Protokoll der Sitzung vom 15.07.2004

Sie sollten doch ein Mindestmaß an Redlichkeit haben.

(Zuruf des Abg. Horst Klee (CDU))

Es war doch die CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die keinen Cent aus der LKW-Maut in den Schienenausbau stecken wollte.Wenn Sie das jetzt hier bedauern, dann ist das der Gipfel der Heuchelei.

(Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD – Zuruf der Abg. Ruth Wagner (Darmstadt) (FDP))

Herr Kollege Lübcke, ich kann es Ihnen vorlesen, wenn Sie das bestreiten. Ich habe es hier. Schauen Sie sich die Plenardebatte des Deutschen Bundestags an, 14. Februar 2003 – Sie wollten keinen Cent aus der LKW-Maut in die Schiene stecken. Jetzt können Sie sich nicht beschweren, dass das nicht geklappt hat. Meine Damen und Herren, das geht nun wirklich nicht.

(Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei Abgeordneten der SPD – Zuruf des Abg. Dr. Walter Lübcke (CDU) – Frank Gotthardt (CDU): Lesen Sie doch einmal den Antrag vor!)

Jetzt wird gleich wieder der Herr Verkehrsminister ans Rednerpult treten und sich zum Lautsprecher von CDUParolen machen.

(Minister Dr.Alois Rhiel: Sie haben seherische Fä- higkeiten!)

Das ist zwar nicht seine Aufgabe als Minister, sondern Ihre Aufgabe, Herr Minister Rhiel – und dazu können Sie gleich etwas sagen – ist es, nach konstruktiven Lösungen für eine in der Tat schwierige Situation in den Verkehrsetats von Bund und Ländern zu suchen.

(Minister Dr. Alois Rhiel: Dann stimmen Sie dem Antrag zu?)

Herr Minister Rhiel, Sie sind es doch, der angesichts von schwierigen Haushaltssituationen ebenfalls im Verkehrsetat gekürzt hat. Sie wissen doch, worum es geht. Tun Sie doch hier nicht so, als sei das, was im Bund geschieht, so grundsätzlich anders als das, was im Land geschieht.

(Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD)

Ihre Aufgabe ist es, nach konstruktiven Lösungen zu suchen.

(Zuruf des Minister Dr.Alois Rhiel)

Sie können hier etwas dazu sagen. Sind Sie denn bereit, die Kilometerpauschale abzusenken

(Minister Dr. Alois Rhiel: Reden Sie doch zum Thema!)

und die gewonnen steuerlichen Mittel in die Verkehrsinfrastruktur zu stecken?

(Ruth Wagner (Darmstadt) (FDP): Was sagen Sie jetzt zum Thema?)

Dann gibt es eine Chance für die Neubaustrecke Frankfurt – Darmstadt – Mannheim.

(Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD – Frank Gotthardt (CDU): Verteidigen Sie, dass die Strecke nicht gebaut wird? Das darf doch nicht wahr sein!)

Herr Minister Rhiel, sind Sie bereit, die Sperre bei der LKW-Maut – es geht da um den Unterschied von 12,4 und 15 Cent – aufzuheben? Diese Sperre haben Sie durchgesetzt. Sind Sie bereit, diese Sperre aufzuheben?

(Minister Dr. Alois Rhiel: Was sagen Sie denn zum Thema?)

Dann haben wir zusätzliche Mittel für die Verkehrsinfrastruktur. Dazu müssen Sie hier etwas sagen, anstatt sich wieder zum Lautsprecher von CDU-Parolen zu machen.

(Anhaltender lebhafter Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD – Frank Gotthardt (CDU): Sind Sie dafür, dass die Strecke gestrichen wird?)

Das Wort hat der Abg. Riege für die Fraktion der SPD.

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Herr Gotthardt, zunächst einmal will ich in aller Sachlichkeit feststellen: Sie haben Recht, Sie beteiligen sich auch an der Skandalisierung am frühen Donnerstagabend. Daher verdanken wir diese Debatte jetzt auch Ihnen.

(Beifall bei der SPD und bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Das einmal vorweggestellt. Ich denke, es ist ganz deutlich geworden: Der für diese Meldung Verantwortliche sitzt hier vor uns.

(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Wer sich dafür feiern lässt,dass er einen Koch-SteinbrückEinsparvorschlag gemacht hat, der muss dann allerdings auch mit den Konsequenzen leben, die sich daraus ergeben.

(Ruth Wagner (Darmstadt) (FDP): Das darf doch nicht wahr sein!)

Ich kenne Herrn Koch lange genug, um zu wissen, dass er zu dieser Verantwortung auch steht.

(Ministerpräsident Roland Koch:Aber nicht in die- sem Falle: 3 % im Jahr!)

Betrachten wir es nüchtern: Sie haben die Kürzungen veranlasst, die im Haushalt des Bundesministers für Verkehr erhebliche Lücken gerissen haben. Diese Lücken haben dazu geführt, dass die verbliebenen Mittel so effektiv wie möglich eingesetzt werden müssen.

(Beifall bei der SPD und bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf der Abg. Ruth Wagner (Darmstadt) (FDP))

Ergebnis ist,dass eine Schienenplanung,die sich noch mitten in der Raumordnung befindet, nicht in die mittelfristige Finanzierung aufgenommen werden kann.

(Zurufe des Ministers Dr.Alois Rhiel und des Abg. Frank Gotthardt (CDU))

Herr Minister, das gilt auch für Ihre Tätigkeit. Es wäre doch widersinnig, bei derart knappen Mitteln diese Planungskosten einzustellen.

(Frank Gotthardt (CDU): Alles wird von der Bundesregierung herausgenommen!)

Das ist mit der Bahn auch vereinbart worden. Wer aber darüber hinaus die Finanzierungszusage für einen Streckenabschnitt gäbe, von dem Eingeweihte vermuten, er wird niemals planfestgestellt und Baurecht bekommen, wenn er so geführt wird, wie alle Leute das wollen,

(Frank Gotthardt (CDU): Also ist es in Ordnung, dass die Bundesregierung das streicht?)

der müsste doch borniert sein.

Der Minister, der hier sitzt, ist genauso verantwortlich wie der Ministerpräsident Koch für die Kürzungen im investiven Bereich des hessischen Verkehrsinfrastruktursystems.

(Ruth Wagner (Darmstadt) (FDP): Das ist skandalös! – Horst Klee (CDU): Das glaubst du doch selbst nicht, was du da erzählst!)

Dazu hat er sich ja auch bekannt. Jeder Minister kann nur das Geld ausgeben, das in seinem Etat zur Verfügung steht.

(Beifall bei der SPD und bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Herr Dr. Lübcke, ich will nicht auf Details eingehen.

(Zuruf der Abg. Ruth Wagner (Darmstadt) (FDP))

Dazu sind die Fehler in der Sache in Ihrem Antrag viel zu erheblich. Das wird Sie nicht davon abhalten, ihn mit Mehrheit zu beschließen.Aber: Die Bundesregierung hat keine Vereinbarung mit der Bahn, sondern der Bundesverkehrsminister. Das ist im ersten Absatz falsch.

(Frank Gotthardt (CDU): Ist der Verkehrsminister nicht mehr die Bundesregierung? – Weitere Zurufe von der CDU)

Das ist der Bundesverkehrsminister in eigener Zuständigkeit.