Protokoll der Sitzung vom 11.05.2017

Das Besucherzentrum ist – ich sagte es bereits – rein optisch ein spektakuläres Gebäude, auf das sich die Menschen in Ba den-Württemberg freuen dürfen. Es wird in seiner Formge bung charakteristisch für den Schwarzwald und den National park werden, und es ist mehr als ein reines Funktionsgebäu de. Die Gebäudeteile des Nationalparkzentrums sind wie wild übereinanderliegende Bäume angeordnet. Lediglich ein Ge bäudeteil ragt wie ein stehengebliebener Baum senkrecht in

die Höhe, das ist der Skywalk. Diese Gebäudeteile werden al le mit Schindeln verkleidet, sodass der Eindruck der Baumart verstärkt wird.

(Abg. Anton Baron AfD: Wow!)

Die Schindeln passen bekanntermaßen zum Schwarzwald. Die Schindeln aus Fichtenholz

(Abg. Anton Baron AfD: Das ist ja Wahnsinn!)

werden, wiederum für die liegenden Gebäudeteile – nämlich den allergrößten Teil –, von ForstBW geliefert und bereitge stellt. Somit werden gut 90 % der Schindelverkleidung,

(Zuruf des Abg. Anton Baron AfD)

der Holzverkleidung von ForstBW aus der Region geliefert.

(Zuruf des Abg. Anton Baron AfD)

Das mit den handgefertigten Schindeln hat einen ziemlich tri vialen Grund: Sie halten länger, Herr Kollege. Damit hat man nämlich auch die Möglichkeit, den Faserverlauf aufzunehmen. Es gibt zum Glück Fachleute, die das – Gott sei Dank – noch können.

(Zuruf des Abg. Anton Baron AfD)

Das ist eine alte Technik. Längere Haltbarkeit ist auch ein Kri terium von Nachhaltigkeit. Das ist aber offensichtlich bis heu te bei der FDP/DVP noch nicht angekommen.

(Beifall bei Abgeordneten der Grünen sowie des Abg. Karl Rombach CDU)

Aus optischen Gründen – darauf hat auch das Architekturbü ro, das seinerzeit den Wettbewerb gewonnen hat, ausdrück lich Wert gelegt – sollen die Schindeln einzig am Turm des Skywalks, Herr Kollege Glück, senkrecht angebracht werden, nicht an den liegenden Teilen.

(Abg. Andreas Glück FDP/DVP: Ich habe das schon verstanden!)

Sprich: Sie werden um 90 Grad gedreht.

(Abg. Anton Baron AfD: Das ist ja Wahnsinn!)

Fakt ist, dass durch diese Form der Verkleidung – wenn man das einmal rein nüchtern betrachtet – grundsätzlich die Ge fahr des Eindringens von Feuchtigkeit in die Stirnseite der Schindeln und damit natürlich auch die Gefahr von Fäulnis bildung zunimmt. Das ist das Problem, das Sie haben, wenn Sie die Schindeln senkrecht anbringen.

Das heißt, es geht, wenn man es so macht, darum, ein mög lichst widerstandsfähiges Holz zu finden, mit dem so etwas machbar ist. Das wurde gemacht. Es wurde ein möglichst wi derstandsfähiges Holz gesucht. Bestens hierfür geeignet – aus schließlich für diesen einen Zweck – ist nun einmal die Alas ka-Zeder, ein Zypressengewächs, das aufgrund der dortigen Temperaturen langsam wächst.

(Abg. Andreas Glück FDP/DVP: Das habe ich gele sen! Ich weiß!)

Es zeichnet sich auch noch einmal dadurch aus, dass sich na türliche Fungizide bilden, dass sich dadurch auch eine lange Haltbarkeit ergibt und dass somit die Voraussetzungen gege ben sind, die man für diese Verkleidung benötigt. Was soll da ran verkehrt sein, dass wir dieses Holz jetzt hierfür nutzen? Wir hätten auch Fichtenholz aus dem Schwarzwald nehmen können. Soll ich Ihnen sagen, was dann passiert wäre?

(Abg. Anton Baron AfD: Was?)

In ein paar Jahren hätte man es erneuern müssen.

(Abg. Karl Zimmermann CDU: Was, glauben Sie, ha ben die Leute früher ins Fenster eingebaut? – Verein zelt Beifall bei der AfD – Gegenrufe der Abg. Rein hold Gall und Sascha Binder SPD – Zuruf von der SPD: Jimmy, du bist ja auch noch da! – Vereinzelt Heiterkeit)

Herr Kollege Zimmermann, Ihr Hemd besteht auch nicht aus heimischer Baumwolle. Es wurde, soweit ich weiß, auch nicht aus Baumwolle hergestellt, die im Umkreis von Kirch heim/Teck wächst.

(Abg. Anton Baron AfD: Das ist ja lächerlich! – Un ruhe – Glocke des Präsidenten)

Damit ist die Sache ausreichend geklärt. Über 90 % der Ver kleidung wird aus heimischen Hölzern bereitgestellt. Aus kon struktiven Gründen wird in dem erwähnten einen Fall auf die Alaska-Zeder zurückgegriffen. Übrigens: Auch was das Kon struktionsholz betrifft, werden weit über 90 % von ForstBW bereitgestellt.

(Abg. Anton Baron AfD: Das will doch keiner hier drin hören!)

Auch da lohnt es sich also nicht herumzumachen, sondern wir kommen hier durchaus den Anforderungen nach, die man zu Recht von einem nachhaltigen Bauwerk erwartet.

Übrigens, über was wir uns noch einmal unterhalten sollten, wo es sich lohnt – das kann man lernen, wenn man sich mit einem solchen Projekt beschäftigt –, sind die Regeln der Aus schreibung, die im öffentlichen Bereich bestehen, also das Vergaberecht. Was lässt das Vergaberecht – es muss europa weit ausgeschrieben werden – heutzutage zu, damit es diskri minierungsfrei usw. ist?

(Abg. Raimund Haser CDU: Das muss ein Bürger meister jeden Tag machen!)

Darüber könnte ich Ihnen lange Storys erzählen.

(Abg. Anton Baron AfD: Das glaube ich!)

Dann so weit zu kommen, dass es uns gelingt, bei 90 % der Verkleidung und über 90 % im Bereich des Konstruktionshol zes zu sagen: „Wir kriegen es hin, dass wir es aus der Region bekommen“, ist nicht so einfach. Wir sind stolz drauf, dass wir das hinbekommen haben – trotz der Vergaberichtlinien, die dies nicht unbedingt erleichtern;

(Abg. Anton Baron AfD: Wahnsinn!)

um das einmal zu sagen.

(Beifall bei Abgeordneten der Grünen und des Abg. Raimund Haser CDU)

Meine Damen und Herren, ich habe zu den Kostenfragen Stel lung genommen,

(Abg. Hans-Ulrich Sckerl GRÜNE: Es ist alles ge sagt, Herr Minister!)

ich habe zu der Frage der Holzausgestaltung Stellung genom men. Ich habe dargelegt, dass der weit überwiegende Teil des Holzes aus der Region kommt.

Das Land hat sich entschieden, einen Nationalpark zu schaf fen. Um diesen auch sichtbar zu machen, brauchen wir ein Nationalparkzentrum. Umsonst ist es nicht zu haben – so et was kostet Geld, genauso wie ein Affenhaus in der Wilhelma Geld kostet; dieses hat über 20 Millionen € gekostet. Das Ele fantenhaus steht noch bevor; das wird mehr kosten als 20 Mil lionen €, kann ich Ihnen sagen.

(Abg. Raimund Haser CDU: Ein Elefant kann weg laufen! – Heiterkeit des Abg. Sascha Binder SPD)

Daher sind diese gut 30 Millionen € bei jährlich über 100 000 Besucherinnen und Besuchern – sie lassen im Schwarzwald auch Geld liegen – für diese Tourismusattraktion gut angeleg tes Geld.

(Zuruf des Abg. Hans-Ulrich Sckerl GRÜNE)

Ich freue mich auf den Samstag, und ich freue mich vor allem dann auf die Einweihung.

Herzlichen Dank.

(Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)

Für die FDP/DVP-Frakti on erteile ich das Wort nochmals Herrn Kollegen Glück.

(Zurufe von der SPD: Good luck!)

Herr Präsident, werte Kol leginnen und Kollegen! Herr Minister, Sie haben mir gerade eben mit auf den Weg gegeben, dass man nicht alles ins Lä cherliche ziehen müsse. Von dieser Stelle aus sage ich Ihnen einmal etwas anderes: Wenn man gehört hat, welche harten und verfehlten Worte es heute schon in diesem Haus gab, dann sollten Sie eigentlich über eine Opposition froh sein, die Ih nen das eine oder andere vielleicht auch einmal humorvoll präsentiert.

(Minister Franz Untersteller: Humorvoll war das nicht!)