Es gibt sicherlich auch die Gesundheitsregion Saarland. Ich habe es mir selbst angesehen. Dort ist der ehemalige Gesundheitsminister Schreiber tätig und an der Spitze. Aber es ist eine Privatinitiative, die sich als eingetragener Verein zusammengefunden hat, in der die Wirtschaft, die Medizinwirtschaft usw., aber auch die Krankenhäuser und die Pflegeeinrichtungen mit im Boot sind. Auch so etwas ist denkbar. Wichtig ist aber, dass es vernetzte Strukturen gibt, die immer ein Stück weit auch regional gedacht werden müssen, weil dort die größten Potenziale sind.
Insofern danke ich für die Nachfragen zu der Großen Anfrage, weil sich für uns am Ende immer auch ein Bild ergibt, in dem man Dinge zusammengefasst vor Augen hat und die Daten nutzen kann, die dann komprimiert zur Verfügung stehen. - Schönen Dank.
Vielen Dank, Herr Minister. - Für die CDU-Fraktion spricht der Abgeordnete Herr Schwenke. Bitte schön, Herr Kollege.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen Landtagsabgeordneten! Wir dürfen heute über die Antworten auf die Große Anfrage der Fraktion DIE LINKE zu dem Thema „Bedeutung der Gesundheitswirtschaft in und für Sachsen-Anhalt“ debattieren - ein zweifellos wichtiges ressortübergreifendes Thema mit stetig wachsender Bedeutung; darin sind wir uns einig.
Allerdings hat schon Ihre außerordentlich umfangreiche, eine Unmenge von detaillierten Daten fordernde, immerhin 16-seitige Fragestellung in mir Zweifel daran aufkommen lassen, ob man diese in der entsprechenden Debatte zu der Antwort auf Ihre Große Anfrage effektiv und zielführend diskutieren kann. Diese Zweifel sind auch durch die Antwort nicht kleiner geworden.
Dies liegt aber eindeutig nicht an der Antwort der Landesregierung. Durch die entsprechenden Ressorts wurde, wie erbeten, eine Unmenge an Daten zusammengetragen - eine Fleißarbeit, für die man sich eigentlich nur bedanken kann.
Allerdings sind die Fakten so heterogen, dass sie eigentlich nur in den jeweiligen Ressorts und in den jeweils zuständigen Ausschüssen diskutiert werden können, eine Aufgabe - das will ich hier eindeutig sagen -, zu der ich die jeweiligen Ausschüsse nur ermuntern kann.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sowohl die Fragen als auch die Antworten bestätigen, dass die Gesundheitswirtschaft ein ständiges und hochwichtiges Thema in fast allen Ressorts ist. Ich möchte daran erinnern, dass wir heute früh zum Beispiel über das wichtige Thema der Finanzierung der Uniklinika und auch über die Situation bei der medizinischen Hochschulausbildung diskutiert haben. Morgen werden wir zum Beispiel über den Antrag der Koalitionsfraktionen zur Fachkräftesituation und zur Ausbildung im Pflegebereich diskutieren, Übermorgen über Vertretungskörperschaften wie die Pflegekammer. Sie sehen, die Themen sind uns sehr wichtig.
Die Themen Gesundheitstourismus und Förderung von Kureinrichtungen waren auch schon des Öfteren Thema im Landtag und in den Ausschüssen. Auch die Auswirkungen des demografischen Wandels, die Situation in der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum, Stichwort Ärztemangel, die Krankenhausplanung usw. usf. sind quasi ständige Themen in den Fachgremien und hier im Hohen Haus.
Danke schön. - Das waren nur einige Beispiele. Sie sehen aber, die Themen, die auf irgendeine Weise das Thema Gesundheitswirtschaft betreffen, waren und sind permanent im Fokus der Exekutive und der Legislative. Deshalb möchte ich in meinem weiteren Redebeitrag diese Themen ohne Anspruch auf Tiefenschärfe - eine solche schaffen wir heute nicht - nur grob skizzieren.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Gesundheitswirtschaft in Sachsen-Anhalt erfährt seit Jahren eine außerordentlich positive Entwicklung. Knapp 14 % der Gesamtwirtschaft werden mittlerweile durch diese Branche gestellt. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass inzwischen über 100 000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in dieser Branche beschäftigt sind.
Die heterogen strukturierte Gesundheitswirtschaft umfasst unter anderem die Bereiche stationäre und ambulante Gesundheitsversorgung, Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste, Ret
tungsdienste, die Pharmaindustrie, die Herstellung von Medizintechnik, den Handel mit Arznei- und Medizinprodukten, Krankenversicherungen sowie die Forschung und Entwicklung im Bereich Medizin und Biotechnologie. Weitere gesundheitsrelevante Bereiche sind Sportanlagen, Fitnesszentren, Saunen, Bäder und Ähnliches.
Auch in diesen Bereichen ist eine positive Entwicklung festzustellen, die sich im Übrigen bundesweit analog fortsetzt. Das darf nicht verwundern; denn die Menschen werden immer älter. Sie sind auf der einen Seite gesundheitsbewusster und nehmen gezielt auch Wellnessangebote an. Sie werden auf der anderen Seite mit fortschreitendem Alter aber auch pflegebedürftiger.
Den Löwenanteil im Gesundheitswirtschaftsbereich stellen hierzulande die Krankenhäuser, die ambulanten Pflegedienste und die ambulante Gesundheitsvorsorge. Sie umfassen gut zwei Drittel der Arbeitsplätze in der Gesundheitswirtschaft des Landes.
Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft, Innovationen und des medizinisch-technischen Fortschritts befindet sich die Branche in einem grundlegenden Wandel. Dies gilt zum Beispiel für ganz unterschiedliche Bereiche wie den Tourismus und die Ernährungsindustrie sowie auch für die Bereiche der Biotechnologie.
Der Wachstumskurs der hiesigen Gesundheitswirtschaft wird sich also auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Allerdings gibt es bereits heute Probleme mit neuen und gut ausgebildeten Fachkräften. Hier gilt es dringend anzusetzen, um die weitere Entwicklung nicht zu gefährden. Entsprechende Initiativen zu Themen wie die medizinische Hochschulausbildung und die Pflege erwähnte ich bereits.
Weitere wichtige Schwerpunkte in diesem Zusammenhang müssen auch die Einführung neuer Technologien, veränderte Innovationsstrukturen und eine stärkere Kundenorientierung sein. Ich will nicht vergessen zu erwähnen, dass natürlich auch die angemessene Entlohnung des Personals bei dem Thema Fachkräftegewinnung ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.
Die stetig zunehmende Präsenz des Themas Gesundheit schlägt sich auch in den privaten Ausgaben nieder. Die Menschen geben immer mehr Geld für Produkte und Dienstleistungen aus, von denen sie sich den Erhalt ihrer eigenen Gesundheit versprechen. Dazu gehören vor allem Ausgaben in den Bereichen des sogenannten zweiten Gesundheitsmarktes wie Sportstudios, Wellnessangebote und Produkte mit Gesundheitsnutzen. Nach einer Studie der NordLB hat dieser Bereich mit einem Zuwachs von zum Teil 10 % die höchsten Wachstumsraten.
Ein ganz neuer Trend zeigt sich in der sogenannten ökologischen Gesundheitswirtschaft. Diese versucht, den gesundheitlichen Ansatz mit den naturnahen Randbedingungen zu verknüpfen. Dieser Bereich ist noch relativ klein, verspricht aber auch in den kommenden Jahren solide Zuwachsraten.
Bis weit in die 90er-Jahre hinein wurde das Thema Gesundheit eher als sozialpolitische Leistung angesehen, die den Staat viel Geld kostet. Mittlerweile hat es einen gesellschaftspolitischen Wandel gegeben. Mit Prävention und neuen Produkten des Gesundheitsmarktes lässt sich mittlerweile gutes Geld verdienen, das über das Steueraufkommen wieder zurückfließt. Aber es sind auch die vielen präventiven Maßnahmen, welche die Menschen gesünder machen und somit die staatlichen Leistungen in erheblichem Maße verringern.
Lassen Sie mich zum Schluss noch auf den Bereich Pharma und Medizintechnik eingehen. Dieser Bereich ist in Sachsen-Anhalt relativ klein, aber hochinnovativ. Hier finden Forschung und Entwicklung statt. Hier gab es insbesondere durch die Produktion von sogenannten Generika eine besonders gute Entwicklung. Die bekanntesten Beispiele dürften hierzulande wohl Hexal und Bayer sein, die mit ihren Produkten aus Sachsen-Anhalt die ganze Welt versorgen. Wer im Ausland Aspirin kauft, der kauft auch ein Stück Made in SachsenAnhalt.
Mein Fazit lautet: Die Gesundheitswirtschaft ist ein extrem wichtiger Wachstumsmarkt mit großen Innovationen. Er wächst proportional, teilweise sogar überproportional mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft.
Sachsen-Anhalt ist gut aufgestellt. Wir müssen aber dringend - ich sagte es bereits - das Problem des Fachkräftemangels lösen. Sonst wird die Branche in Zukunft kaum noch Wachstumschancen haben.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Lassen Sie mich abschließend zusammenfassend noch Folgendes sagen. Ich habe heute - ich sagte es eingangs schon - erst gar nicht versucht, die Große Anfrage und die vorliegenden Zahlen tiefenscharf zu sezieren. Fakt ist aber, dass sie eine gute Basis bilden, um die einzelnen Themen intensiv in all ihren Fassetten in den jeweiligen Gremien zu diskutieren und daraus die notwendigen Schlüsse zu ziehen.
Die Gesundheitswirtschaft wird in Sachsen-Anhalt ernst genommen, und dies sowohl in den Ressorts als auch ressortübergreifend. Es ist unheimlich viel Erfolgreiches passiert. Es ist aber auch noch genauso viel Potenzial für weitere positive Entwicklungen da. Lassen Sie uns gemeinsam diese Potenziale im Interesse unseres Landes nutzen.
Letzter Satz - es ist meine letzte Rede vor der Sommerpause in dieser Sitzungsperiode -: Ich wünsche Ihnen allen eine gute Erholung im Urlaub und vielleicht beim Nutzen von Gesundheits- und Wellnessangeboten in Sachsen-Anhalt. - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Vielen Dank, Herr Kollege Schwenke. - Vielleicht darf ich die Gelegenheit nutzen und Sie alle daran erinnern, dass Sie am Ende der heutigen Sitzungsperiode Ihre Handys wieder einschalten sollten.
Für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN spricht der Kollege Erdmenger. - Nein, das tut er nicht. Aber wir freuen uns auch auf Sie. Bitte schön, Frau Kollegin.
Ich habe Sie vergessen? Das ist ja ganz schlimm. Sie haben vier Minuten Redezeit. Das macht es auch nicht viel besser, aber die haben Sie auf jeden Fall.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Vielen Dank auch an Herrn Dr. Thiel, an Herrn Schwenke und an Herrn Bischoff, die schon einige wichtige und zentrale Aspekte genannt haben.
Die Gesundheitswirtschaft in all ihren Fassetten und Ausprägungen wird auch von unserer Fraktion als eine Schlüsselbranche und als Wirtschaftsfaktor betrachtet. In der Gesundheitswirtschaft sehen wir wirklich zukunftsfähige Arbeitsplätze, weil sie in diesem Bereich per Definition Bestand haben müssen und aufgrund der alternden Gesellschaft immer wichtiger werden. Gesundheit hat immer Konjunktur und gerät nicht in Krisen.
Die Gesundheitswirtschaft ist ein weites Feld; wir haben schon gehört, sie ist nicht ganz klar abgrenzbar. Wir haben zum einen die Kernbereiche des Gesundheitswesens, die Ärztinnen, das Pflegepersonal und die Apotheken, die nah am Menschen arbeiten. Zum anderen spielen aber auch die Vorleistungen eine wichtige Rolle, sei es die pharmazeutische Industrie - wir haben beispielsweise mit dem Biopharmapark in Dessau eine Erfolgsgeschichte vorzuweisen - oder die Medizinproduktetechnik, die ihre erstklassigen Produkte in alle Welt exportiert.
Es muss allerdings auch gesagt werden: Die Gesundheitswirtschaft in Sachsen-Anhalt ist noch nicht dort angelangt, wo sie eigentlich sein müsste. Gerade im ländlichen Raum haben wir bekanntlich bei der medizinischen Versorgung und auch bei der Pflege eine Unterversorgung. Das stellt uns vor sehr große Herausforderungen.
In der gern zitierten Studie der NordLB wurde deutlich: Die Bedeutung der Gesundheitswirtschaft in Sachsen-Anhalt entspricht dem Bundesdurchschnitt, aber eben auch nicht mehr. Es ist keine Schwerpunktbranche, mit der sich Sachsen-Anhalt jetzt schon profilieren könnte. Das Beschäftigungswachstum in den Jahren 1998 bis 2009 war sogar leicht unter dem Bundesdurchschnitt.
Es muss die Frage gestellt werden, warum es nicht so optimal lief. Vielleicht ist zu viel Geld in Thermalbäder gesteckt worden, die sich am Ende nicht rechneten, und dann fehlte das Geld an anderer Stelle.
Vielleicht ist es aber auch müßig, über die Fehler der Vergangenheit zu debattieren. Aber was wir auf alle Fälle daraus lernen können, ist: Wir müssen uns an den tatsächlichen Bedarfen orientieren, uns danach ausrichten und dementsprechend das Geld ausgeben.
Das heißt, wie in allen anderen Branchen auch: Wir müssen mit langfristigen Zukunftskonzepten ausreichend Fachkräfte gewinnen. Gesundheitsberufe müssen natürlich finanziell interessant oder zumindest auskömmlich sein. Auch bei der Ausbildung müssen vernünftige Löhne gezahlt werden. Herr Minister Bischoff hat das auch sehr betont.
Wenn wir uns endlich für eine Bürgerversicherung entscheiden würden, in die alle einzahlen, alle Berufe und auch Selbständige und Beamte, und in der dann auch die Kapitalerträge berücksichtigt werden, dann verbessern wir die Einnahmenseite der Krankenkassen. Das eröffnet dann auch Spielräume auf der Ausgabenseite.
Die stärkere Aktivierung des Potenzials von Arbeitsuchenden müssen wir ebenfalls nutzen. Es gibt zweifelsfrei noch ein Hebungspotenzial, über entsprechende Aus- und Weiterbildung Fachkräfte zu rekrutieren.
Über die weichen Faktoren gerade für den ländlichen Raum haben wir auch schon gesprochen. Es liegt nicht alles nur am Geld. Man muss sehen, dass man das Problem in den Griff bekommt, dass sich insbesondere junge Ärztinnen nicht nur auf die Ballungszentren, vor allem Magdeburg und Halle, konzentrieren, sondern dass sie auch in den ländlichen Raum gehen.