Wir kommen zur Abstimmung. Der Ältestenrat empfiehlt die Überweisung des Gesetzentwurfs Drucksache 17/7747 an den Innenausschuss. Ist jemand im Rund, der dagegen ist? – Ist jemand da, der sich enthalten möchte? – Das ist nicht der Fall. Damit haben wir die Überweisungsempfehlung einstimmig angenommen.
Ich eröffne die Aussprache und erteile als erster Rednerin für die Fraktion der CDU der Abgeordneten Frau Schlottmann das Wort.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Kollegen! Ich freue mich sehr, dass ich Ihnen heute mitteilen kann, dass wir den ersten Schritt zur Einlösung des Versprechens im Koalitionsvertrag zur Evaluierung der Lehrerfortbildungen erreicht haben. Seit Oktober dieses Jahres liegen die Erkenntnisse der beauftragten Expertengruppe vor. Nun ist es an uns, die Situation für die Lehrerinnen und Lehrer in Nordrhein-Westfalen zu verbessern.
Zunächst, meine Damen und Herren, nutze ich aber sehr gerne die Gelegenheit und bedanke mich bei den Lehrkräften in Nordrhein-Westfalen für ihren unermüdlichen Einsatz für die Kinder und Schulen.
Lehrer sind an unseren Schulen neben den Kindern, den Schülern, die Hauptakteure. Ihre Arbeit ist von großer Wichtigkeit und ermöglicht überhaupt erst eine gute Schulbildung für Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen.
Dabei besteht – und das ist Ihnen sicherlich nicht neu – die Aufgabe der Lehrer längst nicht mehr nur darin, Wissen zu vermitteln. Vielmehr besteht sie darin, schulische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen so zu schaffen, dass die Kinder einen möglichst guten Start erhalten. Herausforderungen wie Inklusion, digitale Medien oder Integration gehören mittlerweile genauso zum Alltag eines Lehrers.
Ebenso möchte ich den Lehrkräften danken, die das bereits umfangreiche Angebot der Lehrkräftefortbildung gestalten. Insgesamt 53 Kompetenzteams bieten im Rahmen der Fortbildungsinitiative NRW Weiterbildungen unter anderem in den Bereichen „Unterrichtsentwicklung“, „Lernmittel“, „Medienberatung“ oder „Inklusion“ an.
Unser Ziel ist es, ihre wichtige Aufgabe und ihre wichtige Arbeit besser an aktuelle Bedarfe anzupassen, die Qualität zu steigern und das Angebot zu erweitern, um die Lehrkräftefortbildung in Nordrhein-Westfalen besser aufzustellen und damit unsere Lehrer besser auf ihre tägliche, häufig herausfordernde Arbeit vorzubereiten.
Diesen Handlungsbedarf hat die NRW-Koalition nach der Regierungsübernahme schon früh erkannt und sich ihm gestellt. Im Gegensatz zur Vorgängerregierung, welche auch diesbezüglich wieder ihre altbewährte Taktik der Tatenlosigkeit gewählt hat, haben wir uns der Thematik direkt angenommen – wie wir es auch im Koalitionsvertrag versprochen haben.
Bereits 2017 gab Ministerin Yvonne Gebauer die umfangreiche Evaluation mit Handlungsempfehlungen zum Thema „Lehrkräftefortbildung“ in Auftrag. Nun liegen die ersten Ergebnisse vor und zeigen deutlich, dass die bisherige Fortbildungspraxis deutliche Mängel aufweist und es einer umfassenden Reform bedarf. So heißt es in der Stellungnahme der Expertengruppe – ich zitiere mit Erlaubnis des Präsidenten –:
„Das System der Lehrerfortbildung in NRW wird als suboptimal eingeschätzt. Die Strukturen sind unübersichtlich mit unklaren Zuständigkeiten, die Effekte der Fortbildungsanstrengungen sind unbefriedigend.“
Meine Damen und Herren, daran zeigt sich doch ganz deutlich, dass wir handeln müssen. Wir müssen transparente und klare Strukturen schaffen und somit
Das Zusammenspiel von Steuerung und Organisation von Lehrerfortbildung, der Qualität der Fortbildungsangebote und der Qualifizierung der Fortbildungskräfte ist für uns besonders wichtig.
Diese Stellungnahme ist eine erste Zusammenfassung. Deshalb ist es absolut notwendig, dass wir bei diesem Thema viel mehr in die Tiefe gehen und uns mit dem vorliegenden Bericht intensiv beschäftigen. Es ist unsere Pflicht, den Lehrkräften in NordrheinWestfalen eine qualifizierte Weiterbildung zu ermöglichen, um Defizite in der Fortbildung zu beseitigen, die bestehenden Strukturen zu verbessern und damit den Lehrkräften das Rüstzeug zu geben, ihre aktuell schwierige Situation und die Inhalte in ihrem Alltag zu meistern.
Die Reform der Lehrkräftefortbildung ist eine umfangreiche Aufgabe. Sie fordert viele Ressourcen – vom Personal bis zur Finanzierung. Davon sollten wir uns aber nicht einschüchtern lassen. Wenn wir nämlich Geld in unsere Schulen, unsere Lehrer investieren, dann investieren wir in die Zukunft des Landes. Es geht hier um nicht weniger als die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung der Qualität unseres Schulsystems.
Darüber hinaus geht es zum einen um die Würdigung der Lehrkräfte in unseren Schulen vor Ort. Es geht darum, sie ernst zu nehmen, sie bei all ihren täglichen Herausforderungen zu unterstützen und ihnen das Rüstzeug für ihre tägliche Arbeit zu geben. Zum anderen geht es um die Bildung unserer Kinder; denn nur mit gut geschulten Lehrern, die auf aktuellem Stand sind, können wir diesen eine hochwertige Bildung ermöglichen.
Schule ist Landesaufgabe. Lassen Sie uns gemeinsam diese Aufgabe ernst nehmen und unseren Auftrag erfüllen, damit die Lehrerinnen und Lehrer in Nordrhein-Westfalen die Chance haben, sich umfangreich weiterzubilden und dieses Wissen an ihre Schüler weiterzugeben, damit die Schulen in diesem Land wieder ein Aushängeschild für Nordrhein-Westfalen werden können. Ich habe großes Vertrauen in unser Ministerium, dass wir diese Herausforderung gemeinsam meistern werden. – Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Unsere Lehrerinnen und Lehrer in NRW leisten jeden Tag
wichtige und herausragende Arbeit, um den Schülerinnen und Schülern die besten Chancen für ein selbstbestimmtes und glückliches Leben zu schaffen. Sie haben sich für den Schuldienst entschieden, um unsere Welt zum Besseren zu ändern, einen Unterschied zu machen und jungen Menschen zu helfen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Was die Lehrerinnen und Lehrer zusätzlich auszeichnet, ist, dass sie nicht nur tagtäglich und leidenschaftlich an der Bildung ihrer Schülerinnen und Schüler arbeiten, sondern auch eine hohe Bereitschaft zeigen, wenn es um ihre eigene Fort- und Weiterbildung geht.
Denn eine Fortbildung bringt so viel mehr als neues Wissen und Kompetenzen. Sie bringt auch die Möglichkeit zu schulübergreifendem Austausch und die Befähigung, positive Entwicklungen der Schulen mitzugestalten – zumal sich sowohl schulische als auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen kontinuierlich verändern.
Die Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte ist ein sehr wichtiges Thema, das leider aber während der rot-grünen Regierungszeit sträflich vernachlässigt wurde. Gerade im Bereich der Inklusion wäre damals eine ausreichende, systematische und treffsichere Fort- und Weiterbildung für alle Lehrkräfte wichtig gewesen.
Stattdessen wurden die Lehrerinnen und Lehrer ins kalte Wasser geworfen. SPD und Bündnis 90/Die Grünen scheinen immer noch nicht einsehen zu wollen, welche fatalen Auswirkungen ihr Handeln auf die Lehrkräfte unseres Landes hatte, als sie mit der Brechstange an dieses sensible und wichtige Thema herangegangen sind. Das hat auch die heutige Aktuelle Stunde sehr eindrücklich gezeigt.
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Für uns Freie Demokraten ist die Fort- und Weiterbildung unserer Lehrkräfte ein wichtiges Thema. Denn – ich zitiere aus dem Koalitionsvertrag –: „Für besten Unterricht braucht es bestens aus- und fortgebildete Lehrerinnen und Lehrer.“
Daran hat sich nichts geändert, und folgerichtig hat unsere Schulministerin Yvonne Gebauer bereits zwei Monate nach der Regierungsübernahme eine spezifische Evaluation der Lehrerfortbildung in Auftrag gegeben. Es wurden zahlreiche Interviews sowie eine Onlinebefragung durchgeführt, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über ihre Erfahrungen berichten konnten. Das Ergebnis dieser Evaluation war verheerend. Ich zitiere aus der Stellungnahme der Experten:
„Das System der Lehrerfortbildung in NRW wird als suboptimal eingeschätzt. Die Strukturen sind unübersichtlich mit unklaren Zuständigkeiten, die Effekte der Fortbildungsanstrengungen sind unbefriedigend.“
Auch die Kollegin Schlottmann hat dies vorhin vorgetragen; es ist aber wirklich wichtig, es sich genau anzusehen und zu Herzen zu nehmen. Denn so kann und darf es nicht weitergehen. Hier besteht Handlungsbedarf. Wir wollen, dass die Lehrkräfte in NRW nun die Fort- und Weiterbildungen bekommen, die sie verdienen.
Was dürfen wir denn nun von unserer Landesregierung erwarten? – Erstens. Die wichtigsten Handlungsfelder sind die Bereiche Inklusion, Integration und Digitalisierung. Ganz besonders in diesen Feldern, aber natürlich auch in anderen, müssen wir die Lehrerfortbildung überarbeiten und qualitativ weiterentwickeln. Damit setzen wir einen weiteren wichtigen Punkt unseres Koalitionsvertrags um.
Zweitens. Wir müssen dringend die Zuständigkeiten klären und vereinfachen. Bisher sind viele Stellen beteiligt, und man verliert den Überblick: Neben dem Ministerium für Schule und Bildung sind noch die Bezirksregierungen, das Landesinstitut QUA-LiS, die Kompetenzteams bei den Schulämtern und die einzelnen Schulen bei der Fortbildung involviert. Wir wollen dafür sorgen, dass zukünftig die Zuständigkeiten der Beteiligten klar definiert und aufeinander abgestimmt sind. Daher wollen wir die komplexen Strukturen der Lehrerfortbildung überprüfen und optimieren.
Drittens. Wir fordern die Landesregierung auf, zu prüfen, ob nicht auch weitere relevante schulexterne Akteure bei der Lehrerfortbildung berücksichtigt werden können. Ein ganz wichtiges Beispiel dafür sind unsere Hochschulen. Außerdem – so steht es auch im Evaluationsbericht – kann es sinnvoll sein, auch zusätzliche Akteure in die Bedarfs- und Qualitätskommunikation des Fortbildungssystems einzubeziehen. Dabei kann zum Beispiel auch die Sicht der Schülerinnen und Schüler hilfreich sein.
Meine Damen und Herren, zum Schluss möchte ich die Gelegenheit nutzen, unseren Lehrkräften für ihren Einsatz und ihr Engagement ein großes Danke zu sagen. Auf Sie kommt es weiterhin an. Wir wollen Sie bestmöglich stärken und unterstützen.
Vielen Dank, Frau Kollegin. – Für die SPD-Fraktion hat nun die Abgeordnete Frau Hammelrath das Wort.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir befinden uns auf dem Weg von der Industriegesellschaft über die Wissensgesellschaft zur Bildungsgesellschaft. Alle Experten – übrigens unabhängig von
ihrer politischen Couleur – sind sich einig: Wichtigstes Element dazu ist das lebenslange oder, besser noch, das lebensbegleitende Lernen.
Kürzlich habe ich bei einem Schulbesuch ein großartiges Motto dazu gehört: Live life, love learning. Damit Schülerinnen und Schüler das Lernen lieben und damit eine gute Grundlage für ihr Leben und für eine ständige Weiterentwicklung legen können, braucht es Lehrerinnen und Lehrer, die auch das Lernen lieben und dies auch vorleben.
Nach dieser Vorrede ist es doch ganz einfach: Brauchen wir eine Lehrerfortbildung? – Na klar. Muss diese klar strukturiert sein und trotzdem flexibel auf die Bedürfnisse der Lehrerinnen und Lehrer eingehen? – Na klar. Muss auch die Fortbildungseinrichtung lernen und sich weiterentwickeln? – Na klar.
Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von CDU und FDP, lieben ja den Rückblick – so auch hier; wir haben es soeben von Frau Müller-Rech noch einmal gehört.
Wenn das sonst schon zumindest ermüdend, wenn nicht auch inhaltlich falsch ist, so ist es in diesem Fall geradezu abenteuerlich.
Das Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in Soest und damit die zentrale Einrichtung der Lehrerfortbildung wurde 1983 von uns gegründet. Genau diese Einrichtung haben Sie zum Ende des Jahres 2006 aufgelöst.