- Also, Herr Breyer, ich bin natürlich durch NAH.SH informiert worden! Wenn NAH.SH mir sagt, man stelle das auf die Internetseite, will ich daran zunächst einmal nicht zweifeln.
Das sind die Informationen, die bereitgestellt werden. Wie geht es weiter? Zu Beginn der kommenden Woche werden weitere 18 Wagen und ein Triebwagen erwartet. Dies sollte die Situation entspannen. NAH.SH erhält von der NOB tägliche Lageberichte und beteiligt sich aktiv an der Beschaffung zusätzlicher Ersatzfahrzeuge. Das wird nicht nur mit der NOB zusammen gemacht, sondern auch mit DB Regio und DB Autozug.
Apropos Autozug: Es gibt die Idee, Busse auf den Autozug zu bringen, um dann die Menschen nach Sylt oder von der Insel zu bringen. Dazu lautet die ganz eindeutige Aussage: Das ist zu aufwendig. Das dauert zu lange. Das führt zu längeren Fahrzeiten.
Aber auch hierzu müssen wir uns Gedanken machen mit Blick auf Bonussysteme, dass diejenigen, die den Autozug nutzen, entsprechende Vergünstigungen bekommen, wenn sie Pendlerinnen und Pendler mitnehmen. Der zweite wichtige Punkt lautet: Wir prüfen derzeit, ob Doppelstockwagen auf der Strecke eingesetzt werden können. Das ist bisher noch ein offener Punkt wegen des Seitenwindes auf dem Hindenburgdamm. Aber auch das wird aktuell geprüft.
Der nächste Punkt, der aktuell geprüft wird, ist die Freigabe des Sylt Shuttle plus beziehungsweise der Intercity-Züge der Deutschen Bahn AG für den
Nahverkehr. Eine entsprechende Anfrage an die DB AG haben wir gestellt, weil jede Hilfe zur Entlastung beitragen kann.
Wir werden weitere Gespräche mit allen Akteuren führen. Herr Wewers war gestern in Husum und hat vor allen Dingen mit der NOB und mit den Herstellern gesprochen. In der nächsten Woche werden die Gespräche insbesondere auf der Insel Sylt weitergehen. Denn wir müssen ständig an der Situation arbeiten, um sie Zug um Zug zu verbessern.
NOB und der Hersteller der Waggons, Bombardier, arbeiten an einer Lösung, aber ich sage sehr deutlich: Sie wird nicht von heute auf morgen gelingen. Wir werden auf Sicht mit dieser Übergangssituation leben müssen.
Fazit: Die Situation ist für die vielen Menschen, die auf diese Zugverbindung angewiesen sind, äußerst misslich. Das kann niemand bestreiten; auch wir werden das nicht tun. Vor allen Dingen ist sie so nicht hinnehmbar. Deswegen arbeiten alle Beteiligten intensiv daran, das Problem zu lösen, sowohl durch kurzfristige Ersatzmaßnahmen als auch an der Lösung des ursächlichen Problems bei den Kupplungen.
Die Landesregierung hat die klare Erwartung an die Bahnunternehmen, dass sie die Situation in den Griff bekommen, dass wir täglich informieren, dass wir denjenigen, die davon betroffen sind, eine Auskunft darüber geben können, wie sie am besten auf die Insel und wieder zurückkommen können. - Vielen Dank.
Vielen Dank, Herr Minister, für diesen Bericht. Ich mache Sie alle darauf aufmerksam, dass wir gerade aufgrund der Länge des Berichts des Ministers entschieden haben, jeder Fraktion 6 Minuten Redezeit zur Verfügung zu stellen. Ich erteile zunächst dem Kollegen Uli König von der Fraktion der PIRATEN das Wort.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir alle haben heute Morgen die Bilder in den Nachrichten gesehen. Wir haben gesehen, welche üblen Szenen sich dort abgespielt haben.
Die Situation der Marschbahn zwischen Hamburg und Westerland ist katastrophal. Die Kupplungsproblematik ist seit dem 6. Oktober bekannt, aber die Entwicklung in den letzten 24 Stunden hat zu einer weiteren Eskalation geführt. Bei der NOB sind vor einer Woche, wie gerade schon vom Minister erwähnt worden ist, ganze Wagengarnituren aufgrund eines technischen Defekts ausgefallen. Zwar wurde versucht, vonseiten der NAH.SH eine Notlösung zu finden, aber die Kapazitäten reichten bei Weitem nicht aus.
Jetzt ist es wichtig, auch an kreative Lösungen zu denken. Der Minister hat das gerade schon angesprochen. Thema: Schienenersatzverkehr mit dem Bus über den Sylt Shuttle. Wichtig ist, dass wir hierbei die Kapazitäten erhöhen, denn es ist nicht in Ordnung, wenn die Leute nicht mehr in die Züge hineinkommen.
Obwohl NAH.SH versucht hat, die Ersatzzüge zu organisieren, fallen Verbindungen aus, oder es werden Züge eingesetzt, die es nicht schaffen, alle Fahrgäste aufzunehmen.
Normalerweise werden auf diesen Strecken Züge eingesetzt, die sechs bis zehn Waggons haben. Heute Morgen sind teilweise Doppeltriebwagen eingesetzt worden, um einen Zug, der normalerweise mit zehn Waggons fährt, zu ersetzen. Dass das nicht klappen kann, muss auf der Hand liegen.
Im NDR und auch in mehreren Gruppen bei Facebook waren Bilder von vollen Bahnsteigen zu sehen und von Menschen, die sich in Züge gequetscht haben. Meine Damen und Herren, solche Szenen kennen wir sonst nur aus der Tokioter U-Bahn.
Viele Fahrgäste können überhaupt nicht mehr mit der Bahn fahren, weil sie keinen Platz haben. Aufgrund der Enge in den Zügen sind auch heute Morgen schon Leute zusammengebrochen. Der Zug musste anhalten, und der Notarzt musste diese Person behandeln.
Auch in anderen Zügen gibt es Engpässe. Auch Ersatzbusse, die eingesetzt werden, sind leider schon von Überfüllung -
- Das ist ein ernstes Thema! Ich möchte Sie bitten, das mit der entsprechenden Ernsthaftigkeit zu behandeln.
(Sandra Redmann [SPD]: Wie ich ernsthaft oder nicht ernsthaft reagiere, ist immer noch meine persönliche Angelegenheit!)
Meine Damen und Herren, ich wollte darauf hinweisen, das auch Busse eingesetzt werden und dass diese Busse teilweise an den Haltestellen vorbeifahren und Pendler stehen lassen.
Informationen, welche Züge und Busse fahren, sind nicht oder nur teilweise vorhanden. Auch das wird von den Pendlern reihenweise kritisiert. Das heißt: Man weiß überhaupt nicht, wie man jetzt zur Arbeit kommt.
Die Situation ist nicht nur unangenehm für die Fahrgäste, sondern sie hat auch ernsthafte Konsequenzen.
So kamen heute Morgen einige Lehrer nicht zur Arbeit. Unterricht musste ausfallen, da in den Schulen kein Lehrer anwesend war. Auch in Kindergärten gab es Ausfälle. Was in meinen Augen noch wesentlich übler ist: dass zum Beispiel in Altenheimen die Nachtschicht deutlich in den Tag hinein arbeiten musste, weil die Tagschicht nicht verfügbar war. Da geht es auch um Leib und Leben. Angesichts dessen muss umgehend gehandelt werden.
(Rasmus Andresen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Was ist Ihre Lösung? Wo ist Ihre Antwort? - Martin Habersaat [SPD]: Was schlagen Sie denn vor, Herr Kollege?)
- Herr Habersaat, ich habe gerade auf eine kreative Lösung hingewiesen. Das ist eine Möglichkeit, die man nutzen kann. Ich bitte darum, den Vorschlag ernst zu nehmen und nicht ins Lächerliche zu ziehen, wie Sie es hier probieren.
Es ist weiterhin völlig unklar, wie mit dem technischen Defekt der NOB-Wagen umgegangen werden soll und wann die Wagen wieder einsetzbar sind. Teilweise hören wir, dass es bis zu acht Monate dauern kann. Auch deshalb ist es zu kurz gedacht, wenn - wie in dem Änderungsantrag der Koalitionsfraktionen - gefordert wird, dass die Bahnunternehmen das Problem untereinander klären.
Verschärft wird das Problem durch den Mangel an bezahlbarem Wohnraum auf Sylt. Dort gibt es zwar viele Arbeitsplätze, aber relativ wenig bezahlbaren Wohnraum.
In einer solchen Situation ist die Landesregierung gefragt; denn es ist doch für jeden offensichtlich, dass die NOB nicht in der Lage ist, für Abhilfe zu sorgen. Wozu haben wir denn den NAH.SH, wenn er nicht in der Lage ist, in einer solchen Situation Unterstützung zu leisten und sich um die vielen Pendler zu kümmern? Im Interesse der Fahrgäste muss schnell eine Lösung gefunden werden, die wirklich Verbesserungen bringt.
- Ach, dort! Entschuldigung, Herr Wewers! Ich habe gedacht, Sie seien auf der Besuchertribüne. Da habe ich Ihnen unrecht getan.
Deshalb wiederhole ich meinen Appell an Verkehrsminister Meyer: Übernehmen Sie Verantwortung für die vielen Schleswig-Holsteiner, die jeden Tag die Züge der Marschbahn nutzen!
Kümmern Sie sich - gern in Abstimmung mit den Verkehrsunternehmen - um die Bereitstellung von mehr Zügen mit ausreichenden Kapazitäten! Informieren Sie die Fahrgäste regelmäßig und aktuell über die eingesetzten Züge oder Ersatzverkehre! Versuchen Sie nicht, die Verantwortung allein auf die Bahnunternehmen abzuwälzen!
Fragen Sie in den Nachbarbundesländern nach, ob kurzfristig Waggonkapazitäten verfügbar sind! Ich weiß, die Kapazitäten sind knapp. Aber vielleicht findet sich hier noch ein Waggon und da noch ein Waggon. Auch kleine Hilfen bringen uns weiter.