Protokoll der Sitzung vom 26.09.2013

Meine Damen und Herren – das möchte ich an dieser Stelle direkt ankündigen –, solche Ausweichmanöver, wie wir sie in den letzten Monaten erlebt haben, werden wir in den nächsten Jahren genauso wenig hinnehmen – wie immer eine neue Bundesregierung aussehen mag. Diese Ausweichmanöver werden wir nicht länger hinnehmen. Auch die Untätigkeit der bisherigen Bundesregierung werden wir nicht länger hinnehmen. – Vielen Dank.

(Beifall von den GRÜNEN)

Vielen Dank, Herr Bolte. – Nun spricht für die CDU-Fraktion Herr Kollege Biesenbach.

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Während wir uns beim vorherigen Punkt in der Sache ja noch trefflich auseinandersetzen konnten, kann ich meine beiden Kollegen, die gerade vor mir gesprochen haben, Herrn Geyer und Herrn Bolte, nur fragen: Haben Sie nicht mitbekommen, dass der Bundestagswahlkampf zu Ende ist? Der ist vorbei!

(Beifall von der CDU und der FDP – Verena Schäffer [GRÜNE]: Die Debatte geht weiter!)

Frau Schäffer, falls Sie es auch nicht mitbekommen haben: Im Bundestag ist in den letzten Sitzun

gen vor der Wahl ausführlich darüber gesprochen worden. Wir haben hier in der letzten Plenarwoche vor der Wahl die Themen „NSA“, „PRISM“ und „Tempora“ in fünf Tagesordnungspunkten ausführlich debattiert.

(Verena Schäffer [GRÜNE]: Aber aufgeklärt ist nichts!)

Und was bringen Sie heute neu? Nichts! Sie reiten ein totes Pferd. Viel Spaß!

(Vereinzelt Beifall von der FDP)

Wenn das Ihr Tempo ist, dann sollten wir damit wirklich aufhören.

Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Düngel?

Keine Zwischenfrage.

Nein, und zwar deshalb nicht, weil in Situationen, in denen keine Substanz zu sehen ist, auch keine Zwischenfrage hilft.

(Lukas Lamla [PIRATEN]: Grundrechte sind substanzlos?)

Ich will das mal deutlich machen: Herr Bolte hat gerade von der großen Freiheit gesprochen. Herr Bolte, bereits am 1. Juli 2013 berichtete die „Rheinische Post“ darüber, dass die CIA im Jahr 2007 vorübergehend eine Immobilie der Sparkasse Neuss angemietet haben soll. Dass Sie das heute, zweieinhalb Monate später, noch mal thematisieren, zeigt, wie ernst Sie das Thema nehmen und wie schnell Sie sind. Prima! Das zeigt das tote Pferd. Sie tragen es auch noch selber, damit Sie überhaupt noch ein Stückchen nach vorne kommen.

(Matthi Bolte [GRÜNE]: Selbst wenn es so wäre, wären wir immer noch schneller als Frau Merkel!)

Eines sind Sie bis heute schuldig geblieben. In Ihrem Antrag wird unter II.2 vollmundig behauptet – ich zitiere –:

„… eine flächendeckende und anlasslose Überwachung des Kommunikationsverhaltens der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen …“

Sowohl Sie als auch die Piraten sind bis heute jeden Beleg dafür schuldig geblieben, dass diese Behauptung stimmt.

(Daniel Schwerd [PIRATEN]: Das ist ja auch geheim!)

Sie haben sie weder in Berlin noch hier belegen können. Das Einzige, was Sie wollen, ist, deutlich zu machen: Da könnte was sein. Wir schmeißen mal was, vielleicht verunsichern wir die Menschen. – Es gibt bis heute keinen einzigen Beleg – keinen! Sie haben keinen erbracht.

(Verena Schäffer [GRÜNE]: Aber auch kei- nen Gegenbeleg!)

Frau Schäffer, hätten Sie mehr als nur eine Vermutung, dann wären Sie doch freudestrahlend nach vorne gekommen. Es gibt keinen Beleg für massenhafte Ausspähung oder millionenfache Grundrechtsverletzung auf deutschem Boden.

(Daniel Schwerd [PIRATEN]: Wir reden jetzt auch nicht von deutschem Boden!)

Aber nur dafür sind deutsche Behörden und eine deutsche Regierung zuständig.

Es gibt nur den Wunsch von SPD und Grünen, dieses Thema am Leben zu erhalten.

(Beifall von der CDU)

Wir sind ganz gespannt, wie das in den nächsten Monaten aussehen wird. Es ist ja nicht auszuschließen, dass Sozialdemokraten oder Grüne in Berlin in eine Koalitionsregierung eintreten. Wir werden Sie dann fragen, was von diesem Muskelspiel noch zu halten ist, wenn Sie tatsächlich mal in die Realität müssen, wenn Sie mehr müssen, als nur hier zu stehen und große Drohungen oder Sorgen in die Welt zu posaunen.

(Zuruf von Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE])

Dann wird man merken, wie der Alltag Sie einholt, Herr Mostofizadeh. Und dann reden wir noch mal darüber.

Gestatten Sie jetzt eine Zwischenfrage, Herr Kollege?

Nein! Ich habe doch gesagt: …

Also grundsätzlich nicht?

… nur bei substanziellen Dingen und nicht bei solchen wie diesen hier.

Okay, wie Sie möchten.

Herr Jäger, Sie beklagen sich als Innenminister im Innenausschuss auch noch darüber, dass Ihnen der Bundesinnenminister, den Sie persönlich angeschrieben haben, durch ei

nen Abteilungsleiter antworten lässt und nicht selbst antwortet. Ich würde mal hinterfragen, woran das denn liegt. Er mag zwar Ihr Lieblingsgegner oder auch Ihr Lieblingsfeind sein,

(Minister Ralf Jäger: Oh Gott!)

aber ich denke, Herr Friedrich ist souverän genug, um zu sagen: Spielregeln halte ich ein. – Darum sollten Sie die Antwort durch den Abteilungsleiter eben durchaus auch als Signal dafür betrachten, wie ernst Ihre Anfrage genommen wird. Wenn die in Berlin genauso ernst angekommen ist, wie wir die Debatte heute hier erleben, dann finde ich es toll, dass überhaupt ein Abteilungsleiter unterschrieben hat, denn der richtige Ansprechpartner wäre dann ein Sachbearbeiter gewesen.

Ergebnis: Es fehlt bis heute jeglicher Beleg. Sie wollen ein Thema am Leben erhalten, das eigentlich längst ruht, bis Sie demnächst vielleicht die Chance haben, es wieder aufzugreifen.

Wir sagen ganz eindeutig: Auch wir stehen zum informationellen Selbstbestimmungsrecht.

(Hubertus Kramer [SPD]: Bravo!)

Wir stehen auch zum Datenschutz, keine Sorge. Wir haben ihn bisher auch intensiv durchgesetzt.

Bevor Sie jetzt aber sagen: „Dann tut etwas dafür“, machen Sie bitte einmal deutlich, wo die Situation wirklich problematisch ist. Das, was hier bisher passiert ist und was wir gleich noch hören, ist nichts anderes als Popanz. Und Popanze muss man in die Wüste schicken.

Wir werden Ihren Antrag heute natürlich ablehnen.

(Vereinzelt Beifall von der CDU und der FDP)

Danke schön, Herr Biesenbach. – Nun spricht für die FDP Herr Dr. Orth.

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am Anfang möchte ich klar herausstreichen, dass auch wir als Liberale sehr an weiterer Aufklärung interessiert sind und mit dem Erkenntnisstand, den wir haben, auch noch nicht zufrieden sind.

Allerdings muss man auch feststellen, dass dieser Antrag wirklich eher aus der Zeit vor Sonntag als der nach Sonntag stammt.