dass Sport allen Fächern in der Schule dient und dass Kinder, die Sport haben und sich zwischen den einzelnen Stunden bewegen und die genügend Sportstunden haben, auch in den anderen Fächern ausgeglichener sind, besser lernen können und bessere Ergebnisse zeigen.
Es wäre die Aufgabe von uns allen, mit den Eltern zu sprechen und nicht die Fächer gegeneinander auszuspielen, sondern den Eltern klarzumachen, wie wichtig Sport in der Schule ist und wie wichtig es selbstverständlich auch ist, dass sie ihre Kinder zu Hause zu mehr sportlicher Aktivität und mehr Bewegung anregen. Das ist unsere Aufgabe, nicht das Gegeneinander-Ausspielen von Fächern in der Schule.
Ich darf zu den einzelnen Anträgen kommen, zunächst zum Antrag betreffend eine dritte Sportstunde in der ersten Jahrgangsstufe. Ich darf das etwas breiter anlegen. Wir wollen die dritte Sportstunde sowohl in der Grundschule als auch in allen weiterführenden Schulen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn man in den Unterlagen blättert, stellt man fest, wir waren schon einmal im Konsens miteinander weiter. 2007 sagte Herr Schneider - damals war er Kultusminister -, auf
eine Anfrage des damaligen Kollegen Leichtle von der SPD wörtlich: "Die Staatsregierung hat sich wiederholt zum erklärten Ziel einer Rückgewinnung der 3. Sportstunde bekannt." Und heute lehnen Sie einen Antrag der FREIEN WÄHLER ab, zur dritten Sportstunde zurückzukehren, weil es angeblich finanziell nicht darstellbar ist.
Wenn ich mir anschaue, wie sich die Sportindizes in den letzten Jahren entwickelt haben, kann es einem nur angst und bange werden. Von woher sind wir denn gekommen? 1990/91 gab es an den damaligen Hauptschulen 3,7 Sportstunden, an Gymnasien 3 Sportstunden, an Realschulen 2,8 Sportstunden. Dann kam nicht das unsägliche Kienbaum-Gutachten, sondern die unsägliche Umsetzung des KienbaumGutachtens durch Ministerpräsidenten Stoiber damals mit dem Kahlschlag von Sportstunden 1999/2000: Hauptschule 2,37, Gymnasium 2,5 und Realschule 2,14 Stunden.
Dann kamen seitdem mantramäßig die Erklärungen des Kultusministeriums: Ja, wir arbeiten daran, die dritte Sportstunde wieder zu erreichen. Wo sind wir heute gelandet? Haupt-, jetzt Mittelschule 2,7, Gymnasium 2,6 und Realschule 2,3 Stunden.
In den letzten vier Jahren haben wir einen Superfortschritt an den Haupt- und Mittelschulen gemacht von 0,03 Stunden mehr in der Woche – 0,03! Das ist doch ein Applaus für das Kultusministerium wert. An den Gymnasien ist es ja viel besser geworden. Da sind es immerhin 0,06 Stunden mehr, und an den Realschulen haben wir es glatt geschafft, 0,11 Schulstunden mehr Sport zu geben.
Wenn wir uns in dieser Geschwindigkeit weiter bewegen, werden wir die dritte Sportstunde, die Herr Spaenle zumindest noch wollte, irgendwann im Jahr 2060 bis 2070 erreichen. Das ist uns für die Bildungspolitik in Bayern zu wenig und viel zu langsam. Deswegen werden wir die Anträge der FREIEN WÄHLER vollen Herzens unterstützen, Kolleginnen und Kollegen.
Es geht aber nicht nur um die Zahl der Sportstunden, sondern es geht auch darum, dass wir in der Ausbildung der Sportlehrerinnen und Sportlehrer einiges verändern müssen. Wir müssen die Qualität der Ausbildung verändern, und wir müssen die Qualität der Sportstunden verbessern.
Wir müssen das Verständnis der Eltern in diesem Bereich wecken - das habe ich schon angesprochen -, und wir müssen insbesondere unsere Sportstätten er
tüchtigen sowohl unter energetischen Aspekten als auch von den Sportarten her, die dort betrieben werden können. Insbesondere aber müssen wir ein Sonderprogramm auflegen, um die Schwimmstätten in den Kommunen zu erhalten; denn sonst kann es keinen echten Schwimmunterricht mehr geben.
Ich komme nun zum Antrag zur Sicherstellung der Schwimmfähigkeit der Grundschüler. Die Schwimmfähigkeit der Grundschüler habe ich bereits in der letzten Legislaturperiode in mehreren Gesprächen mit dem Kultusministerium zu thematisieren versucht. Mehr als ein Versuch kommt bei solchen Gesprächen aber leider nicht heraus. Ich habe dabei auch die Studie der DLRG angesprochen, die der Kollege Felbinger eben zitiert hat. Darauf bekam ich nur eine zynische Antwort. Diese zynische Antwort lautete: Wir haben keine Zahlen und können sie nicht erheben wir wollen sie nicht erheben! -, weil wir keine Definition von Schwimmfähigkeit haben. Das ist toll. Weil es in Bayern keine Definition von Schwimmfähigkeit gibt, verschließen wir die Augen vor diesem Problem. Das geht nun wirklich nicht.
Wir müssen dafür Sorge tragen, dass jedes Kind nach der Grundschule schwimmfähig ist. Ich drücke das auf den Veranstaltungen immer etwas jovial aus: Wenn das Kind ins Wasser fällt, muss es sich mindestens zehn Minuten über Wasser halten können; denn bis dahin kommt in der Regel die Hilfe.
Dafür gibt es nun verschiedene Möglichkeiten. Natürlich dürfen wir die Eltern nicht aus der Verantwortung entlassen. Aber es gibt viele Eltern, die diese Verantwortung nicht übernehmen können oder wollen. Da kann die Gesellschaft doch nicht die Augen verschließen und sagen: Wir bieten keinen Schwimmunterricht an. Wir müssen Schwimmunterricht anbieten, und wir müssen die Kooperation mit DLRG und Wasserwacht im BRK deutlich erhöhen.
An der Schule muss administrativ etwas geschehen. Kollege Felbinger hat recht. Eigentlich kann man, wenn man die Vorgaben einhält, in einer Schwimmstunde nur 15 Kinder gleichzeitig ins Wasser lassen. Wer macht dann bei den restlichen Kindern die Aufsicht? Wer übernimmt bei gemischten Klassen, wenn
die Kinder gemeinsam zum Schwimmen gehen, die geschlechtlich getrennte Aufsicht? Im Grunde braucht man drei Personen, um eine Klasse zum Schwimmen zu bringen. Es gehören auch Assistenten dazu. Das kostet mehr Geld. Das ist richtig; aber es bringt auch einen Effekt. Wir bitten Sie deshalb herzlich, diesem Antrag zuzustimmen, damit man endlich vorankommt.
Noch abschließende Gedanken: Natürlich ist es auch notwendig, an den Grundschulen zu evaluieren, wie das Programm "Voll in Form" umgesetzt wird. Darüber hinaus ist auch die Zusammenarbeit mit den Sportvereinen notwendig. Auch da gilt es zu evaluieren, wenn die Vereine Sportstunden insbesondere an weiterführenden Schulen bzw. den Ganztagsschulen geben.
Es ist heute fast unmöglich, für den minimalen Betrag von 120 bis 140 Euro für eine Doppelstunde in einem Schuljahr Übungsleiter in den Vereinen zu finden, noch dazu zur Nachmittagszeit, wo viele Übungsleiterinnen und Übungsleiter beruflich gebunden sind.
Wir müssen überlegen, ob wir dieses Programm generell auf andere Beine stellen. Wir müssen uns fragen, ob wir mehr Personal in Zusammenarbeit mit den Vereinen brauchen, die auf der einen Seite in der Schule Übungsleiter sind und auf der anderen Seite am frühen Abend den Vereinen zur Verfügung stehen.
In diesem Sinne würde ich den Antrag etwas weiter dahin auffassen, dass wir uns um dieses Thema kümmern müssen. Herzlichen Dank an die FREIEN WÄHLER, dass sie das Thema erneut auf die Tagesordnung gebracht haben! Wir als SPD kümmern uns seit Jahren darum. Unglücklicherweise ist das Kultusministerium an dieser Stelle sehr hartleibig. Aber der Herr Staatssekretär wird uns heute vielleicht eine neue Linie aufzeigen. Ich würde das sehr begrüßen. Sie haben uns jederzeit dabei, Herr Staatssekretär, wenn Sie hier etwas ändern wollen. Wir wären die ersten, die bereit wären, Ihnen zu sagen: Super, das haben Sie gut gemacht. Und Sie wären der erste Staatssekretär, der das richtig umsetzt. Das wäre doch nicht schlecht, oder? – Kolleginnen und Kollegen, vielen Dank.
Danke schön, Herr Kollege. Als Nächste hat die Frau Kollegin Gisela Sengl von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN das Wort.
(Von der Rednerin nicht au- torisiert): Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Anträge der FREIEN WÄHLER
Unser Alltag ist bewegungsarm geworden, nicht nur unser Erwachsenenalltag, wie wir alle leidvoll des Öfteren erfahren – wir sitzen ja auch sehr viel -, sondern auch der Alltag der Kinder. Die Kinder bewegen sich heute wesentlich weniger als früher. Statt dass sie selber mit dem Radl in die Schule fahren bzw. zum Musikunterricht oder zu Freunden, werden sie mit dem Auto gefahren, weil der Verkehr so gefährlich ist. Nun ja, wenn man alles mit dem Auto fährt, entsteht mehr Verkehr. Oder weil das Wetter so schlecht bzw. der Weg so weit ist. Die Kinder verbringen viel mehr Zeit als früher sitzend. Sie sitzen vor dem Computer, sie sitzen vor dem Fernseher, und sie sitzen auf der Couch und schauen in ihr Handy. Auch in der Schule sitzen sie. Das ist die größte Umstellung der Kinder beim Eintritt in die Grundschule; denn die Kinder haben ein natürliches Bewegungsbedürfnis.
Ein solches Bewegungsbedürfnis wird man mit zwei Stunden Sport in der Woche sicherlich nicht zufriedenstellen.
Im Jahre 2005 gab es noch drei Sportstunden in der Grundschule, aber im gleichen Jahr hat die CSU diese drei Sportstunden auf zwei gekürzt. Was für eine Weichenstellung ist das eigentlich? Es ist wissenschaftlich schon längst erwiesen und pädagogisch erprobt, dass Sport und Bewegung in jungen Jahren nicht nur der Gesundheit förderlich sind, sondern auch die kognitiven Fähigkeiten stärken. Sie stellen damit einen wesentlichen Beitrag für Sozialisation und Integration der Kinder dar.
Dem Sportunterricht kommt außerdem eine bedeutsame Rolle als Prävention gegen die Kostenexplosion im Gesundheitswesen zu. Ich glaube, wir werden uns alle noch einmal umschauen, was wir da in 10 oder 20 Jahren zu zahlen haben. Trotz dieser Tatsachen kürzt die CSU den Sportunterricht und versucht mit dem Programm "Voll in Form" auszugleichen. Das ist aber kein Ausgleich. Zu einem solchen Programm kann sich eine Grundschule melden; das Programm ist aber nicht verpflichtend. Wenn man sich gemeldet hat, muss man das durchführen; das geschieht aber nicht grundsätzlich; also sind nur 80 % aller Grundschulen dabei. Die Umsetzung ist außerdem auch nicht immer gegeben. Wir hatten diverse Fachgesprä
che darüber. Es ist so: Eine verpflichtende Sportstunde wird wesentlich ernster genommen als ein Programm "Voll in Form", das 20 Minuten umfasst, die man täglich geben sollte, wenn kein Sportunterricht stattfindet.
Leider wird dieses Programm "Voll in Form" auch oft als disziplinierende Maßnahme hergenommen. Da wird schon einmal gesagt, wenn ihr nicht brav seid, fällt das Programm "Voll in Form" aus. Das ist total widersinnig, aber es wird oft gemacht. Im Übrigen muss der Lehrer oder die Lehrerin natürlich auch eine gewisse Affinität zum Sport haben.
Nun zum Antrag zur Sicherung der Schwimmfähigkeit der Grundschüler: Auch dieser Antrag ist absolut richtig. Kollege Felbinger hat die Zahlen genannt. Im Übrigen müssen wir uns der Tatsache stellen, dass es immer weniger Schwimmbäder gibt. Dafür gibt es umso mehr Spaßbäder. In einem Spaßbad lernt ein Kind zwar super, alle Riesenrutschen hinabzusausen, aber es lernt nicht schwimmen.
Das ist ganz, ganz schlimm. Sicher im Wasser sind Kinder nur, wenn sie schwimmen können. Ich denke mir, diese Investition ist sehr viel wert; denn jedes Kind, das ertrinkt, ist ein Kind zu viel. Das ist ganz, ganz schlimm.
Und nun ein Zitat. Es gibt von der CSU nun den neuen LehrplanPLUS für die Grundschule. Darin stehen über den Sport ganz tolle Sachen. Überschrift: "Selbstverständnis des Fachs Sport und sein Beitrag zur Bildung". Dazu gehören unter anderem Kooperationsfähigkeit, Fairness, Teamgeist, Rücksichtnahme, das Gewinnen- bzw. Verlierenkönnen, das Durchhaltevermögen sowie Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft. Da heißt es: "Der Sportunterricht trägt damit wesentlich zu einer ganzheitlichen Persönlichkeits- und Werteerziehung bei. Sport und Bewegungserziehung spielen in der Grundschule über den Sportunterricht hinaus eine wesentliche Rolle." Und dann wird unter dem Punkt "Beitrag des Faches Sport zu den übergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen" aufgezählt: Gesundheitsförderung, soziales Lernen, Werteerziehung, Bildung für nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung, Globales Lernen) , kulturelle Bildung und interkulturelle Bildung. Wie sollen wir das alles in zwei Stunden unterbringen? Das ist mir ein Rätsel.
Ich bitte die CSU heute, diesen Anträgen zuzustimmen. Gebt euch einen Ruck; denn nur so könnt ihr eure Glaubwürdigkeit behalten. Das sind viele schöne
Begriffe, die man jedoch mit Inhalt füllen muss, zum Beispiel durch eine Erhöhung auf drei Sportstunden in der ersten Klasse. Alles andere wäre inhaltsloses Gerede. - Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
Frau Kollegin, bleiben Sie bitte am Rednerpult. Frau Kollegin Brendel-Fischer hat sich zu einer Zwischenbemerkung gemeldet. Frau Kollegin, Sie haben das Wort.