das Interesse für das Thema Bewegung und Sport in der Grundschule zu gewinnen. Der Sport im Allgemeinen und der Schulsport im Besonderen führten im Landtag in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein Mauerblümchendasein, sodass ich dazu schon noch ein bisschen weiter ausholen muss. 1996 hat der damalige Finanzminister Erwin Huber aufgrund eines höchst unbrauchbaren Kienbaum-Gutachtens massive Kürzungen am Schulsport vorgenommen. 900 Sportlehrerstellen hat er damals eingespart. Dem fallen bis heute wöchentlich 40.000 Stunden Schulsport zum Opfer. Damals hat die Misere ihren Lauf genommen. Bayern ist damals im Ranking der deutschen Bundesländer abrupt von Platz 1 auf Platz 16 abgerutscht. Die allgemeinen gesellschaftlichen Veränderungen, mit denen unsere Kinder und Jugendlichen zu kämpfen haben, sind damit beschleunigt worden.
Das Forsa-Institut hat im Jahr 2011 im Auftrag der DAK eine bundesweite Umfrage unter hundert Kinderund Jugendärzten gemacht. 97 % der befragten Kinderärzte stellten fest, dass psychische Probleme und Verhaltensauffälligkeiten deutlich zugenommen haben. Grundschüler zwischen sechs und acht Jahren sind nach Ansicht der Mediziner am meisten betroffen. In dieser Altersgruppe treten viele Gesundheitsprobleme auf. 95 % der Grundschüler haben Übergewicht. Auch die Zahl motorischer Defizite und die Zahl von Sprach- und Hörproblemen haben zugenommen. Nach Einschätzung dieser Ärzte sind vor allem ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, sowie eine intensive Nutzung von Fernsehen und Computer die Ursachen.
Wir alle wissen, dass Bewegungsmangel eine Reihe von Krankheiten fördert. Ich habe schon einige aufgezählt. Koordinative Störungen, Haltungsschäden, Übergewicht, psychosomatische Erkrankungen nehmen zu. 61 % dieser Ärzte haben auch angegeben, dass zu wenig oder schlechter Sportunterricht an Schulen durchaus ein Faktor ist, der hierzu beiträgt.
An diesen Punkten, meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen, wollen wir FREIEN WÄHLER ansetzen. Deshalb haben wir diese Anträge gestellt, die den Fokus zunächst auf die Grundschule richten. Warum auf die Grundschule? – Irgendwo müssen wir anfangen, und je früher, desto besser.
Zum Sportunterricht gehört auch der Schwimmunterricht. Auch dort gibt es alarmierende Zahlen. Nach Erhebungen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft ist die Zahl der Todesfälle durch Ertrinken 2013 gegenüber dem Vorjahr um 6,4 % gestiegen. In Bayerns Gewässern sind davon allein 20 %, 90 Personen, verunglückt.
Wenn Bayern auf diesem unrühmlichen Spitzenplatz landet, dann bedarf es höchster Alarmbereitschaft. Das ist ein wichtiger Grund, vielleicht nachzuprüfen, wie es um die Fähigkeiten und Kenntnisse der bayerischen Schülerinnen und Schüler beim Schwimmen bestellt ist. Gemäß dieser Studie können 33 %, also etwa ein Drittel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, gar nicht oder nur schlecht schwimmen. Uns ist es wichtig, dass wir am Ende der Grundschulzeit sichere Schwimmer haben. Als sicherer Schwimmer gilt, wer wenigstens 15 Minuten ohne Halt und Hilfen im tiefen Wasser schwimmen kann. Das ist auch das Kriterium für das Jugendschwimmabzeichen in Bronze. Nach unserer Überzeugung ist dieses Abzeichen die Basis, dass Kinder kurze Strecken sicher schwimmen und sich im Wasser orientieren können und damit eine wichtige lebensrettende Kompetenz haben.
Es gibt hierzu ein von der Staatsregierung zusammen mit dem Gesundheits- und Pflegeministerium, der DLRG und der AOK Bayern erarbeitetes Programm für Grundschulen, das leider nur an zehn bayerischen Grundschulen angewandt wird. Wir halten das zwar für einen guten Ansatz, aber wir brauchen dringend die flächendeckende Umsetzung auf alle Grundschulen in Bayern. Die Krux dabei ist, dass in den Lehrplänen der Schwimmunterricht fest verankert ist und deshalb an allen bayerischen Grundschulen verbindlich umgesetzt werden sollte. Allerdings – das muss man auch ehrlich sagen, darüber ist in anderen Ausschüssen schon diskutiert worden – macht die Umsetzung vor Ort aufgrund der fehlenden Rahmenbedingungen, sprich Hallenbäder, Probleme.
Wir fordern deswegen in einem unserer Anträge, dass die Schwimmgruppen je betreuende Lehrkraft auf maximal 15 Kinder beschränkt sind. Wer das in der Praxis schon einmal gemacht hat – ich habe das 16 Jahre gemacht –, der weiß, dass richtiges und sicheres Schwimmen nur unter kundiger Anleitung und mit einer akzeptablen Gruppengröße erreicht werden kann. Wenn man ein Drittel Nichtschwimmer und zwei Drittel Schwimmer hat, ist es sehr schwierig, Lernfortschritte zu erzielen. Deswegen müssen den Schulen und den Schulämtern hier zusätzliche Mittel gewährt werden. Es gibt durchaus Möglichkeiten, hierzu Assistenzpersonal der DLRG oder der Wasserwacht zu rekrutieren. Sie wären durchaus bereit, aber man
Wir wollen auch – das habe ich angedeutet –, dass der Schulsport in der Grundschule einen höheren Stellenwert als bisher erhält. Dazu brauchen wir Fachlehrkräfte. Leider müssen wir aber konstatieren, dass im Bereich der Grundschule diese Fachkräfte in der großen Zahl der Fälle fehlen. Wir sind nämlich davon überzeugt, dass mehr Bewegung und mehr Sport eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen von Lehrund Lernprozessen sind. Es gibt in ausreichender Zahl Studien, die das auch belegen. Deswegen brauchen wir in den Schulen ausreichend Bewegungsund Sportmöglichkeiten. Im Zuge der Gesundheitsbildung spielt das eine wichtige Rolle.
In der vergangenen Legislaturperiode ist da leider wenig bis gar nichts passiert. Deswegen muss die Forderung lauten – deshalb auch unser weiterer Antrag –, die dritte Sportstunde in der 1. Jahrgangsstufe endlich verbindlich zu verankern; denn in allen weiteren Jahrgangsstufen der Grundstufe ist die dritte Sportstunde im Unterrichtsplan enthalten, nur in der 1. Klasse nicht. Das macht eigentlich keinen Sinn, zumal der Übergang vom Kindergarten, wo noch reichlich Bewegung möglich ist, zum sitzenden Unterricht in der Schule ganz gravierend ist. Deswegen brauchen wir gerade in der 1. Klasse vermehrte Bewegungs- und Sportmöglichkeiten.
Ein weiterer Antrag bezieht sich auf das Programm "Voll in Form", das sicherlich nachher vom CSU-Kollegen in den höchsten Tönen gelobt wird. Da kann ich nur sagen: Nice to have. Es ist schön, dass wir dieses Programm haben, aber es wird eben nicht in dem Maße von den Lehrkräften an den Grundschulen verpflichtend dargestellt. Deswegen wollen wir, dass das dauerhaft und systematisch verankert wird.
Wahrscheinlich wird nachher wieder das Argument kommen: Dazu haben wir kein Geld, es gibt wichtigere Baustellen im Bereich der Schule. Dazu muss ich sagen: Das ist ein falsches Denken. Vorsorge ist besser als Nachsorge. Wir hatten neulich einen parlamentarischen Abend zu diesem Thema.
Das Echo der Experten war ernüchternd. Einer wie Hans Katzenbogner, der seit 30, 40 Jahren in diesem Bereich lehrt und ein anerkannter Experte ist, sagte: Seit 40 Jahren hat sich im bayerischen Schulsport nichts geändert, obwohl wir seit 40 Jahren all diese Erkenntnisse auf dem Tisch liegen haben.
Also, meine Damen und Herren, versuchen Sie, in sich zu gehen. Deswegen auch der Appell an die CSU-Fraktion, unseren Anträgen zuzustimmen.
Danke schön, Herr Kollege. Als Nächster hat das Wort der Kollege Berthold Rüth von der CSU. Bitte schön, Herr Kollege.
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Fast auf den Tag genau vor einem Jahr durfte ich hier im Hohen Haus zur Olympiabewerbung Münchens 2022 sprechen. Ich habe damals gesagt, dass ich mir viele positive Impulse für den Breitensport von dieser Bewerbung erwarte. Bedauerlicherweise ist es nicht dazu gekommen. Das bedaure ich natürlich auch im Namen vieler Ehrenamtlicher und vieler Jugendlicher und Kinder, die sich von dieser Olympiabewerbung und von den Spielen viele Impulse erhofft haben.
Ich möchte gleich zu Beginn sagen, dass ich mich über jeden Antrag, der den Sport und die Bewegung fördern will, freue, vor allem, wenn es um Kinder in der Grundschule geht. Die Kinder in der Grundschule sind besonders offen, ihre Haltung und ihre Einstellung zu verändern. Daher ist das sehr, sehr wichtig.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, der Antrag, eine dritte Sportstunde für die erste Jahrgangsstufe einzuführen, ist grundsätzlich begrüßenswert, aber wir könnten auch gerne eine weitere Stunde in Deutsch oder in Mathematik haben. Bei der Schaffung neuer Unterrichtsstunden stellt sich immer die Frage, welche bisherigen Stunden dafür gestrichen werden sollen.
Die Eltern wollen doch nicht, dass die Kinder vor allem in der Grundschule mit Stoff überfrachtet werden. Wir hatten vor wenigen Wochen ein anderes Thema, bei dem die FREIEN WÄHLER auch so engagiert diskutiert und von der Überfrachtung von Lehrplänen gesprochen haben.
Also, jetzt müssen Sie überlegen, wie wir dieses Problem lösen. Sie haben diesen Vorschlag gemacht, aber Sie haben dazu keine Lösung geliefert. Das ist
Meine Damen und Herren, eine dritte Sportstunde wäre auch kostenintensiv. Das müssen wir auch feststellen. Das würde eine Zahl von zusätzlichen Lehrerstellen in dreistelliger Höhe nach sich ziehen. Wir haben gerade beim Thema Schule Schwerpunkte mit den Themen Ganztagsunterricht, Inklusion, Erhalt kleinerer Schulstandorte gesetzt. Von daher sind zwar Ressourcen vorhanden, aber natürlich schon verplant.
Meine Damen und Herren, ich denke, wir haben eine gute Regelung. An Schultagen, an denen kein Sportunterricht stattfindet, gibt es 20-minütige Bewegungsphasen. Vor allem ist bei Ganztagsunterricht der Sport ein elementarer Baustein. Deshalb werden wir diesen ersten Antrag ablehnen.
Thema Sicherung der Schwimmfähigkeit: Meine Damen und Herren, zum Sportunterricht gehört auch der Schwimmunterricht. Kollege Felbinger hat davon gesprochen, bei Nichtschwimmergruppen sei darauf zu achten, dass die Grenze bei 15 Schülern liegt. Ja, das ist korrekt. Diese Regelung gibt es jetzt schon. Nichtschwimmergruppen sollen nicht mehr als 15 Kinder umfassen. Wenn man bedenkt, dass wir an der Grundschule Klassengrößen von 21 Kindern haben – man kann davon ausgehen, dass davon schon viele schwimmen können -, wird also die Zahl von 15 in der Praxis längst eingehalten.
Wir haben qualifizierte Lehrkräfte, die Schwimmunterricht geben und sich ständig weiterbilden. Was das "Bronzene Schwimmabzeichen" betrifft, Kollege Felbinger: Es gibt auch Erhebungen, die bestätigen, dass viele Kinder diese Abzeichen machen. Aber nicht alle machen das über die Schule. Darum hat die Schule keinen genauen Überblick über die Zahl der Kinder, die diese Abzeichen gemacht haben.
Meine Damen und Herren, es ist nicht die alleinige Aufgabe des Staates, die Schwimmfähigkeit zu sichern. Die Familie gehört auch dazu. Sie muss auch einen Beitrag leisten.
Schwimmbädern. Deshalb wurde die Bestandsschutzregelung erweitert, um mehr Gelder bereitstellen und Generalsanierungen durchführen zu können.
Sehr gewagt, Herr Kollege Felbinger, halte ich die von Ihnen aufgestellte Behauptung, dass die Sicherstellung der Schwimmfähigkeit der Grundschüler die hohe Zahl an tödlichen Badeunfällen verringere. Sie haben Zahlen von 2013 genannt. Ich bin ein bisschen enttäuscht, ich dachte, Sie würden die von 2014 nennen. Ich habe die Zahlen von 2014. Da ist es so: Im Jahr 2014 sind in Bayern – das ist sehr bedauerlich – von Anfang des Jahres bis Mitte August 60 Menschen ertrunken. Das sind 60 Menschen zu viel. Das müssen wir klar und deutlich feststellen. Aber im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Wasserunfälle um 18,9 % zurück. Und 47 % der Opfer waren 51 Jahre und älter. Der DLRG schreibt: "Damit setzt sich der Trend fort, dass vor allem ältere Menschen gefährdet sind." Die Zahl der Opfer im Kindesalter von null bis 15 Jahren ist prozentual die geringste; sie ging um 50 % zurück. Das sind zwar immer noch zu viele, aber die Zahl ging zurück. Die DLRG schreibt: "Vorbeugende Maßnahmen zur Wassersicherheit … schlagen sich hier offenbar nieder." So die Bilanz der DLRG.
Die DLRG nennt auch Gründe, warum es zu den tödlichen Badeunfällen kommt. Sie schreibt: "Offensichtlich sind die Erwachsenen leichtsinniger als Kinder. Deshalb muss an die Erwachsenen appelliert werden, ihr Verhalten zu ändern." Ich denke, das ist ganz richtig und notwendig. Deshalb werden wir auch diesem Antrag nicht zustimmen.
Zustimmen werden wir dem Antrag betreffend "Voll in Form". Dieses Programm wurde 2008/2009 eingeführt. Es geht im Wesentlichen darum, dass an Tagen, an denen kein Sportunterricht stattfindet, 20minütige Bewegungsphasen stattfinden und dass regelmäßig eine gesunde Ernährung stattfindet.
Liebe Kolleginnen und Kollegen von den FREIEN WÄHLERN, das Programm "Voll in Form" ist verpflichtend, es ist nicht fakultativ. Darum werden wir dem Berichtsantrag zustimmen.
Danke schön, Herr Kollege. Als Nächster hat das Wort Herr Kollege Harald Güller von der SPD. Bitte schön, Herr Kollege.
Herr Präsident, Kolleginnen und Kollegen! Die Anträge greifen ein wichtiges Thema auf, nämlich das Thema Sportunterricht; Sportunter
Sportunterricht als fünftes Rad am Wagen. Sie haben das in den letzten Jahren bei jeder passenden Gelegenheit bewiesen.
Schauen wir uns die Personalausstattung an den Schulen, sowohl an Grundschulen als auch weiterführenden Schulen an. Schauen wir uns den Zustand der Sportstätten an. Schauen wir uns insbesondere an, wie die Förderung von Schwimmstätten vonstatten geht. Schauen wir uns an, welchen Stellenwert bei Ihnen die Zusammenarbeit mit den Sportvereinen in der Schule hat. Und schauen wir uns an – das war heute leider wieder, Herr Rüth, ein beredtes Beispiel –, welchen Wert Sie dem Sport in der Schule geben, und dann wieder diesen unsäglichen Vergleich bringen: Was wollen denn die Eltern mehr? Wir machen doch lieber eine Mathematikstunde mehr. Käse! Das sollte sich doch, insbesondere bei Mitgliedern des Landessportbeirates, langsam herumgesprochen haben,