(Sigrid Beer [GRÜNE]: Schwarz-Gelb! – Eva- Maria Voigt-Küppers [SPD]: Dass Sie das nicht gemacht haben, Frau Müller-Rech, ist klar!)
Wir haben dann wiederum zum 1. Dezember 2013 das Institut QUA-LiS neu aufgebaut, modifiziert und weiterentwickelt, weil wir daran glauben, dass Lehrerfortbildung zentral und mit Standards organisiert und durchgeführt werden muss.
„Die Qualität des Lernens steht weiterhin im Zentrum schulischer Arbeit. Wir wollen Schulen zu pädagogischer Innovation ermutigen. Dabei stehen das erfolgreiche Lernen der Schülerinnen und Schüler sowie die Unterrichtsentwicklung im Fokus.“
Das war die Begründung für den Aufbau von QUALiS. Wir haben des Weiteren die Aufgabe wie folgt beschrieben:
„Eine Kernaufgabe des Instituts bleibt die systematische Qualitätsentwicklung und Unterstützung der Schulen, u. a. im Zusammenhang mit der Lernplanentwicklung, Standardsicherung und Fortbildung. Das steigert die Professionalität.“
Und auf der Website, in dem entsprechenden Runderlass, wird sehr deutlich, dass es hier ein Zielprogramm gegeben hat und dass selbstverständlich auch von Beginn an Evaluationen zur Steuerung und Weiterentwicklung vorgesehen wurden.
Denn wir alle wissen: Das Bessere ist der Feind des Guten. Selbstverständlich gehört auch zu einer Fortbildungseinrichtung, dass sie sich fortbildet.
Dazu gehört übrigens auch die Auswertung und Bereitstellung von Daten und Ergebnissen aus landesweiten Verfahren wie zum Beispiel der Qualitätsanalyse, zentraler Abschlussprüfungen und des Zentralabiturs im Sinne eines Bildungsmonitorings. Auch das ist eine Art, zu evaluieren.
Wenn diese Inhalte und unsere Positionierung noch nicht klar sind, nur mal ganz grob einige Zahlen: 2013 war durch Schwarz-Gelb die Summe bei null. Dann haben wir angefangen und haben zweieinhalb Millionen eingesetzt für damals noch die Unterstützungsagentur, die wir dann im nächsten Jahr schon „QUALiS“ nennen konnten und für die wir dann schon in 2014 fast fünf Millionen ausgegeben haben. Diese Summe haben wir in den nächsten Jahren gesteigert, bis wir 2017 bei fast 13 Millionen waren. Das heißt, wir sind von null auf 13 Millionen für die Lehrerfortbildung gegangen in den Jahren unserer Regierung.
Deshalb lassen wir uns an dieser Stelle nicht vorwerfen, dass wir für die Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern nichts unternommen hätten.
Ja, ich gebe gerne zu – und wir freuen uns darüber –, dass Sie in den letzten Jahren noch einmal 500.000 draufgelegt haben und im nächsten Jahr noch einmal 800.000. Bei den vielen Aufgaben, die für unsere Lehrerinnen und Lehrer eine große Herausforderung darstellen, sind wir selbstverständlich sehr dafür, diesen Betrag auszuweiten.
Auch wenn Ihr Antrag vor Geschichtsklitterung nur so strotzt – viele der Forderungen unterstützen wir. Denn wir wollen in die Zukunft schauen, wir wollen Fortschritt. Vor allen Dingen aber wollen wir unsere Lehrkräfte in NRW unterstützen. Deshalb freuen wir uns auf die Diskussion im Ausschuss. – Herzlichen Dank.
Vielen Dank, Frau Kollegin. – Für die Fraktion der Grünen hat nun die Abgeordnete Frau Beer das Wort.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte der Kollegin Hammelrath danken, weil sie schon einmal sehr ausführlich dargestellt hat, was wir in die Lehreraus- und -fortbildung investiert haben. Das muss ich jetzt nicht alles wiederholen. Es lohnt sich aber, das nachzulesen.
Zu Beginn will ich deutlichen sagen: Ich finde den Bericht außerordentlich gut. Ich finde es richtig, dass er in Auftrag gegeben worden ist. Ich finde, da ist wirklich Expertise zusammengekommen. Auf der Grundlage können wir gut weiter beraten, so wie wir Evaluation auch angelegt haben. Natürlich muss man sich dann auch immer die kritische Frage nach der Wirksamkeit stellen.
Um an anderer Stelle auch mit der Legendenbildung aufzuräumen: Natürlich haben wir mit den Universitäten zusammengearbeitet. Ich möchte als eine Person stellvertretend für viele Professor Hennemann von der Uni Köln nennen, der die Frage der Inklusion und einer Fortbildung mit bearbeitet hat.
Ich wünsche mir, dass wir dann gemeinsam im Ausschuss – ich hoffe, auch in einer Anhörung – einmal aufbereiten, wie zum Beispiel die Fragen von Fortbildung transportiert worden sind. Es hat einen Hauptpersonalrat gegeben, nämlich den für die Gymnasien, der die Teilnahme an den Fortbildungen blockiert hat –
reden wir gemeinsam darüber –, um dann hinterher diese Melodie zu singen: Wir sind ja unvorbereitet in Prozesse hineingegangen. – Da müssen wir dann also auch ein bisschen aufrichtig sein.
Ich bin sehr dafür, dass wir miteinander beraten, wie wir es hinkriegen, dass die Fortbildung auch wirklich dort ankommt und welche Stolpersteine es auf dem Weg geben kann. Die können vielfältig sein.
Es ist in der Tat so, dass wir das Qualitätsinstitut, das Landesinstitut, erst wieder aufbauen mussten. Es ist ja schon interessant, dass wir jetzt bei dem zweiten Punkt sind, bei dem wir schulpolitische Initiativen von CDU und FDP aus den Jahren 2005 bis 2010 rückabwickeln. Ich erinnere an G9. Die Zerschlagung der Fortbildungslandschaft mit einem Jahr Fortbildungsbrache war das Ergebnis der Regierungszeit von CDU und FDP zwischen 2005 und 2010.
Wir haben damals bewusst – die Erfindung der Kompetenzteams liegt ja auch in dieser Zeit – gesagt: Wir müssen jetzt an die Weiterentwicklung gehen und das Institut aufbauen, um anschließend Strukturen
wieder systemisch und systematisch in die Landschaft zu bringen. Denn diese Wildblumenwiese, die Sie in der Frage der Lehrerfortbildung damals hinterlassen hatten, hat ja auch Entwicklungsbedarfe mitgebracht. Trotzdem müssen wir immer weiter daran arbeiten.
Deswegen sage ich: Der Bericht ist gut. Die Evaluation ist gut, und wir müssen gucken: Wo liegen die Wirksamkeiten?
Mich wundert aber dieser Antrag sehr. Das Ministerium arbeitet jetzt nicht automatisch daran? Was fehlt denn in diesem Antrag wieder? Ich sage das, damit Sie uns in einem Jahr nicht fragen: Wir hatten doch so einen schönen Antrag, warum konntet ihr den nicht mittragen? – Wo ist die Komponente Zeit, damit wir darüber reden können und damit das in den Schulen entsprechend implementiert werden kann? Wie sieht es mit der Unterstützung durch Mittel aus? Was wird denn in Zukunft bereitgestellt?
Wenn dies das Signal ist, dass wir in einer Anhörung und im Ausschuss auch darüber miteinander reden können, wie es denn strukturell unterfüttert wird, dann bin ich sehr bei Ihnen. Dann sollten wir uns die Zeit nehmen, wie ich hoffe, auch für eine Anhörung, damit wir das gemeinsam tragen. Denn das brauchen die Schulen in Nordrhein-Westfalen nicht: nach dem „Kommando Pimperle“ fünf Jahre so und fünf Jahre so.
Deswegen bin ich sehr interessiert an einer gemeinsamen Fortentwicklung, an einer guten strukturellen Aufstellung, an der Qualifizierung derjenigen, die qualifizieren sollen. Das ist genau der Punkt. Lassen Sie uns noch einmal draufschauen. Ich glaube, es wäre ein gutes Signal, wenn man das gemeinsam machen kann.
Herr Rock, ich hätte erwartet, dass Sie als schulpolitischer Sprecher hier auch mal Position dazu beziehen. Nur da oben zu sitzen und den Kopf zu schütteln, hilft den Schulen leider nicht weiter.
(Beifall von den GRÜNEN – Matthias Kerkhoff [CDU]: Das ist Sache der Fraktion, wer redet! Ich weiß gar nicht, was das soll!)
Ich würde mir mal konzeptionell etwas wünschen. Aber wir haben im Ausschuss ja noch eine hervorragende Gelegenheit für den fachlichen Austausch.
Vielen Dank, Frau Kollegin. – Für die AfD-Fraktion erteile ich dem Abgeordneten Herrn Seifen das Wort.
CDU/FDP-Antrag wird die Situation der Lehrerfortbildung durchaus richtig analysiert, wenn auch der pathetische Wortschwall, mit dem die Bedeutung der Lehrerfortbildung gewürdigt wird, etwas unangemessen ist und wohl eher die Erhabenheit des Antrags der CDU/FDP-Koalition unterstreichen soll.
Wir nehmen das amüsiert zur Kenntnis, beschäftigen uns gleichwohl ernsthaft mit dieser Thematik. Lehrerfortbildung kann tatsächlich ein wichtiges Element sein, um die linksideologische Fehlsteuerung der letzten Jahre zu beenden. Dabei muss man sich davor hüten, die Lehrerfortbildung als ein Mittel zu sehen, was als beliebiges Instrument für die Bereinigung falscher schulpolitischer Entscheidungen eingesetzt werden kann.
Ich habe das in den zurückliegenden Jahren erlebt. Auf die zahlreichen Hinweise, dass die totale Inklusionspolitik, also die vollständige Eingliederung von Schülern und Schülerinnen mit besonderem Förderbedarf von den Lehrkräften der Regelschule nicht geleistet werden könne – das haben alle Kolleginnen und Kollegen gesagt –, weil ein Regelschullehrer eben nicht das dementsprechende Wissen haben könne wie ein Förderschullehrer, der immerhin ein achtsemestriges Studium mit anschließendem Referendariat hinter sich habe, wurde dann von den beamteten Boten der Ministerin Löhrmann auf die Lehrerfortbildung hingewiesen: Machen Sie sich keine Sorge, die Lehrer bekommen eine Lehrerfortbildung und können selbstverständlich auch mit Kindern umgehen, die einen besonderen Förderbedarf haben.
Dass das schiefgegangen ist, haben wir heute Morgen schon erläutert. Vor allem die Rückmeldungen aus den Schulen weisen auf die katastrophale Situation hin. Ein achtsemestriges Studium kann nicht durch Lehrerfortbildung kompensiert werden. Ein derartiger Missbrauch dieses wertvollen Instrumentes darf nicht wieder geschehen. Außerdem ist es ein Betrug an Lehrkräften, aber auch an Eltern und Schülern, wenn man zu falschen Entscheidungen des Gesetzgebers, die zu den chaotischen Situationen führen, wie wir sie teilweise an einigen Schulen feststellen können, mit dem Hinweis auf die Möglichkeit stillehält, das alles durch Lehrerfortbildungen bereinigen zu können.
Lehrerfortbildung muss sich nach dem richten, was an Herausforderungen von den Lehrern zu bewältigen ist. Das sind einmal fachliche Anforderungen im Unterricht, Erziehungsanforderungen und Kommunikationsstrategien mit Eltern.
Die fachlichen Anforderungen sind zunächst einmal durch das Studium abgedeckt, aber selbstverständlich können im Studium nicht alle Sachverhalte eines
Studienfaches erfasst werden. Deshalb findet innerhalb eines Lehrerkollegiums immer auch Austausch über fachliche, didaktische und methodische Fragen statt, also sozusagen die Fortbildung im Kleinen, die täglich geschieht.
Belebt werden sollten aber auf jeden Fall wieder die Bezirksfachkonferenzen, in denen die Fachlichkeit und die didaktische Kompetenz der Lehrkräfte über die einzelnen Schulen hinweg einen Abgleich erfahren, eine wertvolle Einrichtung, die allerdings nicht mehr existiert, soweit ich informiert bin.
Gerade in Zeiten zentraler Lernstandserhebungen und zentraler Prüfungen ist auch eine Fortbildung im fachlich-didaktischen Bereich notwendig, um auch hier eine Qualitätssicherung zu forcieren.
Genauso wichtig, vielleicht aber sogar noch wichtiger, ist die Fortbildung im Bereich des pädagogischen und kommunikativen Handelns von Lehrern. Erziehungshandeln verlangt einen eigenen, souveränen Standpunkt, eine eigene emotionale Stabilität und vor allem die Fähigkeit zu einer Empathie, aber zu einer distanzierten, professionellen Empathie, wie sie für das Gelingen von Erziehungsprozessen Voraussetzung ist. Hier ist sicherlich eine Reihe von Bedarfen festzustellen. Ich denke, die Bedarfe sind da sehr groß.