Bei uns haben wir vorsichtige Diskussionen darüber. Aber ganz ehrlich: Wenn wir wissen, dass es in unserem Land Bereiche gibt, in denen eine dramatische Unterversorgung mit Lehrkräften herrscht, muss doch die gemeinsame Bereitschaft da sein, zu sagen: Liebe Gewerkschaften, liebe Lehrerverbände, wir reden über Beamte des Landes Nordrhein-Westfalen, wir reden über Berufsethos, und wir reden darüber, unseren Kindern eine gute Perspektive aufbauen zu müssen, damit sie überhaupt erst in den Genuss eines Hochschulfreiheitsgesetzes kommen können.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, insofern bitte ich die Landesregierung, darüber nachzudenken, wie das denn funktionieren kann. Natürlich hängt es auch eng mit den Ressourcen zusammen.
Damit sind wir beim Thema „Ressourcen und Besoldung“. Wenn Menschen, die die gleiche Ausbildung haben, an der einen Stelle mehr verdienen als an der anderen Stelle, ist klar, was passiert.
stufe II/Sekundarstufe I zu machen. Alle Statistiken deuten darauf hin, dass wir bei Sekundarstufe II/Sekundarstufe I 15.000 Lehrer zu viel und bei den Grundschulen 15.000 Lehrer zu wenig haben. Es ist klar, dass das an der Besoldung liegt.
nicht umgesetzt. Wir haben das in der letzten Wahlkampfauseinandersetzung alle gemeinsam überall vertreten – außer der FDP, die das nicht vor der Wahl versprochen hat. Umso besser ist es, dass die Ministerin und der Staatssekretär jetzt überall sagen, dass sie es wollen.
Ich bitte Sie, es dann auch endlich zu machen. Denn die Aufteilung in verteilte Rollen – die CDU sagt: „Nein, das können wir nicht finanzieren“, die FDP sagt: „Wir machen es“, wobei der Kollege Witzel da eher auf CDU-Linie ist – wird uns auf Dauer nicht helfen.
Dann kommen wir zu der nächsten Frage, nämlich der unnötigen Reglementierung, die mit dem Hochschulgesetz beendet wurde. Die FDP hat gerade eine Pressemitteilung mit diesem Tenor herausgeschickt. Ganz ehrlich: Wenn wir nicht reglementieren und den Hochschulen sagen, dass sie mehr Studienplätze schaffen müssen, wird es nicht klappen. 339 Plätze werden vorne und hinten nicht reichen. Jeder von uns, der hier sitzt, weiß das.
Was noch viel schlimmer ist: Wir können mittlerweile einen Zusammenhang zwischen dem Ausbildungsstandort und der Versorgung herstellen. In Ostwestfalen haben wir eine verdammt gute Versorgung, weil es dort eine sehr gute Lehrerausbildung an zwei Hochschulstandorten gibt. In Aachen wird es eng. Warum? Weil Aachen gesagt hat: Es ist viel lukrativer, wenn wir uns in der hohen, weiten Welt der Wissenschaft und Forschung bewegen.
Das soll man dort ruhig tun. Aber Lehrerausbildung, um auch in Zukunft Forschung betreiben zu können, ist zentral. Da muss das Land Vorgaben machen und darf nicht von irgendwelchen unregelmäßigen Reglementierungen sprechen. Das ist eine Falle in sich.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, zum Schluss möchte ich noch auf einen Punkt hinweisen, der uns besonders wichtig ist. Wenn wir gemeinsam der Auffassung sind, dass in den Grundschulen eine solide Arbeit stattfindet, die dafür sorgt, dass unser Bildungssystem überhaupt erst funktioniert, müssen wir uns auch dazu bekennen, dass die Schulen die nötige Unterstützung bekommen. Dann müssen wir gemeinsam über Konzepte streiten, was der beste Weg ist.
Vor allen Dingen müssen wir dafür sorgen, dass die Grundschulen so ausgestattet werden, dass sie gerade in Situationen, in denen es schwierig wird, auf genügend Personal zurückgreifen können. Wer glaubt, dass die Schule der Zukunft nur mit Lehrerinnen und Lehrern zu organisieren ist, glaubt auch noch an den Weihnachtsmann.
Rede hin, Herr Ott, angemeldet von der AfD-Fraktion. Selbstverständlich können Sie sie von Ihrem Platz aus beantworten. Das ist überhaupt kein Problem. Herr Seifen hat 1:30 Minuten Zeit für seine Kurzintervention. Bitte schön, Herr Seifen.
Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Ott, Sie kündigen immer an, Sie wollten sich streiten, diskutieren und die besten Lösungen suchen. Ich glaube, das gelingt Ihnen nicht, weil Sie es einfach nicht verstehen, differenziert zu argumentieren.
Deswegen müssen Sie Ihre politischen Gegner oder zumindest einige von ihnen offensichtlich verunglimpfen. Dass Sie den unsinnigen Zusammenhang zwischen dem Rohrstock in den 50er-Jahren und der Forderung nach einer etwas größeren Homogenität herstellen, zeigt das schon. Beides hat nichts miteinander zu tun. Niemand fordert das – im Gegenteil!
Sie können doch nicht einfach ignorieren, Herr Ott – ich kann das wirklich nicht verstehen –, welche Klagen aus dem Grundschulbereich dahin gehend kommen, dass man bestimmte Zusammensetzungen von Lerngruppen nicht mehr handeln kann. Das sind auch keine Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer, die irgendwie unwillig sind, sondern Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer, die verzweifelt sind, weil sie erst nach 20 Minuten überhaupt dazu kommen, irgendetwas im Lernbereich zu machen.
Trotzdem machen Sie so weiter. Sie sind doch auch deswegen abgewählt worden. Sie sollten wenigstens an sich denken und einmal überlegen, warum das so ist. Ich kann nicht begreifen, dass Sie so ignorant sind. Sie predigen Menschlichkeit. Aber das, was Sie hier pädagogisch-schulisch vorlegen, ist für mich – verzeihen Sie – ein Akt der Unmenschlichkeit und des tiefsten Unverständnisses.
Ich will es einmal so sagen: Es ist eigentlich ein Trauerspiel, dass jemand wie Sie mit solchen Ansichten über Jahre ein Gymnasium in diesem Bundesland hat leiten können.
unabhängig davon, dass der Antrag von den Grünen gestellt ist und nicht von uns; ich kann aber weite Teile unterstreichen –, die hier diskutiert wird, lautet: Wie gehen wir mit den Herausforderungen um, die die Lehrerinnen und Lehrer, die wir aus den Stadtteilen kennen, uns schildern?
Das heißt: Lösen wir das Problem, indem wir Hilfesysteme und Unterstützungssysteme für Schulen schaffen, die Lehrerinnen und Lehrer anerkennen, ihnen Unterstützung gewähren, auch monetärer Art, und vieles mehr? Oder lösen wir es dadurch, dass wir Kinder aussondern, herausdrücken oder was auch immer mit ihnen machen?
Denn Sie werden auf eine Frage immer eine Antwort geben müssen: Wie gehen wir mit den Kindern um, die eben nicht so funktionieren, wie Sie das gerne hätten?
Wir haben in der deutschen Geschichte die Erfahrung gemacht, wie es ist, wenn man meint, alle über einen Kamm scheren zu müssen. Das ist mit der Sozialdemokratie nicht zu machen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kollegin Sigrid Beer, lieber Kollege Jochen Ott, ich habe die Gelegenheit genutzt, aufmerksam zu lauschen. Ich weiß nicht, ob Sie gute Lehrer waren. Das hoffe ich mal.
Mit Ihren Reden und Ihren Belehrungen an die Kollegen haben Sie jedenfalls gute Oberlehrer abgegeben. An dieser Stelle will ich aber auch ganz klar sagen: Besserwisser haben nicht immer gleich recht.
Wenn Kollege Ott sich jetzt über die Bausteine beschwert, darf ich nur auf jede zweite eigene Rede des Kollegen Jochen Ott verweisen, in der er das selber zur Genüge ausführt und die gescheiterte rot-grüne Bildungspolitik benennt. Das kann man als Art der Selbstgeißelung sicherlich machen. Es ist jedenfalls auch eine richtige Annahme. Das macht uns das Arbeiten nicht leichter, ist aber nun einmal die Ausgangslage. Man darf sie hier auch klar benennen.
Ich möchte auch die Ausführungen von Kollegin Müller-Rech zum Stichwort „Ethikunterricht“ ergänzen. Frau Beer, ich zitiere aus einer Pressemitteilung von
April 2014: „Wir wollen in NRW den Ethikunterricht für die Grundschule.“ Drei Jahre hatte Rot-Grün dann noch zu regieren. Gekommen ist es nicht. Jetzt sind zwei Jahre NRW-Koalition vorbei, und Sie werfen uns fehlendes Tempo vor. Das kann man so machen, ist aber auch entlarvend.
Um das Thema „Verwaltungsassistenten“ anzusprechen: Auch ich wünsche mir da mehr. Bei all den notwendigen Debatten, die wir führen können, ist auch hier das Auftreten der Grünen ein starkes Stück. Ebenfalls 2014 hieß es aus dem grünen Bildungsministerium, dass keine neuen Assistenten eingestellt werden. Jetzt zu fragen, wo sie denn sind, ist wirklich ein starkes Stück.
Als digitalpolitischer Sprecher meiner Fraktion will ich ergänzen, dass mich Ihr Antrag in Bezug auf dieses Feld ebenso enttäuscht zurücklässt. Herz-, ideen- und vor allem lustlos steht in Ihrem Antrag:
„Unter dem Primat der Pädagogik der Vielfalt und didaktischen Einbettung ist die ‚digitale Lebenswelt‘ ein Gegenstand der Auseinandersetzung, Gestaltungswerkzeug und … Chance zur individuellen Förderung.“
Das schreibt sich zwar schön; aber so scheitern Sie selbst daran, Digitalisierung mit Leben zu füllen. Wenn Sie Digitalisierung tatsächlich als wesentlichen Baustein für die Zukunft der Grundschulen ansehen, muss da auch mehr kommen. Das würde dem Anspruch an die Qualität unserer Grundschulen sonst nicht gerecht werden.