All das, was im Antrag steht, hätte die Landesregierung längst umsetzen können. Niemand hat die Landesregierung davon abgehalten, einen Gesetzentwurf vorzulegen.
Neben der Handlungsaufforderung bleibt der vorliegende Antrag allerdings etwas dünn. Bis auf die Aufforderung, ein Beratungsgremium zu schaffen, steht wenig darin. Die weitere Ausgestaltung wird dem Gesetzentwurf überlassen. Ich meine, es hätte inhaltlich etwas mehr sein können. Aus diesem Grund werden wir uns an dieser Stelle der Stimme enthalten.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal möchte ich mich bei meiner Kollegin Ines Strehlau bedanken. Vor allem durch ihr Engagement können wir heute konkret von einem kommenden Institut für Berufliche Bildung sprechen. Vielen Dank.
Dass das Institut jetzt kommt, begrüßen wir PIRATEN außerordentlich; denn die Ideen und Beweggründe für ein solches Institut sind nicht nur die richtigen; sie kommen auch genau zum richtigen Zeitpunkt. Dass sich der Bereich der beruflichen Bildung sowie der Fort- und Weiterbildung in Schleswig-Holstein im Umbruch befindet, kann aus unserer Sicht nur positiv bewertet werden. Endlich sind Möglichkeiten vorhanden, bürokratische Dauerhürden der beruflichen Bildung zu beseitigen. Durch die Bündelung der verschiedenen ministeriellen Zuständigkeiten in einem Institut wird sich die Schlagzahl der Umsetzung von Beschlüssen und Absprachen ungemein erhöhen. Durch die Zentrierung der Aufgabenbereiche sehen wir PIRATEN eine bessere Handhabung der Belange der beruflichen Bildung. Mit diesem Institut kann einfach besser agiert, besser reagiert, besser gefördert und besser geworben werden.
Durch die Verlagerung der Administration an das Institut können sich die beruflichen Schulen komplett auf die Behebung der mangelnden Unterrichtsversorgung fokussieren, die laut dem Bericht der Landesregierung zur Unterrichtssituation im Schuljahr 2015/2016 leider immer noch bei konstant nur 91 % liegt.
Auch das Ansehen der dualen Ausbildung in Schleswig-Holstein kann aus unserer Sicht durch ein Institut nur gestärkt werden; denn überall dort Oberstufen aus dem Boden zu stampfen, wo es sich gerade anbietet, kann nicht die Lösung sein. Dieje
nigen, die eine Ausbildung absolvieren möchten, dürfen hier keinesfalls vergessen werden. Die Vielfalt der Schulformen muss gewährleistet sein. Zu Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit gehört es nämlich auch, Potenziale zu erkennen und entsprechend zu fördern.
Gleichzeitig kann durch die Eingliederung des Landesseminars Berufliche Bildung in das Institut die Lehrkräfteweiterbildung optimiert und schneller umgesetzt werden. Wie am Hamburger Modell zu sehen ist, läuft die Abstimmung in den Gremien reibungslos. Das wünschen wir PIRATEN uns auch für das schleswig-holsteinische Modell. Aus diesem Grund haben wir uns gemeinsam mit der Koalition für die im Gutachten empfohlene Einrichtung des SHIBB als Anstalt des öffentlichen Rechts oder als Landesamt ausgesprochen. - Vielen Dank.
Herr Landtagspräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die berufliche Bildung bekommt in meinen Augen längst nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient.
Wir reden hier oft über frühkindliche Bildung, Schule und Abiturquoten. Aber über unser hervorragendes System der beruflichen Bildung sprechen wir so gut wie nie. Dabei kommen über zwei Drittel der jungen Menschen in Schleswig-Holstein auf dem Weg ins Arbeitsleben mit diesem System in Berührung. Noch dazu ist es international hoch angesehen und leistet einen erheblichen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Beitrag für unser Land. Auch ohne große Debatten ist die berufliche Bildung also alles andere als ein Randthema.
Sie ist vielmehr eine gleichwertige, unverzichtbare Säule unseres Bildungswesens, die wir weiter voranbringen wollen.
ausgebildeten Fachkräften profitieren. Berufliche Bildung trägt also ganz konkret zur Zukunftssicherung vieler Unternehmen bei. Umgekehrt ist die anhaltend hohe Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften ein klares Zeichen für die Wertschätzung und Anerkennung der beruflichen Bildung. In der Folge stelle ich auch in Gesprächen vor Ort fest, dass dieser Karriereweg für immer mehr junge Menschen attraktiv ist. Insgesamt gesehen ist die Bedeutung der beruflichen Bildung also ungebrochen. Diese Tatsache freut mich persönlich sehr.
Wir reden sehr oft über die Zukunft der Hochschulen, über neue Studiengänge und die Notwendigkeit einer Akademisierung auf verschiedenen Feldern. Das ist vor dem Hintergrund des technologischen Fortschritts auch sehr wichtig. Ziel dieser Koalition ist es aber, Bildungschancen unabhängig vom Geldbeutel der Eltern sicherzustellen
und allen den für sie bestmöglichen Abschluss zu ermöglichen. Das bedeutet eben nicht zwangsläufig und für jeden ein Studium. Die gute Verzahnung von Theorie und Praxis im dualen Berufsausbildungssystem ist nach unserer Auffassung oft der bessere Ansatz, wenn wir junge Menschen optimal auf ihr Berufsleben vorbereiten wollen.
Die Digitalisierung und Globalisierung der Arbeitsprozesse bringt ohne Frage gravierende Veränderungen mit sich. Mitunter entstehen in relativ kurzer Zeit ganz neue Berufsfelder. Diese Dynamik stellt natürlich auch die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften vor immer neue Anforderungen. Vor diesem Hintergrund müssen Bildungsprozesse ständig angepasst und die Inhalte möglichst flexibel gestaltet und stetig weiterentwickelt werden. Gerade weil das System der beruflichen Bildung also vor großen Herausforderungen steht, halte ich es für unverändert wichtig, diesen Bereich weiter zu stärken.
Unser Ziel ist deshalb, die Strukturen im beruflichen Bildungsbereich entsprechend effizient und schlagkräftig aufzustellen. Aus unserer Sicht muss die berufliche Bildung in Zukunft noch anpassungsfähiger sein. Sie muss ganz einfach schnell auf die nach Region und Berufssparte unterschiedlichen Bedarfe reagieren können. Deshalb wollen wir die fachlichen und personellen Ressourcen in einem eigenständigen Landesinstitut bündeln. Nach unserer Einschätzung sind hierfür zwei zusätzliche Stellen notwendig, für die wir uns im Rahmen der Haushaltsberatungen einsetzen werden.
Ein solches Institut für Berufliche Bildung kann sich deutlich zielgerichteter um die Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte, die Weiterentwicklung der beruflichen Schulen und die enge Zusammenarbeit mit dem allgemeinbildenden Bereich kümmern ohne Reibungsverluste und Kompetenzgerangel, im Sinne einer beruflichen Bildung von hoher Qualität.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir nicht zuletzt mithilfe des SHIBB zu einem wirklich schlüssigen Gesamtkonzept kommen. Dieses Konzept muss die berufliche Bildung mit dualer Ausbildung und den weiteren Ausbildungsgängen an den beruflichen Schulen ebenso umfassen wie die Fort- und Weiterbildung und den Übergang Schule-Beruf.
Ich freue mich, dass wir uns größtenteils einig darüber sind, welche Schritte wir auf dem Weg dorthin gehen müssen. Ich freue mich auch mit unserer exzellenten Bildungsministerin Britta Ernst, die für Schleswig-Holstein Punkte gesetzt hat und sich konstruktiv, sachlich und immer charmant einsetzt. Vielen Dank, Britta. - Ich freue mich auf die ersten Ergebnisse.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Klahn, vielen Dank für das Lob. Dass die berufliche Bildung bei unserer Bildungsministerin unter „ferner liefen“ läuft, kann ich so nicht stehen lassen. Vielleicht liegt das daran, dass Sie auf den gesamten Veranstaltungen, die dazu angeboten wurden - und das waren viele -, nicht anwesend waren.
Es gab das Gutachten, es gab nach dem Gutachten einen zweiten Workshop, auf dem das SHIBB vorgestellt wurde, es gab eine Informationsveranstaltung, auf der uns Rainer Schulz, der Leiter des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung, informiert hat.
Die Bildungsministerin besucht ständig berufliche Schulen, um sich auf dem Laufenden zu halten. Insofern ist es überhaupt nicht so, dass die berufliche Bildung da unter „ferner liefen“ läuft.
Wenn man Konzepte erarbeitet und wenn man das fundiert macht, braucht es einfach seine Zeit. Diese Zeit hat sich die Koalition genommen, und diese Zeit hat sich vor allem auch das Bildungsministerium genommen. Ich bin froh und finde es eine richtige Entscheidung, dass die berufliche Bildung in das Bildungsministerium integriert wurde, weil damit zusammengeschweißt wurde, was zusammengehört. Ich bin mir sicher, dass wir weiter gute Erfolge im Bereich der beruflichen Bildung haben. Frau Ernst ist eine Garantin dafür.
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Vielen Dank. - Als Ministerin für Schule und Berufsbildung freue ich mich über jede Debatte, die wir über das wichtige Thema berufliche Bildung führen, und für die große Unterstützung für die wichtige Modernisierung, die wir hier gerade diskutieren.
Die duale Ausbildung steht vor großen Herausforderungen. Das ist den meisten hier sehr bewusst. Wir diskutieren unter dem Stichwort Industrie 4.0, Arbeit 4.0 die großen Umwälzungen der Arbeitswelt, wo wir nicht in jedem Bereich ganz genau wissen, welche Arbeitsplätze in welchem Ausmaß in welchen Regionen unseres Bundeslandes wir in den nächsten Jahren noch haben werden. Natürlich gehen die großen Herausforderungen an der Berufsbildung nicht vorbei, sodass wir selbstbewusst von Berufsbildung 4.0 sprechen, wenn wir davon reden, dass Digitalisierung und Globalisierung Einflussfaktoren sind, die sich hier niederschlagen.
Die duale Ausbildung ist europaweit einzigartig. Wir werden sehr darum beneidet. Die Debatte hier zeigt aber auch, dass wir uns bewusst sind, dass wir uns nicht ausruhen können, sondern immer wieder genau schauen müssen, welche Veränderungen vorgenommen werden müssen. Ich bin allerdings zuversichtlich - das hat uns auch der letzte Bildungsdialog zu diesem Thema bestätigt -, dass es keinen
Die duale Ausbildung ist in ihren Kernelementen im Mittelalter auf den Weg gebracht worden und hat den großen Umbruch der Industrialisierung erfolgreich bewältigt. Das System wurde übertragen. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass auch die Digitalisierung gut aufgegriffen wird und wir weiter die duale Ausbildung haben werden.
Dennoch müssen wir uns - das haben wir auch in unserer Landesentwicklungsstrategie dargelegt - die einzelnen Regionen Schleswig-Holsteins sehr genau anschauen. Der demografische Wandel berührt einige Teile des Landes durchaus. Arbeitsplatzangebot und -nachfrage stellen sich unterschiedlich dar. Das gehört zu den Themen, mit denen wir uns befassen müssen. Denn wir wollen sicherstellen, dass junge Leute auch künftig in allen Teilen des Landes eine gute Ausbildung machen können. Deshalb muss der zentrale Blick geschärft und mit allen Akteuren der beruflichen Bildung besser zusammengearbeitet werden.