Herr Kollege Müller, vielen Dank. Ich will die Show gar nicht lange unterbrechen. Aber mir zwingt sich förmlich die Frage auf, ob Sie denn nachher dem Entschließungsantrag zustimmen werden. Denn ich höre ja, dass es da quasi sehr große Gemeinsamkeiten gibt. Das heißt, der rot-grüne Entschließungsantrag und möglicherweise sogar auch der Entschließungsantrag der Piraten finden dann nachher Ihre Zustimmung?
Zum Ersten: Es wäre kein Problem für Rot-Grün gewesen, sich mit uns zusammenzusetzen, übrigens auch nicht für die Piraten. Ich schaue mal, wie die SPD und die Grünen abstimmen. Davon machen wir natürlich auch unser Abstimmungsverhalten abhängig.
Zum Antrag der Piraten: Der ist mir eben erst auf den Tisch gelegt worden. Seien Sie mir bitte nicht böse. Ich habe ihn gelesen, aber ich konnte mich nicht mehr in der Fraktion darüber besprechen. Außerdem brauchen wir die Frage, ob wir die ÖPNVProblematik mit aufnehmen, erst dann zu stellen, wenn wir den Zuschlag für die Europameisterschaft bekommen haben. Es macht ja keinen Sinn, jetzt darüber zu diskutieren, was wir im Hinblick auf ÖPNV machen, wenn wir noch nicht einmal wissen, ob wir den Zuschlag für die Europameisterschaft bekommen.
Eines ist mir allerdings aufgefallen. Am Ende Ihres Antrages loben Sie den LSB. Das ist schön, da freut sich der LSB.
Ob der sich allerdings im Zusammenhang mit dem „Pakt für den Sport“ auch so gefreut hat, das weiß ich nicht. Da habe ich etwas anderes gehört.
Doch, Ihr Kollege Bischoff ist im Herbst letzten Jahres rumgelaufen und hat gesagt: Wir verlängern noch in dieser Legislaturperiode den „Pakt für den Sport“. – Seit Wochen warte ich auf die Einladung zur Jubelfeier von Rot-Grün zur Verlängerung des „Pakts für den Sport“. Es kommt nichts!
Darauf freuen wir uns dann, der LSB auch. Was Sie uns hier vorlegen, das ist ein Scheinpapier. Sie wollen die Gemeinsamkeit der Sportfraktion einfach nicht mehr. Dafür gibt es in der letzten Zeit übrigens eine Reihe von Beweisen.
Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Müller, ich habe ja geahnt, dass Ihr Beitrag ein wenig in Richtung einer Büttenrede abdriften würde. Insofern habe ich mir erlaubt, ein paar Verse zu formulieren, die in das Thema einführen sollen:
(Heiterkeit von der SPD – Hans-Willi Körfges [SPD]: Da fehlt noch ein Stadion! Nehmen wir das von Mönchengladbach!)
Als ich den Titel des CDU-Antrages „ ‚Ja‘ zur Fußballeuropameisterschaft in NRW-Stadien“ gelesen hatte, dachte ich zunächst: Diesem Antrag kann man ja nur zustimmen. Herr Müller, Sie haben eben darauf hingewiesen: Wo liegt eigentlich das Problem?
Allerdings stellte ich bei der weiteren Lektüre fest, dass man auch bei diesem Thema ein bisschen weiterdenken muss als von der Wand bis zur Tapete. Daher haben wir wichtige Korrekturen in unserem Entschließungsantrag „‚Europa zu Gast in NRW‘ – nachhaltige und transparente EURO 2024 in NRWStadien unterstützen“ formuliert:
Erstens. Sie, liebe CDU, beschränken sich in Ihrem Antrag auf die Unterstützung der fünf Austragungsorte Dortmund, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Köln und Mönchengladbach. Nun endet aber heute erst die Bewerbungsfrist für die Austragungsorte, und wir tun gut daran, uns im Vorhinein gar nicht festzulegen. Daher heißt es in unserem Antrag richtigerweise:
„Die Landesregierung wird aufgefordert, alle NRW-Städte, die die Auswertungskriterien erfüllen, bei ihrer Bewerbung zu unterstützen.“
Zweitens. Das sage ich übrigens auch als Mitglied des Haushalts- und Finanzausschusses: Der Staat – besser gesagt: die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler – ist Bürge für viele Stadien in unserem Land. Daher heißt es in unserem Antrag auch aus wirtschaftlichen Gründen richtigerweise:
„Der Landtag wünscht sich dabei eine Europameisterschaft in möglichst vielen Stadien in Nordrhein-Westfalen.“
Da möchte ich kurz einschieben: Auch ich habe den Antrag der Piraten vorhin erst bekommen. Wenn Sie schreiben, dass die Einnahmen zweckgebunden zum ÖPNV-Infrastrukturausbau verwendet werden sollen, dann ist das natürlich ein hehres Ziel. Fakt ist aber – und da spreche ich von meiner Esprit-Arena –, dass wir hier über ein Defizit im zweistelligen Millionenbereich pro Jahr reden. Insofern bin ich froh, wenn wir über solche Veranstaltungen ein bisschen Geld als Einnahmen bekommen, damit auch dort, wie im Land Nordrhein-Westfalen, am Ende des Jahres wieder eine schwarze Null steht.
Drittens. Bleiben wir beim Geld. Ja, wir alle wollen mit der EURO 2024 wieder ein Sommermärchen in unserem Land. Das Wort „Märchen“ darf sich aber ausdrücklich nicht auf die Finanzierung der Europameisterschaft und das Zustandekommen einer Mehrheit für das Austragungsland beziehen.
„Die EURO 2024 soll als Chance verstanden werden, die positiven Aspekte der Nachhaltigkeit von Beginn des Bewerbungsprozesses an sowie die Themen der Transparenz und des Good Governance zu transportieren und zu stärken.“
Viertens. Bei unserem Antrag steht eben nicht, so wie bei Ihnen, die EURO 2024 sei ein wichtiges Signal zur Stärkung des Sportlandes Nordrhein-Westfalen. Ja, es wäre spitze, wenn die EM hier bei uns stattfinden würde. Wichtige Signale zur Stärkung des Sportlandes Nordrhein-Westfalen setzen jedoch wir hier im Landtag, unter anderem mit dem „Pakt für den Sport,“ und nicht die UEFA in der Schweiz. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Leider entscheidet die UEFA nicht auf Basis der karnevalesken Fähigkeiten der Rednerinnen und Redner im Landtag von NordrheinWestfalen. Ich wäre mir sicher: Dann hätten wir die Sache im Sack.
Es geht hier aber nicht nur um humoristische Einlagen. Da sind Sie, Herr Müller, ebenso berechenbar; denn ich dachte mir schon, dass es in diese Richtung gehen würde. Natürlich sind wir ein Fußballland, und wir können auch große Turniere. Sie haben gerade schon auf die Fußballweltmeisterschaft 2006 hingewiesen. Dort hat Nordrhein-Westfalen mit den Spielorten Dortmund, Gelsenkirchen und Köln gezeigt, dass wir einen ganz wichtigen Beitrag zum „Sommermärchen“ geleistet haben.
Aber, weil Sie es schon angesprochen haben: Dieses Sommermärchen – und das ist in den letzten Wochen und Monaten breit diskutiert worden – hatte eben auch Schattenseiten. Nach wie vor ist der Korruptionsskandal, der sich um die Vergabe des Sommermärchens rankt, nicht aufgearbeitet. Das trägt zu einem erheblichen Maße zur Glaubwürdigkeitskrise des organisierten Sports bei, und es trägt auch dazu bei, dass die Unterstützung durch die Bevölkerung in den letzten Jahren gesunken ist. Das sieht man an den gescheiterten bzw. den erfolgreichen Bürgerentscheiden zu den Bewerbungen für Olympische Spiele.