Protokoll der Sitzung vom 12.10.2017

Ich komme aus Bonn, einer sehr internationalen Stadt, worauf die Bonner – und auch ich – sehr stolz sind. Wir öffnen uns zur Welt, insbesondere an unseren Schulen. Das gehört auch zu weltbester Bildung untrennbar dazu: das frühe Erwerben der englischen Sprache. Das lassen wir uns von Ihnen hier und heute nicht nehmen.

(Beifall von der FDP und der CDU)

Frau Kollegin Müller-Rech, es gibt erneut den Wunsch nach einer Zwischenfrage.

Und nun zu der zweiten Herausforderung, die Sie beschreiben: Deutsch und Mathematik in der Grundschule. Da bleiben Sie völlig unkonkret. Sie sprechen nur von nicht behobenen Mängeln. Das ist ein einziger Satz in dem ganzen Antrag. Das ist ganz schön wenig, richtig, richtig dünn.

(Helmut Seifen [AfD]: Haben Sie meiner Rede nicht zugehört?)

Da werden auch wir im Koalitionsvertrag wieder konkreter; dort heißt es:

„Daher wollen wir die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen stärken, mit besonderer Fokussierung auf die Rechtschreibung.“

Da gehen wir viel weiter als Sie in Ihrem Antrag. Das werden wir machen. Aber ich sage noch einmal: nicht auf Kosten anderer Fächer.

Wir setzen jetzt also die Diskussion im Schulausschuss fort. For you in English: Hit the sack and get back to work. – Vielen Dank.

(Beifall von der FDP, der CDU und der SPD)

Vielen Dank, Frau Müller-Rech. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun Frau Kollegin Beer das Wort. Bitte schön, Frau Beer.

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Englisch in der Primarstufe abschaffen – mehr Deutsch und Mathe! – Wissen Sie was? Auf keinen Fall möchte ich, dass wir mehr vermeintlich Deutsches bekommen, wie wir es gestern in dem unsäglichen Beitrag von Helmut Seifen zu Europa gehört haben.

(Beifall von den GRÜNEN – Helmut Seifen [AfD]: Sie haben nichts verstanden! – Beifall von der AfD)

Ich kann es Ihnen nicht ersparen, dass wir uns dieses Vokabular noch einmal vor Augen führen: Altparteien, Schmähschrift, Errichtung eines autoritären Zentralstaats,

(Helmut Seifen [AfD]: Ja!)

Vernichtung der Nationalstaaten,

(Helmut Seifen [AfD]: Das ist doch so!)

Beseitigung der Meinungsfreiheit,

(Helmut Seifen [AfD]: Das machen Sie doch!)

das Niederträchtigste, Entmündigung, zu Untertanen degradieren, Herrschaftseliten,

(Zuruf von Helmut Seifen [AfD])

Wahnsinnsideen, pharisäerhafte Gesinnungsdespoten,

(Zuruf von der AfD: Genau so!)

Jakobiner des 21. Jahrhunderts, Schafott der sozialen Ausgrenzung, Sturmabteilung, Masseneinwanderung, Fürsorgeindustrie der Wohlfahrtsverbände und Kirchen, Mitverantwortung für Untaten.

Das Vokabular und die Tonlage gestern ähnelten nicht nur der Rede vom 17. Januar 2017 von Björn Höcke in Dresden,

(Lachen von der AfD)

sondern auch vielen anderen.

(Beifall von den GRÜNEN, der CDU, der SPD und der FDP)

Herr Seifen spielt hier im Haus das Spiel von Biedermann und Brandstifter. Er spielt das Spiel von Biedermann und Brandstifter. Auf den Fluren trägt er gerne das Cape des Bürgerlichen, und darunter ist dann die Höcke-Rhetorik und -Denke, und hier im Plenum lässt er sie raus.

Frau Kollegin Beer.

Da kann manch einer doch mit Sprache umgehen, und er missbraucht sie zur Verhetzung.

(Beifall von den GRÜNEN, der CDU und der SPD)

Lassen Sie uns rekapitulieren! Ich nehme nur mal das Wort „Altparteien“. Das ist nämlich ein alter, abgenutzter Kampfbegriff der politischen Rhetorik. Ulrich Kasparick hat das beschrieben.

(Zuruf von der AfD: Thema!)

„Schon Joseph Goebbels hat das Wort gern benutzt, um seine Bewegung als jung, modern und aufgeschlossen darstellen zu können.“

(Zuruf von der AfD: Thema!)

„Dafür brauchte er eine dunkle und vor allem alte Projektionsfläche, die Altparteien eben.“

(Zuruf von der AfD: Ja!)

Ich finde es bedenklich, dass der Terminus mittlerweile

(Zuruf von der AfD: Frau Präsidentin! Thema!)

selbst von zahlreichen deutschen Medien nicht mehr in Anführungszeichen verwendet wird.

Frau Kollegin, …

Diese unkritische Verwendung des Wortes „Altparteien“ etabliert einen Kampfbegriff des rechten Spektrums und der AfD, dessen Ursprung auf Joseph „Lügenpresse“ Goebbels zurückgeht.

(Zurufe von der AfD: Oh!)

Die AfD im Landtag Nordrhein-Westfalen folgt treu den Spuren Björn Höckes.

(Zuruf von der AfD: Thema!)

Die demokratischen Parteien seien Altparteien, behauptet genau dieser Björn Höcke, jener Oberstudienrat aus Westfalen, der nun in Thüringen und an anderen Orten den AfD-Einpeitscher gibt.

Frau Beer, …

Ein Oberstudienrat! Ich kann es Bürgerinnen, die mich fragen, kaum erklären: Wie kann es sein, dass jemand, der sich einen solchen Auftritt hier gestern im Plenum erlaubt hat, einmal Direktor eines Gymnasiums in NRW war?

(Beifall von den GRÜNEN, der CDU, der SPD und der FDP – Zurufe von der AfD)

Ein anderer ehemaliger Gymnasiallehrer gibt hier ja auch nur bizarre Redebeiträge von sich.