Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Landesmuseen Schloss Gottorf sind unzweifelhaft Perlen in der schleswig-holsteinischen Kulturlandschaft, und es ist - Sandra Redmann, hör zu
wie in der Natur: Keines gleicht dem anderen. Jede für sich ist einzigartig, und jedes hat eine besondere Ausstrahlung. Zusammen sollen sie gleichwohl eine Kette bilden, die sich sehen lassen kann und mit der sich viele schmücken wollen, in erster Linie das Land Schleswig-Holstein, dessen Geschichte von der Urzeit bis zur Gegenwart in archäologischer, hi
Aber auch die thematisch spezialisierten Museen, die von der Wikingerzeit, der jüdischen Geschichte und der Volkskunde erzählen, wollen glänzen. Nicht zuletzt beansprucht das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie als außeruniversitäre Forschungseinrichtung besondere Beachtung. Neu aufgenommen in den Reigen wird nun auch noch das Freilichtmuseum Molfsee.
Nun haben wir gehört, dass die Perlen neu aufgezogen werden sollen. Ich denke, das ist auch richtig so.
Mit einem zweiköpfigen Vorstand und fünf Abteilungen gibt es demnächst eine neue Organisationsstruktur. Direktor und Geschäftsführer müssen die Perlen gut verknoten, damit der Strang hält, und dürfen dabei andererseits die Ästhetik nicht aus den Augen verlieren. Ich hoffe sehr, dass diese Balance zwischen Form und Inhalt gelingt.
Die Probleme sind jedenfalls riesig groß. Die Ministerin hat selbst gesagt: Schloss Gottorf mit seinen Museen geht schwierigen Zeiten entgegen. Die Stiftung verfügt über ein beachtliches Vermögen, ja. Ihr fehlen allerdings die Mittel, um ihren laufenden Betrieb und den gewaltigen Investitionsstau bei der Unterhaltung der größtenteils denkmalgeschützten Gebäude zu meistern. Es ist deshalb gut und richtig, dass das Land nun zusätzliches Geld gibt, und es ist auch gut und richtig, dass die Förderung im Rahmen des Investitionsprogramms kulturelles Erbe flexibler gestaltet wird. Selbst das wird allerdings das strukturelle Defizit nicht beheben.
Die Landesmuseen selbst müssen sich neu aufstellen. Die zurückgehenden Besucherzahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Das ist beileibe nicht allein eine Aufgabe des Marketings.
Die Dauerausstellung auf Schloss Gottorf haben die meisten von Ihnen vermutlich schon als Schulkind gesehen. Ihre Überarbeitung ist lange überfällig und soll nun endlich in Angriff genommen werden. Die Zusammenführung des Freilichtmuseums Molfsee und der Volkskunde am Hesterberg in Schleswig muss inhaltlich und konzeptionell erst noch erarbeitet werden. Man wird sehen, wie gut dieses überhaupt gelingen kann. Schließlich bleibt die Frage, wie ein notwendiger Neubau von Magazin und Ausstellungsraum in Kiel finanziert werden könnte.
Die Ministerin hat von einem Investitionsvolumen für die gesamte Stiftung von 30 Millionen bis 35 Millionen € in den nächsten Jahren gesprochen. Ich bin mir nicht sicher, ob dies inklusive eines möglichen Neubaus oder exklusive ist. Jedenfalls sind die Anstrengungen, die zu unternehmen sind, gigantisch.
Mit dem Gottorfer Landmarkt, den Theateraufführungen im Schlosshof und Konzerten öffnet sich Gottorf seit einiger Zeit auch für neue Besucherinnen und Besucher. Damit diese auch wiederkommen, müssen allerdings immer wieder Anreize geschaffen werden. Von den gut 122.000 Besucherinnen und Besuchern im Jahr 2011 kamen rund 19 % allein wegen der Sonderausstellung „Liebermanns Gegner“ ins Schloss. Das ist zum Beispiel ein besonderer Anreiz. Es ist aber auch nicht verwunderlich, kann man dieselbe Beobachtung doch auch in jedem anderen Museen im Land machen.
Schließlich können wir als potenzielle Besucherinnen und Besucher uns auch alle selbst einmal fragen, ob wir immer wieder zurückkämen, um uns zum x-ten Mal die berühmte Moorleiche oder den fliegenden Engel von Barlach anzuschauen. - Wohl kaum, so wertvoll sowohl als historisches Dokument als auch als ästhetisches diese beiden Exponate aus meiner Sicht sind.
Perlen, die nur im Schmuckkasten liegen, haben nur einen begrenzten Reiz für den, der um ihr Vorhandensein weiß. Ihr Anblick - aufgereiht zu immer neuen Schnüren - wird dagegen viele immer wieder neu erfreuen. Ich wünsche der Stiftung in diesem Sinne Mut zu Entscheidungen, Kreativität in der Umsetzung und das nötige Fingerspitzengefühl beim Fädeln der neuen Perlenkette. - Vielen Dank.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Seitens der FDP-Fraktion schließe ich mich dem Dank des Kollegen Sönnichsen an, der hier im Detail ausgeführt hat, wer sich alles an dem Bericht beteiligt hat. Er ist sehr umfassend, in klarer Sprache geschrieben und zeigt deutlich auf, welche Schwierigkeiten der Stiftung bevorstehen.
Das Geschäftsjahr 2011 war von der Überleitung des Freilichtmuseums Molfsee sowie von notwendigen Neugestaltungen und konzeptionellen Veränderungen der Ausstellungen in den einzelnen Häusern geprägt. An dieser Stelle hebe ich als ganz besondere Leistung der Stiftung das Einwerben von Drittmitteln in Höhe von fast 30 % hervor. Dennoch ist und bleibt die Situation der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf nach wie vor als angespannt zu bezeichnen. Das haben alle Vorredner schon ausgeführt. Dennoch - das hebe ich hervor - ist es der Leitung gelungen, im Jahr 2011 16 Sonderausstellungen und 54 Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Das sollte man an dieser Stelle würdigen.
Meine Vorredner haben auch bereits dargestellt: Der Besucherrückgang ist beängstigend zu bemerken. Hier muss man einfach handeln und daran arbeiten, die Ausstellungen und Angebote zielgruppenorientiert und interessant zu gestalten. Insbesondere sind Ideen und Konzepte gefragt, mehr Menschen in die Museen zu bringen und dem dem einen oder anderen noch anhaftenden Gedanken, dass es in Museen verstaubt ist, entgegenzuwirken.
Ein Ansatz sind erlebnisorientierte Gruppenangebote. Ich denke da insbesondere an die Schulen. Ich denke an meine Schulzeit, in der es für jeden verpflichtend war, einmal in Schloss Gottorf gewesen zu sein. Wer mit seinen Kindern in Haithabu gewesen ist, weiß, wie man Kinder damit begeistern kann. Die Kollegin Fritzen hat das eben auch ausgeführt. An dieser Stelle sollten wir gucken.
Die Ministerin sagte, es sollen keine Freizeitparks werden. Ich denke aber, ein vernünftiges museumspädagogisches Konzept wird den goldenen Mittelweg finden. Wir müssen dem Rechnung tragen, dass wir gerade unsere Kinder erreichen müssen. Ich danke dem Kollegen Sönnichsen, der ganz klar gefragt hat: Wo komme ich her? Wer bin ich? Das muss man einfach wissen, um sich mit seiner Heimatregion identifizieren zu können. Sie, Frau Ministerin, haben sich insbesondere auf die Fahne geschrieben, mehr kulturelle Bildung in die Schulen und an unsere Kinder herantragen zu wollen. Ich würde mich sehr freuen, wenn das erfolgreich wäre.
Nichtsdestotrotz - auch das ist bereits gesagt worden - könnte man jetzt natürlich versuchen, die Einnahmesituation zu verbessern, indem man an der Stellschraube Eintrittspreise dreht. Ich warne ganz dringend davor, das zu verfolgen. Wir haben ein
fach wahrzunehmen, dass zurzeit weniger Geld in den Taschen der Menschen ist. Als Erstes wird dann leider an solchen Dingen gespart. Da hilft uns auch kein BuT-Paket et cetera. Da müssen wir uns andere Wege einfallen lassen. Gesagt worden ist, Schenkungen, Sponsorengelder et cetera sind ein möglicher Weg. Dem Einwerben von Drittmitteln ist eine ganz besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Auch ganz wichtig - ich wünsche Ihnen und den Verantwortlichen eine glückliche Hand - ist die Besetzung der Stelle des neuen Kaufmännischen Leiters, der einen vorwiegenden kaufmännisch-rechtswissenschaftlichen Hintergrund haben sollte. Wenn man mit einer anderen Brille als der rein künstlerisch-historisch geprägten schaut, findet man andere Wege, um Synergien freizusetzen, um finanzielle Freiräume zu finden, die dringend notwendig sind.
Auch gesagt und uns allen sicherlich bewusst ist die Integration des Freilichtmuseums Molfsee in die Stiftung. Ich sehe das positiv. Das wird mit Sicherheit Synergien hervorrufen. Wenn der eine für den anderen wirbt, wird es gerade für die Touristen, die in unser Land kommen, interessant sein und genutzt werden. Ich sehe das als eine Chance für das Museum und nicht als Verlust der Selbstständigkeit.
Wir als FDP-Fraktion werden das Ganze gern weiterhin konstruktiv begleiten und wollen darauf achten, dass die Kultur der breiten Öffentlichkeit zu annehmbaren Kosten zur Verfügung steht.
Ich möchte noch eines zu den Finanzen anmerken. Vielleicht können Sie das klären. Sie haben sich bei der ersten Lesung des Haushaltsentwurfs für die Erhöhung der Mittel bei der Stiftung Schloss Gottorf gelobt und das als Beispiel für den Politikwechsel genommen. Aus meiner Sicht erhöhen Sie die Mittel lediglich auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick kürzen Sie dort insgesamt. Bei den Mitteln für das Investitionsprogramm „Kulturelles Erbe“ fällt der Ansatz um 1,9 Millionen € geringer aus Mittel, auf die eigentlich auch die Stiftung Schloss Gottorf zugreifen kann und konnte. Im Gegenzug werden die Mittel in der Maßnahmegruppe 02, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, und für das Freilichtmuseum Molfsee um 1,25 Millionen € und die Mittel für die Stiftung Schloss Eutin um 155.000 € erhöht. Nach meiner Rechnung bedeutet das ein Weniger von rund 500.000 €. Vielleicht können Sie das noch klären. Vielen Dank.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Heute sprechen wir endlich wieder einmal über Kultur. Das finde ich schön und wichtig. Es freut mich sehr, dass es gleich um einen so wichtigen Punkt wie den Bericht des Stiftungsrats der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf geht. Ich freue mich darüber, dass dieser Bericht Gegenstand der Debatte im Landtag ist, auch wenn ich ihn aus zeitlichen Gründen lieber im Ausschuss gehört hätte.
Die Probleme, die der Stiftungsrat im vorliegenden Bericht zum Jahr 2011 beschreibt, kennen wir aus vielen anderen Bereichen auch. Ein strukturelles Defizit erschwert die Arbeit in den Einrichtungen. Kostensteigerungen durch Tarifanpassungen und eine allgemeine Inflationsrate können nicht ohne qualitative oder quantitative Einbußen ausgeglichen werden. Ich begrüße in diesem Zusammenhang ausdrücklich den Beschluss der Landesregierung, an dieser Stelle Akzente zu setzen und den Topf für Investitionen zu erhöhen. Das ist ein gutes Signal an die Stiftung. Das ist ein wichtiges Signal für das Kulturland Schleswig-Holstein.
Diese Stiftung mit den unterschiedlichen Häusern ist gut. Super, dass es gelungen ist, auch das Freilichtmuseum Molfsee unter das Stiftungsdach zu holen. Es war seinerzeit eine richtige Entscheidung, das entsprechende Gesetz so zu formulieren, dass solche Erweiterungen bei Bedarf möglich sind.
Gleichzeitig gibt es Handlungsbedarf, denn nicht alle Standorte sind gesund. Rückläufige Besucherzahlen zeigen auf, dass an mancher Stelle nachgesteuert werden muss. Ich würde mich freuen, wenn wir als Parlament als Ratgeber auftreten und gemeinsam Ideen finden könnten, die dem Stiftungsrat helfen können.
Zunächst reklamiere ich für mich die Notwendigkeit, selbst noch viel lernen zu müssen. Aber manchmal ist ein unverstellter Blick auf die Dinge nicht verkehrt. Als Neuling im Kulturbereich stelle ich zunächst fest, dass die Besucherzahlen sehr unterschiedlich ausfallen, was gegebenenfalls auch mit den Zielgruppen zu tun hat. Bewegt sich das Wikingermuseum auf einem annehmbaren Niveau, ist der Einbruch in Schloss Gottorf seit 2008 eher dramatisch. Mehr als die Hälfte der Besucher hat
das Schloss verloren. Ich denke, dass wir die Ursachen dafür noch näher beleuchten müssen. Der Handlungsbedarf ist aber unübersehbar und an dieser Stelle nicht allein mit einem finanziellen, strukturellen Defizit zu erklären.
Was kann anders, besser, vielleicht zielgenauer gemacht werden als bisher? Wenn ich mir den Bericht ansehe, stelle ich fest, es wird sehr viel über den spannenden Bereich der Archäologie dokumentiert. Da gibt es großartige Projekte. Was mir erfreulicherweise auffällt, ist, dass es insgesamt einen engen Zusammenhang zu Schleswig-Holstein gibt. Das ist gut so, denn der Stiftungszweck, der auf Seite 3 beschrieben wird, konzentriert sich auf das „Sammeln insbesondere der dinglichen Quellen kultureller Überlieferungen des Landes und der Region von den Anfängen bis zur Gegenwart“. Damit ist der gesamte Bereich natürlich nicht nur für die Schleswig-Holsteiner interessant, sondern auch für die Menschen, die zu uns kommen, um dieses Land zu erleben und seiner Geschichte nachzuspüren.
Ich möchte mit dem, was ich im Folgenden sage, nicht falsch verstanden werden, denn es ist nicht meine Absicht, Vergangenes schlechtzureden oder Arbeitsfelder gegeneinander auszuspielen. Was ich aber vermisse, ist ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen der Archäologie und der Kunst- und Kulturgeschichte. Gibt es Möglichkeiten, hier nachzusteuern? Das Schloss muss mit seiner Archäologie und Kunst- und Kulturgeschichte insgesamt enger an den Stiftungszweck gekoppelt werden. Mir scheint der zweite Bereich nicht ausreichend abgebildet, nicht in dem Maße, wie ich es mir für den Bereich wünschen würde, damit er das Feld der Kunst- und Kulturgeschichte zu neuem Drive führt. Das heißt ja nicht, dass es hier keine Extravaganzen geben soll. Ich belege jetzt einmal diesen Bereich, der den sehr engen Bezug zu Schleswig-Holstein nicht hat, laienhaft mit diesem Begriff. Damit möchte ich keine Ausstellung und kein Projekt abwerten, aber sehr wohl die Frage stellen, ob all das, was wir aus dem Schloss kennen, immer zwingend dort hingehört oder ob es nicht auch prominent an einem anderen Ort gezeigt werden kann.
Ich denke in Richtung neue Kooperationen zum Beispiel mit der Kunsthalle in Kiel. Auch über Kooperationen lassen sich Synergien entwickeln, ohne zwingend an Qualität sparen zu müssen. Vielleicht gibt es Chancen, auch über Verbesserungen im Bereich Kooperation und Öffnung zu sprechen, oder ich lasse mir erklären, warum solche Modelle der Stiftung nicht helfen können.
Sehr beachtlich finde ich die vielen unterschiedlichen Aktionen und Projekte rund um die Ausstellung. Die Arbeiten, vor allem im Bildungsbereich für junge Menschen, haben mich beeindruckt. Die wissenschaftlichen Tagungen und Projekte wie der Landmarkt sind wichtige Säulen, die Besucher anziehen. Wir dürfen dennoch nicht den Kern der Museen vernachlässigen, der die schleswig-holsteinische Kulturgeschichte widerspiegeln soll. Ich verstehe den Bericht als eine Einladung zum Gespräch. Das passt gut in die Aufbruchstimmung, die die Ministerin für Kultur in den letzten Wochen sehr eindringlich vermittelt hat. Die Stiftung SchleswigHolsteinische Landesmuseen braucht diese Aufbruchstimmung, weil Qualität, guter Wille und hoher Einsatz allein nicht die Lösung für alle Probleme sind.
Ich danke für diesen ausführlichen Bericht. Er ist eine gute Grundlage dafür, an der kulturellen Zukunft des Landes in diesem Bereich zu arbeiten. Mein Dank geht an die Ministerin für Justiz, Kultur und Europa, die für diesen Bericht federführend tätig ist. Mein besonderer Dank richtet sich an dieser Stelle ausdrücklich an Professor Dr. Claus von Carnap-Bornheim stellvertretend für sein Team. Er hat der Stiftung in einem nicht zu unterschätzenden Maß zu Internationalität verholfen. - Vielen Dank.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Schloss Gottorf ist ein kulturhistorisches Juwel. Es ist ein Juwel, das durch die Anstrengungen vieler Engagierter glänzt und funkelt. Juwelen haben auch andere Bundesländer, aber manche davon sind bis zur Unkenntlichkeit eingestaubt. Ein Museum und seine Sammlungen verkommen nämlich unglaublich schnell, verlieren an Attraktivität und können diesen Abwärtstrend dann nur noch mit größten Anstrengungen aufhalten.