Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Zehntausende Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland
durch plötzlichen Herztod. Es ist die dritthäufigste Todesursache in unserem Land. Viele Opfer könnten noch leben, wenn schnelle Hilfe zur Stelle gewesen wäre. Hier kommt dem Einsatz von Laien eine besondere Bedeutung zu.
Wer einen Führerschein macht, der muss spätestens dann einen Erste-Hilfe-Kurs nachweisen. Es gibt aber einen Ort, an dem alle in noch viel jüngeren Jahren zusammenkommen. Das sind unsere Schulen, und hier müssen wir bei der Ersten Hilfe ansetzen.
Beim plötzlichen Herzstillstand ist die Chance zu überleben sehr gering; und das, obwohl wir eines der besten Rettungssysteme der Welt und eine hohe Krankenhausdichte haben. Beim plötzlichen Herzstillstand kommt es nicht nur auf jede Minute, sondern auf jede Sekunde an.
Im Schnitt braucht ein Rettungswagen acht bis zwölf Minuten, bis er den Ort des Geschehens erreicht. Doch schon nach drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff wird das Gehirn jedoch bereits irreversibel geschädigt, und mit jeder Minute, die bis zum Beginn der Reanimation verstreicht, verringert sich die Überlebenswahrscheinlichkeit.
Ohne umgehende Hilfe überleben die meisten Betroffenen nicht. Umso wichtiger ist der Einsatz von Laien, die mit einer Herzdruckmassage die Überlebenschance deutlich erhöhen können.
Viele Menschen sind aber zu unsicher und trauen sich die Wiederbelebung eines Menschen nicht zu. Nur in 30 % der Fälle legen Laien bis zum Eintreffen des Notarztes Hand an und halten per Herzdruckmassage von außen den Kreislauf der Betroffenen in Gang.
Es ist es wichtig, dass möglichst schon junge Menschen die Bedeutung der Ersten Hilfe erkennen und die wichtigsten Schritte zur Hilfe erlernen. Die NRWKoalition setzt sich deshalb dafür ein, dass Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrkräfte, Eltern und andere am Schulleben Beteiligte wieder verstärkt Erste Hilfe und Reanimation lernen. Die Wiederbelebungskompetenz muss deutlich erhöht werden.
Ich bin selbst Lehrer, und wir haben an unserer Schule mit dem Kollegium diese Ausbildung durchlaufen. Wir haben auch die regelmäßigen Nachschulungen umgesetzt. Ich war froh, dass ich diese Schulungen noch einmal machen konnte.
Das Ziel der NRW-Koalition ist, die Erste Hilfe als Regelangebot in den Schulen zu etablieren. In Nordrhein-Westfalen haben wir diese Ausbildung im Koalitionsvertrag von CDU und FDP verankert. Ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin: „Durch die Unterrichtung an allen Schulen in Nordrhein-Westfalen wollen wir die Bereitschaft zur Ersten Hilfe und Wiederbelebung von Anfang an fördern.“
Das Schulministerium hat folgerichtig im Schuljahr 2017/2018 die Kooperationsvereinbarung mit Partnern zum Modellprojekt „Laienreanimation an Schulen“ unterzeichnet.
2018 haben wir im Landeshaushalt 100.000 Euro für die Beschaffung der Übungspuppen bereitgestellt. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales setzte die Förderung 2019 und 2020 fort.
In den drei Jahren der Einführungsphase waren die Rückmeldungen der Schulen durchweg positiv. Nach diesen Erfahrungen wollen wir das Projekt deshalb nun als Regelangebot in der Fläche etablieren, und ein schrittweiser Ausbau mit den bewährten Partnern ermöglicht uns das. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.
Zudem setzen wir uns für eine landesweite Ersthelferalarmierungs-App ein, die einen Zeitgewinn bei Notfällen und damit eine höhere Rettungschance für die betroffenen Menschen bedeutet. Über sie können Ersthelferinnen und Ersthelfer informiert werden, die sich zufällig in unmittelbarer Nähe eines Opfers aufhalten, und so schneller Hilfe leisten als die herbeigerufenen Rettungskräfte.
Durch eine fundierte Ausbildung in Erste-Hilfe-Techniken schon an den Schulen wollen wir unseren Beitrag leisten, mehr Menschenleben in akuten lebensbedrohlichen Situationen retten zu können. Mit der Etablierung der Ersten Hilfe an Schulen schaffen wir die Voraussetzung, die Zahl der Menschen, die einen plötzlichen Herzstillstand überleben, langfristig deutlich zu erhöhen.
Wir möchten das Modellprojekt daher in ein Regelangebot umwandeln, damit alle Schulen eine entsprechende Ausbildung anbieten können. Wir wollen die Versorgung aller Schulen mit geeigneten Übungspuppen, und wir wollen möglichst in Kooperation mit den kommunalen Spitzenverbänden die Einführung einer landesweiten App zur Ersthelferalarmierung. – Ich freue mich auf die Beratung des Antrags im Ausschuss.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wer mich kennt, weiß, dass mir die Laienreanimation an Schulen im wahrsten Sinne des Wortes ein richtiges Herzensanliegen ist.
Zurzeit ist wieder die bundesweite Woche der Wiederbelebung. Vor diesem Hintergrund finden in der Regel sehr viele Aktivitäten statt. Leider geht das aber wegen Corona momentan nur online.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei den Menschen bedanken, die tagtäglich – oft auch ehrenamtlich – dafür kämpfen, dass wir dieses Thema nach vorne bringen können. Professor Van Aken und Professor Böttiger, aber auch kleine Projekte wie „Herzsicherheit an Schulen“ oder „Laienreanimation kann jeder!“ bringen das tagtäglich an die Basis. Von uns dafür ein ganz herzliches Dankeschön.
Jedes Jahr erleiden 50.000 Menschen einen Herzkreislaufstillstand außerhalb von Krankenhäusern. Das ist eine immens große Zahl.
Das menschliche Gehirn ist bereits bei weniger als fünf Minuten ohne Sauerstoffversorgung irreversibel geschädigt. So schnell kann kein Notarzt oder Rettungswagen zur Stelle sein. Es überleben daher derzeit nur 10 % der Betroffenen. Das zeigt aber auch, dass eine Wiederbelebung durch anwesende Laien in diesen wichtigen Minuten über Leben und Tod entscheiden kann.
In den letzten Jahren haben glücklicherweise immer mehr Laien eine Reanimation durchgeführt. So konnten wir die Quote der Ersthelfer auf 40 % steigern. Dennoch sollten sich noch mehr Menschen zutrauen, im Notfall einzugreifen.
Unser Ziel ist eine Quote von 60 % bis 70 % wie in den Niederlanden oder in den skandinavischen Ländern. Bei einer vergleichbaren Steigerung in Deutschland könnten wir so pro Jahr 10.000 Menschenleben retten.
Die FDP-Landtagsfraktion hat dieses Thema bereits 2015 aufgegriffen und nach dem Regierungswechsel mit der NRW-Koalition gehandelt. Das Modellprojekt „Laienreanimation an Schulen in Nordrhein-Westfalen“ ist gestartet; es spricht in erster Linie Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 an. Damit machen wir aber nicht nur die Schüler fit, sondern auch die Eltern und Lehrkräfte. Denn wenn die Kinder nach Hause kommen und sagen: „Mama, ich zeige dir mal, was ich heute gelernt habe“, bekommen die Eltern eine kleine Auffrischung in Erster Hilfe.
In dem Projekt wurden inzwischen 40.000 Schüler aus fast 250 Schulen trainiert, und alle durchgeführten Konzepte waren effektiv. Diese Erfahrungen sprechen auf jeden Fall für eine Fortsetzung und eine Ausweitung des Projekts hin zu einem Regelangebot.
Wir wollen die Unterrichtung in der Wiederbelebung an möglichst allen Schulen in unserem Land umsetzen. Denn wer die Wiederbelebung in jungen Jahren erlernt, hat später keine Angst, etwas falsch zu machen und hilft dann automatisch.
Neben der Unterrichtung an den Schulen setzen wir auch auf die sogenannten First-Responder-Systeme. Es gibt seit einigen Jahren die technische
Möglichkeit, registrierte Ersthelfer in unmittelbarer Nähe eines Notfallortes über das Smartphone zu orten und dann zu benachrichtigen. So können gerade über Feuerwehren und Hilfsorganisationen zahlreiche motivierte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer eingebunden werden.
In sind Deutschland mehrere unterschiedliche Alarmierungssysteme verfügbar, die allerdings leider nicht kompatibel sind. In Nordrhein-Westfalen haben eine Reihe von Kreisen und Städten inzwischen die Anwendung entsprechender Apps auf den Weg gebracht. Dafür wollen wir uns in Kooperationen mit den kommunalen Spitzenverbänden weiter einsetzen.
Dazu brauchen wir möglichst einheitliche Standards und kompatible Systeme. So können wir mit den Chancen der Digitalisierung den Reanimationserfolg steigern.
Zum Schluss dieser Rede muss ich mich mit einer Rede, die ich schon einmal gehalten habe, wiederholen, denn manche Sachen kann man nicht oft genug sagen und auch hören: Erste Hilfe ist so einfach, man kann dabei nichts falsch machen.
Sie finden ein Menschen, der zu Boden geht, der am Boden liegt. Was machen Sie mit dem? Es gibt die drei Worte „prüfen“, „rufen“, „drücken“. Prüfen heißt, Sie kontrollieren am besten am Hals den Puls. Rufen heißt, Sie rufen die 112 oder, wenn Sie eine Begleitung haben, Sie lassen die 112 rufen. Dann drücken Sie. Sie drücken ihm mit durchgedrückten Armen auf sein Brustbein. Das Brustbein ist hier.
weil Sie da wirklich viel Kraft reinlegen müssen. Sie drücken dann ungefähr 100 Mal in der Minute ungefähr fünf Zentimeter tief auf dieses Brustbein.
Hören Sie nicht auf, wenn es kracht – dann ist eine Rippe gebrochen, die heilt wieder. Hören Sie erst auf zu drücken, wenn entweder die 112 eingetroffen ist und Sie dazu auffordert oder wenn – im Idealfall – der Mensch am Boden sagt: Das tut aber weh, was Sie da tun. – Dann haben Sie es geschafft.
Ich sagte gerade „100 Mal in der Minute“. Sie müssen nicht zählen oder rechnen. Singen Sie einfach gedanklich das schöne Lied „Stayin’ alive“ von den Bee Gees; denn wollen Sie genau das, dass nämlich dieser Mensch am Leben bleibt.
Wenn Sie lieber progressive Töne bevorzugen, nehmen Sie „Highway to Hell“ von AC/DC, das geht auch. Den Party-Freunden hier im Raum empfehle ich Helene Fischer mit „Atemlos“, das ist derselbe Beat. Drücken Sie einfach in diesem Rhythmus, Sie
Wenn wir das in alle Köpfe reinbekommen und jeder von Ihnen die entsprechende Melodie im Ohr hat, dann hat es sich schon gelohnt und dann danke ich Ihnen ganz herzlich.
Vielen Dank, Frau Kollegin Schneider. Ich danke Ihnen erneut für diese sehr praktischen Tipps. Das macht auch das Überziehen der Redezeit wett.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Susanne Schneider, für das, was Sie an Redezeit überzogen haben, fasse ich mich gerne etwas kürzer. Selbst ich habe es mir gerade noch einmal aufgeschrieben: prüfen, rufen, drücken! Das war wirklich eine wichtige und auch gute Rede. Bei diesen Themen darf man sich politisch auch nicht entzweien. Das war eine prima Sache.