Dieser Kollege trägt nicht nur bizarr vor, er lässt sich auch gerne Arm in Arm mit Björn Höcke ablichten. Beide genannten Personen sitzen jetzt im Schulausschuss des Landtags von Nordrhein-Westfalen. Und sie sind so weit weg von dem Bildungsideal eines Wilhelm von Humboldt, der auch unsere Gymnasien geprägt hat! Ich zitiere:
Das Weltbürgertum ist jenes kollektive Band, das die autonomen Individuen, unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Sozialisation verbindet:
Bei Humboldt heißt es: „Soviel Welt als möglich in die eigene Person zu verwandeln, ist im höheren Sinne des Wortes Leben.“
Das Bemühen soll darauf zielen, sich möglichst umfassend an der Welt abzuarbeiten und sich dadurch als Subjekt …
(Markus Wagner [AfD]: Sie sprechen vom Ge- genteil und Sie machen das Gegenteil! Weil Sie nichts beizutragen haben, lassen Sie auch keine Zwischenfragen zu! Das ist Ihr Problem! Sie haben nichts zum Thema beizutragen!)
(Weitere Zurufe von Markus Wagner [AfD] – Gegenruf von der SPD: Wir können ja mal über Ihre Probleme reden!)
Zum Weltbürger werden heißt, sich mit den großen Menschenfragen auseinanderzusetzen: sich um Frieden, Gerechtigkeit, um den Austausch der Kulturen, andere Geschlechterverhältnisse oder eine andere Beziehung zur Natur zu bemühen.
Also noch einmal: Von diesem vermeintlich Deutschen brauchen wir nicht mehr, auch nicht hier im Plenum.
Frau Ministerin, die Koalition hat sich entschlossen – Frau Kollegin Müller-Rech hat es eben noch einmal zitiert –, Englisch in der Grundschule zu prüfen. Diese Evaluation werden wir uns anschauen und dann miteinander diskutieren müssen.
Ich will an dieser Stelle aber schon einmal anmerken – aber Sie haben ja auch den Pfad schon gelegt –, dass es nicht nur um den Englischunterricht in der Grundschule gehen kann, sondern auch darum, wie es im Anschluss
in der Sekundarstufe I dann weitergeht und wie dieser Anschluss dann besser gelingen kann. Die Studien seit 2009 weisen auch auf diesen Umstand hin. Darüber unterhalten wir uns gerne. Aber rechtem Gedankengut geben wir hier keinen Raum.
Vielen Dank, Frau Kollegin Beer. – An dieser Stelle sei mir der allgemeine Hinweis gestattet: Ich bin nicht erkältet. Mein Räuspern hat etwas mit der Redezeit zu tun. – Frau Ministerin Gebauer, Sie haben für die Landesregierung das Wort.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Antrag greift eine Diskussion über das Fach Englisch in der Grundschule auf, eine Diskussion, die in unregelmäßigen Abständen in der Öffentlichkeit geführt wird und vor der wir uns auch nicht scheuen sollten.
Es war damals bundesweite Zielrichtung, mit der Einrichtung eines solchen Unterrichtsfachs die Grundlage für lebenslanges Fremdsprachenlernen zu legen sowie die kindliche Neugier, Unbefangenheit und Lernbegeisterung zu nutzen.
Mit dem Schuljahr 2008/2009 wurde der Beginn des Fremdsprachenunterrichts auf die zweite Hälfte des ersten Schuljahrs vorgezogen.
Im Koalitionsvertrag von CDU und FDP ist das Ziel formuliert, die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen zu stärken. Darin wurde bereits aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse festgelegt, die Erteilung des Unterrichts im Fach Englisch an Grundschulen zu überprüfen.
Ich halte es persönlich auch für notwendig, dass man sich Dinge, die vor fast zehn Jahren aktueller Stand der Erkenntnis waren, heute noch einmal genau anschaut. Daher ist es auch richtig zu prüfen, ob sich die damals damit verbundenen Erwartungen durch die gewählten und praktizierten Formen erfüllt haben.
Der Antrag der AfD schießt allerdings über das Ziel hinaus, da er ohne eine fundierte Überprüfung Fakten schaffen will. Ebenso ist die Schlussfolgerung, dass eine Stärkung der Kernkompetenzen in Deutsch und Mathematik zwangsläufig zu einem Verzicht auf das Fach Englisch führen muss, vorschnell und pädagogisch überhaupt nicht begründet.
Wir werden der immer wieder aufkeimenden Kritik am Englischunterricht in der Grundschule, wie meine Vorredner auch schon dargelegt haben, sachorientiert nachgehen. Dabei sollten zum Beispiel folgende Fragestellungen zu untersuchen sein:
Erfüllt der Englischunterricht die damaligen Erwartungen? Haben wir heute möglicherweise andere Erwartungen? Haben wir vielleicht ein Problem in der Umsetzung der Lehrpläne? Sind die Lehrpläne selbst nicht zielführend formuliert? Müssen wir vielleicht die sprachdidaktischen Konzepte modernisieren? Gibt es Probleme beim Übergang von der Grundschule auf die weiterführenden Schulen? Was ist mit der Qualifikation der Lehrkräfte? Müssen wir vielleicht auch die Stundentafel noch einmal überprüfen?
Meine Damen und Herren, bevor es zu möglichen Veränderungen kommt, ist es – auch das wurde bereits gesagt – unerlässlich, Sachverhalte und mögliche Konsequenzen ganz genau und ergebnisoffen zu prüfen. – Herzlichen Dank.