Es ist für uns aber auch wichtig, den beruflichen Bereich einzubeziehen. Über eine duale oder schulische Ausbildung mit der Möglichkeit der Fortbildung zum Techniker oder zur Meisterin oder mit Spezialisierungen in einem Bereich sind genauso gut beruflicher Erfolg und Zufriedenheit zu erreichen. Die Chancen auf einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz sind im Moment sehr gut. Allerdings müssen wir an den Ausbildungsbedingungen arbeiten. Die Mindestausbildungsvergütung, die im Koalitionsvertrag der Großen Koalition im Bund steht, ist da ein guter Baustein.
Wir wissen, dass wir im Bildungsbereich noch Baustellen im Land haben. Bei der relativ hohen Rate an Schulabbrecherinnen und Schulabbrechern und der hohen Zahl an Jugendlichen, die von der Schule nicht direkt in eine Ausbildung wechseln, müssen wir besser werden. Daran arbeiten wir auch. Es ist auch richtig, dass vor allem die Schulen mit einer heterogenen Schülerschaft und vor allem an den Standorten mit besonderen Herausforderungen weitere Unterstützung brauchen. Deshalb haben wir beschlossen, den Bildungsbonus ein Jahr vorzuziehen, und wir beginnen schon im kommenden Jahr damit. Außerdem wird er jährlich um 3 Millionen € aufgestockt. Das ist der richtige Weg.
Der Bildungsbonus wird vor allem Grund- und Gemeinschaftsschule zugutekommen. Er wird den Schulen Rückenwind geben und die Lehrkräfte bei ihrer Arbeit entlasten. Wir halten also alle Wege zum Abitur und zu anderen Bildungsabschlüssen offen. Wir verbessern die Lern- und Arbeitsbedingungen an den Schulen und werden die Gemeinschaftsschulen weiter stärken. Es sind noch viele Baustellen abzuarbeiten, aber ich finde, wir sind auf einem sehr guten Weg. - Vielen Dank.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Der SPD-Antrag zeigt wirklich deutlich, welch tiefsitzende Abneigung Sie gegenüber den Gymnasien haben, und er macht überdeutlich, wie wenig Sie selbst daran glauben, dass die Gemeinschaftsschulen etabliert sind.
Die SPD stellt zunächst die Behauptung auf, den Gemeinschaftsschulen drohe, strukturell benachteiligt zu werden. Um ihre Schreckensvision zu stützen, holt sie die G-9-Debatte aus der Mottenkiste. Ich bitte, sich daran zu erinnern, dass Sie selbst in den Debatten zur Schulgesetzänderung vor wenigen Monaten G 9 noch für richtig gehalten hatten. Ihre einzige Kritik war an dem Verfahren der Einführung.
Meine Damen und Herren, es ist völliger Unsinn: Wir werden die Gemeinschaftsschulen nicht strukturell benachteiligen.
Um konstruktive Bildungs- und Schulpolitik geht es der SPD in diesem Antrag in Wahrheit nicht, denn sonst hätten Sie konkrete Beispiele benannt,
Meine Damen und Herren, während die SPD lieber über inhaltslose Anträge sinniert, hat die JamaikaKoalition die Schulstrukturdebatte beendet und kümmert sich um Inhalte.
Fakt ist doch, dass die Gemeinschaftsschulen genauso gefördert werden wie bisher und genauso von der Bildungspolitik dieser Regierung profitieren wie die Gymnasien und andere Schulformen. Wir haben auf die Klagen der Gemeinschaftsschulen an prekären Standorten reagiert und den Bildungsbonus auf den Weg gebracht. Der Kollege Loose hat nach dem Verein „Schulen am Wind“ gefragt und danach, warum dieser gegründet werden musste. Damit Sie es richtig verstehen, betone ich dies wirklich gern noch einmal: Der Bildungsbonus wird vor allem die Gemeinschaftsschulen stärken.
Gemeinschaftsschulen und Gymnasien werden gleichermaßen von den zusätzlichen Lehrern profitieren, die wir einstellen, und genauso von den zusätzlichen Ausbildungskapazitäten der Sonderpädagogen. Meine Damen und Herren von der SPD, Ihr Antrag ist auch schwach begründet, weil es keinen logischen Zusammenhang zwischen der Behauptung einer Benachteiligung der Gemeinschaftsschulen und der angeblichen Gefahr eines Rückgangs der Abiturientenzahlen gibt. Tatsächlich ist es doch so, dass die Zahl der Abiturienten steigt, und wir haben keinen Grund zur Annahme, dass dieser Trend abnehmen wird. Außerdem können Sie den kausalen Zusammenhang nicht erklären, den die SPD zwischen der Gefahr von weniger Abiturienten, den leicht sinkenden Übergangsquoten an den Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe und der Zahl der abgewiesenen Schüler sehen möchte.
Es ist eben auch schon gesagt worden: Wichtig ist, Gymnasien dürfen im Gegensatz zu Gemeinschaftsschulen Schüler nicht ohne Weiteres abweisen, denn im § 3 Absatz 1 der Landesverordnung über die Sekundarstufe I an Gymnasien wird klar geregelt, dass ein Schüler, der die Grundschule bis Jahrgangsstufe 4 besucht hat, in die Orientierungsstufe eines Gymnasiums aufzunehmen ist.
Dagegen regelt § 5 Absatz 4 der Landesverordnung über Gemeinschaftsschulen, dass die Gemeinschaftsschulen, wenn die Zahl der Anmeldungen die eigenen Kapazitäten übersteigt, Schüler aufgrund ihrer Leistungsstärke abweisen dürfen. Das führt bei Eltern verständlicherweise zu Unmut. Denken Sie also einfach mal darüber nach, ob der Unterschied zwischen Gemeinschaftsschulen und Gymnasien bei den abgewiesenen Schülern einzig und allein darin begründet sein kann.
Wir wollen jeden Schüler individuell fördern. Jeder Schüler soll die Chance zum für ihn bestmöglichen Abschluss bekommen. Das kann, muss aber nicht, das Abitur sein. Wenn sich ein Schüler dagegen entscheidet oder wenn seine Leistung dafür nicht ausreichen sollte, so ist er noch lange nicht gescheitert. Unser Bildungssystem bietet viele Möglichkeiten.
Schauen Sie in den Koalitionsvertrag: Diese Regierung hat an keiner Stelle vor, irgendetwas zu verändern.
Es gibt viele Wege zum beruflichen und privaten Glück abseits der Universitäten. Jeder soll seinen Weg im Bildungssystem so finden und gehen können, wie er will, ohne dass irgendjemand den Stab über ihn bricht.
Ich möchte ganz klar sagen: Gemeinschaftsschulen sind nicht gescheitert. Wir müssen endlich aufhören, mit dieser Denke im Kopf durchs Land zu laufen. Wir stehen den Gemeinschaftsschulen offen gegenüber und sehen sie als gleichberechtigte und gleichwertige Partner im Bildungssystem. Sie leisten gute Arbeit. Wir sollten es jetzt endlich wagen, diese Arbeit zu unterstützen, wertzuschätzen und nicht immer wieder alte Debatten aufzumachen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Gäste auf der Tribüne! Der Antrag der SPD sollte meiner Meinung nach den Ar
beitstitel tragen: „Mehr Abiturmöglichkeiten“, oder auch: „Abitur für alle“. Er veranschaulicht eines sehr schön: nämlich, dass Ihnen die bildungsideologischen Träumereien nach wie vor näher sind als jeglicher Bezug zur Realität.
In Ihrem Antrag tauchen weder die Bedürfnisse der Schüler selbst noch die Interessen des Arbeitsmarktes auf. Nach Ihren Vorstellungen sollen künftig mehr Schüler als bisher das Abitur außerhalb der Gymnasien ablegen können, als es heute ohnehin schon möglich ist. Natürlich erhoffen Sie sich dadurch auch einen weiteren Anstieg der Abiturientenquote.
In Ihrer Begründung thematisieren Sie aber vor allen Dingen die vermeintliche strukturelle Benachteiligung der Gemeinschaftsschulen. Sie argumentieren: Bei Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe sei die Anmeldequote gesunken, schuld daran sei die Rückkehr zu G 9. Die Nachfrage nach dieser Schulart sei aber nach wie vor so hoch, dass nicht alle Schüler aufgenommen werden könnten. - Ja, viele Eltern melden ihre Kinder an Gemeinschaftsschulen mit gymnasialer Oberstufe an - aber doch nicht deswegen, weil sie wirklich davon überzeugt sind, dass dies die allerbeste Schulform für ihre Kinder wäre. Nein, viele tun das deswegen, weil sie Sorge haben, dass ihr Kind ohne Abitur weniger oder keine Chancen mehr auf dem Arbeitsmarkt hätte. Wer hat diese Sorgen erzeugt? - Genau diejenigen, die mit den andauernden Forderungen „mehr Abiturienten“, „Abiturientenquote erhöhen“ dafür gesorgt haben, dass sich heute schon ein Teil der Bevölkerung ohne Abitur als Mensch zweiter Klasse fühlt.
Jetzt zum Faktencheck, der genau das Gegenteil belegt. Beispiel Schweiz: Knapp 20 % eines Jahrgangs legt dort die Matura ab - also einen Abschluss, der unserem Abitur vergleichbar ist. Das ist die niedrigste Abiturientenquote aller OECD-Staaten außer Österreich. Gleichzeitig hat die Schweiz mit Luxemburg pro Kopf eines der höchsten Bruttoinlandsprodukte. Eine Folge davon ist, und um die geht es hier: Jugendarbeitslosigkeit tendiert dort gegen null. Gegenbeispiele sind die Länder mit deutlich höherer Abiturientenquote als Deutschland, also etwa Spanien, Portugal und Griechenland. Hier ist die Jugendarbeitslosigkeit sehr hoch und zwar trotz Abiturquote von über 70 %. Experten sprechen von einer verlorenen Generation.
Wer heute Forderungen nach noch mehr Möglichkeiten zum Erwerb des Abi erhebt, treibt den Akademisierungswahn in unverantwortlicher Weise voran. Er kümmert sich nicht um die Sorgen der Eltern, sondern drängt sie zu Entscheidungen, die sie sonst vielleicht nicht so gefällt hätten. Er schwächt das Ansehen aller Gemeinschaftsschulen ohne gymnasiale Oberstufe, obwohl wir wissen, dass dort die Macher von morgen ausgebildet und unterrichtet werden.
Er schert sich nicht um gesellschaftliche und wirtschaftliche Belange. Wir haben einen Mangel an Fachkräften, die über einen soliden ersten oder mittleren Bildungsabschluss verfügen. Er sorgt sich auch nicht um die Heranwachsenden selbst, die zum Glücklichsein und Glücklichwerden nicht das Abitur brauchen, das dann sowieso seinen Wert verlieren würde, sondern ein differenziertes Schulsystem, das ein Pendant zu den eigenen Fähigkeiten und Interessen darstellt.
Ich weiß, dass einige von Ihnen differenzierte Schulformen gefährlich finden; das klang eben schon an. Im Antrag ist die Rede von der „Rückentwicklung der Gemeinschaftsschule zur ehemaligen Regionalschule“. Ich weiß gar nicht, was Sie gegen homogene Lerngruppen haben. Natürlich ist es so, dass Schüler davon profitieren können, wenn es Unterschiede gibt. Die Unterschiede dürfen aber nicht zu groß sein. Die Forschungsergebnisse dazu sind Ihnen bekannt, und falls nicht, dann malen Sie sich einmal einen Schwimmunterricht aus, in dem vom Nichtschwimmer bis zum Leistungsschwimmer alle gemeinsam in einer Lerngruppe unterrichtet werden. Da kann nur Mittelmaß herauskommen.
- Dann machen Sie doch mal Schwimmunterricht mit allen zusammen. Ich möchte sehen, wie Sie mir das vormachen.
Herr Vogel, Ihre Forderung geht ganz klar in Richtung „eine Schule für alle“. Das muss schlicht als rückwärtsgewandt oder retro bezeichnet werden. Solche Forderungen brauchen wir nicht.