Zum anderen ist der Antrag eigentlich auch deshalb überholt, weil gerade in der vergangenen Woche im Ausschuss für Um welt, Klima und Energiewirtschaft das Konzept der Planung des Nationalparkzentrums vorgestellt worden ist. Jedenfalls war dort der Tenor so, dass man vom pädagogischen, vom di daktischen Konzept sowie von den Überlegungen, wie der Na tionalpark – Sinn und Zweck sowie Natur und Erlebnis – den Menschen nahegebracht werden soll, sehr angetan war.
In der Tat – das kann niemand ernsthaft bestreiten – hat der Nationalpark, der schon heute erfreulicherweise Hunderttau sende von Besuchern pro Jahr anlockt – und wir sind uns ganz sicher, er wird ein Besucher- und Publikumsmagnet für den Nordschwarzwald werden –, letztendlich auch einen Auftrag,
den man durchaus als Lehr- und Aufklärungsauftrag bezeich nen kann, den Menschen, den Bürgerinnen und Bürgern, den vielen Schulklassen, die dieses Zentrum besuchen werden, die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme zu verdeutlichen. Deshalb braucht man dort geeignete Räumlichkeiten – Veranstaltungs-, Ausstellungsräumlichkeiten – und eine entsprechende Didak tik- und Technikausstattung.
Ein Nationalparkbesucher, der das Besondere des Nord schwarzwalds, aber auch das Besondere eines Nationalparks begreifen soll, braucht auch eine wirklich anschauliche Aus stellung – die Ausstellung muss erklären und den Menschen verständlich machen, warum wir in Baden-Württemberg ei nen Nationalpark eingerichtet haben –, und er soll natürlich auch das Schutzgebiet und die Natur ringsumher erleben und begreifen können. Dazu dienen die modernen Ausstellungs konzeptionen. Ich bin zutiefst überzeugt: Dies wird etwas Vor zeigbares, etwas wirklich richtig Gutes werden. Dazu zählen auch der geplante Aussichtsturm und das, was insgesamt mit dem Aussichtsturm verbunden ist.
Zu einem Nationalpark gehört natürlich auch, dass die Aus stellung, die Konzeption und das, was im Informationszent rum erklärt werden kann, den Menschen verdeutlicht, warum sie sich im Nationalpark nun nicht mehr so bewegen können, wie sie es in diesem Gebiet früher vielleicht getan haben. Es werden nicht alle Wege zugänglich sein. Ich denke, ein gutes Konzept wird den Menschen den Sinn und Zweck dessen auch verdeutlichen. Trotzdem bleibt genügend Raum, um Natur und Landschaft, Flora und Fauna tatsächlich zu erleben.
Man muss aber schon sagen: Ja, auch dieser Teil der Ausstel lungskonzeption hat sich schon erheblich verteuert. Gleich wohl halten wir – das will ich für unsere Fraktion sagen – die se Maßnahme für sinnvoll und akzeptieren deshalb die Kos tensteigerung in diesem Bereich.
Aber um der Wahrheit die Ehre zu geben: Genau in diesem Bereich ist eine tatsächliche Kostensteigerung mit dem Fort gang der Planungen einhergegangen. Es ist schon wahr – das darf man kritisieren, und wir haben dies selbstverständlich auch kritisiert –: Dort, wo es sich um bauliche Maßnahmen, um Erschließungsmaßnahmen handelt, wurde – möglicher weise sind dort auch Fehler passiert – nicht von Anfang an und vollumfänglich Kostentransparenz geschaffen. Denn es ist schon schwer erklärbar, dass man nicht daran gedacht hat, dass Besucher natürlich auch Parkplätze benötigen und dass das ganze Gebiet erschlossen werden muss.
(Abg. Dr. Friedrich Bullinger FDP/DVP: Die müssen halt mit dem Fahrrad kommen! – Abg. Anton Baron AfD: So wie beim Berliner Flughafen!)
Das ist in unzureichendem Maß passiert; keine Frage. Aber will nun jemand ernsthaft bestreiten, dass der Bau von Park plätzen notwendig ist? Ja, diese muss man jetzt ganz einfach bauen. Das ist keine Kostensteigerung – jedenfalls nicht im klassischen Sinn –; das ist eine erforderliche Maßnahme, die zugegebenermaßen – jetzt verteidige ich gar nicht ein Ressort, das wir innehatten; es war ein anderes Ressort, das dies zu verantworten hatte – in der Planung nicht berücksichtigt ge wesen ist. Gleichwohl brauchen wir dieses Besucherzentrum, und wir brauchen daher auch die Parkplätze. Diese müssen wir nun einfach bauen.
Letzte Bemerkung: Wir jedenfalls werden die Entwicklung des Nationalparks insgesamt – der Hinweis sei mir schon ge stattet: einen Nationalpark haben wir im Gegensatz zu Ihnen schon in den Neunzigerjahren gefordert; vor einem Jahr wa ren Sie noch gegen dieses Projekt – weiterhin positiv, aber auch kritisch begleiten. Herr Minister, weitere Kostensteige rungen – das sei einfach gesagt – darf es nicht geben, und auch, was den Aufwuchs von Personal angeht, erwarten wir äußerste Zurückhaltung. Denn auch in diesem Bereich wurde schon kräftig nachgelegt.
Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kol legen Abgeordnete! Es ist schon erwähnt worden: Am Sams tag wird der Grundstein für das Besucher- und Informations zentrum in unserem Nationalpark im Schwarzwald gelegt. Vo raussichtlich Anfang 2020 wird dieses Zentrum dann für die Besucherinnen und Besucher geöffnet sein.
Die Idee des Nationalparks, Herr Kollege Haser, ist bereits unter meinem Vorvorvorgänger Erwin Vetter diskutiert wor den. Sie wurde auch unter einem anderen meiner Vorgänger diskutiert, nämlich unter Harald B. Schäfer – Klammer auf: SPD, Klammer zu.
Durchgesetzt wurde sie schließlich in der letzten Legislatur periode von der damaligen Landesregierung – mit all den Dis kussionen, die wir kennen; das muss man jetzt auch überhaupt nicht mehr aufrollen. Wir sind unter den Flächenländern das letzte Bundesland gewesen, das noch keinen Nationalpark hat te.
Ich denke, die Natur bei uns in Baden-Württemberg, insbe sondere im Schwarzwald, ist so reichhaltig, dass sich die her vorragende Chance bietet für die Einrichtung dieser besonde ren Schutzkategorie, die im Bundesnaturschutzgesetz ja ei gens vorhanden ist. Es sind Regionen, in denen die Natur sich selbst überlassen wird,
Die Entwicklung hat begonnen mit dem Nationalpark Baye rischer Wald 1970; es folgte dann der Nationalpark Berchtes gaden. Heute haben dies alle. Ich bin mir sehr sicher: Sobald das Besucher- und Informationszentrum einmal steht, wird dieser Nationalpark umso mehr auch ein touristischer Anzie hungspunkt sein.
Wir gehen davon aus, dass wir in Zukunft im Schnitt pro Jahr etwa 100 000 Besucherinnen und Besucher in diesem Zent rum haben werden. Wir orientieren uns dabei auch an den Zahlen, die wir aus Berchtesgaden, aus dem Bayerischen Wald und aus der Eifel kennen. Jeder dieser Nationalparks hat ein Besucher- und Informationszentrum – jeder dieser National parks!
Das Zentrum, das wir bauen und für das wir am Samstag den Grundstein legen, wird Anlaufstelle für alle Besucherinnen und Besucher sein. Die Ausstellungen werden sein Herzstück bilden, und es wird ein nachhaltiges Gebäude sein; ich werde darauf gleich noch eingehen. Die heutige Debatte nutze ich gern, um die Bedeutung des Projekts nochmals zu unterstrei chen.
Vielleicht kurz einige Bemerkungen zu den Kostenentwick lungen. Herr Kollege Glück, man muss doch nicht versuchen, alles ins Lächerliche zu ziehen, wie Sie es vorhin getan ha ben.
(Abg. Dr. Christina Baum AfD: Steuerverschwen dung ist doch nicht lächerlich! – Zurufe der Abg. An dreas Glück und Dr. Friedrich Bullinger FDP/DVP sowie Anton Baron AfD)
Ich rate Ihnen, einfach einmal Folgendes zu tun: Sie haben ei ne Stellungnahme zu Ihrem Antrag bekommen. Auf Seite 4 der Drucksache gibt es eine Kostenübersicht. Nun gehen wir dort einmal in die erste Zeile. Im Juni 2013 wurden für das Besucher- und Informationszentrum 23 Millionen € veran schlagt, im Jahr 2016 war es nicht mehr. Was hat sich aber, außer am Gebäude selbst, geändert? Geändert hat sich eine ganze Reihe von Dingen, die aber dann im Zuge des Planungs prozesses dazugekommen sind,
beispielsweise das, was Herr Abg. Gall eben nannte: die Dau erausstellung mit – wenn ich es richtig im Kopf habe – 4 Mil lionen €. Davon kommt wiederum 1 Million € von der Deut schen Bundesstiftung Umwelt. Ja, das ist dazugekommen. Das können Sie aber erst dann dazunehmen, wenn Sie weiter im Planungsprozess vorangehen.
Diskutieren kann man mit mir gern über die Frage, ob man nicht zu einem früheren Zeitpunkt einen Betrag für Infrastruk tur – sprich Strom, Wasser, Gas und anderes – hätte einsetzen können.
Man hat dies erst zu dem Zeitpunkt getan, als die Konkreti sierung der Planung vorangetrieben worden war. Das hat aber nichts mit einer Kostensteigerung des Baus zu tun, sondern es sind Dinge, die bei einem solchen Projekt notwendig sind, da zugekommen.
Sinn eines Nationalparks ist es, Natur Natur sein zu lassen. Das ist in unserer dicht besiedelten und durchorganisierten Welt, wie wir wissen, nicht mehr selbstverständlich.
Der Nationalpark ist Heimat für Tiere und Pflanzen, aber letzt endlich ist er auch in einem gewissen Umfang ein Stück weit Heimat für uns alle, wenn wir ihn besuchen, und es ist daher unverzichtbar, den Gästen im Nationalpark die Schönheit des Schwarzwalds und der unberührten Natur nahezubringen. Das ist auch die Aufgabe des Nationalparkzentrums, und auch das Informationszentrum selbst soll ein Erlebnis sein. Wer einmal die Simulationen gesehen hat, weiß, was ich damit meine.
Das, was dort gebaut wird, ist wirklich spektakulär, was die Architektur betrifft. Es ist ein spektakuläres Gebäude. Man che waren in den letzten Monaten dort und konnten sich vor Ort von dem Projekt überzeugen, das durch die Sieger im Ar chitektenwettbewerb projektiert wurde. Das Gebäude fällt von außen dadurch auf, dass es als Sturmwurffläche mit überein anderliegenden Baumstämmen designt wurde, und im Inne ren ist eine erlebnisorientierte Dauerausstellung geplant,
Wechselausstellungen, Kino, Gastronomie und der sogenann te Skywalk sind ebenfalls Teil des Zentrums. Wir wollen mit den Ausstellungen möglichst viele Sinne ansprechen und auch den Erwartungen gerecht werden, die Besucherinnen und Be sucher an eine moderne, professionelle und multimediale Aus stellung haben, die wir, wenn das Zentrum einmal geöffnet ist, in den kommenden Jahren haben werden.
Lassen Sie mich vor dem Hintergrund dessen, was Kollege Glück angesprochen hat und was teilweise auch in den letz ten Tagen und Wochen zum Thema Holz berichtet wurde, ei nige Fakten darstellen.
Auch dort, Herr Glück, rate ich dringend, sich in der Frage, wie man etwas lächerlich macht, von anderen abzugrenzen.
Das Besucherzentrum ist – ich sagte es bereits – rein optisch ein spektakuläres Gebäude, auf das sich die Menschen in Ba den-Württemberg freuen dürfen. Es wird in seiner Formge bung charakteristisch für den Schwarzwald und den National park werden, und es ist mehr als ein reines Funktionsgebäu de. Die Gebäudeteile des Nationalparkzentrums sind wie wild übereinanderliegende Bäume angeordnet. Lediglich ein Ge bäudeteil ragt wie ein stehengebliebener Baum senkrecht in