Emma ist zur Grundschule gegangen und hat dort in Klasse 4 nur Ziffernnoten bekommen und in Klasse 5 auf der Gemeinschaftsschule ein Kompetenzzeugnis. Ich habe sie gefragt, was ihr denn besser gefällt. Es war nun also wirklich nicht so, dass ich ihr gesagt habe, was ich gut finde. Sie sagte mir, sie finde das Kompetenzzeugnis viel besser. Es sei viel expliziter.
Dann habe ich sie gefragt, ob sie denn gern zusätzlich Noten hätte. Daraufhin hat sie mir geantwortet - und das ist auch einer der Gründe dafür, dass wir Ihren Vorschlag ablehnen müssen -: „Wenn eine Note danebensteht, dann gucken eben alle immer nur auf die Note.“
- Das ist jetzt zwei Jahre her. Mein Sohn ist ja jetzt in der 4. Klausse, und es ist jetzt zwei Jahre her, als er in der 2. Klasse war. Wir saßen dort also als Eltern und bekamen zu hören: Ein Notenzeugnis gibt es zwar in der 3. Klasse, aber erst zum Ende des Schuljahres, nicht schon zum Halbjahr des Schuljahres. Das war an unserer Schule jedenfalls so vorgesehen. Da hatte schon damals in der 2. Klasse die Mehrheit der Eltern gesagt: „Wir würden uns eigentlich ein Notenzeugnis auch schon zum Halbjahr in der 3. Klasse wünschen.“
- Nein, die Eltern. Ich berichte ja hier auch von einem Elternabend, also sind es logischerweise die Eltern, die diesen Wunsch geäußert haben.
Damals also schon waren die Eltern der Auffassung, sie hätten gern zum ersten Halbjahr ein Notenzeugnis, weil es sonst viel zu spät sein würde, darauf zu reagieren, wenn das Notenzeugnis erst am Ende der 3. Klasse kommt.
Deswegen sage ich: Es gibt unterschiedliche Sichtweisen der Kinder, es gibt unterschiedliche Sichtweisen der Eltern. Deswegen lassen Sie uns doch beides nebeneinanderstellen. Das wäre unideologisch. Das ist unser Vorschlag. - Herzlichen Dank.
Vielen Dank. - Für die Landesregierung erteile ich nun das Wort der Ministerin für Schule und Berufsbildung Britta Ernst.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist bereits viel zu diesem Thema gesagt worden, und es ist ja auch ganz munter darüber diskutiert worden. Ich will für die Landesregierung nur noch Folgendes festhalten: Wir möchten, dass Eltern eine genaue Rückmeldung über die schulischen Leistungen und Kompetenzen erhalten. Und Noten stoßen da nun einmal an Grenzen.
tung diskutiert wird. Wenn man genau hinschaut, ist die Note eben nicht so aussagekräftig. Eine Drei in Deutsch sagt nichts aus über den Wortschatz, die Rechtschreibung und die Ausdrucksfähigkeit. Wir wollen deshalb zu einer besseren und genaueren Rückmeldung kommen.
Die Heftigkeit der Debatte hat den Eindruck erweckt, als würde es hier zu einer ganz großen Veränderung kommen. Aber so ist es ja gar nicht. Wir haben in den Klassen 1 und 2 schon seit Langem keine Noten mehr. Damit werden gute Erfahrungen gemacht. In der Klasse 3 waren die Noten bisher optional, das Berichtszeugnis verpflichtend. Das bleibt auch so.
Neu ist nur, dass die Schulen in Klasse 4 künftig entscheiden können, was sie wollen, dass die Note nicht mehr vorgegeben wird. Das ist die Veränderung, die wir vorgenommen haben. Wir möchten den Grundschulen die Wahlmöglichkeit geben.
Die Form der Benotung hängt auch mit dem pädagogischen Konzept der jeweiligen Schule zusammen. Wenn eine Schule dazu übergangen ist, sehr stark individualisiert zu unterrichten, unterschiedliche Lernniveaus zu bedienen, Kindern mit ganz unterschiedlichen Entwicklungen gleichzeitig im Unterricht die richtigen, für sie passenden Aufgaben und Fragestellungen zu geben, dann passt doch ein Notenzeugnis, das ein Standardraster über alle Kinder legt, überhaupt nicht.
Wenn wir uns weiter überlegen, was eigentlich inklusive Schule bedeutet, dann müssen wir doch erkennen, dass ein Notenzeugnis vermutlich kein besonders gutes Instrument ist, um diesem neuen Menschenbild, das wir haben, gerecht zu werden.
Wir kennen natürlich auch die Diskussionen an den Schulen und wissen, was viele sagen. Wir werben für diese Form der Leistungsbewertung nicht deshalb, weil wir gegen Leistung sind, sondern weil wir glauben, dass es viel besser ist und den Kindern viel individueller gerecht wird. Wenn man den Antrag der Opposition ansieht - die Debatte geht nicht erst seit Jahren, sondern seit vielen, vielen Jahren -, stellt man fest: Auch Sie haben sich dahin entwickelt zu erkennen, dass eine Note allein eine unzureichende Erkenntnis gibt. Insofern sind Sie
einen Schritt darauf zugegangen zu sagen: Ein Bericht, ein Kompetenzraster als Ergänzung ist sinnvoll. - Vielleicht gelingt es Ihnen, sich noch ein Stück weiterzuentwickeln und den Schulen die abschließende Entscheidung selbst zu überlassen. Dann wären wir nah beisammen.
Ich habe mich auch an der angeblichen Objektivität von Noten gestört. Das weiß nun wirklich jeder und jede, dass in einer leistungsstarken Klasse ein ähnliches Spektrum an Noten vergeben wird wie in einer schwächeren. Das heißt, die Vergleichbarkeit und Objektivität gibt es einfach nicht. Das glauben viele einfach nur.
Ich möchte vielleicht auch genereller sagen: Ich wünsche mir häufig in Debatten über Schulpolitik, dass die Erkenntnisse aus der eigenen Schulzeit nicht herangezogen werden,
weil es einfach den Blick verstellt. Natürlich begegnet uns das auch in Versammlungen und Veranstaltungen. Wir selbst neigen auch dazu. Aber der Unterricht, den ich in der Schule gehabt habe, hat überhaupt nichts damit zu tun, was jetzt an Schulen stattfindet.
Das ist doch das wichtigste Argument: dass sich Schule so gut entwickelt hat, so differenziert geworden ist und viel weniger standardisiert geworden ist. Natürlich sagen in Umfragen viele, die Noten von früher kennen und mit ihnen gut klargekommen sind: Haben Sie doch nichts gegen Noten! - Aber zeitgemäß und passend zur heutigen Form von Schule und vor allen Dingen zu der Form von Schule, die wir eigentlich erreichen wollen, ist die Note nicht.
was wir jetzt haben, evaluieren. Ich freue mich auch, dass Konsens darüber besteht, dass wir zu einer Standardisierung kommen wollen, dass wir den Schulen etwas an die Hand geben wollen, dass wir auch gute Kompetenzraster erstellen wollen und uns dafür auch noch einmal Zeit nehmen.
Ich möchte an dieser Stelle auch sagen, dass das natürlich auch bedeutet, dass die Schulen, die in diesen Tagen entscheiden, ob sie Noten oder keine Noten haben wollen, natürlich auch noch einmal in einem Jahr erneut von uns befragt werden, wie sie das sehen, weil wir auch noch einmal zu Veränderungen kommen. Das ist der Weg. Wir werden deshalb - das wissen wir schon sicher - in einem Jahr hier vermutlich eine weitere muntere Debatte führen. - Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Ministerin. Ich sehe keine weiteren Wortmeldungen und schließe daher die Beratung. Wir kommen mithin zur Abstimmung. Ich lasse zunächst über den Änderungsantrag der Fraktionen von CDU und FDP, Drucksache 18/2363, abstimmen. Wer diesem Antrag seine Zustimmung geben möchte, den bitte ich um das Handzeichen. Das sind die Abgeordneten von CDU und FDP. Wer lehnt diesen Änderungsantrag ab? - Das sind, soweit ich das sehe, alle anderen Abgeordneten. Enthaltungen gibt es nicht. - Damit ist dieser Änderungsantrag Drucksache 18/2363 gegen die Stimmen von CDU und FDP abgelehnt.
Wir kommen zweitens zu den Anträgen, zu denen eine Beschlussempfehlung des Bildungsausschusses vorliegt. Der Ausschuss empfiehlt zunächst, den Änderungsantrag der Fraktionen von CDU und FDP, Drucksache 18/2257 (neu), abzulehnen. Wer der Ausschussempfehlung folgen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. - Das sind die Abgeordneten der Piratenfraktion, vom SSW, von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD. Wer lehnt die Ausschussempfehlung ab? - Das sind die Abgeordneten von FDP und CDU. - Enthaltungen gibt es keine. Damit ist die Ausschussempfehlung angenommen.
Weiter empfiehlt der Ausschuss, den Antrag der Fraktion der PIRATEN, Drucksache 18/2212, in der vom Ausschuss empfohlenen Fassung anzunehmen. Wer dieser Ausschussempfehlung zustimmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. - Das sind die Kolleginnen und Kollegen von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und der Frakti
on der PIRATEN. Wer lehnt diese Ausschussempfehlung ab? - Das sind die Abgeordneten von CDU und FDP. - Enthaltungen sehe ich keine. - Damit ist diese Ausschussempfehlung angenommen.