Protokoll der Sitzung vom 13.06.2018

Besonders herausragend ist aber natürlich die sensationelle Leistung von Holstein Kiel in der Zweiten Bundesliga. Niemand hatte ernsthaft damit gerechnet, dass es der Aufsteiger in die Erstliga-Relegation schaffen könnte. Wie wir alle wissen, hat es am Ende zwar nicht ganz gereicht, es war aber dennoch eine ganz enorme Leistung von Holstein Kiel. Das muss man anerkennen.

(Beifall FDP, CDU und Volker Schnurrbusch [AfD] - Zuruf Tobias von Pein [SPD])

- Das muss man anerkennen, Kollege von Pein, auch wenn man Mitglied des FC St. Pauli ist, so wie ich.

(Beifall Tobias von Pein [SPD])

- Ich tue alles, um auch von dir Beifall zu bekommen.

Wir haben bereits im vergangenen Jahr ein Sportpaket geschnürt. Das wollen wir nun fortsetzen und ergänzen. Es geht uns erneut um die Förderung des Spitzen- und des Breitensports. Daraus wird oft ein Gegensatz gemacht. Gerade die immer weiter zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs kann man auch durchaus kritisch sehen. Letztlich sind die Grenzen zwischen Spitzen- und Breitensport, gerade in einem Bundesland wie Schleswig-Holstein, in gewisser Weise aber fließend. Spitzen- und Breitensport bedingen einander. Das im letzten Jahr für den Breitensport aufgelegte Programm zur Modernisierung von Sportstätten ist bereits deutlich überzeichnet. Deshalb macht es Sinn, die finanziellen Spielräume im Haushalt zu nutzen, um hier noch mehr voranzubringen.

Mir fallen ehrlich gesagt auch kaum Bereiche ein, wo man öffentliches Geld besser investieren könnte als in Sportanlagen.

(Vereinzelter Beifall CDU und SSW - Ver- einzelter Widerspruch SPD)

Holstein Kiel darf das städtische Stadion bereits in der Zweiten Liga nur mit einer Ausnahmegenehmigung nutzen. Vor diesem Hintergrund hatten wir uns im vergangenen Jahr dazu entschieden, dass das Land den Ausbau dieser kommunalen Stadioninfrastruktur unterstützt. Ein Fußball-Bundesliga-Verein hat eben auch eine Bedeutung weit über die Stadtgrenzen hinaus. Die letzte Saison hat noch einmal sehr deutlich gemacht, dass der Fußball eine ganz besondere Strahlkraft hat.

Ich fand es auch ganz beeindruckend, dass sich die Deutsche Fußball Liga - sozusagen die Vermarktungsmaschinerie - am Ende dem breiten Protest gebeugt und Holstein eine Ausnahmegenehmigung für die Stadionnutzung - auch bei einem ErstligaAufstieg - zugesagt hat.

(Beifall FDP und SSW)

Es wäre ja eine Zumutung gewesen, wenn der erste schleswig-holsteinische Verein in der Geschichte der Ersten Bundesliga außerhalb des Bundeslandes hätte spielen müssen.

Die ganze Posse hat aber die Notwendigkeit eines weiteren Ausbaus deutlich gemacht. Holstein Kiel hat eine echte Chance, sich dauerhaft in den oberen zwei Ligen zu etablieren. Das wird allerdings alles andere als ein Selbstläufer. Es kann auf diesem Weg auch wieder Rückschläge geben - das muss man ehrlicherweise sagen. Trotzdem sagen wir heute Ja zu Bundesliga-Fußball in Schleswig-Holstein, zu dieser Möglichkeit. Wir wollen unseren Beitrag leisten, gehen aber auch davon aus und machen es zur Bedingung, dass sich auch die Stadt Kiel mit 10 Millionen € beteiligt, genauso wie das Land und private Investoren. Ich bin der Meinung, dass beides auch kommen wird. Das werden wir dann in der nächsten Woche sehen.

Ich muss aber auch sagen: Wir wollen die Infrastruktur bezuschussen und keine dauerhafte Bezuschussung eines Bundesligavereins oder eines Stadions. Es wurde gesagt: Na ja, das ist so eine Art Lex Holstein Kiel. Ich sage ganz deutlich: Auch bei anderen schleswig-holsteinischen Vereinen, die in eine ähnliche Situation kämen, würden wir uns genauso verhalten. Kollege Baasch, wenn der VfB Lübeck demnächst wieder an die BundesligaTür anklopfte, wären wir auch bereit, das zu unterstützen. Ich bin der Meinung, auch den Breitensport sollten wir mit einem breiten Votum unterstützen, damit hier vieles vorankommt.

Wir sagen Ja zum Profifußball in Schleswig-Holstein und unterstützen erneut in nennenswerter Höhe den Breitensport im Land. Ich danke im Namen meiner Fraktion den vielen Ehrenamtlichen, die das ebenfalls unterstützen, und freue mich auf ein breites Votum und eine breite Zustimmung zu unserem Antrag. - Vielen Dank.

(Beifall FDP, SSW, vereinzelt CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

(Christopher Vogt)

Das Wort für die CDU-Fraktion - - Erst kommt die SPD. Wir werden hier recherchieren, warum das durcheinandergeraten ist. - Dann hat für die SPDFraktion wer bitte das Wort? - Die Frau Abgeordnete Kathrin Wagner-Bockey.

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Jeder echte Fußballfan kennt sie, die Momente, die in einem Fan-Leben für die Ewigkeit gemacht sind. Niemals vergessen werde ich zum Beispiel, als St. Pauli am 19. Mai 2001 in Nürnberg in die Erste Liga aufstieg und ich live dabei war.

(Beifall SPD)

Holstein Kiel hat sich in unser aller Herzen gespielt. Solche sportlichen Erfolge sind euphorische, glückliche Momente. Ich glaube, weder die Spieler noch die Betreuer oder gar das Publikum denken in solchen Momenten an das Geld, das dahintersteht oder eben auch nicht. Trotzdem ist es kein Geheimnis, dass ein Spielbetrieb in der Fußball-Bundesliga nur von gut sortierten Wirtschaftsunternehmen erfolgreich gemeistert werden kann. Hier ist dem Verein Holstein Kiel ein glückliches Händchen zu wünschen, denn viel Zeit zur Orientierung und zum geordneten Wachstum war bisher nicht. Aber das hat ja eben auch seine glücklichen Seiten, wie wir festgestellt haben.

Umso mehr gilt: Wenn das Land, die Stadt Kiel und der Verein jetzt gemeinsam eine Chance sehen, das Holstein-Stadion bundesligatauglich auszubauen, dann ist das richtig und auch ein wichtiger Schritt. Allen muss auch klar sein, dass wir hier erst am Anfang stehen und es keine fertigen Konzepte und Vorstellungen gibt. Deshalb kommt es ganz besonders jetzt auf eine gute und konstruktive Zusammenarbeit von Kommune, Land und Verein an.

(Beifall SPD und Eka von Kalben [BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN])

Man wird den Eindruck nicht ganz los, dass der Glückszustand einer ganzen Region bei einigen Politikern spontan die Herzen und das Portemonnaie geöffnet hat. Wir erlebten einen begeisternden Empfang für die Holstein-Kiel-Fußballer hier im Landeshaus, und dann - zack! - 10 Millionen € für den Stadionumbau und - zack! - 10 Millionen € für den Breitensport. Es war ja auch zu schön!

(Werner Kalinka [CDU]: Das war schon vor- her!)

Und dann diese generöse Geste! Bei Daniel Günther kullerten die Euro nur so aus den Hosentaschen. Es konnte einem fast schwindelig werden.

Es schien ein sportlich faires Angebot zu sein, daraus nachträglich einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen zu formulieren. Eigentlich keine große Sache, eher eine Formalie. Dann war es ein Halbsatz, der die ganz große Harmonie verhinderte.

Wir erinnern uns: Der Landtag sollte aufgefordert werden, 10 Millionen € Fördermittel für den Umbau des Stadions bereitzustellen. Daran geknüpft werden sollten bestimmte Erwartungen - ich nenne es Hoffnungen -: Vielfalt, Respekt, eine offene Gesellschaft. Klingt gut, ist gut. Und dann kam er, unser kleiner SPD-Zusatz: die Förderung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Sport.

(Beifall SPD)

Wir als SPD hätten es aus Erfahrung wissen müssen. Das gibt Ärger. Empört wurde seitens der CDU gefragt: „Wie soll das gehen?“

(Tobias Koch [CDU]: Das stimmt nicht!)

Was ist mit der Autonomie des Sports? Da könne man nicht eingreifen.

(Tobias Koch [CDU]: Das ist falsch!)

Meine Damen und Herren, Sie erwarten vom Verein den Einsatz für Vielfalt, Respekt, eine offene Gesellschaft, gern mit konkreten Projekten. Wenn das kein Eingriff in die Sportautonomie ist, dann sind es Wertevorstellungen, die wir Parlamentarier mit der Förderung gern verknüpft sähen.

(Beifall SPD)

Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Worte von Frau Ostmeier, als Holstein Kiel zugunsten des Männererfolgs seine Frauenabteilung ausgliedern wollte, das habe sie etwas schockiert. Aminata Touré von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ging noch weiter: Das ganze Vorgehen sei ein Armutszeugnis für die Gleichstellung von Frauen und Männern im Fußball, man müsse die Förderzusage neu bewerten. - So weit wollen wir nicht gehen.

Okay, wir konstatieren, für unseren Antrag, die Gleichstellung von Frauen und Männern im Sport fördern zu wollen, ist die Zeit offensichtlich noch nicht reif. Das ist eigentlich schade.

(Beifall SPD)

Meine Damen und Herren, natürlich werben wir dafür, dass unser Ergänzungsantrag bei Ihnen allen, die Sie hier nun sitzen, doch noch Zustimmung fin

det. Wenn man einen positiven Wertekatalog formuliert - das haben Sie getan -, dann liegen Vielfalt, Respekt, die Gleichstellung von Männern und Frauen im Sport und eine offene Gesellschaft doch wohl auf einer Wellenlinie und sind ein wünschenswertes Ziel für uns alle.

Wir werden Ihrem Antrag auf jeden Fall zustimmen, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Dieses Projekt sollte uns vereinen und nicht spalten.

(Beifall SPD und Dr. Frank Brodehl [AfD])

Da meine Zeit fast abgelaufen ist, nutze ich die letzten Sekunden, um einige Worte zum AfD-Antrag zu verlieren. Wir lehnen ihn ab,

(Dr. Frank Brodehl [AfD]: Das ist klar!)

und zwar aus einem ganz einfachen Grund. Es ist besser, eine unvollständige Werteliste zu haben als gar keine.

(Beifall SPD)

Es erstaunt mich nicht, dass die AfD auf Vielfalt, Respekt und eine offene Gesellschaft verzichten kann. Wir wollen das definitiv nicht. - In diesem Sinne bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit und werbe um Zustimmung zu den beiden weiteren Anträgen, die hier vorliegen.

(Beifall SPD und SSW)

Begrüßen Sie mit mir auf der Tribüne des Schleswig-Holsteinischen Landtags Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Jürgen-FuhlendorfSchule Bad Bramstedt. - Herzlich willkommen im Schleswig-Holsteinischen Landtag!

(Beifall)

Für die Geschäftslage wäre es hilfreich, wenn uns Absprachen zwischen den Fraktionen über eine Änderung der Rednerliste erreichten.