Protokoll der Sitzung vom 22.02.2019

schon am Rechenschieber widerlegt werden können. Jetzt ist es der oxidative Stress durch Feinstäube und Stickoxide, der zu deutlich mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen und Diabetes und darüber dann zum Tod führen soll. Dass es dort überhaupt einen Zusammenhang gibt, ist natürlich nicht bewiesen. Aber das hört sich erst einmal wichtig an; denn schon mit den Worten „oxidativer Stress“ kann ja wohl kaum jemand etwas anfangen.

Führt jetzt also Feinstaub zu Diabetes und Herztod? Das lässt sich total einfach überprüfen. Sterben dort weniger Menschen an Zucker und Herzinfarkten, wo es weniger Feinstaub gibt? Einfache Frage, einfache Antwort: Nein. Denn auch hier sind andere Risikofaktoren viel bedeutsamer, sodass allenfalls ein statistischer, sehr theoretischer, aber keinesfalls bedeutsamer Zusammenhang gesehen werden kann. Einen viel stärkeren statistischen Zusammenhang gibt es auch hier mit Fehlernährung und Bewegungsmangel. Ja, sogar niedriger sozio-ökonomischer Status korreliert statistisch gesehen strenger mit diesen Erkrankungen. Feinstäube hingegen machen explizit keinen signifikanten Unterschied.

Aber gehen wir noch einen Schritt zurück. Was ist eigentlich dieser oxidative Stress, von dem ich sprach, die Wurzel allen Übels? Oxidativer Stress entsteht in allererster Linie nicht durch Feinstäube, sondern als logische Konsequenz aus der Energiegewinnung des menschlichen Körpers. Wie der Name schon sagt, hat er etwas mit Sauerstoff zu tun.

Sauerstoff – das wissen die wenigsten – hat mit seiner Eigenschaft zum bisher größten da gewesenen Artensterben auf unserem Planeten geführt. Das waren nicht Dieselabgase, Treibhausgase oder CO2. Nein, für die meisten Arten auf unserem Planeten hat Sauerstoff das Ende bedeutet. Das ist tatsächlich der Fall.

Sollten wir also nun alle aufhören, zu atmen, um dem Tod zu entgehen? Natürlich nicht! Oxidativer Stress ist gefährlich; gar keine Frage. Aber die absolute Hauptquelle dafür bleiben wir selbst.

Unser eigener Körper, der diesen Mechanismus schon seit Jahrhunderten kennt, hat aber auch Mechanismen entwickelt, um sich gegen diesen Stress zu wehren. Ich habe selbst auf diesem Gebiet geforscht. Es gibt die sogenannte antioxidative Kapazität. Und wie verbessern wir diese? Überraschung: durch ausgewogene Ernährung und regelmäßigen Sport.

Es gibt noch eine weitere Fraktion, deren Slogan lautet, dass Feinstäube schlicht kanzerogen seien. Auch hier könnte man wieder fragen, ob in Stuttgart mehr Menschen an Krebs sterben als im Erzgebirge. Die Antwort lautet: Nein. Denn auch hier sind wieder zahlreiche andere Faktoren viel entscheidender als die Feinstäube – zum Beispiel das im Erzgebirge vorkommende Radon.

Aber was bedeutet „kanzerogen“ eigentlich? Es bedeutet zunächst einmal nur „krebserregend“ – wie zum Beispiel Gegrilltes, Aufschnitt, rotes Fleisch oder Chips. Das alles ist krebserregend.

Kann mit Grenzwerten dem Ganzen begegnet werden? Nein. Krebs ist in etwa so wie Lotto. Wenn ich Pech habe, ziehe ich das falsche Los. Dazu reichen schon natürliche Faktoren wie Alter und Übergewicht aus. Dazu braucht es keine Feinstäube, rein logisch also auch keine Grenzwerte.

Fassen wir noch einmal zusammen: Die großen Killer sind heutzutage Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel, ungesundes Essen und fehlende Bildung, während die Belastung durch Umweltschadstoffe einschließlich Stickoxiden seit Jahrzehnten abnimmt.

Ist es also Zeit für Panik? Mitnichten! Es ist an der Zeit, die Diskussion endlich zu versachlichen und wissenschaftlich nüchtern zu führen.

(Carsten Löcker [SPD]: Ja!)

Man kann die Statistik übrigens auch so lesen: Durch NO2 werden dem Bundesbürger im statistischen Mittel etwa 19 Stunden Lebenszeit genommen. – Das bedeutet: An zwei Abenden in der Woche mehr joggen, und Sie hätten das alles wieder drin. – Vielen Dank.

(Beifall von der AfD)

Vielen Dank, Herr Dr. Vincentz. – Mir liegt keine weitere Wortmeldung vor. Daher schließe ich die Aussprache.

Wir kommen zur Abstimmung. Der Ältestenrat empfiehlt die Überweisung des Antrags Drucksache 17/5073 an den Verkehrsausschuss – federführend –, an den Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales sowie an den Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Die abschließende Abstimmung soll im federführenden Ausschuss in öffentlicher Sitzung erfolgen. Wer möchte dem so zustimmen? – Das sind die SPD, die Grünen, die CDU, die FDP, die AfD und die beiden fraktionslosen Abgeordneten. Gibt es Gegenstimmen? – Gibt es Enthaltungen? – Damit ist die Überweisungsempfehlung einstimmig angenom

men.

Wir sind am Ende der heutigen Sitzung angelangt.

Ich berufe das Plenum wieder ein für Mittwoch, 20. März 2019, 10 Uhr.

Ich wünsche Ihnen allen einen angenehmen Tag und ein angenehmes Wochenende. Bis demnächst!

Schluss: 14:47 Uhr