„ … die Schlussfolgerung, dass über die Anzahl der erfüllten Merkmale die Qualität des Verfahrens eingeschätzt werden kann, ist nicht zulässig.“
Es ist nicht zulässig, über die Anzahl der erfüllten Merkmale die Qualität des Verfahrens einzuschätzen. Und genau das haben Sie heute getan.
Sie haben seit 2010 Gelegenheit gehabt, Delfin 4 zu evaluieren. Wir haben Sie im letzten Jahr darauf angesprochen, als das Bundesprojekt BISS vorgestellt wurde, ob Sie die Evaluation eingeleitet haben. Sie haben gesagt, nein.
Wir haben Sie gefragt: Wollen Sie ernsthaft den fünfjährigen Projektzeitraum bis 2018 abwarten, um dann erst zu handeln? Sie haben gesagt: Nein, das würde keinen Sinn machen. – Und diese Auffassung teile ich.
schaftliche Überprüfung des Kinderbildungsgesetzes reserviert. Aber dieses Geld haben Sie nicht eingesetzt. Obwohl wir Sie letztes Jahr aufgefordert haben, die Evaluation anzustoßen, haben Sie das nicht getan.
Wenn Sie auf die Mercator-Studie in Ihrer Begründung rekurrieren, dann kann ich Ihnen eines sagen: Diese Studie ist an diesem Punkt nicht seriös, und zwar aus zwei Gründen heraus,
weil erstens die seit 2007 vorliegenden Normierungen zu Delfin 4 im Rahmen dieser Studie gar nicht beachtet worden sind und zweitens das Manual durch die Verfasser offensichtlich nicht gelesen wurde.
Wenn Sie weiter in der Mercator-Studie lesen – darauf scheinen Sie abzuheben: weg von einem punktuellen Feststellungsverfahren hin zu einer dauerhaften Beobachtung –, dann hätten Sie lesen können, dass ein häufiges Problem bei den Beobachtungsbögen ist, dass eingeschätzt werden soll, ob die Sprache altersgemäß ausreichend entwickelt ist. Damit wird eine subjektive Präferenz verlangt. Sie stellen dieses Verfahren eines standardisierten Screenings um auf subjektive Präferenzen.
Bevor man das macht, muss man das sehr genau diskutieren, überlegen, analysieren und dann erst einsetzen.
Selbst wenn Sie Mercator an dieser Stelle nicht lesen wollen, weil es Ihnen nicht zupass kommt, können Sie auch zurückgreifen auf eine Studie des DJI, in der geschrieben wird: Beobachtungsverfahren im Sprachstandsbereich sind sehr fehleranfällig. Ein standardisiertes Screening ist es nicht in dem Moment. Deshalb ist das, was Sie hier vorhaben, ein deutlicher Rückschritt gegenüber dem, was wir derzeit an Verfahren haben.
Nichtsdestotrotz: Im siebten Jahr von Delfin 4 ist es so, dass man Praxis und Routine bei der Weiterentwicklung einer Sprachförderung mitnehmen
muss. Das haben wir Ihnen als CDU-Fraktion schon vor der Sommerpause zur Großen Anfrage gesagt. Wir sind bereit, weil es Sinn machen kann, die Erzieherinnen mit in das Schulgesetz hineinzunehmen und sie zu befähigen, dieses Verfahren durchzuführen.
Das könnte gelingen, indem man in NordrheinWestfalen einen Zertifikatskurs „Spracherzieherin in der Kita“ auf den Weg bringt und flächendeckend, trägerübergreifend anbietet.
(Britta Altenkamp [SPD]: Das ist das Gegen- teil von dem, was Sie wollen. Das ist kein Angebot, das ist ein Witz!)
Nein, weil wir es schlicht und ergreifend weiterentwickeln. Sie schaffen es ab durch etwas, bei dem Sie in Ihrem Antrag noch nicht einmal deutlich machen, was denn kommen soll. In Ihrem Antrag sind nur Sprachwolken. Substanziell ist da nichts hinterlegt, womit Kindergärten arbeiten können.
Liebe Frau Kollegin Scharrenbach! Sie haben als CDU-Fraktion eine Große Anfrage zum Thema Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung gestellt. Sie wurde von der Landesregierung am 19.06. dieses Jahres beantwortet.
Ich gehe davon aus, dass Sie diese Antwort zur Kenntnis genommen und dort auf Seite 14 gelesen haben, dass in 99 % der Einrichtungen neben Delfin 4 standardisierte Beobachtungsverfahren angewandt werden. Ich nenne ein Beispiel: Sismik, Seldak oder das Bielefelder Screening. Sind Ihnen diese Verfahren bekannt, und ist Ihnen auch bekannt, dass sie standardisiert sind?
Frau Asch, ich bedanke mich sehr für diese Frage, aus dem einfachen Grund, weil Sie wissen, dass seit der Bildungsvereinbarung 2003 die Bildungsdokumentation in Einrichtungen überwiegend verpflichtend eingesetzt wird. Im Rahmen dieser Bildungsdokumentation werden Sismik und Seldak eingesetzt. Insofern ist das nichts, was dem, was Sie hier anführen, widerspricht.
Zur großen Anfrage: Aus dem, was Frau Hack formuliert hat, lesen Sie, dass Delfin 4 abgeschafft werden soll. Es gibt in dieser Großen Anfrage noch nicht einmal eine Frage zur Wirksamkeit des Sprachstandsfeststellungsverfahrens. Es gibt eine Frage zur Wirksamkeit des Sprachförderkonzepts Delfin 4. Wenn Sie die Antwort richtig ausgewertet hätten, wüssten Sie, dass nur ein Programm, nämlich Language Route, von den 5.400 Einrichtungen besser bewertet wurde als Delfin 4. Das haben Sie offensichtlich nicht getan.
Sie heben in Ihrem Antrag ferner überhaupt nicht darauf ab, was wir eigentlich mit den Schnittstellenproblemen machen. Im Alter von vier bis sechs Jahren wird ein Kind drei verschiedenen Institutionen vorgestellt und, wenn es schlecht läuft, mit drei ver
schiedenen Sprachstandsfeststellungsverfahren auf den altersgerechten Sprachstand getestet. Dieses Problem gehen Sie in Ihrem Antrag überhaupt nicht an. Es wäre sinnvoll, da entsprechend anzufangen.
Ferner: Das, was durchaus nachvollziehbar ist und einer Schärfung bedarf, ist der Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen, auch in Abgrenzung zu dem der Grundschule. Ich glaube, in der Zwischenzeit tut das in der Tat not, weil sich viele Kindergärten und Grundschulen vor Ort auf den Weg machen und eigene Konzepte und Abstimmungen entwickeln, weil Landesvorgaben fehlen.
Danke. – Insofern freuen wir uns auf die weiteren Beratungen im Ausschuss und hoffen, dass Sie Ihren Antrag zurückziehen. – Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Kollegin Scharrenbach. – Als nächster Redner hat Herr Kollege Hafke für die FDP-Fraktion das Wort.
Ich möchte all diejenigen, die heute und in Zukunft Zwischenfragen stellen möchten, noch einmal darauf aufmerksam machen, dass es auch das Instrument der Kurzintervention gibt. Manche Zwischenfrage gehört nämlich eher in diesen Bereich, und sowohl ich als auch die Vizepräsidenten möchten ungerne diejenigen unterbrechen, die fragen.
Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrte Damen und Herren! Ich habe mich über die Einleitung von Frau Hack gefreut. Bei Frau Asch musste ich wieder feststellen, dass sie in Teilen immer genau da weitermacht, wo wir bei jeder Debatte aufhören. Sie versucht erst, sich an dem abzuarbeiten, was SchwarzGelb gemacht hat, statt einfach einmal anzuerkennen, dass wir damals, im Jahr 2007, den ersten Schritt zu einer vernünftigen Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung gemacht haben.
Ich glaube, das muss man einmal anerkennen. Da bricht sich auch eine rot-grüne Koalition keinen Zacken aus der Krone. Ich möchte probieren, die Diskussion über das Thema auf einer sachlichen Ebene fortzusetzen und die Punkte hier noch einmal aufzugreifen.
Ich glaube, wir sind uns in einem Punkt einig: Sprache ist die zentrale Variable für einen Bildungserfolg. Wir wollen faire Chancen für alle Kinder, und dabei müssen wir bei dem Elementaren anfangen: der Sprache. Kinder mit Defiziten, die wir früh erreichen, können bei entsprechender Förderung eine
erfolgreiche Bildung durchlaufen. Als die damalige Landesregierung von CDU und FDP 2007 die Sprachstandsfeststellung und die Sprachförderung einführte, war genau das das Ziel: möglichst alle Kinder früh erreichen und dann fördern.
Davor hatten wir im Land unter Rot-Grün noch große Defizite in diesem Bereich. Die Sprachförderkurse setzten viel zu spät an, und sie kamen nur vergleichsweise wenigen Kindern zugute. Das Anliegen der obligatorischen Sprachtests war also genauso richtig, wie es das heute ist. Damals ist massiv in die Sprachförderung investiert worden, und ich glaube, das sollten wir beibehalten. Die Sprachförderung wurde verbindlich und flächendeckend abgesichert, und viele Kinder haben von dieser Sprachförderung profitiert.
In der Kritik steht vor allem das Verfahren zur Sprachstandsfeststellung Delfin 4. Es hat in der Praxis einige Schwächen gezeigt. Daher wollen wir dieses Verfahren nun optimieren. Es war auch von vornherein vorgesehen, nach einem Praxistest zu schauen, wo Optimierungsbedarf besteht. Wir haben das im gesamten Kinderbildungsgesetz so vorgesehen: nach einer Praxisphase zu schauen, wie es umgesetzt wird. Die FDP hat sich nie dagegen verschlossen, dass hier und da nachgesteuert werden muss. Das ist meines Erachtens qualitätsorientierte Gesetzgebung.
Sie verlassen sich im Gegensatz dazu im Moment mehr auf Ihr Bauchgefühl. Sie haben die Berichtspflicht im Kinderbildungsgesetz faktisch gekippt und dem Parlament einfach gar keinen Bericht mehr vorgelegt. Dabei wäre es gut gewesen, eine belastbare Grundlage für die Bewertung zu haben. Aber, wie gesagt, ein Optimierungsbedarf besteht hier ohne Frage.
Ich glaube, wir müssen darüber diskutieren, wie wir das verbessern können, und dabei muss klar sein, dass wir alle Kinder erreichen wollen und nicht nur die, die eine Kita besuchen. Wir brauchen also weiterhin ein Verfahren, das alle Kinder individuell zur Sprachstandsfeststellung verpflichtet.
Das bedeutet, dass wir auch die Kindertagespflege in die Überarbeitung einbeziehen müssen. Der Übergang zwischen Kita und Schule verdient ebenfalls Aufmerksamkeit. Hier sollten wir eine stärkere Vernetzung anstoßen.
Vor allem aber müssen wir schauen, wie wir den Punkt „alltagsintegrierte Sprachförderung“, den Sie hier auch ansprechen, vernünftig umsetzen. Einerseits wissen wir alle, dass die Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas an den Kindern am nächsten dran sind und bereits sprachfördernd tätig sind. Das ist jetzt schon deren Alltagsgeschäft. Diese Kompetenz müssen wir anerkennen und nutzen.
Wir dürfen aber andererseits auch nicht in den Fehler verfallen, die alltägliche Arbeit in den Kitas zu überfrachten. Eine alltagsintegrierte Sprachförderung ist also sicher wünschenswert und sinnvoll, braucht dann aber auch die entsprechenden Ressourcen. Hierüber sollten wir im Ausschuss diskutieren und auch, denke ich, in einer entsprechenden Anhörung.
Für die Überarbeitung der Sprachstandsfeststellung sollten wir uns ebenfalls Anregungen aus der Wissenschaft und der Praxis holen. Ich glaube, dass wir alle eigentlich gar nicht so weit auseinander sind. Deswegen würde ich mir wünschen, dass man bei dem Thema etwas abrüstet und in einer qualitativ hochwertigen Debatte dafür sorgt, dass die Sprachstandsfeststellung weiterentwickelt wird und die Sprachförderung im Ergebnis allen Kindern zugutekommt. Ich glaube, dann haben wir alle in unserem Land einen großen Nutzen davon. – Vielen Dank.