In Europa gibt es unterschiedliche Ausbildungsstrukturen. Wir müssen in Deutschland die Chancen sehen, die wir in den Ausbildungssystemen des Handwerks haben. Vielfach wird vom Fachkräftemangel gesprochen, aber oftmals werden auch ausländische Berufsabschlüsse nicht anerkannt. Wenn wir uns um Talente bemühen, lautet die Frage: Was heißt das eigentlich für eingewanderte Ingenieure? Was heißt das für die Anerkennungskultur ausländischer Berufe? Das diskutieren wir vielfach in den Ausschüssen, wenn es um das Thema „Fachkräftemangel“ geht.
Ich will an dieser Stelle sagen: Beim Handwerk ist es genau anders herum. Die Ausbildungen anderer Länder können eben nicht mit unseren Gesellenund Meisterprüfungen mithalten. Wir haben hier einen Standard mit einem sehr viel höheren Anspruch an die Berufsausübung. Der Angestellte, den wir aus Europa bekommen, kann oftmals nicht die Anforderungen der Betriebe an die Qualität der Ausbildung erfüllen, obwohl es der Titel verspricht. Das führt natürlich auch im Handwerk zu Stress und Verzögerungen. Das ist in Europa ein zentrales Problem.
Dieses Anliegen erkenne ich an, aber das darf nicht zulasten der Qualität und des deutschen Meisters gehen. Das wäre die falsche Signalwirkung. Das möchte ich an dieser Stelle auch sagen.
Vergleichen Sie das einmal in Europa. In Deutschland gibt es teilweise noch den Diplomabschluss. Im englischen Sprachraum ist der Diplomabschluss nicht universitätsgebunden. Der Master, den es im englischen Raum gibt, hat im deutschsprachigen Raum wiederum eine ganz andere Bedeutung. Hierbei müssen wir, wie gesagt, dringend Klarheit
Aber wie gesagt: Ihr Antrag, Herr Dr. Breyer, weist wirklich in die völlig falsche Richtung. Sie versuchen mit diesem Antrag, ein System zu verändern, das wir für die jetzigen Herausforderungen auch in unserer Wirtschaft dringend brauchen. Ich finde: Da haben Sie sich vergaloppiert. Sie sehen, dass es nicht sehr viel Beifall für Ihre Rede gab.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin sehr dafür, dass wir uns im Ausschuss mit dem Meisterhandwerk beschäftigen. Wir sollten auch die Fragen, die das schleswig-holsteinische Handwerk beantwortet hat, in unsere Diskussionen einbinden.
Ich bin fest davon überzeugt, dass uns die Antworten, die wir bekommen werden, in dem bestätigen werden, was wir in Schleswig-Holstein fordern, nämlich den hohen Ausbildungsstandard im Handwerk zu erhalten.
Wie gesagt: Meiner Fraktion ist es wichtig, nicht zuzulassen, dass das Handwerk in den Strudel der Abwertung von Qualität und Ausbildungsstandards gerät. Gerade in Zeiten der Jugendarbeitslosigkeit in Europa wäre es das völlig falsche Signal, wenn wir in Deutschland auch beim Thema Ausbildung nach hinten geraten. Das dürfen wir nicht zulassen.
Deshalb werden wir das im Ausschuss noch einmal herauszuarbeiten haben. - Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Zunächst, Herr Dr. Breyer, finde ich: Man kann über alles diskutieren und auch Ihre Ansicht teilen, wenn man zu dem Schluss kommt, zu dem Sie kommen. Sie meinen und haben das mehrfach angesprochen, unsere Parteien würden sich von den Grundsätzen her widersprechen.
Daher möchte ich auf Folgendes hinweisen: Nach dem Krieg haben die Amerikaner das amerikanische System in den alliierten Besatzungszonen eingeführt. In den 1950er-Jahren haben Union und FDP aus gutem Grund die Meisterpflicht eingeführt. Das System hat sich im Kern bewährt. Deshalb hat das auch mit der sozialen Marktwirtschaft zu tun.
Die FDP hält an dem Kompromiss fest, den Wolfgang Clement damals zwischen Bund und Ländern getroffen hat, in den verbliebenen 41 Berufen die Meisterpflicht aufrecht zu erhalten. Vorher gab es 90 Berufe, für die die Meisterpflicht bestand. Ich halte das für einen guten Kompromiss.
Natürlich wird auf die Gefahren verwiesen. Man kann sicherlich bei dem einen oder anderen Beruf darüber streiten, ob das sinnvoll war, aber das war ein ausgewogener Kompromiss. Wir halten daran fest. Das empfinden wir auch nicht als Widerspruch in einer Partei der sozialen Marktwirtschaft.
Herr Kollege Vogt, Sie sind auf die Geschichte der Meisterpflicht eingegangen. Ich würde das gern ergänzen und ein Stück weiter zurückgehen. Über Jahrzehnte galt auch in Deutschland die Gewerbefreiheit, das heißt die Freiheit, ein Handwerk auszuüben und eigene Betriebe zu gründen.
Eingeführt wurde die Meisterpflicht im Jahre 1935, also im Dritten Reich. Können Sie das bestätigen?
(Dr. Heiner Garg [FDP]: Autobahnen sind auch im Dritten Reich gebaut worden! - Minister Reinhard Meyer: Auch schon vor- her!)
Herr Dr. Breyer, ich weiß nicht, was Sie damit an dieser Stelle implizieren wollen. Was soll das implizieren, und was wollen Sie uns jetzt damit unterjubeln?
- Das weiß ich. Ich habe ja darauf hingewiesen. Das ist kein Widerspruch zu dem, was ich gesagt habe.
Nach dem Krieg haben die Alliierten in ihren Besatzungszonen die amerikanischen Standards eingeführt. In den 1950er-Jahren haben Union und FDP im Deutschen Bundestag die Meisterpflicht aus gutem Grund wieder eingeführt. Den Hinweis auf vorherige Regelungen finde ich an dieser Stelle ein bisschen komisch.
Meine Damen und Herren, der Meisterbrief verfolgt nicht das Ziel, die Menschen zu gängeln und den Wettbewerb zu beschränken, sondern der Meisterbrief verfolgt das Ziel, höchste Qualität und Verbraucherschutz sicherzustellen.
Herr Dr. Breyer, Sie reden gern über amerikanische Standards. Wer sich längere Zeit in den USA aufgehalten und dort eine Handwerksleistung in Anspruch genommen hat, wird den qualitativen Unterschied merken. Das hat auch etwas mit dem Preis zu tun. Qualität hat nicht nur seinen Preis, sondern Qualität hat auch seinen Wert. Das hat auch an der Stelle mit dem Meisterbrief zu tun. Herr Dr. Breyer, lassen Sie sich das zu amerikanischen Standards gesagt sein.
Ja. Das ist aber die letzte heute, Herr Dr. Breyer, ich möchte irgendwann auch einmal zum Thema zurückkommen.
ge der Qualität ansprechen, möchten Sie damit sagen, dass die Qualität der Handwerksleistungen in nicht meisterpflichtigen Berufen in Deutschland sowie die Qualität sämtlicher Handwerksleistungen in 26 von 28 EUStaaten schlechter ist als die bei uns in Deutschland, weil es dort keine Meisterpflicht gibt? Ist das Ihre These?
- Nein, Herr Dr. Breyer, das war aber wieder einmal ein netter Versuch. Ich habe auf den Meisterbrief hingewiesen, und ich habe auch auf das Thema Gefahren hingewiesen. Deshalb gibt es eben in 41 Berufen den Meisterbrief als Vorschrift. Das ist auch sinnvoll.
Meine Damen und Herren, wir haben gemeinsam mit den Kollegen von der CDU unseren Antrag eingebracht - auch mit Blick auf den Wert des Meisterbriefes und mit Blick auf den Sinn der Vorschrift des Meisterbriefes in bestimmten Berufen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehen wir keinen Grund, daran etwas zu ändern, auch wenn auf der europäischen Ebene immer wieder Diskussionen über Transparenz geführt werden. Das finde ich auch in Ordnung, aber ich sehe überhaupt keinen Grund und auch keinen Widerspruch zur europäischen Regelung, warum man dieses bestehende und bewährte System immer wieder infrage stellen muss. Ich glaube, eher anders herum könnte das deutsche System - nicht nur das Ausbildungssystem, sondern auch der Meisterbrief - für andere europäische Länder als Vorbild dienen.