weil Ihr Antrag lediglich darauf abgestellt ist, an den Symptomen der Erziehungsmisere herumzudoktern. Geld auszugeben, um Missstände zu beseitigen: Das ist Ihre Idee von Politikgestaltung.
Und das ist nur einer der vielen Anträge zur Schulsozialpolitik, die Sie hier stellen. Anträge zur Sozialpolitik stellen Sie doch ständig. Das tun Sie dauernd. Sie reden nur davon. Sie glauben, damit die verlorenen Wähler zurückzugewinnen – in der Hoffnung, man nimmt Ihnen die Besorgnis um Lehrer und Schüler ab.
Aber weit gefehlt! Sie müssen jetzt die Misere, die Sie durch Ihre unverantwortliche Schulpolitik mit zu verantworten haben, mit Geld lindern.
Ja, natürlich; Sie haben recht: Sozialarbeit ist in der augenblicklichen Situation an den Schulen unabdingbar. Aber das ist Ihr Verdienst. Deshalb sollte die Landesregierung in der Tat die Finanzierung von Schulsozialarbeit absichern. Das ist ganz klar.
Aber das reicht doch nicht, um für eine grundlegende Verbesserung der Atmosphäre an den Schulen zu sorgen. Daran können – leider Gottes – Sozialarbeiter allein nichts ändern. Eigentlich hätten Sie auf die Ursachen der Misere hinweisen müssen. Aber das wollen Sie natürlich nicht. Denn dann müssten Sie auf das eingehen, was Sie zu verantworten haben.
Es waren vor allen Dingen Ihre Entscheidungen – das ist durch Studien abgesichert –, das mehrgliedrige Schulsystem mit seinem begabungsgerechten Angebot umzubauen und Schulen des gemeinsamen Lernens gründen zu lassen. Nicht umsonst sind es vor allem die Schulen des gemeinsamen Lernens, in denen schon ganz am Anfang die ersten Sozialarbeiter eingestellt wurden.
Das kann man auch verstehen. In Gesamtschulen laufen gruppendynamische Prozesse völlig anders ab – zum Teil lebendiger, zum Teil ungeordneter und manchmal sogar zum Teil aggressiver.
Das liegt daran, dass die Schüler nicht in stabilen Klassen unterrichtet werden, sondern durch G- und E-Kurse ständig durcheinandergewirbelt werden.
Das liegt daran, dass auch in den integrativen Klassen die Begabungsschere so weit auseinandergeht, dass ein gemeinsames geistiges Arbeiten nur schwer möglich ist und ständig Sondergruppen gebildet werden müssen, in denen die Schüler relativ isoliert sitzen.
Wenn Sie eine Gemeinschaft haben wollen, brauchen Sie aber eine Lerngemeinschaft, in der 25 oder 28 Schüler gemeinsam an einem geistigen Prozess arbeiten und sich als Leistungsgemeinschaft verste
hen, um zusammen mit dem Lehrer, der Lehrerin diesen Unterrichtsprozess, diesen geistigen Prozess voranzutreiben.
Dann ist das so wie ein sportlicher Wettkampf, in dem die Schüler gemeinsam arbeiten. Dann haben Sie weniger – nicht keine, aber weniger – soziale Verwerfungen und weniger gruppendynamische Prozesse, als es üblich ist.
Hinzu kommt neuerdings seit acht Jahren die Idee der totalen Inklusion, die von den Lehrkräften verlangt, Kinder mit besonderem Förderbedarf durch Binnendifferenzierung jeweils singulär zu fördern und zu unterrichten. Das ist eine Forderung, die den Lernerfolg der Klasse verringert, vor allem aber auch der Lerndisziplin der Schülerinnen und Schüler schadet.
Fragen Sie doch einmal die Grundschullehrerinnen! Sie kommen damit nicht zurecht. Obwohl sie sich hart dafür einsetzen und sich die größte Mühe geben, kommen sie damit nicht zurecht. Lesen Sie doch einfach einmal die Brandbriefe, Frau Beer, statt hier immer Ihre schlauen Expertisen abzugeben.
Ja, schlaue Expertisen. – Nein, jetzt einmal ernsthaft, Frau Beer: Ich finde das unerträglich, wenn ich mir anhöre, was Sie hier reden, und daran denke, wie die Schulen in den letzten acht Jahren unter Ihrer Regierung zu leiden hatten. Das ist eine Katastrophe.
Jetzt, wo die Lehrkräfte aufgrund dieser verqueren Situation nicht mehr alleine zurechtkommen, fordern Sie Multiprofessionalität.
(Jochen Ott [SPD]: In der Abiturprüfung wären Sie durchgefallen! – Gegenruf von Markus Wagner [AfD]: Sie haben versagt! Sie haben doch keine Ahnung! – Gegenruf von Michael Hübner [SPD]: Die Lautstärke ist kein Argu- ment!)
Das ist jetzt wohl ein Dialog. – Zum Antrag selbst: Sie haben auch einen Antrag gestellt. Das Ministerium soll ein Konzept vorlegen.
Wenn Sie diesem Antrag noch einen Sinn geben wollen, dann denken Sie darüber nach, die Finanzierung der Schulsozialarbeit anders zu ordnen.
… und dass das Ganze dort geregelt wird, weil von dort aus besser überblickt werden kann, welche Schule das braucht und welche nicht. Das ist keine Missachtung, sondern eher eine Sache der Effizienz.
(Beifall von der AfD – Michael Hübner [SPD]: Spalter! Thema verfehlt! – Gegenruf von Mar- kus Wagner [AfD]: „Primitiv“ ist Ihr zweiter Vor- name!)
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Landesregierung hat, was den Bereich des Arbeitsministeriums angeht, von Anfang an, seit ich Sozialminister bin, dafür gesorgt, der Schulsozialarbeit möglichst viel Kontinuität zu geben.
Deswegen haben wir die 48 Millionen € bis zum Ende der Wahlperiode durchgeplant, was vor uns keiner getan hat.
Der zweite Punkt ist: Wir haben am 6. Juni 2018 die gesamten Unterlagen an die Bezirksregierung gegeben, die die Kommunen benötigen, um für ihre Schulen die Mittel zu beantragen.