Ich will Ihnen das jetzt an den einzelnen Punkten aufzeigen.Es gibt eine Studie darüber,wie es in Zukunft bei den Bachelor- und Masterstudiengängen auszusehen hat.Was die Abschlüsse angeht, so wird vor allem an den Universitäten an einen Bachelorstudiengang sofort ein Masterstudium angeschlossen. Das zeigt die Studie. Das ist an den Fachhochschulen anders.Dort wird es nicht eine solch hohe Zahl von Studenten geben, die nach dem Bachelorabschluss ein Masterstudium aufnehmen.Allerdings muss man auch feststellen, dass die Studienanfänger ein Fachhochschulstudium eher befürworten würden, wenn es diese Möglichkeit gäbe. Wir werden also auch dort steigende Zahlen haben.
Herr Kollege Reißer, entschuldigen Sie bitte. – Es ist nach wie vor sehr laut hier. Ich bitte Sie noch einmal eindringlich darum, die Gespräche einzustellen oder draußen zu führen, damit der Redner hier so zu Wort kommt, wie er es verdient. Danke schön.
Ich bekomme das hin; denn ich habe das Mikrofon, und das geht eigentlich ganz gut. – Im Prinzip haben jetzt alle Bundesländer G 8 eingeführt. Dazu muss man anmerken, dass zwei Länder, Sachsen und Thüringen, eigentlich immer G 8 hatten; denn sie haben diese Variante nach der Wiedervereinigung einfach beibehalten.
Was die bundesweite Entwicklung betrifft: Herr Kollege, ich glaube, Sie haben einen Fehler beim Lesen gemacht. Sie bringen die Zahlen immer wieder durcheinander. Sie bringen immer durcheinander, was die Bundeszahlen sind und was die Zahlen für Hessen bedeuten.
In der Antwort der Landesregierung wird festgestellt, dass die Zahl der Studienplätze von 435.000 im Jahr 2007 auf 492.000 im Jahr 2013 steigen wird und dass sie ab dem Jahr 2020 auf 407.000 reduziert werden wird. Wenn man das in Prozentzahlen umrechnet, kann man sagen: Der Anteil wird von 45 % im Jahr 2007 auf 59 % im Jahr 2013 steigen und im Jahr 2020 auf 51 % reduziert sein. Das gibt diese Studie ganz klar her.
Jetzt müssen Sie eine Unterscheidung treffen und sich fragen, was in Hessen los ist. Um das festzustellen, müssen wir sehen, dass wir uns in Hessen dafür entschieden haben, es gibt keinen doppelten Abiturjahrgang. Vielmehr haben wir das auf drei Jahrgänge verteilt. Damit verteilen sich die zusätzlichen Abiturienten auf die Jahre 2012 bis
Das bedeutet, wir werden in Hessen 23.000 zusätzliche Studienanfänger haben. Nur damit Sie das in Erinnerung haben: Sie verteilen sich auf das Jahr 2011 mit 2.800, auf das Jahr 2012 mit 3.600, auf das Jahr 2013 mit 6.000, auf das Jahr 2014 mit 6.200 und auf das Jahr 2015 mit 3.900 zusätzlichen Studienanfängern. 2020 werden wir wieder den Stand von 2005 erreicht haben. Das hat etwas mit der demografischen Entwicklung zu tun.
Diese Verteilung ist vorzunehmen. Diese Zuwächse sind im hessischen Hochschulpakt und in den Zielvereinbarungen zu regeln, die die Landesregierung mit den jeweiligen Hochschulen zu treffen hat. Das ist auch leistbar. Sie müssen sich nur einmal die Mühe machen – das habe ich ebenfalls getan –, sich die Zahlen für das Wintersemester 2009/2010 anzuschauen. Nur zum Vergleich: Die Uni Gießen hatte 1.200 zusätzliche Studenten, die Uni Frankfurt 4.300, die TU Darmstadt 1.800. Insgesamt waren es über 7.300 Studenten.
Herr Spies, wo war denn da Ihr Aufschrei? Das haben die Universitäten leisten können, weil sie mithilfe der Landesregierung leistungsfähig geworden sind. Aber Sie stellen sich jetzt hierhin und malen ein schwarzes Bild von der Welt. Das kann nicht wahr sein.
Das Ziel der Landesregierung muss es sein, einen angemessenen Anteil für die Fachhochschulen sicherzustellen, den Bedarf an Fachkräften zu befriedigen und die Innovationsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft zu verbessern. Es muss sichergestellt werden, dass wir dort keinen Einbruch haben. Deswegen steht in der Studie auch, dass wir insbesondere auf die MINT-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – Wert legen müssen. Das sind nämlich Zukunftsfächer, die für die ganze Bundesrepublik, also auch für unser Hessenland, besonders wichtig sind.
Ein weiterer wichtiger Punkt – Sie haben das angesprochen, und ich habe Ihnen Vorwürfe in dem Zusammenhang gemacht – ist die Raumausstattung. 2007 wurde das HEUREKA-Programm aufgelegt, das wir hier schon öfter thematisiert haben. Es ist beispielhaft, was wir dort haben. 3 Milliarden c werden dort in die bauliche Infrastruktur investiert. Das wird zusammen mit den Hochschulen gemacht. Jährlich sind das etwa 250 Millionen c. Hinzu kommt das Investitionsprogramm.
Herr Dr. Spies, ich weiß gar nicht, wie Sie diesen Bericht gelesen haben. Das ist mir unverständlich. Durch das Konjunkturprogramm kommen für Schulen und Hochschulen noch einmal 540 Millionen c hinzu. Das heißt, dass in den nächsten Jahren im Prinzip die ganze Hochschullandschaft umgestaltet wird. Gebäude können neu gebaut werden, oder man kann bestehende Gebäude sanieren. Das ist eine hervorragende Leistung. Über diese Leistung kann man in dem Bericht nachlesen.Wir können immer wieder unterstreichen, dass wir in diesem Bereich auf einem hervorragenden Weg sind.
Herr Kollege, damit das ein bisschen rund wird, möchte ich auch auf das Studentenwerksgesetz hinweisen. Wir mussten auch etwas beim Wohnungsbau für Studenten machen. Deswegen haben wir den Studentenwerken die Möglichkeit gegeben, studentischen Wohnraum bereitzustellen. Auch haben wir dafür gesorgt, dass sie Kommu
Ein praktisches Beispiel: In Darmstadt interessiert man sich für leer stehende Wohnungen, die sich im Besitz der Stadt befinden, um auf diese Weise den studentischen Bedarf an Wohnraum zu befriedigen. Ich denke, das ist eine gute Sache. Deswegen muss man das unterstützen.
Dazu sind die Studentenwerke jetzt in der Lage. Durch pragmatisches Handeln hat man es erreicht, dass hier neue Möglichkeiten gegeben sind.Das werden wir weiterhin unterstützen.Wir haben eine gute Basis geschaffen.
Das erkennt man an diesem Bericht. Sie sollten ihn in einer ruhigen Stunde vielleicht noch einmal lesen. Herr Spies, trinken Sie ein Glas Rotwein dazu, dann haben Sie vielleicht neue Erkenntnisse.
Wir glauben, dass Hessen auf einem guten Weg ist. Wir werden dort sehr zielgerichtet weiterarbeiten. Das machen wir mit Freude und Spaß an der Arbeit. Herr Spies, lesen Sie die Antworten auf die Anfrage noch einmal in Ruhe durch. Ich glaube, Sie werden dann neue Erkenntnisse gewinnen. – Herzlichen Dank.
Frau Präsidentin,meine Damen und Herren! Das zentrale Ziel unserer Bildungspolitik ist, den Menschen in unserem Land Lebenschancen zu eröffnen. In einer Welt, die immer mehr zusammenwächst und in der die Entwicklungen immer weniger an nationalen Grenzen haltmachen, sehen sich hessische Absolventen immer häufiger im Wettbewerb mit Bewerbern aus anderen Ländern, allen voran aus den EU-Ländern. Das ist vom Grundsatz her positiv – das will ich hier betonen –; denn es ist ein Ausdruck des friedlichen Zusammenwachsens unserer Welt, und es schafft für hessische Bewerber Chancen außerhalb Hessens und sogar außerhalb Deutschlands.
Wir müssen daher dafür sorgen, dass unsere Absolventen das nötige Rüstzeug bekommen, um ihre Chancen nutzen zu können.Wir müssen dafür sorgen, dass unser Bildungssystem ihnen einen Vorteil, keinesfalls aber Nachteile in diesem Wettbewerb verschafft.
Ein Punkt unter vielen ist zweifelsohne das durchschnittliche Alter der Absolventen. Hieraus haben wir gelernt und an vielen Stellen – im Übrigen auch, wie ich hier lobend hervorheben will, im parteiübergreifenden Konsens – die richtigen Schlussfolgerungen gezogen.
Die Schulzeitverkürzung ist neben der Verkürzung des Wehrdienstes und der Möglichkeit, mit dem Bachelor schneller einen Studienabschluss zu erlangen, eine Maßnahme, um dies zu erreichen. Das Angebot, bereits nach zwölf Jahren das Abitur zu machen, ist deshalb richtig und konsequent. Inzwischen haben alle Bundesländer G 8 zumindest als Angebot eingeführt.
Die Verkürzung der Schulzeit bringt – darum ging es heute bei der Debatte über die Große Anfrage – in der Übergangsphase zwangsläufig die Herausforderung mit
Herr Reißer hat das bereits ausgeführt: In Hessen betrifft die Verkürzung der Schulzeit nur einen Teil der Jahrgangsbreite. Zudem ist sie auf drei Jahre gestreckt. Das ist im Übrigen eine Entscheidung mit Weitsicht gewesen, die in Hessen den Studentenberg ganz deutlich entzerrt. Das will ich hier herausstellen.
Klar ist auch Folgendes: Es handelt sich bei der heute diskutierten Problematik um keine speziell hessische, sondern um eine bundesweite.
Nur etwas mehr als die Hälfte der in Hessen Studierenden stammt übrigens aus Hessen. Mit unseren entzerrten und gestaffelten Jahrgängen und mit den Übergängen ist Hessen sogar weniger als andere Bundesländer betroffen.
Da es sich um eine bundesweite Herausforderung handelt, wurde der Hochschulpakt 2020 geschlossen, der den Hochschulen zusätzliche Mittel zur Bewältigung des Studentenberges zur Verfügung stellt. Der Hochschulpakt 2020 – das sage ich übrigens, obwohl er von einer schwarzroten Bundesregierung verhandelt wurde – ist vom Grundsatz her ein durchaus sachgerechter Umgang mit der Problematik. Herr Dr. Spies, im Übrigen hätte ich es gut gefunden, wenn auch Sie die Größe gehabt hätten, hier festzustellen, dass die Landesregierung ebenfalls sehr sachgerecht mit der Thematik umgeht.
(Beifall bei der FDP und bei Abgeordneten der CDU – Dr.Thomas Spies (SPD): Herr Büger, wenn sie es denn täte!)
Erstens. Die Clusterpreise, die im Rahmen des Hochschulpakts 2020 gezahlt werden, liegen unter den allgemein sonst üblichen Clusterpreisen. Ja, das ist zutreffend. Das ist aber auch verständlich. Denn es kann nur darum gehen, den zeitweilig anfallenden zusätzlichen Aufwand in der Lehre abzugelten. In den Wirtschaftswissenschaften spricht man dabei von Grenzkosten. Der allgemeine Clusterpreis beinhaltet dagegen sehr viel mehr, nämlich auch die Fixkosten, die unabhängig von der Anzahl der Studierenden anfallen.
Zweitens. Bei den zulassungsbeschränkten Studiengängen mag im Einzelfall eine Nachsteuerung über die Kapazitätsverordnung erforderlich sein. Ja, das ist richtig. Hier zeigen sich leider auch die Schwächen des ZVS-Systems erneut insgesamt.
Drittens. Es wird befürchtet, dass auf die in der Lehre Tätigen, insbesondere auf den wissenschaftlichen Mittelbau, in der Übergangsphase Mehrbelastungen zukommen werden.Auch dies mag im Einzelfall zutreffen. Durch die zusätzlichen Mittel für die Lehre aus dem Hochschulpakt 2020 wird sich die Belastung insgesamt aber in Grenzen halten.Zudem haben wir im Hessischen Hochschulgesetz, das wir erst im Dezember 2009 novelliert haben, auf Bitten der wissenschaftlichen Mitarbeiter erneut eine Quote von einem Drittel der Arbeitszeit für die eigene Forschung und Weiterbildung explizit festgeschrieben. Eine Absenkung unter diese Quote schließt das Gesetz also aus.
Insgesamt bleibt daher festzuhalten, dass Hessen sehr gut auf die doppelten Abiturjahrgänge vorbereitet ist. Das
zeigt auch die Antwort des Ministeriums auf die Große Anfrage, für die ich mich hier bedanken möchte.
Durch das Programm HEUREKA stehen deutlich mehr und qualitativ bessere Räumlichkeiten zur Verfügung. Ich will das mit ein paar Zahlen untermauern. Es hat ein Gesamtvolumen von 3 Milliarden c. Das stärkt den Hochschulstandort insgesamt.Und das hilft uns auch beim Umgang mit den doppelten Abiturjahrgängen.
Durch das Sonderinvestitionsprogramm „Schulen und Hochschulen“ der Landesregierung und das Konjunkturpaket II des Bundes werden die Hochschulen in Hessen über den jährlichen Ansatz von 250 Millionen c hinaus im Zeitraum der Jahre 2009 bis 2012 noch einmal mit zusätzlich 540 Millionen c für Baumaßnahmen gestärkt.
Sämtliche Projekte, die ich erwähnt habe, müssen kurzfristig umgesetzt werden. Sie müssen spätestens im Jahr 2010 begonnen und im Jahr 2011 finanziell abgeschlossen sein. Das Programm HEUREKA kann also schneller, als bisher geplant, realisiert werden.
Diese gute Ausstattung stärkt den Bildungs- und Wissenschaftsstandort Hessen insgesamt. Das hilft auch beim Umgang mit dem Studentenwerk.
Jede Umstellung ist eine Herausforderung.Auch ein deutlicher Rückgang der Zahl der Studenten wäre im Übrigen eine Herausforderung, die in den Zeiten des demografischen Wandels viel stärker in den Mittelpunkt gestellt werden sollte. Kleine Fachbereiche, denen die kritische Masse an Studenten fehlt, große Räume, die nicht mehr benötigt werden, aber Kosten verursachen, und rückläufige Einnahmen aus den Clusterpreisen, aber die gleichen Fixkosten, werden die sich langfristig ergebenden Probleme sein. Das wird für die Zukunft unserer Hochschulen wichtiger als diese einmalige Übergangsphase sein.
Denn klar ist auch: Nach den aktuellen Schätzungen der Kultusministerkonferenz wird die Zahl der Studienanfänger im Jahr 2013 ihren Höhepunkt erreichen. Es ist nicht mehr lange bis dahin. Sie wird dann im Übrigen ca. 10 % über dem Stand des Jahres 2008 liegen. Danach wird die Zahl der Studienanfänger, vornehmlich demografisch bedingt, allmählich abnehmen.