Sitzungen, die nicht zwangsläufig nachts stattfinden. Wir brauchen Kinderbetreuung etc. Aber das alleine reicht nicht. Es reicht auch nicht, Preise zu vergeben und Hochglanzbroschüren zu drucken. Wir brauchen andere Maßnahmen gegen „gläserne Decken“ und gegen sich selbst reproduzierende „Old-BoysNetzwerke“.
Zum Thema „Freiwillige Selbstverpflichtung“ möchte ich die CDU-Ministerin von der Leyen zitieren, die schlicht und ergreifend gesagt hat: Die Vereinbarung ist „krachend gescheitert“. Dem ist doch im Grunde genommen nichts hinzuzufügen. Leider musste sie jetzt wieder zurückrudern. Aber die Richtung ist klar: Wir brauchen keine Preise, wir brauchen eine konsequente Frauenförderung und eine Quote für die Spitzenpositionen.