Deshalb haben wir mit unserem Entschließungsantrag ein ganzes Maßnahmenbündel auf den Tisch gelegt, von dem wir sagen: Das ist die Begleitmusik, die man braucht, um aus Schule und Wohnumfeld bewegte Lebensräume für Kinder und Jugendliche zu machen. Denn Sie haben richtigerweise ausgeführt, warum Bewegung für Kinder nicht nur für das Erlernen motorischer Fähigkeiten, sondern auch darüber hinaus wichtig ist.
Ich will darauf zurückkommen, warum wir dieses Maßnahmenbündel eigentlich eingeführt haben. Wir begrüßen sportmotorische Tests unter Umständen als ergänzendes Mittel. Wir brauchen aber die Sachen, die wir in den Antrag hineingeschrieben haben. Wenn man etwas Gutes tut, ist es nicht falsch, auch darüber zu sprechen. Die rot-grüne Landesregierung hat die Tandems eingeführt, bei denen
Ihr Lieblingsprojekt, Herr Kollege Müller, „1.000 mal 1.000“ haben Sie dieses Mal gar nicht erwähnt. Dabei haben wir „1.000 mal 1.000“ zielgerichtet zu einem Programm weiterentwickelt, das die Vereine unterstützen soll, um im offenen Ganztag mit Bewegungsangeboten dabei zu sein, um in den Kitas Bewegungsangebote als Expertinnen und Experten für Spiel, Sport und Bewegung anbieten zu können.
Das ist eine ganze Reihe ganz konkreter Maßnahmen. Der Kollege Feuß hat das angesprochen. Auch die Stärkung der motorisch-diagnostischen Elemente in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern ist wichtig. Wir wollen nicht nur Schule als Lebens- und Bewegungsraum von Kindern sehen. Wir wollen auch die gesamte Kommune als Bewegungsraum für die Menschen sehen und sie dahin gehend weiterentwickeln.
Das heißt: Wir brauchen die klassischen Sportstätten. Wir brauchen aber auch Bewegungsräume wie Mehrgenerationenspielplätze, Skateanlagen, Bolzplätze und den gesamten Kanon,
damit wir Menschen die Möglichkeit geben, ihr Leben bewegt zu gestalten, weil es für junge Menschen nicht zuletzt wichtig ist, sich selbst und ihre Umwelt bewegt erfahren zu können.
Davon steht in Ihrem Antrag nichts. Der Kollege Feuß hat es schon gesagt, und der Kollege Wolfgang Roth hat es Ihnen in der letzten Legislaturperiode schon gesagt: Vom Wiegen allein wird die Sau nicht fett.
Zu sagen, womit Sie Fleisch an den Knochen bringen wollen, nachdem Sie die Ergebnisse erzielt haben, sind Sie einmal mehr schuldig geblieben. Dementsprechend haben wir unseren Antrag mit ganz konkreten Maßnahmen auf den Tisch gelegt.
Ich glaube, das wird eine interessante Diskussion. Ich hoffe, dass wir im Ausschuss dazu kommen, dass auch Sie einsehen: Vom Wiegen allein kommt es nicht; wir brauchen auch Futter für bewegtes Leben von Kindern und Jugendlichen in NordrheinWestfalen.
Ich bin sehr gespannt darauf, ob sich eine tatsächliche gemeinsame inhaltliche Weiterentwicklung ergibt.
Meine sehr verehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Lieber Zuschauer auf der Tribüne und zu Hause! Herzlich willkommen im sozialdemokratischen Gemüsegarten –
zumindest hatte ich eben so einen Eindruck. – Herr Müller sagte eben etwas zur Genese dieser Idee, zum Antrag und zur Situation vor 2012, als es die Piraten noch nicht im Landtag gab. Wir sind nicht der Akteur von früher. Wir sind nicht die Partei von früher, sondern wir sind die Partei von jetzt.
Deswegen erlaube ich mir, etwas allgemeiner zu dieser Sache zu sprechen, um den Zuschauern und den Personen, die damit noch nicht konfrontiert worden sind, zu erläutern, worum es eigentlich geht. Sportmotorische Tests sind Bewegungsformen und Aufgaben, die spielerisch durchgeführt werden und Aussagen über den aktuellen Stand der sportlichen Fähigkeiten erlauben. Mit diesen Instrumenten kann durchaus Förderbedarf identifiziert werden. Die Testergebnisse in Kombination mit der Schulnote könnten gerade für Eltern eine wichtige Information über das Bewegungsverhalten der Kinder sein.
Der Test allein ist allerdings nicht ausreichend. Wir erachten es nicht für sinnvoll, sportmotorische Tests um der sportmotorischen Tests willen einzuführen, frei nach dem Motto: Wir führen einen Test ein, testen, und dann lehnen wir uns zurück.
Wichtig ist, was nach dem Test passiert. Ich hoffe, darum wird es auch in den Beratungen im Ausschuss gehen. Wer interpretiert die Ergebnisse? Wie werden die Ergebnisse den Eltern zugetragen? Und vor allem: Wie sind die Ergebnisse mit einem Fördersystem verzahnt?
Ich versuche mich als Wahrsager. Frau Schäfer wird gleich nach mir sprechen. Vermutlich werden Sie gleich sagen, dass es in NRW bereits ein wunderbares Fördersystem gebe, das auch ohne sportmotorische Tests auskomme. Aber das ist aus meiner Sicht nicht alles. Wir Piraten haben schon letztes Jahr fast ein halbes Jahr lang im Sportausschuss mit Kleinen Anfragen versucht, uns diesem Thema zu nähern, weil wir wussten, dass irgendwann das Ding im Plenum aufploppt.
wahrnehmen, noch welche Lehrkräfte diesen Unterricht durchführen. Das hat sich herausgestellt. Gerade in Grundschulen sieht die Situation von geeigneten Lehrkräften sehr dürftig aus. Darauf geht der Entschließungsantrag nicht mit einer einzigen Silbe ein.
Ich sage Ihnen, dass die 470 Schulsportgemeinschaften mit besonderer Aufgabenstellung bei über 6.000 Schulen in NRW nicht ausreichen, ganz zu schweigen von den Sportlehrkräften in den Grundschulen. Denn die können Sie in der Regel in einer Region an einer Hand abzählen, wenn Sie es denn könnten. Denn Zahlen gibt es nicht wirklich.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass wir nicht gegen die Einführung sportmotorischer Tests sind. Ich bin auch überzeugt davon, dass wir nach einer ehrlichen Debatte im Ausschuss durchaus zusammen etwas machen können. Wir sind aber der Meinung, dass eine sinnvolle Verzahnung von Test und anschließender Förderung Voraussetzung für das Gelingen von sportmotorischen Tests ist. Das jetzige Fördersystem für kompensatorischen Sport in NRW ist mangelhaft bis nicht vorhanden.
Daher ist es nur schwer möglich, eine derartige Verzahnung mit Leben zu füllen. Es gilt, hierbei Verbesserungen zu erreichen. Das sagen auch die Experten; man kann sich dazu das stenografische Protokoll der Expertenanhörung aus dem Jahr 2011 durchlesen.Da sind wir kein Stück weiter. Daran sollten wir arbeiten.
Meine Damen und Herren, man kann das eine tun, das andere nicht lassen. Ich denke, wir werden da im Ausschuss einen gemeinsamen Weg finden. Frau Löhrmann, ich würde mich auch sehr freuen, wenn Sie vielleicht auch einmal im Sportausschuss dabei sein könnten. Ich denke, mit Ihren Aufgabenbereichen und Ihrem Ministerium gibt es sehr viele Überschneidungspunkte. – Vielen Dank, meine Damen und Herren.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren auf der Tribüne! Ich freue mich schon sehr auf die Debatte im Ausschuss. Denn im Großen und Ganzen sind sich doch alle Rednerinnen und Redner einig gewesen: Sport ist für die gesundheitliche und persönliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen unverzichtbar und von zentraler Bedeutung. Dass wir Zugänge zum Sport allen Jugendlichen eröffnen möchten, ist zentrales Ziel dieser Landesregierung. Wir arbeiten weiter daran.
Zu den motorischen Tests: Natürlich helfen sie, wenn es darum geht, mehr über den Bewegungsstatus von Kindern herauszufinden. Aber es ist eine singuläre Aussage, die in einem solchen motorischen Test getroffen wird. Die Wirksamkeit solcher Tests kann sich nur entfalten – das haben auch ei
nige meiner Vorrednerinnen und Vorredner gesagt –, wenn sie in ein individuelles Förderkonzept eingebunden sind. Einige Kommunen haben in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren hier Hervorragendes geleistet. Vorbildlich ist das, was in einigen Kommunen läuft.
Ich will auch noch einmal deutlich machen: Jede Grundschule in Nordrhein-Westfalen kann den motorischen Test nutzen. Das ist überhaupt kein Problem. Es hat sich auch gezeigt, dass sich der Test in den Kommunen, wo er eingesetzt wird, bewährt und dass er den Kindern viel Freude bereitet. Eine verbindliche – so wie Sie es fordern –, flächendeckende Implementierung des motorischen Tests an Grundschulen, so wie es im Antrag von CDU und FDP zu lesen ist, macht allerdings aus meiner Sicht nur wenig Sinn.
Herr Müller, ich möchte Sie noch einmal daran erinnern, dass Sie im Jahr 2009, also zu der Zeit, als Ihre Fraktion mit in Regierungsverantwortung war, einen solchen Vorstoß unternommen haben, aber dass sich das damalige Ministerium unter der Leitung von Frau Sommer auch gegen die verbindliche Einführung ausgesprochen hat. Wir legen nämlich sehr viel Wert darauf, dass die Schulen in Nordrhein-Westfalen eigenständig sind und im Rahmen ihrer pädagogischen Gesamtverantwortung und ihres Schulprofils selbstständig entscheiden, ob sie denn einen solchen Test nutzen wollen oder nicht.
Aber kein Kind wird alleine vom Testen fitter. Das bleibt auch wahr. Deswegen brauchen wir diese Einbettung, die angesprochen worden ist. Wir brauchen an den Schulen bewegungsfreundliche Atmosphären, und wir brauchen natürlich – und den haben wir auch – einen qualitätsvollen Sportunterricht mit engagierten Lehrkräften.
Aber, was wir vor allem bauchen – daran arbeiten wir an vielen Stellen im Land –: Wir brauchen die Verknüpfung von Schule mit dem Engagement von Sportvereinen, mit dem organisierten Sport, damit Kinder und Jugendliche im gesamten Kontext entsprechend ihres Leistungsniveaus, das sehr unterschiedlich ist, auch individuell gefördert werden können. Insgesamt brauchen wir dieses breite Angebot an kind- und jugendgerechtem ganzheitlichem Sport in Schulen und in Vereinen.
Deswegen freue ich mich auch sehr, dass die Sportorganisationen in Nordrhein-Westfalen für den Kinder- und Jugendsport sehr aktiv sind. Ich erinnere an das Programm des Landessportbundes „NRW bewegt seine Kinder“, wobei mit unterschiedlichen Maßnahmen daran gearbeitet wird, die Bewegungsfreude von Kindern und Jugendlichen zu wecken, zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Wir machen auch in diesem Kontext weiter. Wir werden weiter neue Wege gehen. Wir haben ein weiteres Projekt gemeinsam mit dem Landessportbund in Angriff genommen. Es geht darum, den
Kinder- und Jugendsport in kommunalen Interventionskonzepten weiterzuentwickeln; und zwar im Zusammenwirken von organisiertem Sport und kommunalen Institutionen – so lautet der Projekttitel. Das wollen wir mit 25 Modellkommunen in Nordrhein-Westfalen erproben. Ich bin gerne bereit, dieses Konzept im Sportausschuss vorzustellen. Es bettet sich ein in ein Bündel von Maßnahmen in diesem Kontext.
Mit anderen Worten: Wir werden weiter Maßnahmen entwickeln, die den Kindern Spaß und Freude am Sport vermitteln, die ihnen guttun und die dazu geeignet sind, dass Kinder ihr Leben lang, auch als Erwachsene am Ball bleiben. All diese Aspekte können wir in der gemeinsamen Sitzung vertiefen. Ich freue mich darauf. – Herzlichen Dank.
Vielen Dank, Frau Ministerin. – Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Daher schließe ich die Aussprache zu Tagesordnungspunkt 7.
Wir kommen zur Abstimmung. Der Ältestenrat empfiehlt die Überweisung des Antrags Drucksache 16/5469 einschließlich des Entschließungsantrages Drucksache 16/5530 an den Sportausschuss – federführend –, an den Ausschuss für Schule und Weiterbildung sowie an den Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Die abschließende Abstimmung soll im federführenden Ausschuss in öffentlicher Sitzung erfolgen. Stimmt jemand gegen die Überweisung oder möchte sich enthalten? – Beides ist der nicht Fall. Dann haben wir so überwiesen.