Liebe Kolleginnen und Kollegen, Herr Mostofizadeh, Ihrem Argument, dass – ich zitiere – es für die Zielgruppe attraktiver und auch wirksamer als das Werkstattjahr sei, echte Aufträge durch echte Kunden auf dem ersten Markt zu erarbeiten, stimme ich nicht zu.
Während die Produktionsschule ausschließlich beim Träger stattfindet, gibt es im Werkstattjahr einen tatsächlichen praxisnahen Bezug, durch den die Attraktivität dieses Instruments für die Jugendlichen gesteigert wird. Im Gegensatz zu Produktionsschulen wird es im Werkstattjahr einen hohen betrieblichen Praxisanteil von bis zu sechs Monaten geben. Das ermöglicht nicht nur eine praxisnahe Ausbildung, sondern schafft auch eine realistische Darstellung des späteren Berufslebens.
Ich möchte zudem eines klarstellen: Der Wechsel zum Werkstattjahr – und Sie haben eben gesagt, das Werkstattjahr stamme vom Beginn dieses Jahrtausends – bedeutet keinesfalls, dass wir keine Elemente der Produktionsschule übernehmen werden. Den produktionsorientierten Ansatz der ehemaligen
Produktionsschule wollen wir beispielsweise beibehalten. Hinzu kommt aber, dass wir zusätzliche Anreize schaffen wollen, um die Teilnehmenden zu motivieren. Dazu zählt auch, dass wir bei der erfolgreichen Ausübung und Beibehaltung der Maßnahme eine Prämie an die jungen Menschen zahlen möchten. Das Ganze soll ihnen den Wirkungszusammenhang zwischen Leistungsbereitschaft und möglichem beruflichem Erfolg näherbringen.
Wir als NRW-Koalition wollen eine echte Verbesserung, und dafür sind Änderungen im System notwendig. Wir sind nicht angetreten, um die Projekte unverändert fortzuführen, wegen denen die alte Regierung abgewählt worden ist.
(Beifall von der CDU und der FDP – Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Das ist doch nicht Ihr Ernst, Herr Kollege! Glauben Sie das wirk- lich?)
(Zuruf von Stefan Zimkeit [SPD] – Nadja Lü- ders [SPD]: Damit legen Sie Ihre eigene Mess- latte sehr hoch! – Marlies Stotz [SPD]: Pein- lich!)
„Zielgerichteter einsetzen“ bedeutet für uns auch, dass wir uns speziell auf junge Erwachsene, die das 19. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, konzentrieren werden. Junge Menschen, die über 19 Jahre alt sind, sollen die Regelangebote der Bundesagentur und der Jobcenter nutzen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, aus meiner Erfahrung als Geschäftsführer kann ich Ihnen sagen, dass die besten Integrationsteams die U25-Teams waren, denn sie haben am erfolgreichsten gearbeitet.
14 Millionen € werden wir zukünftig bereitstellen, damit 1.600 Teilnehmerplätze genutzt werden können, 1.600 Plätze, bei denen wir darauf achten werden,
Mit dem Werkstattjahr bündeln wir Elemente wie den bereits genannten produktionsorientierten Ansatz, den betrieblichen Praxisanteil sowie die leistungsorientierte Vergütung. Wir werden uns darauf konzentrieren, dass NRW in Zukunft durch die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit glänzen kann.
Lassen Sie uns die Mittel, die wir haben, zielgerichtet einsetzen. Lassen Sie uns im Interesse der Bürgerinnen und Bürger in NRW handeln, insbesondere im Interesse derer, die die Unterstützung auf ihrem Weg in Ausbildung und Arbeit brauchen. Ich freue mich sehr auf die Diskussion im Ausschuss. – Vielen Dank.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das Vorgehen der Landesregierung in Bezug auf die Ad-hoc-Entscheidung zur Abschaffung der Produktionsschulen im Sommer und Rückkehr zum Werkstattjahr, wie wir es schon aus einer anderen Amtszeit von Karl-Josef Laumann kennen, ist fast beispiellos.
Ohne Not wird hier ein System zerstört, das sich in der Praxis mehr als bewährt hat, gerade weil es Menschen, die sich am Rande der Gesellschaft bewegen, hilft.
Klar gesagt: Bei der Zielgruppe, an die sich das Förderangebot der Produktionsschulen NordrheinWestfalen richtet, handelt es sich zumeist um Jugendliche und junge Erwachsene mit mehrfachen arbeitsmarktlichen Vermittlungshemmnissen, wie es in der Amtssprache heißt, die Probleme haben, in eine Ausbildung oder Arbeitsstelle vermittelt zu werden.
So lernen derzeit etwa 2.800 junge Menschen landesweit unter Anleitung und mit Unterstützung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern einen strukturierten Tages- und Arbeitsablauf kennen und wie sie diesen täglich leisten können. Gerade die Einbindung in die betrieblichen Arbeitsprozesse und die Herstellung echter Produkte machen den innovativen Ansatz des Konzepts „Produktionsschule“ überhaupt aus.
All dies steht jetzt zur Disposition, weil es die Landesregierung versäumt hat, für alle Akteure und Beteiligten Klarheit zu schaffen, wie es konkret weitergehen soll. Vor allem: Was rechtfertigt eigentlich diesen Kursschwenk?
Kolleginnen und Kollegen, die Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage „Wie geht es weiter mit der Produktionsschule?“ sowie Einlassungen in diversen anderen Zusammenhängen und Medien haben eines klargemacht: Die schwarz-gelbe Landesregierung gibt die Produktionsschulen in Nordrhein-Westfalen auf, ohne dieses Projekt jemals richtig evaluiert oder untersucht zu haben.
Damit geben Sie unumwunden zu, dass Sie keine Notwendigkeit dafür sehen, die Produktionsschule fundiert und objektiv bewerten zu lassen, bevor Sie ihr Ende verkünden. Das nenne ich eine absolute Respektlosigkeit gegenüber Trägern, deren Beschäftigten, aber auch gegenüber den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Die schwarz-gelbe Landesregierung gibt die Produktionsschulen auf und will durch den Wechsel zum Werkstattjahr eine angebliche Verbesserung erreichen, indem sie ominös behauptet, das würde besser funktionieren.
Herr Präsident, erlauben Sie mir, dass ich aus der Antwort der Landesregierung auf unsere Kleine Anfrage zitiere:
„Die Landesregierung erwartet durch den Wechsel zum Werkstattjahr eine Verbesserung der Erfolgsquoten im Vergleich zur Produktionsschule. Eine exakte Prognose von künftigen Erfolgs- bzw. Abbruchquoten kann auf fundierter Basis nicht gegeben werden.“
70 % der jungen Leute, die ständig als Abbrecher tituliert werden, haben in eine Ausbildung oder eine Arbeit abgebrochen. Hier von Abbruch zu sprechen, ist schon ein bisschen komisch. Man muss deutlich beziffern, worum es geht.
Lassen Sie mich noch einen Hinweis geben: Ich habe mir alle Zahlen der Werkstattjahre 2005 und 2010 angeschaut. Ich habe keine besseren Quoten festgestellt.
Wenn zukünftig Jugendliche ab dem 19. Lebensjahr nicht mehr von Produktionsschulen oder im Rahmen des neuen Werkstattjahres aufgenommen werden, führt das für mehr als 1.000 Jugendliche in diesem Land zur Perspektivlosigkeit. Es gibt aktuell keine anderen Angebote. Die Frage wird sein, welche Antworten die Landesregierung für diese jungen Menschen hat und was dann stattfindet.
Wenn der Markt der alleinige Pfadfinder ist, dann darf der Markt gerade bei diesen Jugendlichen nicht der Maßstab des Handelns sein. Das hat nichts mit Entfesselung zu tun, sondern damit nimmt man jungen Menschen Perspektiven.
Erlauben Sie mir noch einen Hinweis: Es wird immer wieder die Legende gestreut, im Werkstattjahr gebe
es zukünftig ein sogenanntes Ausbildungstaschengeld. Da wir wissen, dass zwei Drittel der Jugendlichen, um die es geht, aus dem Bereich des SGB II kommen, wissen wir auch, wer das Taschengeld bekommen wird, nämlich das Jobcenter.
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Die NRWKoalition ist angetreten, viele Sachen besser zu machen und dabei insbesondere auch die berufliche Bildung stärker in den Fokus zu rücken. Gerade die Gruppe der noch nicht ausbildungsreifen Jugendlichen müssen wir dabei intensiver in den Blick nehmen. Genau das tun wir mit der Wiedereinführung des Werkstattjahres.
Wir wollen gerade diesen jungen Menschen die Chance auf Qualifikation geben und damit auf eine erfolgreiche Berufsausbildung als ganz wesentliche Grundlage für ein unabhängiges Leben.