Wie wir gehört haben – und das gilt auch für mich –, begann der Englischunterricht bis in die 90er-Jahre klassisch in der 5. Klasse und wurde in NRW im Jahre 2003, wie in vielen anderen europäischen Ländern, verpflichtend ab der 3. Klasse eingeführt. Vor knapp zehn Jahren wurde der Unterrichtszeitraum erweitert. Nun lernen die Schülerinnen und Schüler ab dem zweiten Halbjahr der 1. Klasse, also insgesamt dreieinhalb Jahre, Englisch mit zwei Unterrichtsstunden pro Woche.
Wie bei fast allen schulpolitischen Entscheidungen wurde auch diese in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich umgesetzt. Diese Unterschiedlichkeit wird auch in verschiedenen Studien bemängelt. Doch gleichzeitig stellen eben diese Studien dem englischsprachigen Unterricht in der Grundschule ein gutes Zeugnis aus.
Ich möchte einmal Professor Böttger vom Lehrstuhl für Didaktik der englischen Sprache und Literatur an der Universität Erlangen-Nürnberg zitieren:
„Wissenschaftliche Studien, Erfahrungsberichte der beteiligten Lehrkräfte, Aussagen der Eltern und die Kinder selbst zeigen deutlich, welches Sprachlernpotenzial aktiviert werden kann.“
Gerne würde ich auch das im Antrag aus dem Kontext gerissene Zitat von Herrn Meidinger in einen zusätzlichen Kontext bringen. So sagte dieser, dass er zwar nicht für eine Abschaffung des Fremdsprachenunterrichts an den Grundschulen plädiere, aber – und da teile ich die Einschätzung, die Herr Sträßer eben in seiner Rede kundtat – für eine ehrliche Bestandsaufnahme, und dass man dann auch die notwendigen Konsequenzen ziehen sollte. Seiner Meinung nach müsse das unter anderem bedeuten, klare und verbindliche Bildungsstandards für den Fremdsprachenunterricht an der Grundschule zu erarbeiten.
darum, den Englischunterricht abzuschaffen, sondern einheitliche, bundesweite und verbindliche Standards einzuführen. Das ist die Aufgabe der KMK und sollte auch angegangen werden.
Nun noch ein Wort zur Priorität der Deutsch- und Mathekenntnisse. Es stand nie zur Debatte, dass Englisch eines dieser beiden Fächer verdrängt oder zu deren Nachteil in den Unterricht eingebaut wird; das ist absurd. Die Grundschüler sollen bewusst und bedacht an eine erste Fremdsprache herangeführt werden, und zwar in einer Art und Weise, die dem Alter der Kinder gerecht wird, aber – und das betone ich noch einmal – anhand eines Leitfadens, der es möglich macht, dass die Lehrkräfte auf den weiterführenden Schulen wissen, auf welchem Niveau sich die Kinder befinden. Kurzum: Auch der Unterricht in der Grundschule muss zum Lehrplan der weiterführenden Schule passen.
Unsere Aufgabe im Ausschuss ist es also nun, einen Auftrag an die Landesregierung zu erarbeiten, der zu einheitlichen Standards führen soll. Dabei dürfen wir nicht nur unser Bundesland im Blick haben, sondern müssen die anderen Bundesländer mitnehmen. Aus unserer Sicht sollte NRW Motor in der KMK sein, um diese einheitlichen Standards auf den Weg zu bringen.
So sind wir von einer Abschaffung des Englischunterrichts weit entfernt; das werden wir auch in den Beratungen im Ausschuss deutlich machen. Selbstverständlich stimmen wir der Überweisung zu. – Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Kollegin Spanier-Oppermann. – Als nächste Rednerin hat für die Fraktion der FDP Frau Kollegin Müller-Rech das Wort.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die AfD-Fraktion beschreibt in ihrem Antrag zwei unterschiedliche Problemstellungen. Zum einen beschreiben Sie, dass es beim Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule unterschiedliche Kenntnisstände der Schüler in der englischen Sprache gäbe. Des Weiteren beschreiben Sie, dass die Grundschüler mit Defiziten in Englisch und Mathematik in die weiterführende Schule übergehen.
Jetzt wird es aber leider nicht mehr so schön. Unglücklicherweise verbinden Sie nämlich diese beiden
Problemstellungen miteinander und legen heute schon wieder eine vermeintlich ganz einfache Lösung vor: Englisch streichen, dafür Deutsch und Mathe machen.
Das ist doch keine Lösung, das ist brutal vereinfacht. Statt eines brutal vereinfachten Vorschlags wollen wir praxisorientierte und zukunftsfähige Lösungen finden für unsere Schüler.
Noch einmal zur Wiederholung, damit Sie auch selbst verstehen, was Sie hier eigentlich fordern: Sie beschreiben, dass die Schüler beim Übergang zur weiterführenden Schule zu wenig Englischkenntnisse hätten und die weiterführende Schule vereinzelt bei null anfangen müsse. Sie fordern dann als Konsequenz das ersatzlose Streichen des Faches, damit alle Kinder in Klasse fünf keine Englischkenntnisse haben?
Frau Kollegin Müller-Rech, der Abgeordnete Wagner würde Ihnen gerne eine Zwischenfrage stellen, wenn Sie sie zulassen.
Vielen Dank. – Ich stelle meiner Zwischenfrage ein Zitat voran, nämlich des FDPFraktionschefs im baden-württembergischen Landtag, Hans-Ulrich Rülke. Er sagte der „Rhein-NeckarZeitung“ – ich zitiere –:
„Als Ehemann einer Englischlehrerin und Vater von drei Kindern komme ich zu dem Ergebnis: Der Englischunterricht in der Grundschule ist nicht sehr ergiebig. Deshalb ist es sinnvoll, die Ressourcen auf andere Fächer zu konzentrieren.“ Die internationale Konkurrenzfähigkeit baden-württembergischer Schüler entscheide sich nicht im Englischunterricht der Grundschule. „Es ist notwendig, dass die Kinder im Alter von zehn Jahren plus X ordentlich Englisch lernen.“
Die Frage, die sich mir daraufhin stellt, lautet: Haben sich die Erkenntnisse des FDP-Fraktionschefs in Baden-Württemberg noch nicht bis zur FDP-Fraktion in NRW herumgesprochen?
Vielleicht hören Sie auch einfach zu, wenn ich Ihre Zwischenfrage beantworte. Herr Wagner, ich lasse Ihre Zwischenfrage zu, und dann wäre es auch schön, wenn Sie mir zuhören, wenn ich sie beantworte.
Wir pflegen in der FDP einen Umgang miteinander, bei dem wir unterschiedliche Meinung haben können und sie auch diskutieren. Die Meinung von Herrn Rülke kenne ich nicht, aber wir sind hier auch in NRW. Wir stellen hier Lösungen vor; dazu komme ich jetzt in meinem weiteren Redebeitrag.
In Ihrem Antrag fehlt mir übrigens auch noch Folgendes: Sie lassen völlig die Konsequenz für den Englischunterricht in den weiterführenden Schulen aus. Wie geht es dann weiter? Das fehlt. Es ist einfach nicht zu Ende gedacht.
„Aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse soll die Erteilung des Fachs Englisch in den Grundschulen überprüft werden.“
Genau das wollen wir tun: ergebnisoffen prüfen, uns den Zeitpunkt des Englischunterrichts anschauen, Standards, Lehrpläne, Erfahrungen der Lehrer in Primar- und Sekundarstufe, Lösungen entwickeln mit dem Ziel der weltbesten Bildung – und nicht Fächer streichen.
Wir brauchen Schüler, denen von Grund auf die Kompetenzen vermittelt werden, die von ihnen in Zukunft gefordert sind. Soll denn der erste Kontakt der Kinder mit dem Englischen von YouTube und Snapchat bestimmt werden?
Denn es geht doch an unseren Grundschulen darum, erste positive Erfahrungen mit einer neuen Sprache zu machen, und für internationale und interkulturelle Begegnungen ist Englisch unabdingbar.
Beim Lesen Ihres Antrags kam bei mir auch echt ein fieser Beigeschmack auf: Mehr Deutsch statt Englisch – das klingt aus Ihrer Feder heute schon wieder nach mehr Abschottung statt nach Öffnung zur Welt.
Ich komme aus Bonn, einer sehr internationalen Stadt, worauf die Bonner – und auch ich – sehr stolz sind. Wir öffnen uns zur Welt, insbesondere an unseren Schulen. Das gehört auch zu weltbester Bildung untrennbar dazu: das frühe Erwerben der englischen Sprache. Das lassen wir uns von Ihnen hier und heute nicht nehmen.