Protokoll der Sitzung vom 27.01.2000

Meine Danten und Herren, mir liegen jetzt noch sechs Wortmeldungen vor.

(Unruhe und Zurufe: Oh nein!)

Ich sage es ja: Jeder kommt noch zu Wort. Man braucht nicht mit Zwischenrufen - und seien sie noch so lautstark - zu reagieren, sondern man kann sich zu Wort melden. Trotzdem bitte ich jeden, doch einmal darüber nachzudenken, ob nicht schon viel gesagt worden ist.

Ich gehe jetzt in der Reihenfolge der Wortmeldungen ,·or. Zunächst hat Herr Abgeordneter Neugebaner das Wort. wenn er darauf noch Wert legt.

(Günter Neugebauer [SPD]: Ich verzichte!)

- Der Herr Abgeordnete Neugebauer verzichtet.

(Lebhafter Beifall im ganzen Haus)

Jetzt kommen die Beiträge nach § 56 Abs.4 der Geschäftsordnung. Zunächst erteile ich Herrn Abgeordneten Puls das Wort.

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Herr Kayenburg hat ein Presseinterview der "Welt am Sonntag'' vom 9. Januar dieses J ailres angesprochen, in dem ich

mit dem Satz zitiert wurde, für mich seien 4 DM bis 5 DM je Liter Benzin denkbar.

Dieses Zitat ist falsch und über "dpa" am 10. Januar umgehend dementiert · worden. Das Zitat entspricht auch nicht meiner Meinung. Meine Meinung ist, dass eine Steuererhöhung von 6 Pf Autofahrer nicht zum Umsteigen auf die Bahn veranlassen wird. dass der Benzinpreis wesentlich höher wäre, wenn man die Umwelt- und Gesundheitsfolgekosten in die Energiepreise einrechnen würde, und dass jede Benzinpreiserhöhuug sozialverträglich gestaltet werden muss, weil sie die Menschen mit geringerem und höherem Einkommen unterschiedlich trifft.

(Beifall des Abgeordneten Wolfgang Kubicki [F.D.P.J)

Mehr habe ich in dem Presseinterview nicht gesagt.

Ich habe der regionalen Presse in Stormam in einer Presseerklärung vom 15. Januar noch einnta! gesondert mitgeteilt, was wirklich gelaufen ist, weil mein CDUGegenkandidat vor Ort dieses Zitat verständlicherweise ebenfalls sofort verwendet hatte. Ich habe Herrn Wagner - so heißt mein Gegenkandidat - persönlich augesprachen und gebeten, das Zitat aus der ,,Welt am Sonntag" nicht weiter zu venvenden, weil es falsch ist. Ich habe so viel Vertrauen zu Herrn Wagner, dass er dies auch nicht mehr tun wird, nachdem ich ilm darüber aufgeklärt habe.

Ich bitte Herrn Kayenburg, die CDU-Fraktion und den CDU-Landesverband ebenfalls, das in die Welt gera

tene falsche Zitat nicht weiter zu verwenden. Alles andere empfande ich als unfair.

Ich habe keinen Grund, an der Fairness von Herrn Kayenburg zu zweifeln.

(Beifall im ganzen Haus)

Vizepräsident Dr. Eberhard Dall' Asta:

Ebenfalls nach § 56 Abs. 4 der Geschäftsordnung erteile ich jetzt Herrn Abgeordneten Hentschel das Wort.

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Her

ren! Ich habe noch ein Zitat von einem berülmtten Philosophen vorzutragen.

(Frauke Tengler [CDU]: 0 ja, bitte!)

"Wir sind der Bewahrung der Schöpfung verpflichtet. Zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen ftir heutige und l..iinftige Generationen sind auch weiterhin erhebliche

(Kar!-Martin Hentschel)

Anstrengungen notwendig. Umweltschutz erfordert mn den Menschen ak1h·es Mitgestalten wie auch Verzicht."'

(Beifall der Abgeordneten Ircne Fröhlich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

.. Das nol\yendige Bewusstsein hierftir ist Yorhanden. ··

Na, was glauben Sie wohl, wer das wär?

(Holger Astrup [SPD]: Das kaan nur Kayen- burg gewesen sein!)

Das ist das CDU-Landtagswahlprogramm 2000!

(Heiterkeit Ulld Beifall bei BÜNDNIS 90/DlE GRÜNEN and SPD - Wolfgang Ku- bicki [F.D.P.]: Wenn das schon große Philo- sophie für Sie ist--!)

Was ist das bloß für eine erbännliche Partei, die zur Landtagswahl antritt, deren Fraktionsvorsitzender aber nicht einmal das eigene Programm gelesen hat.

(Beifall tmd Heiterkeit bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mtd SPD)

Oder war es der ökologische Philosoph Rühe, der das diktiert hat w1d heimlich hineinschreiben ließ?

(Heiterkeit bei SPD Ulld BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Jetzt zur Sache!

(Zuruf von der CDU: Das wird auch Zeit!)

Das zentrale Problem ftir die Arbeitsplätze in diesem Land. in den Sektoren, in denen neue Arbeitsplätze geschaffen werden, in den neuen Teclmologien, in den Dienstleistm1gen, in den wissenschaftsnahen Technologien, im Dienstleistw1gssektor, in1 Tourismus, in1 Handwerk sind die Lohnnebenkosten über die Sozialabgaben in Höhe von über 40 %.

(Wolfgang Kubicki [F.D.P.]: Die Lolume- benkosten insgesamt!)

Das ist der zentrale Punkt.

Diese Lohrmebcnkosten werden ab der erste.11 Mark erhoben, die verdient wird. Das ist das Problem. YOr dem alle kleinen und mittleren Betriebe in den DienstleistUJlgssektoren, in den personalintensiven Betrieben dieses Landes stehen.

(Wolfgang Kubicki [F.D.P.]: Herr Hentschcl, davon haben Sie doch überhaupt keine Ah- nang!)

Deswegen haben alle diese Betriebe ein großes Interesse daran, dass die Lohrmebenkosten gesenkt werden,

tmd sie haben überhaupt kein Interesse daran, dass die Mehnvertsteucr gesenkt wird, die Ökosteuer gesenkt wird Ulld dafür die Lohrmebenkosten noch mehr steigen. wie Sie das immer vorschlagen.

(Wolfgang Kubicki [F.D.P.]: Wem1 Sie etwas damn ,-erstünden, wiirden Sie nicht einen solchen Unsinn reäenl)

Die Mehrwertsteuer wird auf alle wngesehlagen, aber die Lolmnebenkosten fallen direkt auf dem Arbeitsplatz an. Das ist das Problem.

(Wolfgang Kubieki [F.D.P.]: Und \llll1lll! ha- ben Sie die 630-DM-Arbeitsverhältnissc ab- geschafft")

Über die Preiselastizität gibt es sehr genaue Studien and we1m Sie Interesse daran haben_ können Sie diese Studien von mir haben. Sie kö1men aber auch ein paar Meter weiter gehen: es gibt nämlich nebenan das Welhvirtschaftsinstitut, in dem Sie über diese Dinge sehr 'iel erfahren köanen.

(Wolfgang Kubicki [F.D.P.j: Da bin ich vielleicht häufiger als Sie! - Glocke des Prä- sidenten)

- Ich ende. weil meine Zeit abgelaufen ist -