Vielen Dank, Frau Kollegin Müller-Rech. Sie sind aber flott vom Platz gegangen. – Allerdings war die Frage auch sehr knapp angemeldet, ihr habt es gerade noch geschafft. Bitter genug, aber es soll natürlich sein, so wie es § 35 unserer Geschäftsordnung vorsieht.
Die Kurzintervention ist durch die AfD-Faktion angemeldet worden. Ich vermute, Herr Seifen führt wieder das Wort, wie mir ein Blick aufs Mikrofon zeigt.
Sie kennen die Frage. Dann kennen Sie sicher auch schon Ihre Antwort. Wir werden das hier alle hinnehmen.
Recht herzlichen Dank, Herr Landtagspräsident. – Frau Müller-Rech, Sie waren gerade so streng zu mir, dass ich richtig die Hacken zusammengeschlagen habe.
Aber jetzt ganz ernsthaft: Ich würde Ihnen schon anraten, sich einmal damit zu beschäftigen, wie man Metaphern zu verstehen hat.
Erstens. Es ist tatsächlich so, dass in der QA inquisitorische Anteile enthalten sind. Es werden Gespräche mit Schülern, Eltern und Lehrern geführt, und dann wird der Schulleiter „gegrillt“. Wenn er will, kann er jemanden hinzubitten. Dann kommt alles auf den Tisch, was irgendjemandem aus Elternschaft, Schülerschaft oder Lehrerschaft nicht so richtig gefällt. Wenn das nicht inquisitorisch ist, dann weiß ich es auch nicht.
Zweitens. Wenn Sie mal die Qualitätsanalyse und die Berichte betrachten, dann werden Sie feststellen, dass auch hier in eine gewisse Richtung überlegt wird. Dazu gehört zum Beispiel das selbstgesteuerte Lernen. Das heißt, den Lehrern wird überhaupt keine Freiheit gelassen – das ist eine Täuschung –, sondern ihnen wird von vornherein gesagt: Sie müssen aber soundso unterrichten.
Nein, ich habe kein Trauma. Ich will Ihnen das nur berichten, weil Frau Müller-Rech ja nicht aus der Schule kommt. Deshalb kann sie das nicht wissen.
Drittens. In den 90er-Jahren hörten wir Lehrer dann: Sie müssen die Kinder als Kunden betrachten. – Das nur zu dem Thema „Unternehmer“. Es ist tatsächlich so – aber das können Sie nicht wissen –, dass in die verschiedenen Fortbildungen, auch in Schulleitungsfortbildungen, dieser Begriff aus dem Unternehmertum hineingebracht worden ist. Natürlich sind Kinder die Personen, für die wir Fürsorge bis ins Letzte betreiben müssen, aber es sind eben keine Kunden. – Vielen Dank.
Erst einmal Verzeihung dafür – ich habe die Wortmeldung nicht gesehen –, dass ich eben so früh abgedampft bin. Natürlich gehe ich gerne darauf ein.
Es tut mir leid, wenn Sie schlechte Erfahrungen gemacht haben oder sich wie bei einer Inquisition gefühlt haben. Ich habe auch nicht gesagt, die QA sei perfekt. Sie haben es ja gehört: Im Koalitionsvertrag
steht, dass wir die QA verbessern wollen, damit solche Eingriffe eben nicht passieren, sondern das Ziel verfolgt werden kann, die Qualität an unseren Schulen weiterzuentwickeln. Zu Sätzen aus den 90er-Jahren – mit Verlaub, aber in der Zeit bin ich eingeschult worden – kann ich nichts sagen.
Sie haben noch unterschiedliche Lernmethoden angesprochen. Natürlich schauen wir uns das auch an. Ich finde es, ehrlich gesagt, gut, auch einen Input von außen zu bekommen, was Lernmethoden betrifft; denn Unterricht soll nicht nur frontal stattfinden, sondern es sollen auch andere Methoden angewandt werden.
Gerade was digitale Lernmethoden betrifft, haben wir in einer Schulausschusssitzung gemerkt, wie wichtig es ist, dass sich Lehrer immer mal wieder mit neuen Dingen beschäftigen, zum Beispiel wie man OECDErgebnisse googelt. Deshalb ist es gut, wenn wir dort einen Input bekommen und uns anschauen: Wo können wir etwas verbessern? Wie machen wir es treffsicherer? – Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Müller-Rech. – Nun hat für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Frau Abgeordnete Beer das Wort zu diesem Thema.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ja, so ambivalent ist das manchmal in den Debatten. Die Kollegin Marlies Stotz hat bedauert, dass sie zu einem solchen Antrag sprechen muss. Ich muss sagen: Die Ansicht teile ich. Auf der anderen Seite ist es vielleicht auch gut, dass Herr Seifen nicht mehr Verantwortung in der Schule trägt;
Man sucht sich die Punkte aus dem Koalitionsvertrag, Prüfaufträge – zum Beispiel bezüglich der Erteilung von Englisch in Grundschulen, jetzt QUA-LiS –, und dann wird das Ganze in unsäglicher Art und Weise – verquer, dröhnend, verächtlich machend und, was die Akteure angeht, sachlich verdrehend – in einen Antrag gegossen. Das ist eines Bildungsantrags unwürdig.
Der nächste Punkt – Kollegin Müller-Rech hat schon darauf hingewiesen –: Hier sind Vergleiche von QA und QUA-LiS mit einer Diktatur gezogen worden – nicht nur mit einem Unrechtsregime, sondern mit einer Diktatur, einem Überwachungsstaat, einem Überwachungssystem. Das ist derartig unwürdig!
Sie beleidigen die verantwortungsvollen Akteure, Schulleiter und Schulleiterinnen, die im Qualitätsmanagement arbeiten. Sie werten sie ab. Das ist ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die sich um die Qualität von Schule und die individuelle Förderung in unseren Schulen bemühen.
Sie werden beleidigend, genau. Sie bezeichnen QUA-LiS und die Qualitätsprüfer als Elemente einer „parasitären Führungskultur“. Parasiten sind aussaugend, sie richten ihre Wirtstiere zugrunde. Das schreiben Sie den Menschen in diesem Arbeitsfeld zu. Es ist selbsterklärend, was Sie hier benennen.
Dann bemühen Sie auch noch Experten, beispielsweise den Auftritt von Herrn Dr. Dollase im Ausschuss für Schule und Bildung. Da können wir nur die Stirn runzeln. Dass das kein Ausweis evidenzbasierter Beiträge ist, war sehr deutlich.
Von ihm stammt ja der Ausdruck „parasitär“, das haben Sie bei ihm abgeschrieben. Das qualifiziert Sie.
Es ist darauf hingewiesen worden: Selbstverantwortete Schule braucht Rechenschaftslegung über das eigene Tun, über die eigenen Ziele, über das, was erreicht worden ist, über die Reflexion des Handelns. Das gehört dazu.
Es gibt dazu auch Referenzinstrumente, zum Beispiel den Referenzrahmen Schulqualität, auf den Frau Kollegin Müller-Rech hingewiesen hat. Da geht es genau um die erwarteten Ergebnisse und Wirkungen. Da geht es um das Lehren und Lernen. Da geht es um Schulkultur, um Führung und Management in
der Schule. Da geht es auch um Rahmenbedingungen und die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben. Dieser Referenzrahmen ist ein ausgewiesenes Instrument der Partizipation. Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte konnten an der Entwicklung mitwirken, und natürlich kann er immer weiter verbessert werden.
Uns muss es darum gehen, die Qualitätsanalyse zu einem Bildungsmonitoring auszubauen, um ein belastbares Unterstützungssystem für Schule zu haben, und eine Balance von interner und externer Evaluation zu finden. Klar ist aber: Selbstverantwortete Schule braucht immer auch Rechenschaftslegung. Das sind die Instrumente, mit denen wir arbeiten.
Ich sehe die Kurzintervention, Herr Seifen. Ich sage Ihnen jetzt schon in Bezug auf Ihre Ausführungen: Ich fordere Sie das letzte Mal auf, sich bei den Menschen, die in der Qualitätsagentur arbeiten, zu entschuldigen. Das stünde Ihnen gut an.