Protokoll der Sitzung vom 12.07.2019

(Christof Rasche [FDP]: Unfassbar! – Zuruf von Armin Laschet, Ministerpräsident – Ge- genruf von Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE])

Tatsache ist, dass Sie bei allen drei Kategorien weit hinter der rot-grünen Zeit zurückliegen und gerade einmal knappe 20 % dessen schaffen, was in der rotgrünen Zeit geschafft worden ist.

(Beifall von den GRÜNEN)

Tatsache ist auch, dass alle Experten sagen, die 1.500-Meter-Regelung werde – wenn sie nicht durch Klagen fällt – dazu führen, dass nur noch ein Drittel der Potenziale für Windkraft in Nordrhein-Westfalen vorhanden sind. Sie wollen also mit einem Drittel der Potenzialflächen eine Verdopplung schaffen. Das ist Ihre Rechenkunst. Die können wir nicht nachvollziehen.

(Beifall von den GRÜNEN)

Meine Damen und Herren, des Weiteren ist es so – darauf will ich noch einmal hinweisen –, dass Sie nach meiner Wahrnehmung auch an einer anderen Stelle mit den Zahlen – wir können es im Protokoll nachsehen – gepfuscht haben. Ich sage das bewusst so deutlich.

Sie haben ausgeführt, Sie wollten in den nächsten Jahren Photovoltaikanlagen in der Größenordnung von 11 GW zubauen. Tatsache ist: In Ihrer eigenen

Energiestrategie steht, dass Sie von 5 GW auf 11,5 GW ausbauen wollen. Sie wollen also 6,5 GW und nicht 11 GW zubauen. Schauen Sie noch einmal in Ihre eigene Strategie, und dann lassen Sie uns das einmal klären.

Meine Damen und Herren, Sie haben alle mehrfach davon gesprochen, wer auf die Bürger höre und wer von oben herab regiere. Ich sage: Von oben herab regieren diejenigen, die den Niederrhein auskiesen wollen. Von oben herab regieren diejenigen, die den Nationalpark Senne streichen wollen, obwohl 85 % der Menschen dagegen sind. Von oben herab regieren diejenigen, die die industrielle Massentierhaltung im Außenbereich erleichtern wollen, obwohl die Bevölkerung gegen immer mehr industrielle Massentierhaltung ist.

Alles das tun Sie. Damit regieren Sie gegen die Bevölkerung vor Ort.

(Beifall von den GRÜNEN)

Herr Becker, gestatten Sie eine Zwischenfrage von Herrn Kollegen Freynick von der FDP-Fraktion?

Selbstverständlich.

Das ist freundlich von Ihnen. – Bitte schön, Herr Freynick.

Herr Kollege, vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Ich komme aus einer Stadt, die sich Bornheim nennt und 50.000 Einwohner hat. Dort wird im Moment überlegt, ob man Windenergieanlagen zulässt, die 240 m hoch sind und 700 m an die Wohnbebauung heranreichen. Glauben Sie, dass solche Vorgaben in der Bevölkerung Akzeptanz finden?

Herr Kollege, wenn Sie bei der Anhörung gut zugehört hätten – ich komme noch einmal auf das Thema „Zuhören“ zurück –, dann wüssten Sie, dass die kommunalen Spitzenverbände darauf hingewiesen haben,

(Dietmar Brockes [FDP]: Ihre Meinung?)

dass in einem normalen Genehmigungsverfahren …

(Dietmar Brockes [FDP]: Frage!)

Nun hören Sie doch wenigstens jetzt mal zu.

(Zurufe von der FDP)

… all diese Dinge abgewägt werden, dass genau die Frage von Höhen und Abständen, von Emissionen

und von Belastungen abgewägt wird und nicht sinnvollerweise durch eine feste 1.500-Meter-Regelung zu ersetzen ist,

(Dietmar Brockes [FDP]: Nicht beantwortet!)

weil die nämlich nicht sachgerecht ist.

Sie können all diese Kriterien bei sich zu Hause in eine Abwägung einbringen, anstatt mit einer starren Vorgabe von 1.500 m eine sinnvolle und für unser Land notwendige Energieform zu fesseln.

(Beifall von den GRÜNEN)

Vielen Dank, Herr Becker. – Nun hat für die AfD-Fraktion Herr Loose das Wort.

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn wir jetzt eines gelernt haben, dann, dass die Grünen den Kiesabbau reduzieren, verhindern wollen. Kies wird zum Beispiel für Beton gebraucht und Beton für Windräder, Herr Becker. Sie wollen also Windräder bauen, aber den Kiesabbau reduzieren.

Die SPD will es im Grunde auch. Von der SPD haben wir gelernt: Nein, nein, Repowering erlauben CDU und FDP noch, und das würde dann das Paderborner Land verschandeln. – Nein, Sie wollen das gesamte Land verschandeln. Das ist nicht nur hart, das ist sogar Herter.

Wir haben einen Zuwachs von Waldflächen nicht nur in Deutschland generell, sondern auch in NRW. Das begrüßen wir ausdrücklich.

Wir haben auch einen Zuwachs von Siedlungsflächen, wo die Menschen jetzt bauen können. Das begrüßen wir ebenfalls.

Übrigens: Zum Bauen, liebe Grüne und liebe SPD, braucht man auch Kies. Auch dafür braucht man entsprechende Baumaterialien und Sand. Auch das wollen Sie verhindern.

Industrieflächen liegen zum Teil brach. Zum Teil wird es da auch neue Flächen geben.

Was allerdings schrumpft, sind zum Beispiel die Weideflächen, und Windräder konkurrieren mit Wäldern, aber auch zum Beispiel mit Weideflächen. Auch eine natürliche Landwirtschaft braucht Weideflächen. Denn dort, wo Windräder stehen, stehen in der Regel keine Kühe.

Windräder können auch …

(Zurufe von den GRÜNEN)

Ja, Sie können ja mal die Norweger fragen. Es gab von der UN eine Resolution, dass die Samen geschützt werden sollen. Sie müssen sich vorstellen,

wie die Vibrationen, der Druck etc. auf die Kühe wirken. Das mögen die Kühe nicht. Das ist leider eine Tatsache. In Norwegen wurde deswegen entsprechend für die Samen gekämpft, die dort mit der Rentierzucht Probleme haben.

Windräder können Menschen krank machen. Es gibt dazu mehr als 1.000 Bürgerinitiativen in Deutschland. Die „FAZ“ vom 07.07. titelt: „Gesundheitsrisiko Aufstand gegen die Windkraft“. Kopfschmerzen, Herzrasen und Schlafstörungen – ja, liebe Grüne, das ist das, was Sie mit Ihren Windrädern erreichen. Es gibt mehr als 1.000 Bürgerinitiativen. Anwohner klagen über unzumutbare Eigentumsbeeinträchtigungen. Da heißt es: Mehrere Windräder liegen weniger als 1.000 m vom Haus entfernt. Der Wertverlust der Immobilie beträgt 100 %.

Wer von Ihnen lebt denn eigentlich so nah an Windrädern? Ich komme zum Beispiel aus der Stadt Bochum. In Bochum haben wir ja auch drei SPDAbgeordnete, die immer wieder nach neuen Windrädern rufen. Aber es gibt kein einziges Windrad in Bochum.

Fachleute – „FAZ“-Artikel – werfen der Politik und den Unternehmen der Branche eine gezielte Desinformation vor, Fake News also. Niederfrequente Schwingungen, die vom Ohr nicht mehr wahrgenommen würden, erzeugten bei empfindsamen Menschen Stressreaktionen, sagen die Ärzte für Emissionsschutz. Jeder Durchgang eines Rotorblattes führe zu einer Druckwelle. Hinzu kämen die Vibrationen der Windkraftanlagen (Körperschall), die sich vom Fundament über den Boden ausbreiten. Es wird beklagt, in Wohnungen wird bisher gar nicht gemessen, obwohl der Schall in Innenräumen aufgrund von Schallreflektionen und Überlagerungen zu überhöhten Schalldruckwellen führen kann. Die Behörden sagen, das sei gesundheitlich unbedenklich. Aber Arbeiten von Universitäten, Ärzten und Forschungsgruppen sehen das teils anders.

Das steht in der „FAZ“. Das kommt nicht von der AfD.

Die Umweltverbände schweigen hier und lassen die Menschen dort im Stich.

(Markus Wagner [AfD]: Nicht nur dort!)

Windräder können also Menschen krank machen. Windräder können Vögel töten. Windräder können Insekten töten und auch Fledermäuse. Damit greifen die Windräder in die Natur ein und fördern leider auch das Artensterben. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um ein neues Windrad handelt, das da gebaut wird, liebe SPD, oder ob es sich um ein repowertes Windrad handelt, liebe CDU und liebe FDP.

Deshalb: Sorgen Sie dafür, dass die Menschen und die Natur geschützt werden, und stimmen Sie unserem Änderungsantrag zu. – Danke.

(Beifall von der AfD)

Vielen Dank, Herr Loose. – Nun hat sich für die Landesregierung noch einmal Herr Minister Professor Dr. Pinkwart zu Wort gemeldet.

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Da sich die Beiträge der Opposition wesentlich auf die Windkraft bezogen haben, was auch darauf schließen lassen könnte, dass Sie mit dem Rest gar nicht unzufrieden sind – aber das will ich jetzt gar nicht unterstellen –, will ich versuchen, Folgendes noch einmal ein bisschen zurechtzurücken: Lieber Herr Herter, Sie bringen ein Beispiel. Sie sagen, ein 900-MWKraftwerk …

(Marc Herter [SPD]: Bis zu, habe ich gesagt!)