Ich glaube, dass dies eine recht überschaubare Summe ist, noch dazu bei dem Positiven, was wir hiermit als Effekt erreichen können. Ich bin auch überzeugt davon, dass sich diese 44 000 € durch Umschichtungen im Einzelplan aufbringen lassen. Wenn wir dies nicht mehr könnten, wenn wir die 44 000 € nicht mehr finden, dann können wir, glaube ich, nach Hause gehen und aufhören.
Ich bitte Sie also um eine wohlwollende Kenntnisnahme unseres Anliegens und um Zustimmung zu unserem Antrag.
Vielen Dank, Herr Gebhardt. - Nun hören wir die Beiträge der Fraktionen. Für die SPD-Fraktion spricht Frau Reinecke. Bitte schön.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die erste Begegnung mit Theater ereignet sich bei den meisten Kindern in der Grundschulzeit. Das wurde schon bestätigt. Puppentheater, Jugendtheater und Theaterhäuser entwickeln Kinderproduktionen, die entweder von den Familien selbst oder von Schulklassen besucht werden.
Danach entwickelt sich, meist in Abhängigkeit von den Anregungen in der Familie oder in der Schule, das weitere Interesse. Oft sind Schultheaterbesuche die einzigen Kontakte zu diesem Kulturort. Dabei ist auch allgemein bekannt, dass Angebote an kultureller Kinder- und Jugendarbeit zur Persönlichkeitsentwicklung und zur Herausbildung von so genannten Schlüsselqualifikationen einen wichtigen Beitrag leisten. Wir wissen also, dass in diesem Alter das Selbstwertgefühl der Kinder gestärkt wird, dass diese Besuche identitätsstiftend sein können und dass sie auch eine wichtige Grundlage für eine intensive Sprachförderung bilden.
Da wundert es nicht, wenn Theater und Theaterträger jeweils über die Auslastung ihrer Häuser klagen. Das steht ja auch dahinter. Denn neben dem klassischen Theaterpublikum gehen zu wenige Menschen ins Theater.
Es kann also kein Automatismus festgestellt werden, dass das junge Publikum einfach so nachdrängt. Damit sind Ideen gefragt. Mit dem Projekt „Klatsch!“ - Herr Gebhardt hat es angesprochen: Kulturelles Lernen an Theater und Schule - wurden bereits im Jahr 2004 in unserem Land durch das Landeszentrum „Spiel & Theater“ Rahmenbedingungen geschaffen, um sich mit dem Theater als vielfältigem Medium auch nachhaltig auseinanderzusetzen. Im Prinzip ging es neben dem Besuch von Theateraufführungen insbesondere um das eigene Gestalten, um den Austausch von Schülern einer Schule und einem Theaterensemble. Das Projekt ist, wie wir gehört haben, sehr erfolgreich.
Wir gehen also davon aus, dass die Grundschule auch einen bedeutenden Ort sozialer Begegnung bieten kann, wenn man diese Profession zusammenführt.
Der Antrag der Fraktion DIE LINKE greift nun konkret die Zeit der Erstbegegnung der Kinder mit dem Theater auf, nämlich die Grundschulzeit. Konkret: Jedes Grundschulkind soll einmal im Schuljahr ein Theaterstück erleben. Es gibt keine finanziellen oder organisatorischen Barrieren. Damit ist das Thema der Teilhabegerechtigkeit angesprochen. Die Aufführungen sollen dann mit den Kindern in der Schule oder im Theater nachbetrachtet werden.
Es ist aus der Sicht meiner Fraktion ein löbliches Projekt, das wir auch unterstützen werden. Wir schlagen vor, den Antrag in den Ausschuss für Bildung, Wissenschaft und Kultur zu überweisen, um dort über die konkreten Vorstellungen und Modalitäten der Umsetzung zu sprechen.
Die Koordinierung dem Landeszentrum „Spiel & Theater“ zu übertragen, macht aus meiner Sicht Sinn, da, wie bereits erwähnt, vielfältige Erfahrungen vorherrschen, mit denen man gut weiterarbeiten kann.
Im Ausschuss müssen wir dann auch über die Regionen reden. Geplant ist von der LINKEN, die Altmarkregion zu favorisieren. Ich denke, davon ist auch die Finanzierung des Projektes abhängig, da ja die Schüler- und Schulzahlen von Kreis zu Kreis unterschiedlich sind.
In diesem Zusammenhang muss auch geschaut werden, dass ausreichend Theaterkapazitäten zur Verfügung stehen, denn auch davon hat der Träger eine Rückmeldung und kann von Kapazitäten ausgehen.
Wenn das im Grundsatz alles geklärt ist, können wir versuchen, einen Weg zu finden, die angesprochene Finanzierung im Haushalt zu verankern.
Insofern kommt der Antrag aus meiner Sicht noch rechtzeitig im Hinblick auf die Haushaltsberatungen zum Einzelplan Bildung und Kultur. Denn es ist bekannt: Am 25. November beraten und beschließen wir darüber im Bildungsausschuss.
Ich würde die Fraktion der LINKEN bitten, bis zu diesem Termin die angesprochenen Punkte entsprechend vorzubereiten.
Ich bitte darum, diesen Antrag zu überweisen, und bedanke mich an dieser Stelle für Ihre Aufmerksamkeit.
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Unstreitig ist ein Theaterbesuch eines der großartigen Ereignisse, die man als Kind erleben kann. Über viele Jahrtausende hinweg war das gesprochene Wort, die Weitergabe in der Geschichte das Einzige, was die Erinnerung wach hielt, was die Historie unseres Volkes darstellte. Denn die Schrift - das wissen wir alle - kam erst relativ spät auf.
Bei der Diskussion, wie wir das unseren Kindern nahe bringen, sind immer wieder aktive Lösungen und Ideen gefragt. Aber, meine sehr geehrten Damen und Herren, genauso wie beim Thema Lesen bin ich der Meinung, dass das Nahebringen der darstellenden und bildenden Künste zuvörderst ein Thema der Eltern ist.
An dieser Stelle sollte man auch darüber reden, wie man die Theaterlandschaft insgesamt so attraktiv macht, dass Familien ins Theater gehen, dass man gemeinsam das Theater erlebt. Denn das ist die eigentliche Aufgabe, das Reproduzieren des Erlebten in der Familie, das Diskutieren darüber und das Nachvollziehen, was ja beim Schulbesuch durchaus initial geschehen kann, aber umso schwieriger erfolgt.
Es gibt allerdings eine ganze Reihe von Kommunen, die das Theater auch für Klassen geöffnet hat. Die Stadt Halle hat jüngst ein Projekt vorgestellt, bei dem alle Schüler der 3. Klasse und alle Schüler der 9. Klasse für das nächste Jahr kostenfrei Eintritt zu einem Stück ihrer Wahl erhalten. Das heißt, dieses Vorhaben geht noch viel weiter. Hierbei besteht nicht der Zwang, ein Stück, vom Theater ausgesucht, vielleicht am Nachmittag zu besuchen, sondern hierbei ist sogar eine Auswahl möglich, hierbei können die Klassen sich selber etwas aussuchen.
Es ist das alleinige Erlebnis mit der Familie möglich, denn die Stadt Halle hat auch erkannt, dass das gemeinsame Erleben wichtig ist, sodass, wenn man einen Erwachsenen mitnimmt, zusätzlich ein kostenfreier Besuch ermöglicht wird. Also ein weitergehendes Projekt, das, meine sehr geehrten Damen und Herren, ohne zusätzliche Kosten in Höhe von 44 000 Mark
Die Kommunen - wenn man sich einmal umschaut - sind viel kreativer. Auch die beiden Landräte der Altmark waren von diesem Antrag überrascht, sahen sie sich doch durchaus auch selber in der Lage, genauso wie das Theater der Altmark, derartige Angebote zu unterbreiten.
An dieser Stelle scheint es offenkundig unter dem Mäntelchen einer vernünftigen Idee, nämlich dem Theatererlebnis, darum zu gehen, einem Träger eine Weiterführung seiner Aufträge zu geben. Wir sollten - der Meinung bin ich - im Kulturausschuss durchaus einmal das Projekt „Klatsch“ auswerten, inwieweit sich hierbei durch eine Initialzündung - denn es handelt sich dabei um ein Modellprojekt - wirklich langfristig etwas entwickelt hat, was sich vervielfältigen lässt, was sich an anderen Schulen auch ausprägt usw.
Wenn wir, sehr geehrter Herr Gebhardt, davon reden, dass die Schüler in den Fundus gehen, mit den Künstlern sprechen und das Theater auch von unten sehen sollen, dann sind freie Theatergruppen nicht der richtige
Ansprechpartner; denn solch ein Projekt muss durchgestylt sein, und nicht alle Ideen, die gerade kommen, sollten wild zueinander gestellt werden.
Wichtig ist es aus unserer Sicht, dass in den Lehrplänen der Schulen der gemeinsame Theaterbesuch Raum findet. Ich bin mir sicher, dass die Finanzierung dann auch abgesichert werden kann. Es gibt in unserem Haushalt genügend Stellen, mit denen man den Schulen und den Lehrern direkt die Mittel für diejenigen geben kann, die nicht in der Lage sind, den Eintritt zu bezahlen.
Häufig haben die Theater dieses bereits vorbereitet. Dort sitzen auch die Theaterpädagogen, die immer bezahlt sind. Die Theater haben längst erkannt, dass es darum geht, Jugendclubs zu finden, mit jungen Leuten zu reden, über die Theaterpädagogen entsprechend Einfluss zu nehmen und sich langfristig ein interessiertes Publikum zu binden. Denn die Kunst hat zuallererst die Aufgabe, zu bilden, zu unterhalten und auch selbst Maßnahmen darzustellen.
In diesem Sinne, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist das Projekt wichtig und gut, aber nicht in der dargestellten Form und nicht in der Form, dass ein Landesträger per Beschluss des Landtages einen weiteren Auftrag erhält. Derartige Auftragsbeschaffungen geschahen früher noch seriöser. Das sollten wir uns an dieser Stelle nicht gönnen. Dafür ist mir dieses Hohe Haus zu schade. Deshalb lehnen wir diesen Antrag ab.
Vielen Dank, Herr Kley. - Bevor wir den Beitrag der CDUFraktion hören, nämlich Herrn Weigelt, haben wir die Freude, auf der Südtribüne Damen der Städtischen Volkshochschule Magdeburg begrüßen zu können.
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Lieber Herr Gebhardt, ich kann mich eigentlich dem anschließen, was Herr Kley vorgetragen hat. Der Antrag an sich ist sehr löblich, aber ich werde den Verdacht nicht los, dass damit möglicherweise zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden sollen. Aber das werden wir uns anhören. Ich nehme vorweg, dass wir uns dem Antrag anschließen werden, uns im Ausschuss näher darüber zu unterhalten.
Es werden die folgenden Dinge angesprochen. Sie wollen ein Projekt weiterführen und dieses auch mit 44 000 € pro Jahr finanziert sehen, wobei mir nicht ganz klar ist, was diese 44 000 € pro Jahr beinhalten. Sind dabei auch Fahrtkosten berücksichtigt? Was ist die Grundlage dafür? - Das Theater hat Ihnen das wohl zugearbeitet. Wir wollen uns anhören, was diese 88 000 € im Grunde wert sind.
Im Übrigen habe ich mich in der Kürze der Zeit mit einigen Theatern unterhalten. Die sehen das, was Sie beschrieben haben, gar nicht so düster. Mir hat beispielsweise niemand gesagt, dass es Situationen gab, in denen Kinder am Theaterbesuch nicht teilnehmen konnten oder nur aufgrund des guten Willens der Theaterleute an der Veranstaltung teilnehmen konnten.
Vielleicht sollten Sie sich einmal mit Grundschullehrern unterhalten. Sie werden Ihnen möglicherweise etwas anderes erzählen. Denn ein guter Grundschullehrer wird, bevor er mit seiner Klasse einen Theaterbesuch veranstaltet, fragen, ob sich das alle Kinder leisten können. Wenn das nicht der Fall ist, dann, so ist es mir von einer Grundschule gesagt worden, gibt es Möglichkeiten über den Förderverein der Grundschule. Bei uns hat es einen solchen Fall noch nicht gegeben. Das ist mir von den Theaterfachleuten auch so bestätigt worden.
Sollte es wirklich so sein, dass solche Situationen an der einen oder anderen Stelle einmal eintreten, dann sollte man genau hinsehen. In diesem Fall müsste man möglicherweise nicht mit einem so großen Theaterprojekt antworten, sondern man müsste sich mit den Grundschulen und mit anderen Stellen unterhalten, dass es nicht passieren darf, dass ein Kind aufgrund des sozialen Hintergrundes seiner Familie usw. nicht an einem Theaterbesuch teilnehmen kann. Ich denke, in diesem Zusammenhang werden wir uns einiges anhören.
Ich bedauere es außerordentlich, dass Herr Minister Olbertz heute Morgen durch den Landtagspräsidenten entschuldigt worden ist und aufgrund des Wechsels der Tagesordnungspunkte heute Abend nicht zu diesem Thema sprechen kann; denn er würde sicherlich auch erzählen, dass es an vielen Grundschulen durchaus Usus ist - das wissen Sie und ich auch, weil wir die Grundschulen häufig besuchen -, dass dort viel Theater gespielt wird.
Es ist nicht so, dass man eigens Programme auflegen muss, um den Kindern das Theaterspielen nahezubringen, sondern das Gegenteil ist der Fall. An den Grundschulen wird viel und häufig das Instrument des Theaterspielens genutzt, um den Unterricht aufzulockern und um mit Eltern zur Weihnachtsfeier solche Erlebnisse zu gestalten. Den Kindern macht das auch Spaß.
Ich glaube, an dieser Stelle ergibt sich ein Redebedarf im Ausschuss. Wir werden uns das einmal vorstellen lassen. Es interessiert mich übrigens auch, wie sich das im Land gestaltet und inwieweit die Schulen bereits in Projekten mit Theatern zusammenarbeiten. Ich weiß beispielsweise, dass viele Grundschulen im Altkreis Bernburg ein Abo mit unserem Theater abgeschlossen haben und dieses auch kräftig nutzen. In diesem Zusammenhang muss man erst einmal den großen Blick schweifen lassen, bevor wir ein solches Modellprojekt initiieren.
Lassen sie uns darüber im Ausschuss ausführlich diskutieren. Vielleicht erhellen sich dadurch einige Aspekte, die mir im Moment noch nicht ganz klar sind. Wir wollen einmal schauen, wie es weitergeht. Ich beantrage, den Antrag in den Ausschuss zu überweisen. - Danke schön.
Vielen Dank, Herr Weigelt. - Nun hat noch einmal Herr Gebhardt das Wort, sofern er dies möchte. Bitte schön.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich bin mit der Ausschussüberweisung sehr einverstanden. Das ist ein ordentliches Anliegen. Ich will noch einmal auf zwei Dinge, die Herr Weigelt angesprochen hat, eingehen.