- doch, doch, doch -, die Schülerinnen und Schüler auf die gestiegenen Anforderungen in Studium und Beruf vorzubereiten. Das hat auch der Philologenverband auf seiner Jahresversammlung in Rosenheim in diesem Jahr bestätigt. Dort wurde gesagt, die Grundkonzeption der neuen Oberstufe sei tragfähig und zukunftsweisend.
Drei Monate nach Schuljahresbeginn liegen uns erste Erfahrungen mit der neuen Oberstufe vor. Diese müssen im Zuge des weiteren Umsetzungsprozesses berücksichtigt werden, das ist klar. Rückmeldungen von Eltern und Schülern bekommen wir wie Sie auch. Diese müssen wir ernst nehmen, denn sie zeigen, dass die neue Oberstufe mit einer stärkeren individuellen Belastung verbunden ist.
Ziel muss es sein, dass alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Startchancen haben wie die anderen Jahrgänge. Das ist selbstverständlich.
Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus hat hierzu, wie Kollege Eisenreich schon gesagt hat, eine Umfrage bei den Gymnasien durchgeführt und schon eine Reihe von Maßnahmen ergriffen. Man muss festhalten: Die angesprochene Belastung ist natürlich zeitlicher Art. Mit durchschnittlich 33 Wochenstunden in den Jahrgangsstufen elf und zwölf sieht die neue Oberstufe zwar eine Mindeststundenzahl vor, die unter jener der Mittelstufe und etwa im Bereich jener der beruflichen Oberschule liegt. Es hat sich aber gezeigt, dass fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler freiwillig über dieses Stundenmaß hinaus Fächer belegt haben.
Frau Kollegin Will, entschuldigen Sie die Unterbrechung. Gestatten Sie eine Zwischenfrage der Abgeordneten Gottstein?
Dann müssen Sie, Frau Gottstein, sich nachher zu einer Zwischenintervention melden. - Frau Will, bitte.
Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Lehrer eine sorgfältige Beratung für die Fächerwahl des Abiturjahrgangs 2012 vornehmen. Die erforderliche Mindeststundenzahl von 132 Halbjahreswochenstunden sollte nur von wenigen Schülern überschritten werden. Das ist aber Sache der Freiwilligkeit.
Auch die Hausaufgaben in der neuen Oberstufe sind mit Blick auf den Nachmittagsunterricht sensibel zu behandeln. Schulen, die Teile des Unterrichts im Klassenverband durchführen und die Stundenpläne möglichst nach dem Doppelstundenprinzip gestalten, tun sich dabei leichter. Wenn man darüber hinaus den Unterricht rhythmisieren würde mit Anspannungs- und Entspannungsphasen, wie es einige Schulen gemacht haben, dann wäre es noch leichter. Denn dort, wo die Jahrgangsstufe elf als übermäßig belastend empfunden wird, mag diese Verunsicherung unter den Schülern, Eltern und Lehrkräften hinsichtlich der Leistungsanforderungen in der neuen Oberstufe zurückzuführen sein.
Die Gymnasialschulordnung - GSO - erlaubt eine Dosierung der kleinen Leistungsnachweise. Auch in den Seminaren kann eine hohe Prüfungsdichte vermieden werden. Schulaufgaben müssen sich nicht auf den gesamten bis zum Prüfungstermin behandelten Lehrstoff beziehen. Das Staatsministerium stellt ausdrücklich fest, dass in den vierstündigen Grundlagenfächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprache nicht das Anforderungsniveau der fünfstündigen Leistungskurse zugrunde gelegt wird. Eine Reihe von Publikationen, zum Beispiel Musterabiture, gibt den Lehrkräften Orientierung bei der Umsetzung der Oberstufenlehrpläne, aber auch hinsichtlich der Aufgabenformate und der Anforderungen, die in der neuen Abiturprüfung gestellt werden.
Bis zum Ende dieses Schulhalbjahres werden im Rahmen eines Sonderkontaktbriefes des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung - ISB - weitere Materialien für die Schulen zur Verfügung gestellt und konkrete Hinweise für alle Fächer gegeben werden, zum Beispiel inwiefern Teile alter Abiturprüfungsaufgaben vom Grundkurs für die Vorbereitung der Abiturprüfungen am achtjährigen Gymnasium genutzt werden können. Von Mitte Januar bis Mitte April 2010 werden von der Gymnasialabteilung gemeinsam mit einem Vertreter des Wissenschaftsministeriums Dienstbesprechungen in allen Bezirken abgehalten, an denen auch für jede Schule je ein Vertreter der Eltern und je ein Schüler der beiden Abiturjahrgänge teilnehmen werden.
Wir müssen diese Reform sorgfältig begleiten - das ist keine Frage - und die Probleme der Schüler und der Eltern ernst nehmen. Aber jede Reform braucht auch ein wenig Zeit. Das war auch bei der Kollegstufenreform so.
Eines ist sicher: Das künftige Abitur wird zwar anders sein, aber nicht anspruchsvoller als bisher, meine Damen und Herren.
Danke schön, Frau Kollegin Will. Bitte bleiben Sie noch am Rednerpult. Es gibt zwei Zwischeninterventionen, erst vom Kollegen Daxenberger und anschließend von Frau Kollegin Gottstein.
(Vom Redner nicht au- torisiert) Frau Kollegin Will, ich bin doch etwas überrascht, dass Sie in Ihren Ausführungen erneut wie schon im Antrag davon gesprochen haben, dass die Reform der gymnasialen Oberstufe gut gelungen sei. Wenn Sie sagen, das werde Ihnen auch in Gesprächen bestätigt, führen Sie außer Selbstgesprächen offen
sichtlich mit niemand anderem Gespräche. Gehen Sie doch einmal in die Schule und reden Sie mit den Schülerinnen und Schülern der Q 11.
Ich konnte das in den letzten Wochen in mehreren Schulen tun. Auch ich habe einen Sohn, der eines der ersten Opfer dieses G-8-Jahrgangs ist. Außerdem habe ich einen Sohn, der heuer Abitur gemacht hat, sodass ich sehr gut vergleichen kann. Auch wenn ich nicht so viel zu Hause bin, bekomme ich sehr wohl den Unterschied zwischen der schulischen Belastung meines Großen und jetzt meines Mittleren mit. Er ist vier Tage pro Woche am Nachmittag in der Schule, und wenn er heimkommt, muss er erst mit dem Lernen anfangen, Facharbeiten machen usw.
Mein Sohn hat seinen Optimismus durchaus von mir geerbt. Wenn ich gesagt habe: Jetzt musst du lernen, damit du einen guten Abschluss beim Abitur schreibst, hat er bis vor Kurzem durchaus gesagt: Die können mich nicht durchfallen lassen. Sie wollen ja ein gutes Ergebnis beim ersten G-8-Abitur haben. Deswegen, hat er gemeint, wird das schon alles gut gehen. - Inzwischen bekommt er langsam die Panik, wenn er die ersten Prüfungen sieht und weiß, dass das alles schon zählt, und wenn er die ersten Ergebnisse sieht, die sie kollektiv haben.
Ich war, wie gesagt, vor Kurzem in der Schule. Fast alle Schülerinnen und Schüler haben Sorge, dass sie jetzt sozusagen Opfer dieses Jahrgangs sind, dass sie, wenn sie Abitur machen und dann in Konkurrenz stehen zu denen, die aus der 13. Klasse kommen, große Schwierigkeiten haben, einen Studienplatz oder eine Lehrstelle usw. zu bekommen.
als mit mir selber zu sprechen. Herr Daxenberger, diese Sorgen sind ernst zu nehmen. Das ist jetzt die Umstellung. Sie haben von Ihren Kindern gesprochen. Es ist gut, dass Sie mit Ihren eigenen Kindern ernsthaft über ihre Probleme reden.
Meine Kinder haben alle drei Abitur gemacht, und auch ich habe in dieser Zeit mit ihnen geredet, und das war manchmal nicht einfach.
aber ich habe ihnen auch gesagt, wenn sie das Abitur machen wollen, dann müssen sie dafür den nötigen Zeitaufwand auch erbringen, sonst müssen sie in eine andere Schulart wechseln oder eine Lehre machen. Sie haben dann nicht mehr so viel Freizeit und können nicht mehr so viel Sport machen.
Da muss man ein bisschen mehr lernen. Wenn man während der Schulzeit den nötigen Arbeitsaufwand betreibt, hat man die Ferien für sich.
Die Klagen über die Stofffülle sind zwar ernst zu nehmen, aber jemand, der heute das Abitur macht, hat grundsätzlich nicht sehr viel andere Voraussetzungen zu erfüllen als jemand, der früher das Abitur machen wollte.
Das ist so. Die Gespräche, die ich führe, sind unterschiedlicher Natur. Natürlich bekomme ich auch Briefe, in denen Eltern klagen, weil das G 8 noch nicht so ein geführt ist. Der richtige Rhythmus ist noch nicht da, es gibt zu viele Leerstunden am Nachmittag. Zwei bis vier Nachmittage an der Schule würden ausreichen, das müssen keine fünf sein. Das ist aber eine Sache der Schulorganisation, liebe Kolleginnen und Kollegen. Die Schule muss diese Umstellung vollziehen. Man kann nicht immer nur erwarten, dass die Politik zurückrudert.
Man kann von der Politik erwarten, dass sie Entwicklungen begleitet, und schaut, wo Defizite bestehen, aber nicht, dass sie bei jeder Umsetzung gleich wieder zurückrudert und auf diese Weise auf die ersten Fehlschläge reagiert. Das kann doch nicht sein. Man kann doch nicht alles, was man anfängt, gleich wieder zurücknehmen; das geht doch nicht, Herr Daxenberger.
Jetzt wird es doch noch unterhaltsam. Zu einer weiteren Zwischenintervention: Frau Kollegin Gottstein.
(Von der Rednerin nicht autori- siert) Zunächst möchte ich kurz feststellen, dass das Protokoll über die heutige Abschlusssitzung eine zweite Musteraufgabe für das Internet liefern könnte, nämlich eine Aufgabe über die problematische Verwendung des Possessivpronomens im Zusammenhang mit der Formulierung "ihre/Ihre Probleme".